The Dice Man

The Dice Man

Richard David James (* 18. August 1971 in Limerick, Irland), bekannt unter den Pseudonymen Aphex Twin, AFX, Caustic Window und Polygon Window, ist ein irischer Musiker und DJ. James gilt als einer der bedeutendsten Vertreter der Electronica-Szene.

Inhaltsverzeichnis

Die Person

Aphex Twin am 8. März 2007

Richard D. James kam 1971 als zweiter Sohn von Lorna und Derek James[1] im Limerick Regional Hospital zur Welt. Zusammen mit seinen beiden Schwestern wuchs er auf der britischen Halbinsel Cornwall auf. In Cornwall begann er später auch seine musikalische Karriere als DJ in den örtlichen Clubs. So war er bereits als Teenager DJ im Shire Horse in St Ives und legte zusammen mit Tom Middleton im Bowgie Inn in Crantock, Newquay auf.

James gilt als eigenwilliger Exzentriker und etwas verschroben. Er gibt nur ungern Interviews und die Aussagen, die er in ihnen macht, widersprechen sich häufig. Deswegen ist der Wahrheitsgehalt vieler biographischer Fakten umstritten. Allerdings entpuppten sich viele der dargestellten Eigenwilligkeiten als reine Gerüchte, die nach Medienberichten auftauchten, etwa dass er in einer umgebauten Bank lebt und ein gepanzertes Spähfahrzeug besitzen soll.

Die Inspiration für einige seiner Musikstücke kam ihm nach eigener Aussage während luzider Träume.

Musik

Seine ersten Musikstücke produzierte er angeblich bereits mit 10 Jahren mit Hilfe eines präparierten Klaviers und eines Tonbandgeräts. In den 80er und 90er Jahren veröffentlichte James mit seinen Alben „Selected Ambient Works 85-92“, „Selected Ambient Works Volume II“ und „Surfing On Sine Waves“ (als Polygon Window) drei Werke, die heute als wegweisend für die Entwicklung der elektronischen Musik bezeichnet werden. James wird aufgrund dieses bahnbrechenden Einflusses auch „Mozart des Techno“ genannt.

Seine Musik lässt sich nicht auf einen bestimmten Stil festlegen. Vielmehr ist sie eine sehr kreative und eigenwillige Interpretation verschiedener Stile. Die Stücke sind oftmals gekennzeichnet von einfachen, intuitiv als schön empfundenen Melodien aus ungewöhnlichen Klängen, teilweise auch von komplizierten Rhythmen und extrem detailliertem Drum-Programming (speziell auf „Drukqs“ und „Hangable Auto Bulb“). Bekannt wurde Aphex Twin mit seinen frühen, eher zugänglicheren Ambient-Stücken. Andere seiner Werke sind eher der Intelligent Dance Music, dem Techno oder dem Drill 'n Bass, eine Stilbezeichnung, die man extra für Aphex Twin erfunden hat, zuzuordnen.

Für Aufregung sorgen auch immer wieder seine Remixe für andere Künstler, in denen er das musikalische Ausgangsmaterial oft vollkommen zerstört (z. B. seine Remixe für Die Fantastischen Vier) oder komplett neu interpretiert (z. B. sein Remix für Nine Inch Nails, den er mit den Originalsamples produzierte, ohne aber je die ursprüngliche Komposition gehört zu haben). Für die Gitarrenrock-Band Lemonheads lieferte er ein eigenes Stück als angeblichen Remix eines Lemonheads-Songs ab, da er den Abgabetermin für den Remix versäumt hatte.

In der Vergangenheit wurde James wiederholt vorgeworfen, unzugängliche und teils unhörbare Musik zu produzieren. Im Jahr 1995 führte dies zu einem kurzen Disput mit Karlheinz Stockhausen [2]. Stockhausen hatte ein Stück von Richard D. James, den Track „Alberto Balsalm“, in einer Radio-Show als zu eintönig kritisiert. James zeigte sich diesbezüglich als Anhänger von John Cage, der Wiederholung (Repetition) als wichtiges musikalisches Konzept betrachtete.

Seinem Ruf als kreativem Soundbastler gerecht werdend, enthielten die Lieder der „Windowlicker EP“ versteckte Muster und ein Bild [3] von Richard mit seinem typischen Grinsen [4]. Darstellen kann man diese eingebetteten bildlichen Informationen mit einem Programm, welches das Frequenzspektrum visualisiert [5].

