Swisscontact

Swisscontact

Swisscontact, mit vollem Namen Schweizerische Stiftung für technische Entwicklungszusammenarbeit, ist eine Non-Profit-Organisation, die mit Projekten zur Reduktion der Armut in Entwicklungs- und Schwellenländern beiträgt. Sie wurde 1959 als politisch und konfessionell neutrale Organisation der Schweizer Wirtschaft gegründet und beschäftigt neben 25 Mitarbeitern in der Schweiz rund 400 Mitarbeiter im Ausland. Die Arbeitsschwerpunkte sind die Förderung der Berufsbildung, kleiner und mittlerer Unternehmen, der Mikrofinanzdienstleistungen und des Umweltschutzes.

Swisscontact ist eine Schweizer Nichtregierungsorganisation, die sich für die nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung in einkommensschwachen Ländern einsetzt. Das Ziel aller Aktivitäten ist, durch Förderung der Privatwirtschaft in Ländern des Südens und Ostens die Armut zu reduzieren..[1]

Persönlichkeiten aus Schweizer Unternehmen, Universitäten und der Politik gründeten Swisscontact 1959 unter dem Namen Schweizerische Stiftung für technische Entwicklungshilfe.[2] 1972 wurde sie umbenannt in Swisscontact – Schweizerische Stiftung für technische Entwicklungshilfe. 1983 erhielt sie ihren heutigen Namen: Swisscontact - Schweizerische Stiftung für technische Entwicklungszusammenarbeit.[3]

400 Mitarbeiter im Ausland sowie rund 25 Personen in der Schweiz arbeiten bei Swisscontact. Zusätzlich leisten pensionierte Fachleute als Mitglieder des Senior Expert Corps ehrenamtliche Beratungseinsätze. Die Unterstützung erfolgt in Form von Projekten, welche in Zusammenarbeit mit lokalen Firmen, NGOs, öffentliche Institutionen umgersetzt werden. Ziel ist, dass Menschen Fähigkeiten erwerben und sich die Mittel erarbeiten, um aus eigener Kraft die Armut zu überwinden..[4]

Swisscontact trägt das ZEWO-Gütesiegel für Spenden sammelnde Organisationen in der Schweiz. Die Stiftung ist vom internationale Inspektionsunternehmen SGS im Rahmen dessen NGO Benchmarking-Programms zertifiziert. Zwei wichtige Partner von Swisscontact sind die Bundesstellen Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) und das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO).

Inhaltsverzeichnis

Projekte

In den 1960er Jahren hat Swisscontact Berufsschulen in Afrika, Asien und Lateinamerika aufgebaut und deren Lehrer weitergebildet. In den 1980er Jahren folgten Konzepte für die Förderung von kleinen und mittleren Unternehmen(KMU), da Absolventen von Berufsschulen ein grosses Bedürfnis nach Beratung bei Betriebsgründungen äusserten. Dabei zeigte sich auch, dass KMU grosse Mühe haben, Betriebs- und Investitionskredite zu günstigen Bedingungen zu erhalten. Deshalb baute die Organisation Programme auf, welche das Entstehen von Mikrofinanzinstitutionen begünstigen. Aus der Ausbildung von Automechanikern entwickelte Swisscontact Entwicklungsprogramme für die Luftreinhaltung. Swisscontact ist auf die Projektdurchführung spezialisiert. Sie übernimmt Aufträge von öffentlichen und privaten Partnern und setzt Entwicklungsprojekte um, die öffentlich ausgeschrieben wurden. Zusätzlich betreibt die Organisation ein Programm eigener Aktivitäten, das aus Spenden und staatlichen Beiträgen finanziert wird. Alle Aktivitäten gliedern sich in vier Arbeitsbereiche: Berufsbildung, Förderung kleiner und mittlerer Unternehmen, Finanzdienstleistungen und Umweltschutz.[5]

Berufsbildung

Seit 1959 engagiert sich Swisscontact in der beruflichen Aus- und Weiterbildung. Dahinter steckt die Annahme, dass gute Ausbildungsmöglichkeiten für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung eines Landes zentral sind. Ursprünglich baute Swisscontact in strukturschwachen Ländern technische Berufsschulen (Mechaniker, Elektriker, Elektroniker etc.) nach schweizerischem Vorbild auf. In den letzten 25 Jahren hat sich der Schwerpunkt in der Berufsbildungsförderung verschoben: einerseits zur Ausbildung von Berufsschullehrern und dem Aufbau nationaler Berufsbildungssysteme und anderseits zu kürzeren Lehrgängen, speziell für arbeitslose Jugendliche und benachteiligte Bevölkerungsgruppen. In einfachen Grundkursen erlangen sie Kenntnisse, dank denen sie die Chance auf eine Anstellung oder selbständige Tätigkeit haben. Es wird auf eine möglichst hohe Beteiligung von Frauen geachtet. Zurzeit liegt ihr Anteil bei rund einem Drittel.[6]

