São Tomé und Príncipe

São Tomé und Príncipe
República Democrática de
São Tomé e Príncipe

Demokratische Republik São Tomé und Príncipe

Flagge von São Tomé und Príncipe
Wappen von São Tomé und Príncipe
Flagge Wappen
Amtssprache Portugiesisch
Hauptstadt São Tomé
Staatsform Präsidiale Demokratie
Staatsoberhaupt Präsident Manuel Pinto da Costa
Regierungschef Premierminister Patrice Trovoada
Fläche 1.001 km²
Einwohnerzahl 206.178 (Stand Juli 2008)
Bevölkerungsdichte 187 Einwohner pro km²
Bruttoinlandsprodukt nominal (2007)[1] 144 Mio. US$ (180.)
Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner 881 US$ (139.)
Human Development Index 0,651 (131.) [2]
Währung Dobra (STD)
Unabhängigkeit von Portugal am 12. Juli 1975
Nationalhymne Independência total
Zeitzone UTC
Kfz-Kennzeichen STP
Internet-TLD .st
Telefonvorwahl +239
Sao Tome and Principe in Africa.svg
Golf von Guinea.jpg
Sao-tome-und-principe-karte-politisch.png

Der Inselstaat São Tomé und Príncipe (port. "São Tomé e Príncipe") liegt im Golf von Guinea etwa 200 km vor der Küste Afrikas westlich vor Äquatorialguinea und Gabun. Die Insel "São Tomé" ist nach dem hl. Thomas benannt; "Príncipe" ist die "Insel des Prinzen" (oder "des Fürsten").

Inhaltsverzeichnis

Geographie

São Tomé und Príncipe ist nach den Seychellen der zweitkleinste Staat Afrikas. Die beiden namensgebenden Inseln liegen zwischen den zu Äquatorialguinea gehörenden Inseln Bioko und Annobón.

Über 90 % der Einwohner leben auf der südlichen, größeren Insel São Tomé, die 48 km lang und 32 km breit ist. Sie ist die gebirgigere der beiden Inseln. Die höchste Erhebung ist 2024 m hoch. Auf São Tomé liegt die gleichnamige Hauptstadt. Die nördlichere, kleinere Insel Príncipe ist etwa 16 km lang und 6 km breit; ihre höchste Erhebung misst 927 Meter.

Beide Inseln sind Teil einer durch vulkanische Aktivitäten entstandenen Gebirgskette, jedoch gibt es dort keine aktiven Vulkane mehr.

Die südliche Spitze São Tomés reicht an den Äquator. Die zugehörige Insel Rólas wird vom Äquator direkt überquert.

Städte

Die größten Städte sind:

Rang

Stadt Einwohner (2005) Distrikt
1 São Tomé 56.167 Água Grande
2 Santo Amaro 8.239 Lobata
3 Neves 7.392 Lembá
4 Santana 6.969 Cantagalo
5 Trindade 6.636 Mé-Zóchi

Bevölkerung

Das Bevölkerungswachstum liegt bei etwa drei Prozent.

Neben der Amtssprache Portugiesisch, die gleichzeitig als Lingua Franca fungiert, werden auf den Inseln noch verschiedene auf dem Portugiesischen und westlichen Bantu-Sprachen basierende Kreolsprachen gesprochen: Saotomensisch (70.000), Principensisch (1.500) und Angolar (5.000).

Etwa 80 % der Bevölkerung sind Katholiken, weitere 10 % sind Protestanten, Neuapostolische und Animisten.[3]

Gesundheit

Die Säuglings- und Kindersterblichkeit liegt bei 6 bzw. 7,7 Prozent. Die Lebenserwartung beträgt 64 Jahre. 2007 lag die weibliche Lebenserwartung bei 67,3 Jahren und die männliche bei 63,5. Die gesunde Lebenserwartung liegt bei 54 Jahren. Das Land ist von Malaria betroffen. 2006 betrugen die Gesundheitsausgaben der Regierung 120 US-Dollar (Kaufkraftparität) pro Kopf.[4]