Der Musik von Aphex Twin wurde wiederholt ein Bezug zum Konsum von Drogen unterstellt, den Richard James selbst aber als sehr gering einschätzt, wie er in einem Interview mit der Zeitschrift Frontpage feststellte:

... ich versuche, diesen Aspekt möglichst minimal zu halten ... Making tracks when you are tripping is almost a complete waste of time  ...[6]

Nach der Veröffentlichung des Albums „Drukqs“ im Jahr 2001 hatte James für drei Jahre kaum neues Material veröffentlicht. Während dieser Zeit erschienen nur die „26 Mixes for Cash“ betitelte Sammlung bereits veröffentlichter Remixe sowie drei neue Remixe unter dem Pseudonym AFX. Von einigen Kritikern wurde bereits spekuliert, ob James musikalisch nichts mehr auszudrücken vermag. Im Frühjahr 2005 erschien dann die erste von insgesamt 11 geplanten Veröffentlichungen einer „Analord“ betitelten Serie. Die zuerst und mit einer Box veröffentlichten Analord 10 war auf 1000 Stück limitiert. Im April 2006 erschien mit „Chosen Lords“ eine Compilation der Analords-Serie als CD.

Zu James' musikalischen Weggefährten zählen neben Tom Middleton der ebenfalls in Cornwall aufgewachsene Musiker Luke Vibert sowie der als µ-ziq bekannte Brite Mike Paradinas. Seit Ende der 1990er Jahre arbeitet James häufiger mit dem von ihm entdeckten Tom Jenkinson alias Squarepusher zusammen.

Kommerzieller Erfolg

Einem breiteren Publikum wurde Aphex Twin vor allem durch die ungewöhnlichen und teilweise verstörenden Musikvideos zu „Windowlicker“ und „Come To Daddy“ bekannt, die in Zusammenarbeit mit dem Regisseur Chris Cunningham entstanden. Vor diesen Veröffentlichungen war Aphex Twin mehrfach in den britischen Charts, so 1992 mit einem Re-Release seines Stückes „Digeridoo“ und 1993 mit der Single „On“, welche Platz 32 der britischen Charts erreichte. Seine sonstigen Veröffentlichungen sind oft in geringen Auflagen hergestellt worden und somit relativ unbekannt geblieben, zahlreiche Songs waren auch Achtungserfolge in der Electronica-Szene und teilweise Underground-Hits, ohne dabei einem größeren Publikum bekannt zu werden.

1999 erhielt Aphex Twin gemeinsam mit Chris Cunningham den Prix Ars Electronica in der Kategorie digital musics.

Pseudonyme

Sein Künstlername Aphex Twin bezieht sich zum einen auf die Firma Aphex Systems (Produzent von Effektgeräten) und zum anderen auf Richards älteren Bruder gleichen Namens. Diesen lernte Richard nie kennen, da sein Bruder bereits kurz nach der Geburt 1968 verstarb. James veröffentlicht auch unter zahlreichen weiteren Pseudonymen:

Aphex-Twin-Logo
  • AFX
  • Caustic Window
  • Polygon Window
  • Mike & Rich (mit µ-ziq)
  • Bradley Strider
  • Universal Indicator
  • The Dice Man (nur für ein Stück)
  • GAK
  • Power-Pill
  • Q-Chastic
  • Soit-P.P. (nur für ein Stück)
  • Blue Calx (nur für ein Stück)
  • Analord
  • The Tuss

Zusammen mit Mike Paradinas (µ-ziq) veröffentlichte James unter dem Projektnamen Mike & Rich 1996 das Album „Mike & Rich“. Dieses wird häufig mit der inoffiziellen Fanbezeichnung „Expert Knob Twiddlers“ angegeben.[7]

Auf der Warp Compilation „wap100 - we are reasonable People“ erschien der mit Tom Jenkinson (Squarepusher) produzierte Titel „Freeman Hardy & Willis Acid“. Aphex Twin ist aber nach wie vor sein bekanntestes Projekt. Einige seiner frühen Alben erschienen auf dem belgischen Label R&S Records. Später wechselte er zu Warp Records, von denen er sich jedoch aufgrund verschiedener Differenzen getrennt hat. Richard D. James ist Mitbegründer des britischen Electronica-Labels RePhleX Records.

