Parforce

Parforce

Die Parforcejagd (von französisch par force = mit Gewalt) oder Hetzjagd ist eine Jagdform, die bereits bei den Kelten bekannt war und die sich vornehmlich im 17. und 18. Jahrhundert an den europäischen Fürstenhäusern großer Beliebtheit erfreute.

Die Meute

Hierbei wird eine Hundemeute (Bracken) auf die Fährte von Hirschen, oder auch von Füchsen, Wölfen oder Wildsauen angesetzt, die Jäger (Pikör) reiten auf Pferden mit und verständigen sich über Trompe de Chasse, bis das Wild gestellt ist. Da die Hunde das Wild nicht reißen, ist die Parforcejagd keine eigentliche Hetze; die Hunde sind langsamer als das Wild, haben aber eine überlegene Ausdauer und ermüden es somit.

Die enormen Kosten dieser Jagdart führten schon bald wieder zu ihrer Abschaffung. Allerdings wird sie auch heute noch manchmal betrieben, vornehmlich in Frankreich. In Deutschland ist die Parforcejagd auf lebendes Wild seit 1934 verboten. Heute in Deutschland durchgeführte Parforcejagden werden auf einer Kunstschleppe (künstlich gelegte Wildfährte, auf die die Hundemeute angesetzt wird) ausgeführt. In dieser Form stellt die Parforcejagd für Reiter und Pferde oft eine sportliche Herausforderung dar und zieht Zuschauer an.

Umstritten ist die Parforcejagd auf den Fuchs (Fuchsjagd).

Inhaltsverzeichnis

Jagdschlösser und Schneisen

Sababurg mit Tierpark, Zeichnung aus der frühen Neuzeit

Diese Jagdform erforderte neue Jagdanlagen, da die Reiter für den schnellen Ritt möglichst ebene und offene Gelände mit vielen Schneisen (Gestellen) benötigten. Wälder wurden speziell zu diesem Zweck hergerichtet, wie beispielsweise die Parforceheide in Brandenburg zwischen Berlin und Potsdam mit dem Jagdschloss Stern, das vom Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. in Auftrag gegeben und zwischen 1730 und 1732 errichtet wurde. Bereits einige Jahre zuvor, zwischen 1722 und 1724, hatte Landgraf Ernst Ludwig in Langen, ca. 15 Kilometer südlich von Frankfurt am Main, das Schloss Wolfsgarten bauen lassen. Es entsprach dem damals gängigen Muster für Jagdschlösser, die durch die von Ernst Ludwig 1709 eingeführte Parforcejagd Hochkonjunktur hatten. Wegen der hohen Kosten gab es in Deutschland im 18.Jahrhundert nur ca. 10 solcher Parforce-Jagdausrüstungen. Neben den oben genannten u.a. auch am Hofe der mecklenburgischen Herzöge in Ludwigslust.

Im Tierpark der nordhessischen Sababurg wurde 1779 nach den Wünschen des Landgrafen Friedrich II. ein Rondell (Jagdstern) für die Parforcejagd angelegt, auf das sternförmig Schneisen zuführten, die noch heute als Eichenalleen zu erkennen sind. Der südliche Teil des Naturparks Kottenforst-Ville, westlich der Großstädte Köln und Bonn in Nordrhein-Westfalen gelegen, ist von einem spinnenartigen Wegenetz durchzogen, das auf das ehemalige Schloss Herzogsfreude in Röttgen ausgerichtet ist. Diese Schneisen ließ im 18. Jahrhundert Kurfürst Clemens August zum Zwecke der Parforcejagd anlegen.