Bildung

Bei den Erwachsenen sind die Analphabeten deutlich in der Minderheit. Dies ist insbesondere bei Männern der Fall. Die Hälfte der Lehrer des Landes ist unterqualifiziert. São Tomé und Príncipe hat Hochschulen.[5]

Geschichte

Als Entdecker der Inseln gilt der portugiesische Seefahrer João de Santarém. Dieser stand in Diensten des Kaufmanns Fernão Gomes, welcher vom portugiesischen König Alfons V. das Recht erworben hatte, jährlich 100 Leguas afrikanischer Küste im Namen der portugiesischen Krone, jedoch auf eigene Kosten, zu erkunden. Am 21. Dezember 1471 entdeckte er São Tomé und am 17. Januar 1472 Santo António (oder auch Antão); letztere wurde 1502 in Principe umbenannt.

1485 erfolgte die Gründung der ersten portugiesischen Niederlassung. Einerseits dienten die Inseln als Umschlagplatz für den Sklavenhandel zwischen Afrika, Portugal, Brasilien und den karibischen Inseln, andererseits siedelte Portugal von der Inquisition ausgewiesene portugiesische Juden und Strafgefangene hierhin um. 1572 wurde São Tomé und im Folgejahr dann auch Príncipe direkt der portugiesischen Krone unterstellt. In der Folgezeit bildete sich eine Plantagenwirtschaft mit wechselnden Monokulturen aus, zunächst im 16. bis 18. Jahrhundert Zuckerrohr, dann in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts Kaffee und schließlich seit etwa 1850 Kakao; Anfang des 20. Jahrhunderts waren die Inseln sogar der größte Kakaoproduzent der Welt.[6]

Am 29. Mai 1919 bewies die Sonnenfinsternis-Expedition unter Leitung von Arthur Stanley Eddington auf der Vulkaninsel Príncipe experimentell die Richtigkeit von Einsteins allgemeiner Relativitätstheorie.

Plakette zu Ehren Eddingtons in Sundy

Mit der Gründung verschiedener Befreiungsbewegungen außerhalb des Landes begann das Ende der Kolonialzeit. In Ghana wurde 1960 das Comité de Libertaçao de São Tomé e Príncipe (CLSTP) als Vorläufer der Movimento de Libertação de São Tomé e Príncipe (MLSTP) (ab 1972) gegründet. 1974, nach der Nelkenrevolution in Portugal, wurde die MLSTP als legitime Vertretung anerkannt, was schließlich zur Entlassung in die Unabhängigkeit am 12. Juli 1975 führte. Die MLSTP beherrschte das Land als Einheitspartei die ersten 15 Jahre nach dem Ende der Kolonialzeit. [7]

1991 wurde Miguel Trovoada zum Präsidenten des Landes gewählt. 1995 kam es zu einem Putsch; die folgenden Regierungen erwiesen sich als relativ instabil.

Am 5. Januar 1999 wurde Guilherme Posser da Costa zum Ministerpräsidenten ernannt. Allerdings brachten Korruptionsskandale, in denen gefälschte Schatzbriefe im Wert von 500 Mio. US-Dollar die Hauptrolle spielten, die Regierung schnell in Bedrängnis. Im März 1999 traten der Finanzminister sowie der Präsident der Zentralbank zurück.

Im August 2001 wurde Fradique de Menezes zum Präsidenten gewählt.

Am 16. Juli 2003 kam es zu einem Militärputsch unter Führung von Major Fernando Pereira. Der Präsident Fradique de Menezes befand sich zu dieser Zeit auf Staatsbesuch in Nigeria, daher wurden von den Putschisten nur die Premierministerin sowie einige andere Minister festgenommen. Schon am nächsten Tag kündigten die Putschisten eine Übergangsregierung und Neuwahlen an. Als Grund für den Putsch wurde die unsichere politische Lage auf der Insel angegeben, die durch Ölfunde einige Jahre zuvor und die daraus resultierenden Streitereien entstanden war. Nach acht Tagen wurde der Militärputsch auf Druck der internationalen Gemeinschaft unblutig beendet. In einem „Memorandum of Understanding” wurde eine stärkere Beteiligung der Bevölkerung an wichtigen Regierungsentscheidungen zugestanden. Es kam zu einer Regierungsumbildung unter Verbleib der Premierministerin, aber Auswechslung von sieben Ministern.

