Struwenberg

Struwenberg
Wappen Deutschlandkarte
Die Gemeinde Hohenfinow führt kein Wappen
Hohenfinow
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Hohenfinow hervorgehoben
52.81055555555613.92444444444455Koordinaten: 52° 49′ N, 13° 55′ O
Basisdaten
Bundesland: Brandenburg
Landkreis: Barnim
Amt: Britz-Chorin-Oderberg
Höhe: 55 m ü. NN
Fläche: 21,91 km²
Einwohner: 513 (31. Dez. 2007)
Bevölkerungsdichte: 23 Einwohner je km²
Postleitzahl: 16248
Vorwahl: 033362
Kfz-Kennzeichen: BAR
Gemeindeschlüssel: 12 0 60 092
Adresse der Amtsverwaltung: Eisenwerkstraße 7
16230 Britz
Webpräsenz:
Bürgermeister: Norbert Christ (Einzelbewerber)
Lage der Gemeinde Hohenfinow im Landkreis Barnim
Karte

Hohenfinow [hoːənˈfiːnoː] ist eine Gemeinde im Amt Britz-Chorin-Oderberg im Landkreis Barnim in Brandenburg (Deutschland) mit den Ortsteilen Karlswerk, Struwenberg und Liebenstein. Der Ort liegt rund acht Kilometer östlich von Eberswalde an der B 167.

Hohenfinow ist ländlich geprägt und von Ackern, Weiden und Wiesen sowie dem Hohenfinower Wald umgeben. Die romanische Feldsteinkirche stammt wahrscheinlich aus dem Jahr 1250. Hohenfinow war von 1375 bis 1713 Stadt.[1]

Inhaltsverzeichnis

Etymologie

Der Name Finow stammt aus vorslawischer Zeit. Das mittelniederdeutsche Wort fino(u)we bedeutet vermutlich Wurzel. Es setzt sich aus den indogermanischen pen = Schlamm, Sumpf, Wasser, feucht und uei, ui = drehen, biegen, winden zusammen, die mit dem westgermanischen Suffix -n bzw. dem slawischen -ov kombiniert wurden. Finow bedeutet also frei übertragen sich windender Fluss mit Sümpfen.[2]

Zur Zeit der Besiedlung der Gegend um Hohen- und Niederfinow durch die Slawen war die Anhöhe südlich des Flusses Finow strategisch bedeutend. Die Furt bei Niestadt (heute Eberswalde) war durch die topografischen Gegebenheiten weniger übersichtlich, die heutige Kreisstadt gewann erst 1317 durch eine Bestimmung von Markgraf Waldemar an Bedeutung. Waldemar verfügte, dass die Handelsstraße von Frankfurt/Oder und Berlin nach Stettin nicht mehr über Hohenfinow/Niederfinow zu verlaufen habe sondern über Niestadt und Eberswalde. Dazu ließ er eine Brücke über die Ragöse errichten. Die Errichtung der Burg Finow sowie des Ortes Hohenfinow als damals wichtigste Siedlung am 35 Kilometer langen Fluss begründet die Namensgebung. Etwa zeitgleich mit Hohenfinow entstand wenige Kilometer nördlich Niederfinow, das wegen der Zollstelle für Land- und Wasserzoll am Fluss via Vienouie genannt wurde.[3]

Später entstanden weitere Orte, die den Fluss im Namen führen: Finow und Finowfurt.

Geographie

Der Ort liegt auf der Diluvialplatte am südlichen Rand des Eberswalder Urstromtals welches in der jüngsten, der Weichsel-Eiszeit entstanden ist. Die höchsten Erhebungen sind der Liebenstein mit 58,3 m.u.NN sowie der südlich gelegene Friedhof mit 70,0 m.ü.NN. Die Ortsteile Struwenberg (ca. 35 m.ü.NN) und Karlswerk (ca. 45 m.ü.NN) befinden sich am Fuß des Urstromtals. Nördlich des Ortes verläuft der Finowkanal und die Alte Finow.

