Tullia die Ältere

Tullia die Ältere

Tullia die Ältere (um 550 v. Chr. ?; † nach 534 v. Chr. ?) war die ältere Tochter des sechsten, sagenhaften römischen Königs Servius Tullius. Ihr Vater, Servius Tullius, soll ein Sabiner gewesen sein, ihre Mutter war die Tochter des ersten etruskischen Königs von Rom, Lucius Tarquinius Priscus. Über die historische Tullia – wenn es sie je gegeben hat – wissen wir nur aus dem ersten Buch von Livius’ Geschichtswerk Ad urbe condita, wobei die Überlieferung aus dieser Zeit meist den Charakter von Sagen hat.[1]

Der Sage nach war sie jedenfalls die finsterste Person der römischen Königszeit, temperamentvoll, ehrgeizig, zügellos gierig nach Macht, und bestimmt ihre Ziele zu erreichen. Ihren ersten Mann, den Enkel des Tarquinius Priscus, brachte sie um, weil sie ihn für ungeeignet hielt, ihre hohen Ambitionen zu befriedigen. Anschließend beseitigte sie gemeinsam mit deren Ehemann Lucius Tarquinius Superbus, dem Bruder ihres Mannes, ihre Schwester Tullia die Jüngere, um mit ihm nach der Macht zu greifen.

Mit und ohne ihren Mann war sie an einigen Verschwörungen beteiligt, bis sich letztendlich ihr Augenmerk gegen ihren Vater, Servius Tullius, richtete. Dieser hatte nämlich in einem neuen Gesetz die Adligen der Etrusker und die römischen Patrizier dazu verpflichtet, auch einen Beitrag für das Königreich zu zahlen. Die Aristokraten, die zuvor verschont wurden, kochten deshalb vor Wut, und an der Spitze war Tullia, die schon ungeduldig wartete, endlich die Macht zu ergreifen.

Schließlich stieß Tarquinius den König über eine Stiege, von wo aus der Verletzte auf eine Straße und zu seinem Haus flüchtete. Tullia führte ihre Pferdekutsche eigenhändig durch die Straße, die danach Frevelgasse hieß, zum Tatort und fuhr einige Male über den Körper ihres Vaters, des Königs, der dadurch zu Tode kam. Nach einer anderen Variante befahl sie ihrem Kutscher, über den Leichnam ihres gerade von gedungenen Mördern getöteten Vaters hinweg zufahren. Auf der Kutsche schrie sie durch die Straßen der Stadt, Rom habe einen neuen, endlich einen großen König. Und er war wirklich zum Teil ein großer König, unter ihm wurde Rom erstmals zu einer militärischen Macht. Immer mehr Leute, besonders aus den etruskischen Gebieten, siedelten in die Stadt. Der Stern Tullias brillierte noch nie so stark. Doch bald ging diese Macht in eine Tyrannei über, Tarquinius Superbus überflutete Rom mit Spionen und ließ viele Regimegegner umbringen, aber nicht nur Römer, auch die reichen Etrusker, die ihm zur Macht verholfen hatten, und sogar einige Familienmitglieder.

Gerade von diesen wurden sie gestürzt, nachdem ihr Sohn Sextus eine edle Frau namens Lucretia vergewaltigt hatte. Somit ging die unerschütterlich geglaubte Monarchie der Tarquinier unter.

Einzelnachweise

  1. Livius 1,46-48

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