Im September 2004 kam es erneut zu einer Regierungsumbildung nach einem Bestechungsskandal, in den die Premierministerin Maria das Neves und weitere Minister verwickelt waren. Im Juli 2006 wurde Präsident de Menezes wiedergewählt.[8]

Die Präsidentschaftswahlen des Jahres 2011 gewann Manuel Pinto da Costa in der Stichwahl vom 7. August 2011. Er übernahm sein neues Amt am 3. September 2011. Pinto da Costa diente bereits früher als Staatspräsident.

Politik

Die Republik besteht seit der Unabhängigkeit 1975 mit einer Verfassung von 1990.

Die Nationalversammlung (Assembléia Nacional) hat 55 Mitglieder, die auf vier Jahre gewählt werden. Der Präsident wird alle fünf Jahre direkt gewählt und kann sich ein Mal zur Wiederwahl stellen. Wahlrecht hat jeder Bürger über 18 Jahren.

Die Wahlen vom 26. März 2006 ergaben folgende Sitzverteilung im Parlament:

  • MDFM/PCD (Movimento Democrático Força da Mudança / Partido da Convergência Democrática) – 23 Sitze
  • MLSTP-PSD (Movimento de Libertação – Partido Social Democrata) – 20 Sitze
  • ADI (Acção Democrática Independente) – 11 Sitze
  • MNR (Movimento Novo Rumo) – 1 Sitz

Sao Tomé und Príncipe ist einer der wenigen Staaten, die nicht die Volksrepublik China, sondern die Republik China auf Taiwan völkerrechtlich anerkennen.

Verwaltungsgliederung

São Tomé und Príncipe ist in zwei Provinzen gegliedert, diese wiederum in sieben Distrikte. Die Insel São Tomé und die umliegenden Inseln bilden die gleichnamige Provinz mit der Stadt São Tomé als Provinzhauptstadt. Diese Provinz ist in sechs Distrikte unterteilt.

Lage Distrikt Fläche Einwohner Hauptstadt Anmerkungen
SaoTome AguaGrande.png Água Grande 16,9 km² 51.886 São Tomé Provinz: São Tomé
Água Grande ist der kleinste, jedoch der bevölkerungsreichste der sieben Distrikte.
SaoTome Cantagalo.png Cantagalo 119,0 km² 13.258 Santana Provinz: São Tomé
SaoTome Caue.png Caué 267,0 km² 5.501 São João dos Angolares Provinz: São Tomé
Der Distrikt Caué ist größtenteils von Wald bedeckt und nur schwer zugänglich.
SaoTome Lemba.png Lembá 229,5 km² 10.696 Neves Provinz: São Tomé
In Lembá befindet sich der höchste são-toméische Berg, der 2.024 hohe Pico de São Tomé.
SaoTome Lobata.png Lobata 105,0 km² 15.187 Guadalupe Provinz: São Tomé
SaoTome MeZochi.png Mé-Zóchi 122,0 km² 35.105 Trindade Provinz: São Tomé
SaoTome Pague.png Pagué 142,0 km² 5.966 Santo António do Principe Die Insel Príncipe und die umliegenden Inseln bilden die Provinz Príncipe und gleichzeitig den siebten Distrikt.
SaoTome Districts.png gesamt 1.001,4 km² 137.599 São Tomé

Wirtschaft

Heimkehrende Fischerboote auf São Tomé

Allgemein

Der heute noch wirtschaftlich unbedeutende Inselstaat exportiert fast nur Kakao (Anteil 2001: 93 %). Diese wirtschaftliche Ausrichtung stammt noch aus der Kolonialzeit. Exporten im Wert von 2,5 Millionen Euro standen 2001 Importe im Wert von 20 Millionen Euro gegenüber. Importiert werden, unter anderem aus Portugal und Frankreich, Nahrungsmittel und lebende Tiere (30 %), Kapitalgüter (21 %) und Brennstoffe (11 %). Wichtigster Exportpartner sind die Niederlande.

