Objektball

Objektball
Snooker break.ogg
Eröffnungsstoß beim Snooker
Pulk der roten mit pinkfarbenem Objektball

Snooker ist eine Variante des Präzisionssports Billard, die mit speziellen Queues auf einem Snookertisch gespielt wird. Das Spielprinzip besteht darin, 15 rote und sechs andersfarbige Bälle („die Farben“) mit dem weißen Spielball nach bestimmten Regeln in die Taschen zu versenken.

Inhaltsverzeichnis

Allgemeines

Der Spieler ist auf zwei rote Kugeln durch schwarz bzw. grün gesnookert.

Der Name Snooker bezieht sich auf eine „Snooker“ genannte Spielsituation, in der ein Spieler einen Ball, den er laut Regeln anspielen müsste, nicht auf direktem Wege an dessen äußersten Enden anspielen kann und so zu einer schwierigeren Lösung gezwungen ist (er wurde "gesnookert"). Das Wort "snooker" hat aus dieser Bedeutung heraus auch im übertragenen Sinne Eingang in die englische Sprache gefunden (to snooker somebody: „jemanden sperren, behindern“).

Snooker hat, verglichen mit anderen populären Formen des Billards, einen höheren technischen Schwierigkeitsgrad und stellt größere Anforderungen an die spieltaktischen Fähigkeiten der Spieler. Die höhere technische Schwierigkeit ergibt sich hauptsächlich aus der im Vergleich zu vielen anderen Billardvarianten größeren Fläche des Spieltisches, aus dem kleineren Durchmesser der Kugeln und daraus, dass die Taschen weiter in die Banden eingezogen und enger sind als etwa beim Poolbillard. Das abwechselnde Anspielen von roten und nichtroten Bällen und das angestrebte Spiel auf den höchstwertigen (schwarzen) Ball erfordert darüber hinaus ein hohes Maß an Kontrolle über den weißen Spielball.

Snooker gilt als „gentlemen’s sport“, da hier mehr als bei anderen Billardvarianten auf Contenance, Stil und die Einhaltung der Etikette Wert gelegt wird. Bei den meisten großen Turnieren ist zudem förmliche Kleidung mit Hemd, Weste und Fliege vorgeschrieben (Dresscode).

Vor allem in Großbritannien, Irland und in einigen Ländern des Commonwealth hat Snooker einen hohen gesellschaftlichen Stellenwert. Erfolgreiche Snookerspieler besitzen dort den Status von Stars oder gelten fast als Nationalhelden wie zum Beispiel Ken Doherty in Irland oder James Wattana (Ratchaphon Phu-Ob-Om) in Thailand. Die meisten der Profi-Snookerspieler stammen dieser Tradition entsprechend aus England, Schottland, Wales, Nordirland und Irland. Die bedeutendsten Turniere sind mit bis zu mehreren Hunderttausend Euro dotiert und werden insbesondere von den Fernsehanstalten BBC, Sky Digital und Eurosport live übertragen.

In Deutschland kann Snooker mit etwa 4000 im Verein organisierten Spielern eher als Randsportart bezeichnet werden (zum Vergleich: Großbritannien etwa sechs Millionen), jedoch wird das Spiel in Deutschland immer populärer (vgl. Abschnitt Snooker in Deutschland).

Geschichte

Der Ursprung des Billardspiels im Allgemeinen liegt im 15. Jahrhundert in dem heute ausgestorbenen Spiel Pall Mall.

Die Entwicklung der heute bekannten und populären Billard-Varianten hängt eng mit technischen Neuerungen zusammen. Ein Meilenstein war die Weiterentwicklung des Queues um 1800, das 1807 eine lederbezogene Spitze (die Pomeranze) bekam. Außerdem wurde das Holz der Tische durch eine Schieferplatte ersetzt (1827) und die Banden mit Gummi statt Baumwolle gefüllt (1835). Des Weiteren wurden die Maße für Tische, auf denen man das so genannte English Billiards spielte, festgelegt.

