Taubenbrücke (Mysien)

Taubenbrücke (Mysien)

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Aiseposbrücke
Aiseposbrücke
Schlitzartige Hohlkammern (Blick von Westen)
Überführt Römerstraße nach Kyzikos
Querung von Aisepos (Gönen Çay)
Ort Mysien (Türkei)
Konstruktion Bogenbrücke mit Keilsteingewölbe
Breite 5,60 m
Anzahl der Öffnungen 11 (einschl. Flutdurchlässe)
Lichte Weite Max. 12,20 m
Bauzeit Zeit Konstantins des Großen (324–337 n. Chr.)
Mittlere Pfeiler (Blick von Süden)p1

Die Aiseposbrücke oder Taubenbrücke war eine spätantike Brücke über den Fluss Aisepos (Gönen Çay) im kleinasiatischen Mysien (heutige Nordwesttürkei). Von dem vermutlich im frühen 4. Jahrhundert unter Konstantin dem Großen errichteten Bauwerk hatten sich bei einer Felduntersuchung Anfang des 20. Jahrhunderts noch fast alle Pfeiler und sieben der elf Bögen erhalten. Der derzeitige Zustand ist unbekannt. Bemerkenswert ist vor allem das fortschrittliche Hohlkammersystem, das sich auch bei anderen spätantiken Brückenbauten der Region wie z. B. der Makestosbrücke finden lässt.

Lage und Bauzeit

Die im Nordwesten der heutigen Türkei liegende Aiseposbrücke gehörte in der Antike zu einer Römerstraße zur Küstenstadt Kyzikos am Marmarameer.[1] Die Brücke überquerte den Aisepos 3,5 Meilen oberhalb seiner Mündung an der Stelle, an der das enge Flusstal sich zur Küstenebene öffnet.[2] Teile der Straße, die mit kleinen, 13–15 cm dicken Rundsteinen gepflastert war, wurden noch im 19. Jahrhundert für den Verkehr zwischen der Nachfolgesiedlung Bandırma (Panderma) und Boghashehr genutzt.[1]

Einen ersten Untersuchungsbericht über die Aiseposbrücke veröffentlichte der englische Archäologe Frederick William Hasluck 1906, worin er das Bauwerk in Bezug zu ähnlichen Hohlkammerbrücken über die Nachbarflüsse Granikos (Weiße Brücke), Makestos (Makestosbrücke) und Rhyndakos (Konstantinbrücke) setzte. Ausgehend von der strukturellen Verwandtschaft datierte er das Brückenquartett in das frühe 4. Jahrhundert n. Chr. in die Ära Konstantins des Großen († 337 n. Chr.).[3]

Konstruktion

Seitenriss der spätrömischen Aiseposbrücke

Von den vier Hauptbögen über den Fluss fand Hasluck keinen mehr stehend vor.[2] Allerdings waren beide Uferrampen sowie alle Brückenpfeiler mit einer Ausnahme vollständig erhalten geblieben, einzig der vom Westufer aus dritte, in der Flussmitte gelegene Pfeiler war gänzlich verschwunden.[4] Der offengelegte Brückenkörper weist im oberen Pfeilerbereich vier parallel angeordnete, schlitzartige Hohlräume auf, die sich unterhalb der Fahrbahnoberfläche längs durch die Brücke ziehen und eine Reduktion der auf den Gewölbebögen ruhenden toten Last bewirken sollten.[5] Die Pfeiler sind auf beiden Seiten durch große Wellenbrecher mit spitz zulaufenden Aufsätzen geschützt.[5] Die Spannweite der dritten und siebten Bogenöffnung werden von Hasluck mit jeweils rund 12,20 m angegeben.[6] Die Außenverkleidung der Aiseposbrücke besteht samt Wellenbrechern und Hohlraumkonstruktion aus Granitblöcken, die Verfüllung dagegen aus Bruchsteinen.[5]

Auf den Decksteinen der Hohlräume liegt das weitgehend unversehrt gebliebene Straßenpflaster auf, das sich aus großen, teilweise rechteckigen Steinen zusammensetzt. Die Brücke erreicht hier ein Breite von 5,60 m.[1]

Die Anrampung im Westen wird durch den anstehenden Berghang begrenzt.[5] Ihre beiden Gewölbebögen, einer davon halbbogenförmig, wurden mit Ziegeln aufgemauert, während die äußeren Gewölbesteine aus alternierenden Stein-Ziegel-Lagen bestehen, wie sie auch für die Makestosbrücke charakteristisch sind.[5] Die 58 m lange Ostrampe ruht auf fünf Bögen abnehmender Größe, wobei der von Vegetation überwucherte Bogen 9 von Hasluck nur hypothetisch rekonstruiert wurde.[1] Am Aufgang der Rampe befinden sich – ähnlich wie bei der Sangariusbrücke – die Überreste einer Exedra aus Backstein, um die der Weg beidseitig einen Bogen schlägt; daneben steht ein 80 cm hoher zylindrischer Stein, auf dem Reparaturen festgehalten worden sein könnten.[1]

Galerie

Einzelnachweise

  1. a b c d e Hasluck (1905/06), S. 187
  2. a b Hasluck (1905/06), S. 184
  3. Hasluck (1905/06), S. 189
  4. Hasluck (1905/06), S. 184f.
  5. a b c d e Hasluck (1905/06), S. 185
  6. Hasluck (1905/06), S. 185 und 187

Literatur

  • Frederick William Hasluck: A Roman Bridge on the Aesepus. in: The Annual of the British School at Athens, Bd. 12 (1905/06), S. 184–189

Siehe auch

Weblinks


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  • Aiseposbrücke — 40.27666666666727.603333333333 Koordinaten: 40° 16′ 36″ N, 27° 36′ 12″ O f1 …   Deutsch Wikipedia

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