Die Auslandsverschuldung lag 2002 bei 318 Mio. US-Dollar, die Inflationsrate belief sich 2009 auf 19 %.[9]

São Tomé und Príncipes Bruttoinlandsprodukt gehört zu den kleinsten der Welt und betrug 2009 ca. 191 Mio US-Dollar; das Bruttoinlandsprodukt 2009 pro Einwohner lag bei etwa 1700 US-Dollar. Für die Zukunft wird Off-Shore-Förderung von Erdöl und -gas erwartet. Die geostrategische Lage in Westafrika, das als Zukunft der Bohrstätten gilt, hat u. U. zum ersten ölpolitischen Wettrennen zwischen der Volksrepublik China und den USA geführt. Beide bemühen sich zur Zeit verstärkt diplomatisch um Explorations- und Bohrrechte für nahestehende Firmen. In diesem Zusammenhang scheinen die USA daran interessiert, auf São Tomé eine Marinebasis zu errichten.

In den letzten Jahren unterstützt São Tomé und Príncipe verstärkt private Initiativen, den Tourismus zu entwickeln. [10]

São Tomé und Príncipe ist kein Mitglied der World Trade Organisation (WTO) [11]

Staatshaushalt

Der Staatshaushalt umfasste 2009 Ausgaben von umgerechnet 57,5 Mio. US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 48,8 Mio. US-Dollar gegenüber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in Höhe von 4,5 % des BIP.[9]

2006 betrug der Anteil der Staatsausgaben (in % des BIP) folgender Bereiche:

Einzelnachweise

  1. International Monetary Fund, World Economic Outlook Database, April 2008
  2. Country Profile São Tomé and Principe: Human Development Index
  3. Länderinformationen des Auswärtigen Amtes zu São Tomé und Príncipe
  4. UNDP - Sao Tome and Principe, Country profile of human development indicators aufgerufen 8. August 2011 (en)
  5. UNDP - International human development indicators aufgerufen 8. august 2011
  6. Isabel Castro Henriques, São Tomé e Príncipe: A invenção de uma sociedade, Lissabon: Vega, 2000
  7. Tony Hodges & Malyn Newitt, São Tomé e Príncipe: From plantation colony to microstate, London: Westview, 1988
  8. Die wichtigste Quelle für die ersten nachkolonialen Jahrzehnte ist Gerhard Seibert, Comrades, Clients and Cousins: Colonialism, Socialism and Democratization in São Tomé and Príncipe, Leiden: Brill, 2006
  9. a b c d The World Factbook
  10. Siehe Brígida Rocha Brito und andere, Turismo em Meio Insular Africano: Potencialidades, constrangimentos e impactos, Lissabon: Gerpress, 2010
  11. Alexander Hagelüken: Russland: Abkehr von der WTO - Die Fehler des Wladimir Putin. sueddeutsche.de, 16. Juni 2009, 7:41, abgerufen am 3. Juli 2009 (html, deutsch): „Die Liste der Abtrünnigen ist so kurz wie schillernd. Es finden sich darauf unter anderem der Iran und Nordkorea, São Tomé, Samoa - und Russland.“
  12. Der Fischer Weltalmanach 2010: Zahlen Daten Fakten, Fischer, Frankfurt, 8. September 2009, ISBN 978-3-596-72910-4

Weblinks

Wiktionary Wiktionary: São Tomé und Príncipe – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: São Tomé und Príncipe – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikiatlas Wikimedia-Atlas: São Tomé und Príncipe – geographische und historische Karten

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