Snooker selbst wurde in Indien im Jahre 1875 (vermutlich am 17. April) von Offizieren der britischen Kolonialkräfte im Ooty Club von Ootacamund in den Nilgiribergen erfunden. Die übliche Spielweise war damals das Black Pool, das mit 15 roten und einem schwarzen Ball gespielt wurde, sowie English Billiards. Der Überlieferung zufolge experimentierte Sir Neville Chamberlain auf einem English-Billiards-Tisch an einer Variante, welche zu 15 Roten und Schwarz noch zusätzliche Bälle enthält. Das daraus entstandene "Snooker-Pool" enthielt in seiner ersten Form 15 Rote, Schwarz, Pink, Grün und Gelb, wobei die Aufsetzpunkte aller "Farbigen" bereits durch Markierungen vom English Billiards existierten. Später wurde das Spiel modifiziert, indem Braun und Blau hinzugefügt wurden.

John Roberts Jr., führender English-Billiards-Spieler seiner Zeit, begeisterte sich für die neue Variante und stellte sie in England erstmals 1885 der Öffentlichkeit vor. Noch bis weit ins 20. Jahrhundert hinein hatte Snooker jedoch vor allem mit der Dominanz von English Billiards zu kämpfen, ehe es sich schließlich durchsetzte. Ein weiteres Problem war, dass noch keine einheitlich gültigen Regeln existierten. In Großbritannien gab es zwischen 1908 und 1919 zwei Verbände, die unterschiedliche Regelwerke besaßen.

Nach dem Erscheinen der ersten offiziell gültigen Weltregeln durch die Billiards Association am 11. Dezember 1900 in London dauerte es bis zum Juni 1919, ehe Braun und Blau endgültig Bestandteil des Spiels wurden.

Joe Davis um 1920

Joe Davis befürchtete in den 1950er-Jahren einen Stillstand des Spiels und schlug 1959 die Hinzunahme eines orange- und eines violett-farbigen Balls und damit die Erweiterung auf acht farbige Bälle (Snooker Plus) vor, womit das höchstmögliche Break auf 210 erhöht wurde. Diese Variante konnte sich jedoch nicht durchsetzen.

Der Name Snooker entstand dabei aus einer abwertenden Bezeichnung für Frischlinge bei der Armee. In der Sportart hat den Begriff vermutlich zuerst der englische Offizier Neville Bowses Chamberlain verwendet, der einen seiner Mitspieler so bezeichnete, nachdem dieser den Spielball zufällig oder absichtlich so platzierte, dass er ihn nicht spielen konnte. Dass das Militärwesen (sozusagen über die militärische Nomenklatur) Einfluss auf diese Sportart hatte, zeigt sich auch in der Bezeichnung für das Versenken des Spielballs, in der Fachsprache Scratch genannt. Das war eine abwertende Bezeichnung für einen Rekruten.

Die ersten Profiweltmeisterschaften fanden 1927 auf Anregung von Joe Davis statt. Davis gewann dieses Turnier und alle weiteren Weltmeisterschaften, bis er nach 1946 nicht mehr an ihnen teilnahm. Damit trat Davis ohne eine einzige Weltmeisterschafts-Niederlage zurück. Der aktuelle Weltmeister (2009) ist der Schotte John Higgins.

Die ersten Amateurweltmeisterschaften fanden 1963 in Indien statt und werden seit 1984 jährlich ausgespielt.

Im Jahre 1969 suchte die BBC nach einer preiswerten Sportart, bei der die Möglichkeiten des gerade eingeführten Farbfernsehens besonders zur Geltung kommen sollten. Man hob zu diesem Zweck schließlich das Snookerturnier Pot Black Cup aus der Taufe, das am 23. Juli 1969 erstmals übertragen wurde. Die Popularität des Snookers erhielt dadurch einen enormen Auftrieb, und bald kamen auch andere Turniere auf den Sendeplan. Snookerübertragungen sind heute in Großbritannien neben Fußball die Sportsendungen mit den höchsten Einschaltquoten. In Großbritannien schrieb das WM-Finale 1985 zwischen Steve Davis und Dennis Taylor Fernsehgeschichte, als nach Mitternacht noch über 18 Millionen Zuschauer das Match verfolgten, was bis heute die höchste je in Großbritannien ermittelte Einschaltquote für eine Sportsendung ist.