Swisscontact unterstützt die praktische Berufsbildung durch:

  • Ausbildung von Lehrlingen und Lehrmeistern
  • Aus- und Weiterbildung von Berufsschullehrern
  • Modulare Kurzkurse
  • Technische Weiterbildung
  • Kurse in angewandter Ökologie

Swisscontact unterstützt die Berufsbildung in Mali, Benin, Burkina Faso, Uganda, Indonesien, El Salvador, Albanien[7] und Kosovo.[8]

Kleine und mittlere Unternehmen (KMU)

Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sind in Entwicklungsländern die grössten Arbeitgeber. Swisscontact fördert private und öffentlich-rechtliche Unternehmen, welche KMU beraten und ihnen weitere Dienstleistungen erbringen (zum Beispiel Weiterbildung) sowie ihre gesetzlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verbessern..[9]

Swisscontact unterstützt Klein- und Mittelunternehmen durch:

  • Fördern der Eigeninitiative
  • Verbesserung der Ausbildungs- und Beratungsangebote an KMU

(zum Beispiel Unternehmensberatung, Managementkurse, Produktentwicklung, Verkaufsschulung, Finanzkenntnisse, technisches Spezialwissen)

  • Verbesserung der gesetzlichen Rahmenbedingungen und des wirtschaftlichen Umfelds

Swisscontact fördert KMU in Südafrika, Uganda, Tansania, Bangladesch, Indonesien, Bolivien, Peru, Honduras und Nicaragua[10].

Finanzdienstleistungen

In der Entwicklungszusammenarbeit werden alle Finanzdienstleistungen zugunsten von Menschen mit kleinem Einkommen in Entwicklungsländern unter dem Sammelbegriff Mikrofinanz zusammengefasst. Ihr Zweck ist es, Kleinunternehmern Zugang zu Bankdienstleistungen zu geben, damit diese ihre Firma erhalten oder ausbauen können. Swisscontact vergibt keine Mikrokredite, sondern fördert lokale Mikrokreditbanken sowie Spar- und Kreditgenossenschaften mit Beratung, Aus- und Weiterbildung.

Unterstützt von Schweizer Bankfachleuten fördert Swisscontact den Zugang von KMU zu Sparmöglichkeiten und Krediten durch:

  • Ausbildungsangebote für Spar- und Kreditgenossenschaften und weitere Bankinstitute
  • Ausbildung von Bankangestellten in den Bereichen Mikrofinanz und Kreditwesen für KMU
  • Organisation von Kleinunternehmen in Spargruppen für Bankkredite mit Solidarhaftung

Swisscontact führt Mikrofinanzprojekte in Kenia, Uganda, Tansania, Südafrika, Indonesien, Ecuador, Peru und Ukraine.[11]

Umweltschutz

Swisscontact bemüht sich um eine wirtschaftlich, sozial und ökologisch nachhaltige Entwicklung und sieht den verantwortungsvollen Umgang mit den natürlichen Ressourcen als eine Voraussetzung dafür an. Schwellenländer, die in den letzten Jahren wirtschaftlich Fortschritte gemacht haben, zum Beispiel Vietnam, bekommen das mit stark gestiegener Umweltbelastung zu spüren. Umweltschonenendes Verhalten, zum Beispiel im Transport, kann Kosten sparen und damit das Einkommen von Unternehmen erhöhen. Swisscontact sieht Dienstleistungen im Zusammenhang mit dem Klimaschutz und entsprechende Technologien als Wachstumsmarkt an, der in Zukunft auch in Entwicklungsländern Menschen Arbeit und Einkommen bieten. Ein Beispiel ist das Wertstoff-Recycling.

Swisscontact setzt sich dafür ein durch:

  • Öffentlichkeitsarbeit, um das Umweltbewusstsein zu steigern
  • Beratung von Behörden beim Erarbeiten von Gesetzen und Verordnungen
  • Schulung von Instruktoren, Berufsleuten und Lehrlingen
  • Einführung von Abgasnormen und Messnetzen für Luftschadstoffe
  • Einführung von Wartungs- und Kontrollsystemen.

