Tennwil

Tennwil
Meisterschwanden
Wappen von Meisterschwanden
Basisdaten
Kanton: Aargau
Bezirk: Lenzburg
BFS-Nr.: 4202Vorlage:Infobox Ort in der Schweiz/Gemeinde
PLZ: 5616
UN/LOCODE: CH MWA
Koordinaten: (659877 / 238691)47.2963868.230285505Koordinaten: 47° 17′ 47″ N, 8° 13′ 49″ O; CH1903: (659877 / 238691)
Höhe: 505 m ü. M.
Fläche: 6.86 km²
Einwohner: 2470
(31. Dezember 2008)[1]
Website: www.meisterschwanden.ch
Karte
Karte von Meisterschwanden

Meisterschwanden (schweizerdeutsch: Meischterschwande) ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Lenzburg im Schweizer Kanton Aargau. Sie liegt im Seetal am Hallwilersee. Im Jahr 1900 wurde der Nachbarort Tennwil eingemeindet.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Das Dorf liegt auf einer leicht erhöhten Terrasse am nordwestlichsten Ausläufer des Lindenbergs, knapp einen halben Kilometer vom östlichen Ufer des Hallwilersees entfernt. Zum weitgehend unverbauten Seeufer hin fällt das Gelände steil ab. Die Bebauung ist vollständig mit jener Fahrwangens zusammengewachsen. Etwa ein Kilometer nördlich von Meisterschwanden liegt Tennwil, ein rund zweihundert Meter vom Seeufer entferntes Strassendorf.

Die Fläche der Gemeinde beträgt 686 Hektaren, davon sind 78 Hektaren mit Wald bedeckt und 85 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt befindet sich auf 565 Metern im Fluerenwald nordöstlich des Dorfzentrums, die tiefste Stelle liegt auf 449 Metern am Ufer des Hallwilersees.

Nachbargemeinden sind Seengen im Norden, Fahrwangen im Osten und Süden, Beinwil am See im Südwesten, Birrwil im Westen sowie Boniswil im Nordwesten.

Geschichte

Die erste urkundliche Erwähnung von Meistersvanc erfolgte im Jahr 1173. In diesem Jahr ging die Landesherrschaft von den Grafen von Lenzburg an die Grafen von Kyburg über. Nachdem die Kyburger ausgestorben waren, wurden 1264 die Habsburger die neuen Landesherren. Die niedere Gerichtsbarkeit gehörte den Herren von Meisterschwanden und wurde 1361 an die Herren von Hallwyl verkauft. Diese fügten das Dorf dem Niedergericht Seengen an.

1415 eroberten die Eidgenossen den Aargau. Meisterschwanden gehörte nun zum Untertanengebiet der Stadt Bern, dem so genannten Berner Aargau. Das Dorf lag im Gerichtsbezirk Seengen des Amts Lenzburg. Tennwil hingegen gehörte zur Herrschaft Fahrwangen und war bis weit ins 18. Jahrhundert hinein dem Einfluss der Berner weitgehend entzogen, da die Hallwyler hier auch die hohe Gerichtsbarkeit ausübten. Die Reformation wurde 1528 eingeführt.

Im März 1798 marschierten die Franzosen in die Schweiz ein, entmachteten die «Gnädigen Herren» von Bern und riefen die Helvetische Republik aus. Seither gehören Meisterschwanden und Tennwil zum Kanton Aargau. Bis zur zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert war Meisterschwanden von der Landwirtschaft geprägt. Dann setzte die Industrialisierung ein (Baumwollweberei und Strohflechterei). Tennwil war bis 1900 eine selbständige Gemeinde, wurde dann aber auf Anweisung der Kantonsregierung eingemeindet. Die Wohlen-Meisterschwanden-Bahn wurde am 18. Dezember 1916 eröffnet; der Bahnhof lag allerdings auf dem Gemeindegebiet von Fahrwangen. Die anfänglich geplante Weiterführung der elektrischen Normalspurbahn nach Boniswil wurde nie ausgeführt. Seit 1997 ist der Bahnverkehr eingestellt, die Strecke weitgehend abgebrochen.

Die Ära des Tourismus begann 1888, als auf dem Hallwilersee der Ausflugsverkehr mit Schiffen aufgenommen wurde. 1936 eröffnete eine Stiftung in Tennwil das «Arbeiterstrandbad», um der Arbeiterschaft einen Zugang zum See zu ermöglichen und einen Teil des Ufers der Bodenspekulation zu entziehen. Bis zu Beginn der 1960er Jahre stagnierte die Bevölkerungszahl; dann setzte jedoch eine rege Bautätigkeit ein. Die Zahl der Einwohner verdoppelte sich beinahe und Meisterschwanden entwickelte sich dank seiner attraktiven Lage zu einer Wohngemeinde.