Spielmaterial

Tisch

Hauptartikel: Billardtisch (Snooker)

Der offizielle Turnier-Snookertisch ist ein 12-Fuß-Tisch. Sein Spielfeld hat die Abmessungen 3556 × 1778 mm (jeweils +/-13 mm) und ist damit doppelt so lang wie breit. Die Höhe des Spieltisches liegt zwischen 851 mm und 876 mm. Snookertische sind bis zu 1500 kg schwer.

Snookerbälle

Hauptartikel: Billardkugel

Die Kugeln beim Snooker werden auch Bälle genannt. Heutige Snookerbälle bestehen aus Phenolharz. Der Durchmesser eines Snookerballs beträgt 52,5 Millimeter; die Masse ist im Reglement nicht vorgegeben, sie liegt üblicherweise im Bereich zwischen 130 und 150 Gramm und darf zwischen den Bällen eines Sets maximal drei Gramm Differenz betragen. Es wird mit einem weißen Ball, auch Cue Ball genannt, gespielt. Dabei handelt es sich um den einzigen Ball, der mit dem Queue (engl. Cue) direkt angespielt werden darf.

Snookerqueue

Snookerqueue
Hauptartikel: Queue

Im Snooker verwendet man verjüngte Holzqueues, die sehr hart sind (oft aus Ahorn oder Esche). Verjüngt bedeutet, dass das Queue am Griffstück dicker ist und zur Spitze hin dünner wird. Das Queue muss mindestens 91 cm lang sein. Es wird in der Regel mit offener Brücke gespielt. Darunter versteht man, dass das Queue offen auf Daumen und Zeigefinger aufliegend geführt, also nicht vom Zeigefinger umschlossen wird, wie es häufig im Pool- und Carambolage-Billard der Fall ist. Ein Queue kann entweder einteilig oder zweiteilig mit Schraubgewinde (engl. Joint) ausgeführt sein. Bei zweiteiligen Queues überwiegt im Bereich des Turniersnooker die ¾-Teilung. Bei der ¾-Teilung beträgt die Länge des Vorderteils des Queues ¾ der Gesamtlänge. Durch die ¾-Teilung wird vermieden, dass die Verschraubung beim Stoß mit dem Kinn in Kontakt kommt, da das Queue beim Stoß am Kinn entlang geführt wird. Nur sehr wenige Profispieler verwenden Queues mit ½-Teilung. Die Profi-Queues sind dabei meist Spezialanfertigungen, und Spitzenspieler spielen mit ihrem Queue nach Möglichkeit ein Leben lang.

Das Queue kann durch ein weiteres anschraubbares Stück (Extension) verlängert werden, eine weitere Verlängerung kann mit der zum Tisch gehörenden Teleskopverlängerung erfolgen. Das ist in manchen Spielsituationen aufgrund der Größe des Tisches und der Lage der Bälle erforderlich.

Billardkreide

Hauptartikel: Billardkreide

Bei Turnieren wird die Pomeranze im Allgemeinen vor jedem Stoß neu gekreidet. Durch die Kreide entsteht eine gesteigerte Haftung der Pomeranze an dem Spielball, so dass dieser in eine Rotation versetzt werden kann. Diese Rotation ist wesentlich für das Positionsspiel, da der Spielball somit nach Auftreffen auf den gespielten Ball (Objektball) gelenkt werden kann, um für den nächsten Stoß eine günstige Ausgangsposition zu schaffen. Die meist grüne Kreide, die beim Snooker benutzt wird, unterscheidet sich nicht von der bei anderen Billardvarianten verwendeten Kreide.

Regeln und Begriffe

Hauptartikel: Snooker-Begriffe

Einige wichtige Begriffe und Regeln sind:

Ball on
Einen Ball, der entsprechend den Regeln als nächstes gespielt werden kann oder muss, bezeichnet man als Ball on.