Werke

Alben

  • Polygon Window: Surfing on Sine Waves (1992)
  • Aphex Twin: Selected Ambient Works 85-92 (1993)
  • Aphex Twin: Selected Ambient Works Vol. II (1994)
  • Aphex Twin: Words & Music (1994)
  • Caustic Window: Caustic Window (1994, 16 unbetitelte Tracks)
  • Aphex Twin: I Care Because You Do (1995)
  • Aphex Twin: Classics (1995, Zusammenfassung der Xylem Tube EP, Digeridoo EP, zweier Remixe für Mescalinum United plus „Analogue Bubblebath“ (Analogue Bubblebath 1 EP) und „Metapharstic“)
  • Aphex Twin: 51/13 Aphex Singles Collection (1996, Compilation der EPs Ventolin, Ventolin Remixes, On und Donkey Rhubarb)
  • Aphex Twin: Richard D. James Album (1996)
  • Caustic Window: Caustic Window Compilation (1998, re-release der 3 Joyrex EPs)
  • Aphex Twin: Drukqs (2001)
  • Aphex Twin: 26 Mixes for Cash (2003)
  • AFX: Remixes Vol.1 (inoffizielle Vinylversion der ersten Hälfte der „26 Mixes for Cash“)
  • AFX: Hangable Autobulb (2006, Zusammenfassung der „Hangable Auto Bulb“ EPs]
  • AFX: Chosen Lords (2006, Compilation einiger Stücke der „Analord“ EPs)

EPs

  • AFX: Analogue Bubblebath 1 (1991, re-release 1994)
  • AFX: Analogue Bubblebath 2 (1991)
  • Bradley Strider: Bradley’s Beat (1991, re-release 1995)
  • Aphex Twin: Digeridoo (1992)
  • Aphex Twin: Xylem Tube (1992)
  • Q-Chastic: Q-Chastic (1992)
  • Power Pill: Pac Man' (1992)
  • Caustic Window: Joyrex 4 (1992)
  • Caustic Window: Joyrex 5 (1992)
  • Caustic Window: Joyrex 9 (1993)
  • Polygon Window: Quoth (1993)
  • AFX: Analogue Bubblebath 3 (1993, re-release als „Analogue Bubblebath 3.1“ 1997, jedoch andere Tracks und als „Analogue Bubblebath“ 2LP 2002)
  • Aphex Twin: On (1993)
  • Aphex Twin: On (Remixes) (1993)
  • Bradley Strider: Bradley’s Robot (1993)
  • GAK: GAK 1-4 (1994)
  • AFX: Analogue Bubblebath 4 (1994, re-release 2003)
  • Aphex Twin: Ventolin (1995)
  • Aphex Twin: Ventolin (Remixes) (1995)
  • Aphex Twin: Donkey Rhubarb (1995)
  • AFX: Hangable Auto Bulb 1 (1995)
  • AFX: Hangable Auto Bulb 2 (1995)
  • Aphex Twin: Girl/Boy (1996)
  • Aphex Twin: Come To Daddy (1997)
  • Aphex Twin: Analogue Bubblebath 3 (re-release) (1999)
  • Aphex Twin: Windowlicker (1999)
  • AFX: 2 Remixes (2001)
  • AFX: Smojphace (2003)
  • AFX: 4 Track EP Split-EP mit LFO) (2005)
  • AFX: Analord 1 (2005)
  • AFX: Analord 2 (2005)
  • AFX: Analord 3 (2005)
  • AFX: Analord 4 (2005)
  • AFX: Analord 5 (2005)
  • AFX: Analord 6 (2005)
  • AFX: Analord 7 (2005)
  • AFX: Analord 8 (2005)
  • AFX: Analord 9 (2005)
  • Aphex Twin: Analord 10 (2005)
  • AFX: Analord 11 (2005)

Videos

  • Come to Viddy (On, Donkey Rhubarb, Come to Daddy), VHS (1997)
  • The Work Of Director Chris Cunningham (Come to Daddy, Windowlicker, Monkey Drummer) (2003)
  • WarpVision. The Videos 1989 – 2004 (Windowlicker, On, Come to Daddy, Donkey Rhubarb, Nannou) (2004)
  • Rubber Johnny Chris Cunningham (2005)

Literatur

  • Rob Young: Warp. Black Dog Publishing Ltd., London 2005, ISBN 1-904772-32-3 (Reihe: Labels Unlimited)

Quellen

  1. Welcome back, the genius that is the Aphex Twin, Artikel von John O'Connell in The Face vom Oktober 2001
  2. Karlheinz Stockhausen. Advice to clever children... Artikel in The Wire vom November 1995
  3. The Face of Aphex Twin - Übersicht der in Windowlicker eingebetteten Bilder
  4. Hey, Who's That Face in My Song? Artikel in Wired vom 10. Mai 2002
  5. Eines der mit dem Spectrogram produzierten Bilder
  6. Frontpage 11/96, S. 28
  7. Mike & Rich - Mike & Rich, Artikel bei Discogs.com Version vom 14. April 2009, Zitat von Mike Paradinas


Weblinks


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