Aufgrund der ehemals ausgedehnten Waldgebiete des Gutes Hohenfinow reichen die zum Ort gehörenden Flächen bis an Eberswalde heran. So gehören der Wald und die ehemalige Artilleriekaserne der Wehrmacht, die später von der Sowjetarmee genutzt wurde und zwischen Eberswalde und Sommerfelde liegt, zu Hohenfinow. Dieses Wald- und Kasernengelände ist eine Enklave in Eberswalde, da das Dorf Tornow eingemeindet wurde.

Als Baugrund ist überwiegend Sand und Kiessand anzutreffen, der Grundwasserspiegel ist außer in Struwenberg relativ niedrig. Hohenfinow erstreckt sich über 0,6 km in Ost-West und 1,1 km in Nord-Süd.

Geschichte

Frühzeit

Nach der Weichseleiszeit wanderten erste Menschen in das Gebiet um Hohenfinow ein. In der Nähe von Liebenstein wurden bronzezeitliche Scherben gefunden. Zwischen Hohenfinow und Amalienhof, an der Abbruchkante des Urstromtals wird ein urzeitliches Gräberfeld vermutet, die Steinkistengräber wurden zwar im 18. Jahrhundert zerstört, es wurden aber einzelne Waffenreste gefunden. So wurde in der Nähe von Karlswerk ein Schwert aus der jüngeren Bronzezeit im Moor gefunden.

Die Burg Finow

die Kirche wurde ca. 1250 errichtet

Der Ort ist slawischen Ursprungs. Die Region wurde um 1200 von den Askaniern erobert. Nach dem Bau der etwa 10 km entfernten Burg Oderberg (damals niederdeutsch „Aderburg“) im Jahr 1213 wurde an der strategisch wichtigen Stelle oberhalb der Finow die Burg Finow gegründet. 1904 wurde bei Ausgrabungen am Hohenfinower Schloss in 2,50 m Tiefe ein mecklenburgischer Stierkopfbrakteat gefunden, der um 1220 geprägt wurde. Dieses Jahr wird als Baujahr der Burg vermutet.

Hohenfinow liegt auf einem Plateau, welches zur Besiedlungszeit im Westen, Norden und Osten von Gräben und Sümpfen umgeben war. Im Norden und Osten fällt das Gelände wenige hundert Meter hinter dem Dorf etwa 40 Meter ins Urstromtal ab. Der Ort war durch diese topographischen Gegebenheiten schon recht gut geschützt, im Süden war hinter der Kirche eine Palisadenwand errichtet worden.

Die Burg hatte die Aufgabe, die Furt der Finow (heute Hubbrücke von Niederfinow) zu schützen. Die nächsten Furten waren jeweils zehn Kilometer westlich und östlich bei den damals noch nicht gegründeten Städten Eberswalde und Bad Freienwalde gelegen. Die im Norden und Osten gelegenen Slawen sollten abgeschreckt werden, die Burg bot Schutz für die rundum gelegenen landwirtschaftlich genutzten Gebiete.

Der Ort Hohenfinow

Erste urkundliche Erwähnung
Karte von 1663; Hohenfinow hieß noch Hog Fÿn, Eberswalde Niestadt

In der Stiftungsurkunde für das Zisterzienserkloster Mariensee, etwa 10 km nördlich am Ufer des Parsteiner Sees gelegen, wird erstmals der Name Finow für ein südlich gelegenes Gebiet erwähnt. Bei der Beurkundung eines Lehnsbriefes an Gebolf von Mersingkofen, einem bayrischen Ritter aus dem Gefolge von Herzog Ludwig, wird der Name Hohenfinow am 25. Nov. 1334 erstmals erwähnt.[4] Der Lehnsbrief wurde von Ludwig in der Festung Spandau an die Burg Finow verliehen.