Break
Ein Break ist eine Serie von Punkten, die ein Spieler erreicht, wenn er durchgehend am Tisch ist.

Frame
Als Frame bezeichnet man eine Zähleinheit, ähnlich dem Satz beim Tennis. Der Spieler, der in einem Frame die meisten Punkte erzielt, gewinnt diesen. Ein Frame beginnt immer mit allen Kugeln auf ihren Ausgangspositionen auf dem Tisch und endet, wenn entweder alle Kugeln versenkt wurden oder einer der Spieler den Frame aufgibt.

Foul
Ein Foul ist ein regelwidriger Stoß und wird mit mindestens vier und maximal sieben Punkten (dem Höchstwert des am Foul beteiligten Balles) bestraft, die dem Gegenspieler gutgeschrieben werden. Nach jedem Foul hat der gefoulte Spieler die Option, selbst weiter zu spielen oder den Gegner mit der neuen Situation weiterspielen zu lassen.

Kick
Ein Kick oder auch bad contact (schlechter Kontakt) ist ein mitunter auftretendes Phänomen, das darin besteht, dass die Bälle beim Zusammenstoß kurzzeitig aneinander kleben und somit aufklettern.

Miss
Ein Miss wird vom Schiedsrichter nach einem Foul gegeben, wenn der Spieler aus taktischen Gründen, nicht seinen Fähigkeiten entsprechend versucht hat, einen korrekten Stoß auszuführen. Wenn der Schiedsrichter ein Miss gibt, kann der gefoulte Spieler die Situation vom Schiedsrichter in die Ausgangsposition zurücklegen lassen und der andere Spieler muss den Stoß erneut ausführen.

Re-Rack
Haben sich die Spieler „festgespielt“ und ist eine sinnvolle Weiterentwicklung nicht mehr abzusehen, können sich die Spieler einigen, die Bälle neu aufzusetzen. Stimmen beide Spieler zu, beginnt der Frame von neuem.

Touching Ball
Bleibt der Spielball mit direktem Kontakt an einem Ball on liegen, so gibt der Schiedsrichter einen Touching Ball. Dies bedeutet, dass der Spieler, der an der Reihe ist, keinen Ball on mehr anspielen muss, da dieser Umstand als gegeben betrachtet wird. Er darf anstelle dessen einen Ball on lochen, jeden beliebigen Ball oder auch keinen anspielen.

Ziel des Spiels

Snooker ist ein Ansage- und Punktespiel. Das Grundprinzip besteht darin, abwechselnd einen roten Ball und einen der sechs farbigen Bälle zu versenken, bis alle Objektbälle vom Tisch sind oder – bei einer Punktedifferenz größer als sieben – sich außer dem weißen nur noch der schwarze Ball auf dem Tisch befindet. Ist das der Fall, ist der Frame (das Spiel beziehungsweise der Satz) beendet. Ein Match besteht meist aus mehreren Frames; es gewinnt der Spieler das Match, der als erster mehr als die Hälfte einer festgelegten Zahl von Frames gewonnen hat.

Bei Ranglistenturnieren ist die Anzahl der Frames immer ungerade, so dass kein Unentschieden möglich ist. Bei Ligaspielen (wie in der Premier League) kann die Anzahl der Frames gerade sein, womit Matches unentschieden enden können.

Farbe Wert
Rot 1 Punkt
Gelb 2 Punkte
Grün 3 Punkte
Braun 4 Punkte
Blau 5 Punkte
Pink 6 Punkte
Schwarz 7 Punkte

Jeder der Bälle hat einen bestimmten Wert. Dieser Wert wird beim Lochen dem Punktestand des Spielers hinzuaddiert.

Beispielsweise erhöht sich das Punktekonto des Spielers für die Abfolge „Rot – Schwarz – Rot – Pink – Rot – Schwarz“ um 23 Punkte.

