Topio stin omixli

Topio stin omixli
Filmdaten
Deutscher Titel: Landschaft im Nebel
Originaltitel: topio stin omichli, paysage dans le brouillard, landscape in the mist
Produktionsland: Griechenland, Frankreich
Erscheinungsjahr: 1988
Länge: 126 Minuten
Originalsprache: Griechisch
Altersfreigabe: FSK 6
Stab
Regie: Theo Angelopoulos
Drehbuch: Tonino Guerra, Thanassis Valtinos, Theo Angelopoulos
Musik: Eleni Karaindrou
Kamera: Giorgos Arvanitis
Besetzung

Voula: Tanina Paleologos; Alexander: Michaelis Zeke; Orestes: Stratos Tsiortsoglos

Landschaft im Nebel ist ein Road-Movie über zwei griechische Kinder auf der Suche nach ihrem unbekannten Vater, gedreht im Jahre 1988 von dem griechischen Regisseur Theo Angelopoulos. Das vielfach ausgezeichnete filmische Meisterwerk bildet nach Reise nach Kythera und Der Bienenzüchter den dritten Film und damit den Abschluss der Trilogie des Schweigens, mit der Angelopoulos ein filmisches Panorama der (nicht nur griechischen) Gesellschaft in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts geschaffen hat.

Inhaltsverzeichnis

Handlung

Voula und Alexander sind auf der Suche nach ihrem Vater, den sie noch nie gesehen haben. Ihre Mutter hat ihnen erzählt, der Vater lebe in Deutschland, und in ihrer großen Sehnsucht nach den Vater machen sie sich eines Tages heimlich auf den Weg nach Deutschland, sie setzen sich einfach im Athener Hauptbahnhof in den Deutschland-Express. Doch werden sie beim Schwarzfahren ertappt.[1] Einem Onkel, zu dem die Kinder den ermittelnden Polizisten führen, hören sie heimlich dabei zu, wie er dem Polizisten schildert, dass die Kinder gar keinen Vater in Deutschland haben, die Kinder vielmehr Ergebnis von Zufallsbekanntschaften seien, die Geschichte mit dem Vater in Deutschland sei eine einzige große Lüge. Aber die Kinder schenken der Erzählung des Onkels, die wahrscheinlich stimmt (dies bleibt offen), keinen Glauben. Als plötzlich heftiger Schneefall einsetzt und die Menschen aufgeregt auf die Straße rennen, gelingt Voula und Alexander auf der Polizeistation die Flucht.

Sie setzen ihre Suche zu Fuß fort, als sie auf einer Straße einem jungen Mann namens Orestes auffallen, der eine Panne mit seinem alten Bus hat. Er bietet ihnen an, sie mitzunehmen, und sie nehmen das Angebot an. Orestes fragt natürlich, woher sie seien und wohin sie wollten, doch sie antworten nicht, und er spürt, dass diese Kinder ein Geheimnis in sich tragen. Orestes ist der Fahrer einer Wanderschauspielgruppe, die ein Stück über die griechische Geschichte spielt, jedoch kaum noch Zuschauer findet, weil sich die Zeiten geändert haben und die Menschen leichtere Zerstreuung suchen.

Schon bald verlassen die Kinder ihren Begleiter, denn sie müssen weiter nach Deutschland, um ihren Vater finden. Jetzt nimmt sie ein LKW-Fahrer mit, der jedoch später, während Alexander schläft, das Mädchen vergewaltigt (eine der eindringlichsten Szenen des Films, das Geschehen findet hinter einer schwarzen Wagenplane statt, der Zuschauer sieht nichts und erahnt doch in seiner Imagination das ganze, furchtbare Geschehen, als Voula unter der Plane hervorkriecht und ihre blutverschmierte Hand anblickt). Der LKW-Fahrer ergreift, über sich entsetzt, die Flucht, und die Kinder machen sich weiter auf den Weg, sie fahren schwarz mit dem Zug, können kurz vor der Polizeikontrolle fliehen, und zufällig stoßen sie wieder auf Orestes, ihren Schutzengel, der sie mit dem Fahrrad zu einem völlig leeren Strandbad führt.[2] Die Schauspielgruppe löst sich unterdessen auf, sie verkaufen ihre Requisiten, und als Orestes mit Voula und Alexander die Hafenpromenade einer Stadt entlanggehen, taucht plötzlich aus dem Meer eine riesige marmorne Hand auf, die ein Hubschrauber aus dem Meer hebt, der Zeigefinger der Hand ist abgebrochen.[3]

Orestes verkauft am Hafen sein Motorrad – er muss anderntags seinen Militärdienst antreten - an einen Mann, dem er später in einer Rockbar wiederbegegnet und mit dem er wohl ein erotisches Abenteuer hat, während Voula und Alexander sich in der Bar ausruhen. Voula ist enttäuscht von Orestes, in den sie sich verliebt hat, sie bricht mit Alexander wieder auf, und als Orestes sie später sucht und auf einer gottverlassenen, neugebauten Autobahn findet, nimmt er Voula in die Arme, Voula weint und er tröstet sie: „Beim ersten Mal ist es immer so als ob man stirbt“.