Von 1375 bis 1421 hielt Nikuscho de Pannewitz das Burglehen als Pfandbesitz. Von 1421 bis 1544 war die Familie Sparr Herrscher auf Hohenfinow. Hans von Thermo erwirbt 1544 Teile des Ortes. Sein Bruder Otto erbt den Besitz und hält ihn bis zu seinem Tod 1590. Die Familie hat den Besitz an die Familie Sparr zurückverkauft. 1607 verkauft Franz von Sparr Hohenfinow und Tornow an Graf Hieronymus von Schlick, welcher 1612 auf seinem böhmischen Gut Winterits verstirbt. Für 3 Jahre besaß sein Neffe, Graf Heinrich Mathias von Thurn, beteiligt am Prager Fenstersturz, Hohenfinow. Ludwig von Pfuel kaufte Hohenfinow und Tornow 1614 für 28.000 Taler.

Dreißigjähriger Krieg

In der Zeit des Dreißigjährigen Krieges mussten die Bewohner mehrmals ins Oderbruch flüchten. Obwohl Brandenburg lange nicht offiziell am Krieg beteiligt war, zogen oft Soldaten und Plünderer durch das Dorf. Es war kein Vieh mehr vorhanden, die Felder wurden nicht bestellt, es wuchs bereits wieder junger Wald auf den ehemaligen Ackerflächen. Im und um den Ort sind keine Kampfhandlungen überliefert, allerdings zogen mehrmals verschiedene Armeen durch den Ort:

  • 1626 Armee des Peter Ernst II. von Mansfeld
  • 1627 kaiserliche Truppen
  • 1631 schwedische und finnische Reiter
  • 1633 das sächsische Regiment des Herzogs Carl zu Sachsen
  • 1636 sächsische und schwedische Regimenter
  • 1637 Durchzug der schwedischen Armee unter General Panir, gefolgt von der kaiserlichen Armee unter General Gallas
  • 1640 Durchzug der schwedischen Armee unter General Torstensson

Ein Landreiter berichtete am 18. Juli 1652, dass in Hohenfinow noch jeweils drei Bauern, Kossäten und Hausleute sowie ein Knecht lebten. Kirche und Ort waren verwüstet, das Schloss wies nur geringen Schaden auf.

Zollrechte

Um diese Brücke gab es jahrhundertelang Streit

Die Zollrechte für die Furt und Brücke der Finow bzw. ab 1753 über den Finowkanal lagen seit dem 13. Jahrhundert bei der Stadt Niederfinow und der Burg Finow (später Hohenfinow). Beide Zollberechtigten stritten sich mehrmals um die Rechte an dieser Stelle. Der Bau des Finowkanals erforderte 1768 den Bau einer neuen Brücke in Niederfinow durch den Gutsherren von Hohenfinow. Die Brücke kostete 600 Taler. Der Wasserzoll war seit 1375, der Dammzoll seit 1674 verbrieft und sollte mit dem Kanalbau durch die Finanzkammer aberkannt werden. Nach allen Instanzen wurden dem Baron von Vernezobre am 29. November 1775 die Zollrechte wieder anerkannt. Noch 1878 musste sich der Minister für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten mit dem Streit um den Brückenzoll beschäftigen und bestätigte, dass der Staat für das Betätigen der Brücke täglich drei Mark an den Gutsherren von Hohenfinow zu zahlen hatte. Das Heben und Senken der Brücke wurde allerdings schon seit 1792 durch die Schiffer selbst durchgeführt. Erst die Übernahme der Brücke durch den Staat um 1900 beendete den jahrhundertelangen Zollstreit.

Bis zum Ersten Weltkrieg

Blick vom Liebenstein heute
Gutshaus in Hohenfinow (1906)
Karte vor 1850, Karlswerk, Struwenberg und Liebenstein existieren schon
Karte um 1850 mit Braunkohle-Zeche

1653 kaufte Dr. med. Balthasar Blancke aus Stettin als einziger nichtadeliger Besitzer in der Geschichte den Ort Hohenfinow.