Wird ein Ball vom Spieler nicht versenkt, kommt der gegnerische Spieler an den Tisch und erhält seinerseits die Möglichkeit, eine Folge von Bällen zu versenken. Wenn ein Spieler an den Tisch kommt, muss er zunächst immer einen roten Ball anspielen. Im Endspiel auf die Farben, wenn keine Roten mehr auf dem Tisch sind, wird immer mit dem niedrigstwertigen Ball begonnen, der sich noch auf dem Tisch befindet.

Die farbigen Bälle werden nach dem Versenken wieder auf dem Tisch aufgesetzt; rote verbleiben, auch nach einem Foul, in den Taschen. Nach dem letzten roten darf noch ein farbiger Ball nach Wahl gespielt werden. Sind alle roten Bälle und die letzte frei wählbare Farbe versenkt, müssen die farbigen Bälle in Reihenfolge ihrer Wertigkeit vom Tisch gespielt werden, angefangen mit Gelb (2), Grün (3), … und zuletzt Schwarz (7); sie verbleiben nun auch in den Taschen.

Kann der Spieler keinen Ball gemäß den Regeln versenken, versucht er den Gegner zu snookern. Das geschieht, indem er den Spielball in eine Position bringt, aus der der Gegner keinen anzuspielenden Ball auf direkter Linie erreichen kann. Aus einem Snooker heraus passieren häufig Fehler oder Fouls. Die Foulpunkte erhöhen den Punktestand, und es ergibt sich im Anschluss an den Stoß des Gegners möglicherweise eine Situation, die der Spieler dann nutzen kann, um das Spiel für sich zu entscheiden. Der Gegner, der gesnookert wird, muss reagieren, während der andere Spieler selbst die Chance hat, das Spiel zu bestimmen.

Es gewinnt der Spieler, der bei Beendigung des Frames die höhere Punktzahl hat. Haben beide Spieler die gleiche Anzahl von Punkten, so wird der schwarze Ball erneut aufgesetzt und weitergespielt, bis der schwarze Ball fällt oder ein Foul begangen wurde (re-spotted black). Befindet sich außer dem Spielball nur noch der schwarze Ball auf dem Tisch und ist die Punktedifferenz größer als sieben, gilt der Frame als beendet. Der Spieler, der den vorletzten (pinkfarbenen) Ball eingelocht hat, kann den schwarzen Ball noch spielen, wenn er es wünscht. Gelingt es ihm, den schwarzen Ball zu versenken, bekommt er die Punkte regulär zu seinem Punktestand hinzuaddiert. Ein Frame ist auch beendet, wenn ein Spieler aufgibt, weil er seinen Rückstand als unaufholbar einschätzt, das heißt, wenn mit den verfügbaren Bällen weniger Punkte erreicht werden können, als zum Übertreffen des gegnerischen Punktestandes notwendig wären und der Spieler weiter nicht glaubt, noch ausreichend Punkte durch erfolgreiche Snooker und die daraus resultierenden Foulpunkte zu erlangen. In diesem Fall gilt es als gutes Benehmen, den Frame aufzugeben, nachdem der Gegner am Tisch sein Break beendet hat.

Die maximal verbleibende Anzahl an Punkten, die sich noch auf dem Tisch befindet, lässt sich wie folgt berechnen: Anzahl roter Bälle × 8 + 27.

Taktik

Ein fester Bestandteil der Snookertaktik sind Sicherheitsstöße (Safeties), bei denen versucht wird, den Spielball nahe an der Bande abzulegen, wodurch nur die obere Seite des Spielballs angespielt werden kann. Das schränkt die Präzision ein, macht eine Kontrolle des Spielballs durch Effets praktisch unmöglich und erhöht das Risiko eines Foulspiels durch den gegnerischen Spieler. Es gibt eine damit vergleichbare, im Jargon der Turnierspieler scherzhaft chinese snooker (chinesischer Snooker) genannte Konstellation, bei der ein Objektball nicht wie bei einem echten Snooker den Weg des Spielballs blockiert, sondern dicht an der anderen Seite des Spielballs liegt und die Führung des Queues erschwert. Außerdem sollte der Spielball bei einer Safety möglichst weit von den Roten entfernt sein, was das Lochen einens Ball sehr erschwert.