Die Kinder verlassen Orestes jetzt für immer, und wieder setzen sie sich in einen Zug nach Deutschland. Kurz vor der Passkontrolle an der Grenze verlassen sie den Zug, sehen, dass ein Fluss die Grenze bildet, sie setzen sich in ein Boot und fahren damit über die Grenze. Plötzlich fallen Schüsse von Grenzsoldaten, man sieht nicht, ob die Kinder getroffen oder gar erschossen wurden - doch man hört Alexanders Stimme, es taucht in dem Nebel ein Baum auf, es wird heller, die Kinder rennen auf den Baum zu und umarmen ihn. Ob sie wohl im Paradies angekommen sind?

Die zentralen Themen

Der Film thematisiert den Abschied von der Kindheit und die Ungewissheit der Zukunft: der Finger an der Hand aus dem Meer ist abgebrochen, wir müssen selbst unsere Richtung finden. Auch die massive Zerstörung der Natur und der Raubbau an den natürlichen Lebensgrundlagen wird in eindringlichen Bildern gezeigt. Zudem geht es um die Zerbrechlichkeit menschlicher Beziehungen, aber auch die Solidarität unter Fremden: man denke nur an den engelsgleichen Orestes oder den Soldaten am Bahnhof, der den Kindern das Geld für die Fahrkarten schenkt. Die Veränderung der Seh- und Unterhaltungsmöglichkeiten (die Schauspieler-Gruppe aus Angelopoulos früherem Film O thiasos muss mangels Zuschauerresonanz aufgeben) greift er schließlich ebenso auf wie die handlungsbestimmende Kraft von Träumen und die Sehnsucht nach einem Vater und zu wissen, woher man kommt.

Die Filmmusik, mit Anklängen an die Musik der Romantik, nicht zuletzt betont durch das Instrument der Oboe, wurde von Eleni Karaindrou komponiert.

Kritiken

  • Formal präsentiert sich TOPIO STIN OMICHLI als road movie, thematisch überwiegen märchenhafte Strukturen. ... Die beiden Kinder er-fahren und erleben im realen wie metaphysischen Sinne eine „Landschaft im Nebel“... Er entwickelt vorsichtig aufglimmende Funken menschlicher Hoffnung (Josef Nagel).
  • Die Welt, durch die die Reise führt, erscheint trist; die Abreise von Voula und Alexander ist durchaus als Flucht zu verstehen. Immer wieder lässt Angelopoulos allerdings das Licht einer anderen, phantasiebetonten Welt durchschimmern, lässt er Hoffnung aufkommen, dass am Ende unserer dunklen, geschichts- und gesichtslosen Gegenwart wieder ein Tag warten kann. Mit Tarkowski gehört er zu den wenigen Filmpoeten, die die Dimension der Zeit aufheben können, in deren Filmen ein vorübergehender Austritt möglich ist in ein Reich, das seinen eigenen Gesetzen gehorcht (Walter Ruggle).
  • Zeit ist das kostbarste Lebensmittel für die Poetik des Theo Angelopoulos. Sie erlaubt dem Zuschauer und –hörer, einen Fantasieraum zu durchmessen, in dem er sich von den Film-Projektionen ein eigenes Bild machen kann, ja sogar muß – beim „freien Atmen“ mit allen verfügbaren Gefühlstakeln, im Angesicht langer Einstellungen, Plansequenzen, Panoramaschwenks und Totalen. Es sind Bilder von einer Reise durch die Welt, deren komplexe ästhetische Struktur nach einem zweiten Reisen in ihnen selbst verlangt. (Wolfram Schütte).

Auszeichnungen

Preis für die beste Regie auf dem Filmfestival in Venedig (Silberner Löwe, 1988); Bester Europäischer Film des Jahres 1989 (Felix); vorgeschlagen für die Nomination zum Oscar als bester fremdsprachiger Film (1989); darüber hinaus weitere Auszeichnungen.

Literatur

  • Theo Angelopoulos. Reihe Film 45. Mit Beiträgen von Wolfgang Jacobsen, Christa Marker, Josef Nagel, Wolfram Schütte und einem Vorwort von Theo Angelopoulos. Carl Hanser Verlag. München 1992. ISBN 3-446-17102-9
  • Walter Ruggle: Theo Angelopoulos: Filmische Landschaft. Verlag Lars Müller: Baden 1990. ISBN 3-906700-24-0

Diskographie

  • Eleni Karaindrou. Music for films. ECM Records 1429.[4]

Weblinks


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