Ab 1668 war General Ernst Gottlieb von Börstel (1630–1687) Eigentümer des Gutes Hohenfinow und ließ 1680 bis 1685 ein neues Schloss mit Park errichten, welches 1721 einen Wert von 50.000 Talern hatte. Am Bau wirkten mit:

  • Cornelius Ryckwaert als Architekt
  • Johann Batun, Stukkateur aus Italien
  • Francsiscus senior, Prinzipal der Gypser
  • Wilhelm Hober, holländischer Tischler und Treppenmacher
  • Elias Ruß, Bildhauer

Die Bäume auf den Feldern, die während des dreißigjährigen Krieges gewachsen waren, wurden nach und nach gerodet, aber 1678 waren noch 22 Höfe verlassen. Im Ort siedelten sich Wenden an, einige Bauern kamen aus Sachsen, Polen, Schlesien, Pommern, Bayern und Böhmen.

Die bis dahin ungenutzte Dorfaue wurde mit Walnussbäumen bepflanzt, östlich des Dorfes wurden am Liebenstein Weinberge angelegt. Zwischen Liebenstein und Schloss wurde eine gerade Straße errichtet und mit Linden und Ebereschen bepflanzt. Am Liebenstein wurde ein Presshaus nach ungarischem Vorbild errichtet.

1699 wurde in der Kirche verkündet, dass alle Kinder bis ins 11. Lebensjahr in die Schule gehen sollten. 1721 verkaufte Börstel seinen Besitz für 90.000 Taler an Franziskus Matthäus, Baron von Vernezobre de Laurieux. Ein Jahr später wurde eine Dorfordnung erlassen, Schaf- Ziegen- und Bienenhaltung waren verboten. Die Bauern mussten Sperlinge und andere „schädliche Vögel“ fangen und abliefern. Bei einem Mittagstisch im Jahre 1730 beim Baron Vernezobre wurden erstmals Kartoffeln verzehrt. Der geistige Führer der umliegenden Hugenotten, Pierre Theremien, hatte sie gerade aus Spanien erhalten. Da die Kartoffeln dem Baron schmeckten, baute er sie im Pfarrgarten an, auch die Bauern übernahmen die Kartoffeln bald.

Am 5. Juni 1729 kam es zu einem Großbrand durch Blitzschlag. Die drei betroffenen Höfe baten den Grundherren um Hilfe. Dieser lieferte die Materialien zum Wiederaufbau, in der damaligen Zeit nicht selbstverständlich.

Im Winter 1739/40 erfroren die Walnussbäume auf dem Dorfanger. Als Neubepflanzung wurden Linden in 4 Reihen eingepflanzt, diese stehen größtenteils heute noch.

Johann III. Bernoulli beschreibt in seinen Reisebeschreibungen 1780 „schöne Gersten- und Weizenfelder um Hohenfinow“, dies war und ist in dieser Gegend eher ungewöhnlich, da Roggen gebräuchlicher ist.

Die Bauernbefreiung verzögerte sich in Hohenfinow bis zum 21. April 1823, drei Jahre später verstarb Friedrich Ludwig Vernezobre, am 17. April 1828 wurde der Konkurs auf den Gutskomplex eröffnet. 1833 kaufte der Freiherr Konstantin von Jakobi Kloest den Gutskomplex für 167.000 Taler, verkaufte 1855 wieder für 400.000 Taler an Felix von Bethmann Hollweg

Südwestlich von Hohenfinow war im 19. Jahrhundert ein Bergwerk angesiedelt, es wurde Braunkohle im Untertagebau gefördert. Die Fördermenge betrug z.B. in der Grube Minna im Jahr 1858 etwa 654 t Braunkohle, welche in umliegenden Ziegeleien von Amalienhof uns Struwenberg als Brennstoff verarbeitet wurde.

1899 wurden an der Kirche Putzschäden festgestellt. Eine nähere Untersuchung ergab, dass sich unter dem Putz nicht der vermutete Backstein sondern romanische Granitquader befanden. 1906 bis 1910 wurde die Kirche grundlegend renoviert.

Vor dem Bau der Bahnstrecke Eberswalde - Bad Freienwalde war unter anderem eine Streckenführung über Hohenfinow geplant, weshalb in den Grundbuchakten der östlichen Ortsgrundstücke bis heute ein Vorkaufsrecht der Deutschen Reichsbahn eingetragen ist.