Sehenswürdigkeiten

Reformierte Kirche

Bis 1817 gehörte Meisterschwanden zur reformierten Kirchgemeinde Seengen und bildete danach zusammen mit Fahrwangen eine eigene Kirchgemeinde. Aus diesem Grund wurde 1819/20 eine spätklassizistische Kirche gebaut, die weitgehend der im selben Zeitraum erbauten Kirche von Seengen entspricht, abgesehen von der geringeren Länge. Baumeister war Jost Kopp aus Beromünster. Der Innenraum ist oval, während die Aussenmauern ein gestrecktes Achteck bilden.[2]

Wappen

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «Im Wolkenschnitt geteilt von Blau und Weiss.» Es handelt sich dabei um das Wappen der Herren von Meisterschwanden, das erstmals 1362 auf einem Siegel erscheint. Aufgrund eines Missverständnisses verwendete die Gemeinde bis 1912 ein Wappen, das 1548 den Herren von Merenschwand zugerechnet wurde, wenngleich die Existenz dieses Geschlechts bis heute nicht gesichert ist. Die Gemeinde Buochs führt ein ähnliches Wappen, allerdings mit umgekehrten Farben.[3]

Brauchtum

Während des Zweiten Villmergerkrieg von 1712 war Fahrwangen Aufmarschgebiet der reformierten Truppen. Als die Katholiken einen Gegenangriff starteten, sollen sie der Legende nach von den Frauen aus Meisterschwanden und Fahrwangen vertrieben worden sein. Die Berner waren vom Kampfesmut so angetan, dass sie den Frauen einen Tag zugestanden, an dem sie das Kommando übernehmen durften. Seitdem wird jeweils am zweiten Sonntag im Januar der «Meitlisunntig» (Mädchensonntag) gefeiert. Die Frauen aus beiden Dörfern ziehen mit Netzen durch die Strassen, fangen damit die Männer ein und lassen diese erst nach Bezahlung eines «Lösegelds» (meist in Form alkoholischer Getränke) wieder frei.[4]

Bevölkerung

Bevölkerungsentwicklung (bis 1850 ohne Tennwil):[5]

Jahr 1764 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000
Einwohner 308 1020 1113 1113 1089 1192 1512 1539 1758 2055

Am 31. Dezember 2007 lebten 2369 Menschen in Meisterschwanden, der Ausländeranteil betrug 14,0 %.[6] Bei der Volkszählung 2000 waren 48,2 % reformiert, 30,8 % römisch-katholisch, 2,5 % moslemisch und 1,9 % christlich-orthodox; 0,8 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an. 90,9 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache, 3,8 % Italienisch, 1,6 % Serbokroatisch, 1,0 % Englisch.[7]

Politik und Recht

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden. Gemeindeammann der Amtsperiode 2006-2009 ist Kurt Kaufmann (FDP).

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Lenzburg zuständig. Meisterschwanden gehört zum Friedensrichterkreis Seengen.

Wirtschaft

In Meisterschwanden gibt es 650 Arbeitsplätze, davon 7 % in der Landwirtschaft, 31 % in der Industrie und 62 % im Dienstleistungssektor.[8] Vertreten sind kleine und mittlere Unternehmen der Metallbranche, der Mess- und Regeltechnik, des Gartenbaus, der Bauindustrie und der Textilbranche. Eine gewisse Bedeutung hat auch der Tourismus mit Hotels, Ausflugsrestaurants, Strandbädern und Campingplätzen am Seeufer. Die meisten Erwerbstätigen sind Wegpendler und arbeiten ausserhalb, z.B. in den Regionen Wohlen und Lenzburg.

Verkehr

Das Dorf liegt an der Hauptstrasse, die am östlichen Ufer des Hallwilersees entlang führt. Hier zweigt eine weitere Hauptstrasse in Richtung Wohlen ab. Meisterschwanden ist Endstation einer Buslinie der BDWM Transport nach Wohlen, welche die Bahnlinie ersetzt; eine weitere Buslinie der Gesellschaft Regionalbus Lenzburg verkehrt von Bettwil über Meisterschwanden und Seon nach Lenzburg.

Bildung

Das Schulhaus von Meisterschwanden

Die Gemeinde verfügt über einen Kindergarten und ein Schulzentrum, in dem die Primarschule, die Realschule und die Sekundarschule unterrichtet werden. Die Bezirksschule kann in Fahrwangen besucht werden. Die nächstgelegene Kantonsschule (Gymnasium) befindet sich in Wohlen.

Einzelnachweise

  1. Bevölkerungsstatistik, 2. Halbjahr 2008 - Statistisches Amt des Kantons Aargau
  2. Michael Stettler, Emil Maurer: Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau - Bezirke Lenzburg und Brugg. Verlag Birkhäuser, Basel 1953.
  3. Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004. ISBN 3-906738-07-8
  4. Meitlisunntig im Seetal
  5. Bevölkerungsentwicklung der Gemeinden im Bezirk Lenzburg - Statistisches Amt des Kantons Aargau
  6. Bevölkerungsstatistik 2. Halbjahr 2007 - Statistisches Amt des Kantons Aargau
  7. Gemeindeporträt - Statistisches Amt des Kantons Aargau
  8. Betriebszählung 2005 - Statistisches Amt des Kantons Aargau

Weblinks


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