Eine andere häufig gespielte taktische Variante ist der so genannte Shot to Nothing, was in etwa „Stoß auf Nichts“ bedeutet. Gemeint ist damit, dass bei diesem Stoß ein Spieler einen roten Ball anspielt ohne zu beabsichtigen, dadurch eine gute Position auf eine Farbe zu erreichen. Ziel ist es stattdessen, möglichst einen roten Ball zu versenken und gleichzeitig den weißen Spielball wieder so abzulegen, dass beim Verfehlen der Tasche der Gegner keinen einfachen Einstiegsball vorfindet. Es wird also auf keinen farbigen Ball für eine Fortsetzung des Breaks gespielt, sondern auf „nichts“. In der Regel wird so ein Stoß dann gespielt, wenn die roten Bälle alle noch in der unteren Tischhälfte liegen und der Spielball in der oberen. Wird tatsächlich ein roter Ball versenkt, ist die Chance auf eine Fortsetzung des Breaks manchmal vorhanden, da anschließend ein farbiger Ball versenkt werden muss und diese sich auch in der oberen Tischhälfte befinden. Ist das nicht möglich, besteht oft die Chance, den Gegner zu snookern, indem der Spielball direkt hinter eine Farbige gelegt wird. Da jeder versenkte rote Ball die Summe der noch erreichbaren Punkte um acht reduziert, ist diese Methode vor allem bei schwierigen Stößen und in Führung liegend vorteilhaft.

Der siebenfache Weltmeister Stephen Hendry etablierte „die lange Rote“ im modernen Snooker

Bis in die 1990er Jahre wurde Snooker eher defensiv gespielt, das heißt man war mehr darauf bedacht, am Tisch eine sichere Ablage zu hinterlassen, war also eher auf das „Snookern“ aus, riskierte seltener das Anspielen schwierig platzierter Bälle und wartete lieber auf ein günstigeres Bild. Ein Klassiker dieser Spielweise ist der sechsmalige Weltmeister Steve Davis. Insbesondere durch Stephen Hendry, der als der Meister der langen Einstiegsbälle gilt, wurde das Spiel zu Beginn der 1990er allgemein offensiver. Lange Bälle, Kombinationen und schwierigere Winkel werden öfter und mutiger angegangen, vor allem bei den sogenannten „Einsteigern“, dem jeweils ersten Ball einer Aufnahme, der die Basis für die großen Breaks der Profis bildet. Das hebt auch die Ansprüche, die an junge Nachwuchsspieler gestellt werden. Um in der Spitzenklasse mitspielen zu können, müssen solche schwierigen Bälle über die gesamte Länge des Tisches beherrscht werden, um überhaupt Chancen zu bekommen, einen Frame zu gewinnen. Die erfolgreichsten Spieler der Snooker-Neuzeit sind daher auch die sogenannten One-Chance-Player oder „Breakbuilder“, die meist nur einen versenkbaren Ball benötigen, um den Frame in einer einzigen Aufnahme zu entscheiden.

Der WM-Pokal

Wichtige Turniere

Hauptartikel: Liste der Snooker-Main-Tour-Turniere

Die wichtigsten Turniere werden größtenteils in Großbritannien ausgetragen. Das wichtigste ist die World Snooker Championship – die Snookerweltmeisterschaft. Hier gibt es das höchste Preisgeld und die meisten Punkte für die Weltrangliste. Als zweitwichtigstes Turnier gilt die UK Championship, für die es ebenfalls mehr Ranglistenpunkte gibt als für die übrigen Turniere.

Die aufgeführten Turniere gehören zur Main Tour. Für die Ranglistenturniere sind nur die führenden Spieler der Weltrangliste gesetzt, alle weiteren Spieler müssen sich – je nach Ranglistenposition – in einer oder mehreren Runden für das Teilnehmerfeld qualifizieren.

