Nutzungskonkurrenz

Nutzungskonkurrenz

Als Flächenkonkurrenz wird allgemein die Konkurrenz um die Ressource Fläche bei verschiedenen Nutzungsformen bezeichnet, insbesondere in Bezug auf landwirtschaftliche Nutzflächen. Flächenkonkurrenz entsteht zwangsläufig durch die Knappheit des Faktors Boden und ist insofern kein neues Phänomen. In den letzten Jahren wurde der Begriff häufig im Zusammenhang mit dem stark zunehmenden Ausbau des Energiepflanzenbaus zur Bioenergie-Erzeugung diskutiert, der einen Konkurrenzfaktor für die klassische Landnutzung zur Futter- und Nahrungsmittelproduktion darstellt. Wenn verschiedene Verwendungen (energetische und stoffliche sowie als Nahrungs- oder Futtermittel) um die angebaute Kultur konkurrieren, spricht man auch von Nutzungskonkurrenz. Diese wird teilweise auch präziser als direkte Nutzungskonkurrenz bezeichnet in Abgrenzung zur Flächenkonkurrenz als indirekter Nutzungskonkurrenz.[1]

Inhaltsverzeichnis

Entstehung der Flächenkonkurrenz

Mehrere Faktoren bewirkten in den vergangenen Jahren einen starken Ausbau der Bioenergie-Erzeugung. Der seit einem Tiefpunkt in 1998 bis 2008 stetig gestiegene Erdölpreis verteuerte fossile Kraftstoffe zunehmend. Zusätzlich versuchen die Industriestaaten, ihre Abhängigkeit von Ölimporten aus nur wenigen bedeutenden Förderländern zu verringern. Ein weiterer Faktor sind Klimaschutzbemühungen, die unter anderem mit Biokraftstoffen umgesetzt werden sollen. Da sich die Preise für viele Agrarprodukte seit Jahren auf einem niedrigen Niveau bewegten, bot sich aus ökonomischer Sicht die Produktion von Biokraftstoffen an. Die Produktion von sogenanntem Bioethanol aus Mais, Getreide, Zuckerrohr, Zuckerrüben und anderen Agrarrohstoffen wurde massiv ausgebaut. Auch die Produktion von Pflanzenölen entweder zur direkten oder indirekten Nutzung nach Umesterung zu (Biodiesel) nahm stark zu. Einen weiteren neuen Konkurrenten stellt die Erzeugung von Biogas vor allem aus Mais dar. Die Politik fördert diese Entwicklungen, in Deutschland beispielsweise mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz und dem Biokraftstoffquotengesetz.

Folgen

Seit der sogenannten Tortilla-Krise zu Anfang des Jahres 2007 steht die Nutzung von Bioenergie in der Kritik. Die massive Verwendung von Mais zur Bioethanolerzeugung in den USA galt als wichtiger Grund für den starken Anstieg des Tortilla-Preises in Mexiko. Tortillas sind ein wichtiges Grundnahrungsmittel, insbesondere für den ärmsten Teil der mexikanischen Bevölkerung. [2] Neben der Bioenergie-Nutzung werden aber auch andere Ursachen für die massiven Preisanstiege vermutet, beispielsweise das durch Dürren in Australien drohende verringerte Weltmarkt-Angebot, die gestiegene Nachfrage nach Fleisch in Schwellenländern wie China und Indien oder Spekulationen an der Börse.

Weitere Flächenkonkurrenzen

Neben der in 2007 und 2008 stark diskutierten Flächenkonkurrenz zwischen Bioenergienutzung und Nahrungsmittelerzeugung ist im Bereich Biomasse zukünftig eine zunehmende Konkurrenz zur stofflichen Nutzung von Biomasse zu erwarten. Sowohl in Europa als auch in den USA gibt es zunehmende Bemühungen, die bisher fast vollständig erdölbasierte Chemieindustrie zunehmend mit nachwachsenden Rohstoffen zu versorgen. Bioraffinerien sollen diese Rohstoffe vor allem für die stoffliche Nutzung aufbereiten. Eine weitere Flächenkonkurrenz besteht zur Erhaltung der Biodiversität. So werden artenreiche Regenwälder abgeholzt, um Ölpalmen-Plantagen und Zuckerrohrfelder anzulegen. Um unter anderem bei Biokraftstoffen Mindeststandards festzulegen, wurde in 2008/ 2009 von der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) ein Praxistest zur Zertifizierung durchgeführt.[3]

Strategien zur Entschärfung der Flächenkonkurrenz

Kann ein Erzeugnis mit seinen Nebenprodukten verschiedenen Nutzungen parallel zugeführt werden, so bezeichnet man dies als Koppelnutzung. Ein Beispiel ist die Verwendung von Rapsöl als Lebensmittel oder Energieträger und die Nutzung des Rapskuchens oder des Rapsextraktionsschrotes als Futtermittel. Unter Kaskadennutzung versteht man dagegen eine hintereinander geschaltete stoffliche und energetische Nutzung, wobei die energetische Nutzung (Verbrennung) erst am Ende des Produktzyklus steht. Beide Strategien führen zu einer Erhöhung der Wertschöpfung je Fläche und damit zu einer Entschärfung der Flächen- bzw. Nutzungskonkurrenz. Angewandte Forschung auf diesem Gebiet wird daher vom BMELV im Rahmen des Förderprogramms "Nachwachsende Rohstoffe" der Bundesregierung gefördert.[4]

Einzelnachweise

  1. Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie GmbH (WI) und Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung (RWI Essen): Nutzungskonkurrenzen bei Biomasse, als pdf-Dokument unter http://www.bmwi.de/BMWi/Navigation/Service/publikationen,did=253872.html] verfügbar
  2. - Bericht zur Tortilla-Krise, Heise Online, 29.01.2007
  3. - FNR-Projekt zur Zertifizierung von Biomasse
  4. Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV): Bekanntmachung über die Förderung der angewandten Forschung auf dem Gebiet der nachwachsenden Rohstoffe im Rahmen des Förderprogramms „Nachwachsende Rohstoffe“ der Bundesregierung zum Schwerpunkt „Innovative Mehrfachnutzung von nachwachsenden Rohstoffen, Bioraffinerien“ vom 24. April 2008, Online.

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