1914 bis 1945

Am 5. Juli 1915 führte Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg seine Tochter Isa in Hohenfinow zum Traualtar. Am 13. Juli 1917 trat Hollweg zurück und lebte bis zu seinem Tod im Gutshaus.

Am 27. Dezember 1927 wurde das administrative Herrschaftsrecht des Adels abgeschafft, aus juristisch selbstständigen Gutsbezirken wurden kommunale Gemeinden. Die mehr als 610 Jahre währende Adelsherrschaft war in Hohenfinow beendet.

Das Dritte Reich war auch im Dorf Hohenfinow präsent. In der Landwirtschaft waren 17 Zwangsarbeiter aus Polen, der Ukraine und Italien beschäftigt.

In einem Bericht zur Ortsgruppe der NSDAP wurden am 28. Dezember 1945 gezählt:[Schünemann 1]

  • ein Ortsgruppenleiter
  • 43 Parteigenossen
  • 4 SA-Mitglieder
  • 85 Frauenschaftsmitglieder

Auf dem Rittergut waren Wehrmachtseinheiten stationiert. Die Sowjetarmee erreichte am 20. April 1945 Hohenfinow, es kam zu Gefechten im Ort. Von den Bewohnern waren lediglich ein Altbauer und ein Tischlermeister im Ort verblieben. Eine Haubitzeneinheit unter Befehl von Felix Steiner pausierte kurz in Hohenfinow, bevor sie nach Eberswalde weiterrückte.

Nachkriegszeit

Kurz nach dem Durchzug der Sowjetarmee war das Dorf übervölkert. Neben den heimkehrenden Bauern hielten sich viele Flüchtlinge aus Pommern und der Neumarkt in Hohenfinow auf. Sämtliche Häuser waren überfüllt, auch im Schloss wurden alle Räume genutzt. Einer der ersten Befehle der sowjetischen Kommandantur war die Aufforderung an die Deutschen, die deutschen und sowjetischen Toten zu bergen, die im Freien lagen. Deshalb wurde auf dem Friedhof ein Gemeinschaftsgrab errichtet. Einer der nächsten Befehle war die Sicherung der Ernährung für 1945 und den kommenden Winter. Das sowjetische Militär übernahm vorübergehend das Gutshaus, zum 1. Januar 1950 wurde es zum volkseigenen Gut erklärt. Die Lebensbedingungen der Bauern verbesserten sich anfangs stark. Wie in der gesamten DDR stagnierte diese Entwicklung aber ab den 70er Jahren. In der Nachwendezeit hat sich in Hohenfinow nicht viel Nennenswertes ereignet.

Einwohnerentwicklung

Grafische Darstellung der Einwohnerentwicklung in Hohenfinow

Im Dreißigjährigen Krieg hat Hohenfinow fast die gesamte Bevölkerung verloren. Es blieben noch 10 Bürger übrig. In den folgenden 200 Jahren wuchs die Bevölkerungszahl stetig auf ca. 800. Diese Zahl stagnierte bis zum Zweiten Weltkrieg. Gegen Ende des Krieges waren nur noch 2 Bürger im Dorf, die gesamte restliche Bevölkerung war auf der Flucht vor der Sowjetarmee.[Schünemann 2] In den folgenden Monaten kamen viele der Flüchtlinge zurück, dazu kamen noch Aussiedler aus dem heutigen Polen, so dass der Ort 1950 mit 1015 seine größte Bevölkerungszahl aufwies. Bis heute sank die Zahl wieder auf etwa die Hälfte. Bis 2030 wird mit einer weiteren deutlichen Abnahme der Bevölkerungszahl gerechnet.[5]

Flora und Fauna

Koppel am westlichen Ortseingang
Moor im Hohenfinower Wald

Der Landschaftsraum um Hohenfinow hat sich in den letzten Jahrhunderten nicht maßgeblich verändert. Neben Torfbruchwiesen findet man Trockenrasengesellschaften mit Gehölzinseln, Nadel- und Mischwald sowie Ackerflächen an. Südöstlich des Ortes beginnt der Hohenfinower Wald. Dieser ist von Kiefernbestand geprägt, vereinzelt sind Eichen, Rotbuchen und Douglasien anzutreffen. Um das Schloss herum stehen Douglasie und Weißtanne.