Ranglistenturniere
Einladungstunier
Der amtierende Weltmeister und Mitorganisartor der World Series of Snooker: John Higgins

Das größte Turnier in Deutschland ist das Paul Hunter Classic, dass seit 2007 nach dem 2006 verstorbenen Paul Hunter benannt ist. Es ist zwar nicht Teil der Main Tour, ist aber das größte Pro-Am-Turnier der Welt (Pro-Am bedeutet, dass sowohl Profis, als auch Amateure mitspielen). Ausgerichtet wird das Turnier vom Snooker Sport Club (SSC) Fürth e.V.

Zwischen 1995 bis 1997 gab es mit den German Open ein Turnier, dass den Status eines Weltranglistenturniers inne hatte.

Mit der Pontins International Open Series (PIOS) existiert eine Turnierserie, über die man sich für die Main Tour qualifizieren kann. Zudem gibt es, mit der 2008 eingeführten World Series of Snooker, eine Turnierserie, die Snooker auch in Ländern populärer machen soll, die nicht von der Main Tour besucht werden.

Verschiedenes

In China ist Snooker auf dem Wege, den Status einer Randsportart zu verlassen. Das Finale der China Open 2005, das der Chinese Ding Junhui gegen Stephen Hendry gewann, wurde von über 100 Millionen Fernsehzuschauern verfolgt. Das Spiel verdrängte den gleichzeitig stattfindenden Grand Prix der Formel 1 aus dem Programm.

Prämien

Neben den Turniergeldern ist auf ein Maximum Break in der Regel eine Extraprämie ausgesetzt, die bei den meisten Turnieren 20.000 Pfund beträgt. Bei den Snooker-Weltmeisterschaften in Sheffield beträgt die Prämie für ein Maximum Break 147.000 Pfund. 2008 kam es zu einer Premiere, als erstmals zwei Spieler - Ronnie O'Sullivan und Allister Carter - bei der WM ein Maximum Break schafften. Die Prämie wurde in diesem Fall auf beide Spieler aufgeteilt. Interessanterweise versichert sich der Veranstalter gegen so einen Fall, das heißt, die 147er-Prämie bezahlt ein Versicherungsunternehmen. Auch andere besondere Leistungen in einem Turnier, wie Century Breaks (Breaks mit 100 oder mehr Punkten), die meisten erfolgreichen Snooker etc., werden mit Boni belohnt.

Gentlemen's sport

Snooker ist wie wenige andere Sportarten durch Korrektheit und Contenance geprägt. Das betrifft nicht nur die Kleidung, auch von den Spielern wird erwartet, sich in jeder Hinsicht vorbildlich zu verhalten. Es ist beispielsweise üblich, dass ein Spieler sofort einen eigenen Fehler anzeigt, auch wenn ihn weder der Gegenspieler noch der Schiedsrichter bemerkt haben, beispielsweise das Berühren des Balles durch eigene Kleidung oder einen sogenannten Durchstoß, den oft nur der Spieler selbst bemerken kann. Auch der Weltverband stellt sich diesen Ansprüchen. Als verdeckte Journalisten den Spieler Quinten Hann ansprachen und ihm eine Bereitschaft zu einem möglichen Wettbetrug nachweisen konnten, wurde der Spieler für acht Jahre gesperrt. Ein tatsächlicher Betrug hat nicht stattgefunden, der Spieler hatte lediglich derartige Angebote nicht abgelehnt.

Hinsichtlich der Bekleidungsvorschriften gab es 2003 den Versuch einer Lockerung, indem den Profis bei Turnieren nicht mehr zwingend vorgeschrieben war, eine Fliege zu tragen. Nach nur einem Jahr der „offenen Kragen“ wurde der obligatorische Binder wieder eingeführt, nur vereinzelte Spieler wie Stephen Maguire sind mit ärztlichem Attest von der Tragepflicht befreit.

Snooker in Deutschland

Auf Wirken einiger in Deutschland stationierter britischer Soldaten wurden in den frühen 1980er Jahren erstmals Tische nach Deutschland eingeführt. Nach der Gründung des ersten Deutschen Snooker Clubs 1984 in Hannover wurde 1987 der erste Dachverband für Snookerspieler in Deutschland aus der Taufe gehoben, der DSKV (Deutscher Snooker Kontroll Verband), welcher sich 1999 mit der DBU (Deutsche Billard Union) vereinigte. Seitdem ist die DBU der Dachverband aller Billardspieler in Deutschland.