Swisscontact fördert den Umweltschutz in Indonesien, Vietnam, Bolivien, Peru und Ecuador.[12]

Senior Expert Corps

Seit 1979 besteht das Senior Expert Corps von Swisscontact, ein Pool von pensionierten Fachleuten. Auf ehrenamtlicher Basis unterstützten sie KMU in Entwicklungs- und Schwellenländern bei der Lösung technischer und betrieblicher Probleme und bilden falls nötig das Personal und die Verantwortlichen des Einsatzbetriebs weiter. Ein Einsatz dauert maximal drei Monate.[13]

Die Fachbereiche, die durch den Experten-Pool abgedeckt werden sind: Marketing und Management-Beratung, Elektro-, Bau- und Maschinen-Ingenieurwesen, Hotellerie und Tourismus, Lebensmittelproduktion, Ausbildung allgemein, Handwerk, Gesundheitswesen, Agronomen und Forstingenieure, Chemie und Pharmazeutik, Medien, weitere Spezialgebiete.[14]

Literatur

  • Elisabeth Feller: Die technische Entwicklungshilfe schweizerischer Unternehmer, in: Ostschweiz – Westschweiz – Eidgenossenschaft. Denkschrift für Fritz Hummler , Zürich 1965. S. 65–70.
  • Anne Marie Im-Hof-Piguet (Mitgründerin von Swisscontact): Unterwegs zu einer Akademie der Menschenrechte; Ein Lebensbericht. Marie Sandkorn Verlag, Basel 2005. S. 28ff. ISBN 3-9521036-1-6
  • Alber Aufdermauer: Gerbeförderung und Berufsbildungshilfe. Swisscontact auf dem Wege zu einem neuen Konzept? in: Wolf-Dietrich Greinert, Werner Heitmann, Reinhard STockmann, Brunhilde Vest (Hrsg.): Vierzig Jahre Berufsbildungszusammenarbeit mit Ländern der der Dritten Welt. Baden-Baden. 1997. S. 429–426. ISBN 3-7890-4668-X
  • Matthias Jäger, Peter Stricker. Cheese, Industrial Dreams and Labour Market Realities; 50 years of Swiss-Nepal cooperation in the field of vocational education and training. Zürich, 2007.

Publikationen

  • MICROFINANCE: Beilage der Neuen Zürcher Zeitung vom 24. September 2008. Download unter: http://www.swisscontact.org
  • Swisscontact news. Oktober 2007 mit Projektbeispielen aus Benin, Sri Lanka, Indonesien und Bolivien. PDF-Datei, ca. 590KB

Einzelnachweise

  1. Neue Zürcher Zeitung vom 27. Februar 1999: PDF, 1MB: http://www.swisscontact.ch/any/resources/pdf/990227_NeueZuercherZeitung.pdf
  2. Stiftungsurkunde Swisscontact PDF, 120KB: http://www.swisscontact.ch/any/resources/pdf/Swisscontact_Stiftungsurkunde.pdf
  3. Albert Matzinger: Die Anfänge der schweizerischen Entwicklungshilfe 1948-61. Bern. 1991. S. 163-170. ISBN 3-258-04480-5
  4. Swisscontact Jahresbericht 2007 PDF, 1MB: http://www.swisscontact.ch/any/resources/pdf/990227_NeueZuercherZeitung.pdf
  5. Swisscontact Website: http://www.swisscontact.ch/deutsch/pages/AR/AR.php?navanchor=2110011
  6. Swisscontact Website: http://www.swisscontact.ch/deutsch/pages/AR/AR_Bg.php
  7. Artikel über ein Berufsbildungsprojekt von Swisscontact in Albanien in: Panorama – Die Fachzeitschrift für Berufsberatung, Berufsbildung und Arbeitsmarkt. Nr. 5, 2007. S. 19f. ISSN: 1661-9552
  8. Artikel über ein Berufsbildungsprojekt von Swisscontact im Kosovo in: Le Temps vom 25. Oktober 2006. S. 8 (französisch)
  9. .Swisscontact Website: http://www.swisscontact.ch/deutsch/pages/AR/AR_Ug.php
  10. Bericht über Swisscontact-Projekt in Honduras in Rural Development News Nr. 1, 2008. S. 5-13. ISSN: 1661-4267
  11. Swisscontact Website: http://www.swisscontact.ch/deutsch/pages/AR/AR_Fn.php?navanchor=2110015
  12. http://www.swisscontact.ch/deutsch/pages/AR/AR_Uz.php?navanchor=2110021
  13. Swisscontact: Wissen und Erfahrung weitergeben; 25 Jahre Swisscontact Senior Expert Corps. Zürich. 2004
  14. Swisscontact Jahresbericht 2007 PDF 2MB: http://www.swisscontact.ch/any/resources/pdf/SwisscontactJahresbericht2007.pdf

Weblinks


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