Im Jahr 1972 gab es schwere Schäden durch Windbruch, 1990 durch Schneebruch.

Um Hohenfinow sind Rot- und Schwarzwild häufig anzutreffen, Damwild ist eher selten. Aufgrund der abwechslungsreichen Landschaft ist die Vogelwelt sehr artenreich. Wildgänse, Kraniche und Reiher können oft beobachtet werden. Die seltene Waldschnepfe ist im Hohenfinower Wald anzutreffen, selbst der Eisvogel wird regelmäßig beobachtet.

Durch die zahlreichen Hecken und Niederholz im Schlosspark und in Ortsnähe existieren fast alle in der Nähe des Menschen lebenden Kleinvögel, Käuze, Eulen und verschiedene Spechtarten. Die auf der roten Liste der gefährdeten Tiere stehenden Laubfrosch und Rotbauchunke sind in und um Hohenfinow verbreitet.

Das Storchennest in der Gersdorfer Straße 4 war von 1971 bis 2005 von einem Storchenpaar besetzt, das bei 29 Bruten 82 Jungvögel aufgezogen hat.

Sehenswürdigkeiten

In der Liste der Baudenkmäler in Hohenfinow stehen die in der Denkmalliste des Landes Brandenburgs eingetragenen Denkmäler.

Bedeutendstes und ältestes Bauwerk von Hohenfinow ist die romanische Feldsteinkirche, welche vermutlich aus dem Jahr 1250 stammt. Der ritterlichen Burgbesatzung der Burg Finow stand von Anfang an das Patronat über die Kirche zu. Grabungen am Schloss Hohenfinow im Jahr 1904 brachten eine Münze von 1220 zu Tage, die bestätigte, dass die Burg in diesem Jahr schon bestand. Die Kirche selbst wurde lange Zeit für bedeutend jünger angesehen, ist aber von den Askaniern im zweiten Viertel des 13. Jahrhunderts errichtet worden. Sie wurde von 1999 bis 2004 umfassend saniert.

Von der Burg Finow sind kaum noch Überreste verblieben. An ihrem Standort wurde das Schloss Hohenfinow errichtet, das zumindest teilweise heute noch existiert. Es wurde später Gutshaus und nach 1945 Standort der örtlichen LPG. Der weitgehende Abriss des Schlosses erfolgte 1961/62.

Erwähnenswert ist das Querhaus auf dem Anger. Es ist ein Doppelstubenhaus aus Fachwerk mit schwarzer Küche, von der es nur noch wenige gibt. Die Renovierung von 1992 bis 2000 und kostete 850.000 DM.

Wirtschaft

In Hohenfinow existiert als Nachfolger der LPG eine landwirtschaftliche GmbH. Das Gasthaus Hohenfinow an der Ecke Eberswalder Straße/Straße an Anger besteht schon seit mehreren Jahrhunderten und bezog bis Mitte des 19. Jahrhunderts das Bier aus der Gutsbrauerei. Seit 2003 besteht im Ortsteil Liebenstein eine Straußenfarm, die bis zu 100 schlachtreife Tiere jährlich auf der Koppel am Ort züchtet. Seit 1915 existiert die Freiwillige Feuerwehr Hohenfinow, am Liebenstein gibt es eine Fleischerei.

Bis Mitte der 70er Jahre hatte Hohenfinow neben dem Falkenberger Telefonanschluss eine Direktleitung zum Amt Eberswalde, welche im Gut geklemmt war. Dieser Anschluss existierte noch aus der Zeit vor dem Krieg. Privatanschlüsse waren doppelt geklemmt, so dass jeweils nur ein Teilnehmer telefonieren konnte.

