Pawel Anatoljewitsch Sudoplatow

Pawel Anatoljewitsch Sudoplatow
Pawel Anatoljewitsch Sudoplatow

Pawel Anatoljewitsch Sudoplatow (russisch Павел Анатольевич Судоплатов, wiss. Transliteration Pavel Anatol'evič Sudoplatov; * 7. Juli 1907 in Melitopol, Gouvernement Taurien, Russisches Reich, heute Oblast Saporischschja, Ukraine; † 26. September 1996), war ein hochrangiger Mitarbeiter des sowjetischen Geheimdienstes NKWD, bei dem er zuletzt den Rang eines Generalleutnants innehatte. Zu den Operationen, an denen er beteiligt war, gehören unter anderem die Morde an Leo Trotzki und den ukrainischen Nationalisten Jewhen Konowalez und Roman Schuchewytsch sowie die Beschaffung von Informationen über das Atomprogramm der USA, das Manhattan Project.

Leben

Sudoplatow wurde als Sohn eines ukrainischen Vaters und einer russischen Mutter geboren. Als sein Vater früh verstarb und die Familie in Armut verfiel, trat er 1919 im Alter von zwölf Jahren in die Rote Armee ein und kämpfte im Russischen Bürgerkrieg auf der Seite der Bolschewiki. Durch seinen Einsatz in der Nachrichtenübermittlung machte er erste Erfahrungen mit der geheimdienstlichen Arbeit und wurde schließlich 1927 zur geheimen politischen Abteilung des ukrainischen OGPU versetzt.

Bereits 1933 wurde er in die OGPU-Zentrale nach Moskau versetzt und für verdeckte Operationen in mehreren europäischen Staaten eingesetzt. Anlässlich einer derartigen Operation ermordete Sudoplatow am 23. Mai 1938 auf Stalins direkten Befehl den ukrainischen Nationalisten Jewhen Konowalez in Rotterdam mittels einer als Geschenk getarnten Sprengfalle.

Im Herbst 1938 wurde er zum geschäftsführenden Direktor der Auslandsabteilung des NKWD ernannt, nachdem sein Vorgänger Sergei Spigelglas den zu dieser Zeit durchgeführten Säuberungen innerhalb des Geheimdienstes zum Opfer gefallen war, die von dem Geheimdienstchef Nikolai Jeschow initiiert waren und schließlich zu dessen Sturz führen sollten. Nach der Ersetzung Jeschows durch Lawrenti Beria im Dezember 1938 entging Sudoplatow selbst nur knapp der Säuberung von „Jeschow-Anhängern“ innerhalb des NKWD durch Beria, als Stalin ihn im März 1939 von allen Vorwürfen freisprach und ihn zum stellvertretenden Direktor der Auslandsabteilung beförderte. In dieser Position wurde er damit beauftragt, die Ermordung Trotzkis zu organisieren, die am 20. August 1940 von Ramón Mercader ausgeführt wurde.

Ab Juni 1940 bestand Sudoplatows Aufgabe darin, Spezialaufgaben innerhalb des NKWD zu organisieren. Sudoplatow ist damit der erste Kommandeur der sowjetischen Form von Special Forces im Zweiten Weltkrieg. Zu diesen Spezialaufgaben gehörten neben Sabotageoperationen hinter den feindlichen Linien im Kriegsfalle auch weiterhin die Ermordung von Dissidenten im Ausland. Während des 2. Weltkriegs war seine Einheit mit der Organisation des Partisanenkrieges im Rücken der Wehrmacht betraut. Ferner führte sie gegen die Wehrmacht gerichtete Sabotageaktionen und Anschläge aus.

Im Februar 1944 ernannte Beria Sudoplatow zum Leiter einer neu geschaffenen Abteilung S, in der sämtliche nachrichtendienstliche Tätigkeit des GRU und des NKWD in Bezug auf die atomare Rüstung gebündelt wurde. Zugleich erhielt er einen leitenden Posten im Sowjetischen Atombomben-Projekt, wo er vornehmlich Koordinationsaufgaben wahrnahm.

Von beiden Funktionen wurde er im Sommer 1946 entbunden. Stattdessen wurde ihm die Leitung einer Gruppe im MGB zugewiesen, deren Aufgabe es sein sollte, Sabotagakte im westlichen Ausland durchzuführen. Im November 1949 erhielt er kurzfristig die Aufgabe, die Guerillabewegung in der Ukraine zu zerschlagen, die dort noch vor und während des 2. Weltkriegs von dem ukrainischen Nationalisten Stepan Bandera gebildet worden war.

Im Frühjahr 1953 wurde Sudoplatow dann neuerlich mit der Leitung des Büros für Spezialaufgaben betraut. Wieder war er für Sabotageakte im Ausland zuständig. Zudem wurden Netzwerke von Auslandsagenten aufgebaut, die im Kriegsfalle Angriffe auf Einrichtungen der NATO durchführen sollten.

Mit dem Sturz Berijas im Juni 1953 endete auch Sudoplatows Karriere. Er wurde seiner Posten enthoben und verhaftet. Nach fünfjähriger Haft wurde er im Herbst 1958 wegen der angeblichen Beteiligung an einer von Berija geleiteten Verschwörung zum Sturz der Regierung zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt.

Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis, wo er mit einigen prominenten Anhängern Stalins seine Tage verbracht hatte, arbeitete Sudoplatow ab 1968 als Übersetzer deutscher und ukrainischer Texte. Ferner verfasste er einen Roman und einige Schriften über seine Tätigkeit im 2. Weltkrieg. 1992 wurde Sudoplatow, nachdem er die Glasnostpolitik zu einer öffentlichen Kampagne genutzt hatte, rehabilitiert und von sämtlichen Vergehen, wegen derer er verurteilt worden war, freigesprochen.

1994 wurde seine Autobiographie Special Tasks veröffentlicht, die er zusammen mit seinem Sohn und zwei US-amerikanischen Autoren verfasste. Das Buch verursachte einen bemerkenswerten Eklat, da es neben einer detaillierten Beschreibung diverser Geheimdienstoperationen und der internen Organisation des Geheimdienstes auch die Behauptung enthielt, dass mehrere westliche Wissenschaftler, die am US-Atomprogramm beteiligt waren, die Sowjetunion mit geheimen Informationen versorgt hatten. Diese Behauptung wurde mehrfach angezweifelt.

Sudoplatow wurde auf dem Donskoi-Friedhof in Moskau beigesetzt.

Werke

Weblinks


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