Seit diesen ersten Tagen wächst die Fangemeinde von Snooker in Deutschland stetig. Die gesamte Snooker Main Tour wird in Deutschland vom Sportsender Eurosport ausgestrahlt, die Snooker Premier League vom deutschen Sportsender DSF. Dem Snookerkommentator Rolf Kalb vom Sportsender Eurosport, ist – neben dem Sport an sich – der Anstieg der Beachtung dieser Spielart in Deutschland mit zu verdanken, da er durch seine Art der Kommentierung auch Neulingen den Sport – und vor allem dessen Regelwerk – näher bringt. Billardclubs stellen immer häufiger Snookertische auf und geben so Interessierten die Möglichkeit, den Sport selbst einmal auszuprobieren. Durchschnittlich verfolgen rund eine Million Zuschauer die Übertragungen.

Auch im aktiven Spiel werden Deutsche zunehmend erfolgreich. Eines der herausragenden Momente bisher war das Erreichen des Halbfinals beim IBSF World Grand Prix 2006 durch Lasse Münstermann. Den bislang größten Erfolg für den deutschen Snookersport erreichte das deutsche Team in der Besetzung Lasse Münstermann, Sascha Lippe und Itaro Santos mit dem Sieg bei der European Team Championship 2007. Patrick Einsle spielte, ermöglicht durch eine Wildcard, auf der Main Tour 2006/07.

1995 bis 1997 fanden in Deutschland die German Open als Ranglistenturnier statt, auch die European Snooker League, die später in Premier League umbenannt worden ist, wurde bereits auf deutschem Boden ausgetragen. 1998 hieß das Turnier German Masters, wurde allerdings nicht mehr als Ranglistenturnier gespielt und fand 1999 bis 2003 überhaupt nicht statt. Ab 2004 wurde die Veranstaltung wiederbelebt und 2007 zu Ehren von Paul Hunter in Paul-Hunter-Classics umbenannt. Auch die 2008 von John Higgins ins Leben gerufene Turnierserie World Series of Snooker macht in Deutschland Station.

Das erste Turnier-Maximum auf deutschem Boden wurde im März 1994 durch Mike Henson bei den Gifhorn Open erzielt.

Snooker in Österreich

Der „Österreichische Snooker- und Billiards Verband“ (ÖSBV) wurde 1990 gegründet und im Dezember 1991 nahmen die ersten österreichischen Snookerspieler (Robert Burda und Alexander Tröster) an der Amateur-Weltmeisterschaft in Thailand teil. Seitdem nahmen immer wieder österreichische Spieler an Amateur-Weltmeisterschaften und U 21-Amateur-Weltmeisterschaften teil.

In Österreich gibt es durch die TV-Übertragungen auf Eurosport reges Interesse an dieser Sportart. Auch auf ORF (Österreichischer Rundfunk) wurden in den letzten Jahren vereinzelt Turniere übertragen (Austrian Open in Wels, betandwin Snooker Cup in Wien, etc.).

Literatur

  • Werner Grewatsch, Marcus Rosenstein: Snooker ...Billard „Made in England“. 5. Auflage. Weinmann Verlag, Berlin 2004, ISBN 3-87892-061-X.
  • Clive Everton: Snooker & Billiards. 1. Auflage. Crowood Press, Marlborough 1991, ISBN 1-85223-480-6.
  • Rolf Kalb: Billard verständlich gemacht. Pool, Karambolage, Snooker. 3. Auflage. Stiebner Verlag, München 2003, ISBN 3-7679-0556-6.
  • Rolf Kalb, Thomas Hein: Snooker. Der intelligente Weg zum besseren Spiel. 1. Auflage. Stiebner Verlag, München 2006, ISBN 3-7679-0951-0.

Siehe auch

Portal
 Portal: Billard – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Billard

Weblinks

International

National


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