Verkehr

Zug der ODEG bei der Ausfahrt aus dem Bahnhof Niederfinow

Hohenfinow sollte in der ursprünglichen Planung von der Eisenbahnlinie Eberswalde - Frankfurt (Oder) erschlossen werden. Die Bahn wurde aber wenige Kilometer nördlich in der Nähe von Niederfinow entlang geführt. Der Bahnhof Niederfinow befindet sich unmittelbar an der Grenze des Ortsteiles Struwenberg. Züge der ODEG verkehren im stündlichen Rhythmus nach Eberswalde und Frankfurt (Oder) bzw. Wriezen.

Die Barnimer Busgesellschaft bedient den Ort mit zwei Linien mehrmals per Bus. Die Linie 883 fährt von Eberswalde über Tornow, Hohenfinow, Struwenberg und Falkenberg nach Bad Freienwalde und zurück. Die Linie 916 führt von Eberswalde nach Hohensaaten über Hohenfinow, Niederfinow, Liepe und Oderberg.

Regelmäßige Veranstaltungen

Die 600-Jahrfeier des Ortes 1934 wurde nicht gefeiert. Zu DDR-Zeiten waren vorgegeben Festtage der 1. Mai und der 7. Oktober, so dass sich im Ort keine regelmäßigen Feierlichkeiten entwickelten. Es sind zwar Fotos einer Maifeier mit Jagdhornbläsern von 1958 überliefert, weitere Aktivitäten sind nicht bekannt. Die 650-Jahrfeier wurde 1984 begangen. 1996 und 1997 fand eine regionale Tourismusmesse im Speicher des Schlosses statt. Das Konzept der Messe erwies sich aber als nicht tragfähig. Regelmäßige Dorffeste wie das im Nachbarort stattfindende Mittsommerfest gibt es in Hohenfinow nicht.

Persönlichkeiten

Grabstätte des Reichskanzlers Theobald von Bethmann Hollweg in Hohenfinow.
Herren auf Hohenfinow

Bildergalerie

Einzelnachweise

  1. Deutsches Städtebuch, Bd.2, Städtebuch Brandenburg und Berlin, ISBN 3-17-015388-9
  2. G. Schlimpert: Die Ortsnamen des Barnim - Brandenburgisches Namenbuch Bd. 5, Weimar 1984, S. 135
  3. Siegfried Schiefelbein: Niederfinow, ein Ort mit schwebenden Schiffen, 1258 - 1267 - 2008, herausgegeben von Dr. Gisela Gooß, Förderverein Kloster Chorin e. V., Amt Britz-Chorin, ISBN 3-936932-19-0
  4. Geheimes Staatsarchiv, Rep. 78a, Nr. 8, S. 71 f. - gedruckte Fassung Riedel, Codex Diplomaticus Brandenburgensis, Reihe A, XI.,30C
  5. http://www.statistik.brandenburg.de/sixcms/list.php?page=lds_shop_p&sv%5Bshop_rubriken.id%5D=240232

Erika und Helmut Schünemann, Hohenfinow. Ort am Rande des Barnim. 1258 – 1334 – 2007, Kloster Chorin 2007, ISBN 3-936932-09-3

  1. Seite 93
  2. Seite 97

Literatur

  • Rudolf Schmidt: Geschichte der Stadt Eberswalde, Band 2: von 1740 bis 1940, Nachdruck der 1. Auflage von 1941, Verlagsgesellschaft Rudolf Müller, Eberswalde 1994, Neuauflage: Buchhandlung Mahler im Auftrage der Stadt Eberswalde
  • Rudolf Schmidt: Der Kampf um das Brückengeld - Eine Erinnerung aus der Geschichte des Städtleins Niederfinow, Eberswalder Heimatblätter 1912-1916
  • Erika Schünemann, Helmut Schünemann: Hohenfinow - Ort am Rande des Barnim 1258-1334-2007, herausgegeben von Dr. Gisela Gooß, Förderverein Kloster Chorin e. V., Amt Britz-Chorin, ISBN 3-936932-09-3
  • Kreisarchiv Barnim: Niederfinower Privilegien 1674-1934, Nr. 0041 sowie Prozeß gegen die Gemeinde Niederfinow 1868-1869, Nr. 1163

Weblinks


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