Aron Borissowitsch Dolgopolski

Aron Borissowitsch Dolgopolski

Aharon Dolgopolsky (russisch Арон Борисович Долгопольский; * 1930 in Moskau) ist ein in Russland geborener, heute in Israel lebender Linguist, der entscheidenden Anteil an der Entwicklung der nostratischen Makrofamilie hat.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Wirkung

Dolgopolsky war zunächst Mitglied des Instituts für Linguistik der Sowjetischen Akademie der Wissenschaften in Moskau, sein Forschungsgebiet die Vergleichende Sprachwissenschaft.

In den frühen 1960er Jahren begann er – gleichzeitig mit aber unabhängig von Wladislaw Illitsch-Switytsch – das Studium lexikalischer und grammatischer Gemeinsamkeiten verschiedener Sprachfamilien Eurasiens und Afrikas. Dabei wurden das Indogermanische, Afroasiatische, Kartwelische, Uralische und Altaische zum Vergleich herangezogen. Dolgopolsky und Illich-Svitych kamen zum Ergebnis, dass diese Sprachfamilien genetisch miteinander verwandt seien und auf einen gemeinsamen Vorgänger zurückgehen müssen, den sie in Anlehnung an eine Begriffsprägung Holger Pedersens aus dem frühen 20. Jahrhundert „Nostratisch“ nannten. Dolgopolsky und Illitsch-Switytsch führten als Erste einen breit angelegten Vergleich der Protosprachen der Tochterfamilien des Nostratischen durch, etablierten zahlreiche Wortgleichungen und stellten Lautgesetze für diese Makrofamilie auf.

Acht Jahre lehrte Dolgopolsky nostratische Linguistik an der Moskauer Universität und bildete dort eine Reihe heute weltweit bekannter russischer Linguisten aus, darunter Sergej Starostin, den Begründer des Dene-Kaukasischen, einer anderen eurasischen Makrofamilie. Im Gegensatz zu Starostin lehnt er jedoch die Glottochronologie entschieden ab.[1] 1976 verließ Dolgopolsky Russland, wurde israelischer Staatsbürger und Professor für Linguistik an der Universität Haifa.

Seine nostratische Hypothese fand insgesamt nur die Zustimmung einer Minderheit der einschlägigen Forscher. Ähnlich erging es Joseph Greenberg mit seinem konkurrierenden Modell, der eurasitischen Makrofamilie, die allerdings nicht die riesige Gruppe der afroasiatischen Sprachen mit einbeschließt. Dolgopolsky hat sich inzwischen dem Greenbergschen Ansatz inhaltlich (aber nicht methodisch) angenähert, indem er das Afroasiatische eher als einen Parallelzweig zum (restlichen) Nostratischen sieht, und nicht mehr als eine Untergruppe des Nostratischen.

Werke

Eine übersichtliche Zusammenfassung zum Nostratischen stellt sein Werk The Nostratic Macrofamily and Linguistic Palaeontolgy von 1998 dar, in dem er nicht nur 124 ausführliche beschriebene nostratische Wortgleichungen zusammenstellt, sondern auch aus den sprachlichen Gemeinsamkeiten auf die Kultur ihrer Träger schließt. Folgende Titel Dolgopolskys sind in englischer Sprache erschienen:

  • 1964 A Long-Range Comparison of Some Languages of Northern Eurasia. Nauka, Moskau.
  • 1984 On Personal Pronouns in the Nostratic Languages. Braunmüller, Wien.
  • 1986 A Probabilistic Hypothesis Concerning the Oldest Relationships among the Language Families in Northern Eurasia. Karoma, Ann Arbor (Mich).
  • 1987 Cultural Contact of Proto-Indo-European and Proto-Indo-Iranian with Neighbouring Languages. Folia Linguista Historica.
  • 1988 The Indo-European Homeland and Lexical Contacts of Proto-Indo-European with Other Languages. Mediterranean Language Review.
  • 1989 Problems of Nostratic Comparative Phonology. Brockmeyer, Bochum.
  • 1992 The Nostratic Vowels in Indo-European. Brockmeyer, Bochum. (Russisch bereits 1976.)
  • 1998 The Nostratic Macrofamily and Linguistic Palaeontolgy. McDonald Institute for Archaeological Research, Oxford - Oakville 1998.

Literatur

  • Merritt Ruhlen: On the Origin of Languages. Studies in Linguistic Taxonomy. Stanford University Press 1994.
  • Merritt Ruhlen: The Origin of Language. Tracing the Evolution of the Mother Tongue. John Wiley, New York 1996.
    (Populärfassung des vorigen Titels.)
  • Merrit Ruhlen: A Guide to the World's Languages. Arnold, New York - Melbourne - Auckland 1991.
  • Sydney M. Lamb and E. Douglas Mitchell (Hrsg.): Sprung from Some Common Source. Investigations into the Prehistory of Languages. Stanford University Press, Stanford (Calif.) 1991.
  • Vitaly Shevoroshkin: Reconstructing Languages and Cultures. Abstracts and Materials from the First International Interdisciplinary Symposium on Language and Prehistory. Brockmeyer, Bochum 1989.
  • Joseph Greenberg: Indo-European and Its Closest Relatives: The Eurasiatic Language Family, Volume 1, Grammar. Stanford University Press 2000.
  • Joseph Greenberg: Indo-European and Its Closest Relatives: The Eurasiatic Language Family, Volume 2, Lexicon. Stanford University Press 2000.

Einzelnachweise

  1. Aharon Dolgopolsky (2000): Sources of linguistic Chronology. in Renfrew/MacMahon/Trask (Eds), TIME DEPTH IN HISTORICAL LINGUISTICS, The McDonald Institute of Archaeological Research. ISBN 1-902937-14-7.

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