Umweltschäden

Da die Parforcejagd möglichst große (zum Teil mehrere Tausend Hektar pro Wildgarten) und geschlossene Terrains erfordert, setzte mit der Anlage von Wildgärten und Jagdgebieten ein erheblicher Land- und (mit der Umgestaltung der Natur verbunden) Landschaftsverbrauch ein. Zudem führte die intensive Haltung von Hochwild zu großen Flur- und insbesondere Waldschäden durch Wildverbiss, sodass die angelegten Wildgärten, in denen nicht nur Wege eingerichtet, sondern vor Allem auch Anpflanzungen in erheblichem Umfang durchgeführt wurden, in relativ kurzer Zeit ökologisch verbraucht waren. Dem begegnete man in Frankreich mit dem verstärkten Anbau der Buche, da an ihr kein Verbiss stattfand. Dies wiederum führte zu einer Monokultur und zu den damit verbundenen negativen Folgen für den Naturhaushalt. Ein weiteres großes Problem stellte oftmals die Wasserversorgung der Gebiete dar. Gerade wenn sie künstlich bepflanzt wurden, mussten vielfach Flüsse umgeleitet werden, um den großen Bedarf an Wasser seitens der Anpflanzungen aber auch seitens des Wildes zu decken. Auch wurden, um die Wildgärten mit ausreichend Wild zu besetzen, Unmengen an Tieren in anderen (noch wilden) Gebieten gefangen und in die Wildgärten verbracht. Da dazu auch auf nichtheimische Arten aus zum Teil weitentfernten Gebieten ( - eine gewisse Entfernung war schon vonnöten, damit das Wild nicht an seinen Herkunftsort zurückkehrte - ) zurückgegriffen werden musste, entwickelte sich in Europa ein reger Transport von Wildtieren. Der Einsatz nichtheimischer Arten führte indes zu weiteren Belastungen der Ökosysteme. Insgesamt waren insbesondere in Frankreich Heerscharen an Landschaftsgärtnern und Förstern mit der im Grunde genommen schier unmöglichen dauerhaften Unterhaltung der Wildgärten befasst. Die Wildgärten wurden teilweise mit kilometerlangen Wällen umgeben (siehe noch heute die Mauer um den Park von Schloss Chambord, um das Wechseln des Wildes in fremde Jagdgebiete zu verhindern und Flurschäden zu vermeiden.

Die Folgen dieser ex- und intensiven Nutzung der Natur konnten in Frankreich teilweise erst im 19. Jahrhundert gänzlich beseitigt werden.

Literarisches Thema der radikalen Aufklärung

Die Parforcejagd konnte der Bauernschaft aber auch anderen adligen Grundbesitzern vielfach enorme Schäden verursachen, ohne dass ausreichende Kompensation gewährt wurde. Insbesondere der Feldschaden, der durch das Wild auf den die Wildgärten umgebenden Gebieten angerichtet wurde, konnte verheerende Ausmaße erreichen. Daher wurde das Thema während der Aufklärung immer wieder als drastische Sozialkritik aufgegriffen. Das Gedicht des Lyrikers Gottfried August Bürger (1747-1794) ist exemplarisch dafür:

Der Bauer
An seinen Durchlauchtigen Tyrannen
Juli 1775.

Parforceheide in Brandenburg, Historische Karte von 1780

Wer bist du, Fürst, daß ohne Scheu
Zerrollen mich dein Wagenrad,
Zerschlagen darf dein Roß?

Wer bist du, Fürst, daß in mein Fleisch
Dein Freund, dein Jagdhund, ungebleut
Darf Klau' und Rachen hau'n?

Wer bist du, daß, durch Saat und Forst
Das Hurra deiner Jagd mich treibt,
Entatmet, wie das Wild? -

Die Saat, so deine Jagd zertritt,
Was Roß, und Hund, und du verschlingst,
Das Brot, du Fürst, ist mein.

Du Fürst hast nicht bei Egg' und Pflug,
Hast nicht den Erntetag durchschwitzt.
Mein, mein ist Fleiß und Brot! -

Ha! du wärst Obrigkeit von Gott?
Gott spendet Segen aus; du raubst!
Du nicht von Gott, Tyrann!

Es bleibt allerdings zu bemerken, dass auch im 17. und 18. Jahrhundert die waidgerechte Ausübung der Parforcejagd tunlichst unter Schonung der noch auf dem Halm befindlichen Frucht, d.h. in der Regel erst nach der Ernte zu erfolgen hatte. Von einer solchen waidgerechten Ausübung der Jagd kann man in den meisten Fällen auch ausgehen, denn die Jagd wurde als streng reglementierter Sport betrieben. Ein Gutteil der ausbleibenden Kompensationen dürfte auch auf der naturgemäß schwierigen Beweislage und der andererseits hohen Kostenbelastung durch die zu führenden Gerichtsprozesse liegen, die auch weniger begüterte Adlige von der Geltendmachung etwaiger Schadensersatzansprüche abhielt.

Literatur

siehe besonders die Beiträge von A. Corvol, J Buridant und I. Trivisani-Moreau in XVIIe Siècle Nr. 226, 57. Jahrgang 2005, Seiten 3 - 40

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