Vaarandi

Vaarandi

Debora Vaarandi (* 1. Oktober 1916 in Võru; † 28. April 2007 in Tallinn) war eine estnische Lyrikerin und Übersetzerin.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Debora Vaarandi wurde als Tochter eines Postbeamten im Süden Estlands geboren. Ihre Kindheit verbrachte sie größtenteils auf der Insel Saaremaa, daneben auch in Tallinn. Das Abitur legte sie 1935 in Kuressaare ab. Nach ihrer Hochzeit mit dem links gesinnten Lehrer Aadu Hint zog das Paar nach Tartu. An der Philosophischen Fakultät der Universität Tartu studierte sie von 1936 bis 1940. 1939 wurde die Ehe geschieden.

Während der sowjetischen Besetzung Estlands war Debora Vaarandi ab 1940 bei der kommunistischen Zeitung Rahva Hääl ("Volksstimme") beschäftigt. Ab 1940 war sie Redakteurin des Blattes Sirp ja Vasar ("Hammer und Sichel"). Dort lernte sie den Chefredakteur Anton Vaarandi kennen, den sie später heiratete. Bereits vor dem Zweiten Weltkrieg soll sie in die Kommunistische Partei Estlands eingetreten sein. Während der deutschen Besetzung Estlands floh sie nach Moskau und Leningrad und kehrte von 1944 bis 1946 in die Redaktion der Zeitung nach Estland zurück. Während des Krieges scheiterte ihre zweite Ehe.

Ab 1946 ließ sich Debora Vaarandi als freischaffende Schriftstellerin nieder. 1952 heiratete sie den kommunistischen Schriftsteller Juhan Smuul. Sie wurde eine der bekanntesten und beliebtesten Lyrikerinnen des Landes. 1971 wurde ihr der Titel "Volksschriftstellerin der Estnischen Sozialistischen Sowjetrepublik" verliehen.

Lyrisches Schaffen

Debora Vaarandi debütierte 1936 mit dem Gedicht Udus ("Im Nebel"). Weitere lyrische Arbeiten wurden zwischen 1936 und 1940 von verschiedenen estnischen Zeitungen veröffentlicht. 1945 erschien ihr Gedichtband Põleva laotuse all, der ein Erfolg wurde. Darin schildert sie Heimweh und Naturgefühl in der Sowjetunion während der Vertreibung durch den Zweiten Weltkrieg. Ihr eigentlicher literarischer Durchbruch gelang ihr mit dem Gedichtband Unistaja aknal 1959. Ihr lyrisches Werk wurde damit immer unpolitischer und konzentrierte sich auf Natur und Liebe.

Debora Vaarandi schrieb auch den Text zum wohl bekanntesten estnischen Schlager, dem Saaremaa valss ("Saaremaa Walzer") nach der Musik von Raimond Valgre, der von dem Sänger Georg Ots über Estland hinaus popularisiert wurde.

Gedichtbände

  • "Põleva laotuse all" (1945)
  • "Kohav rand" (1948)
  • "Selgel hommikul" (1950)
  • "Unistaja aknal" (1959)
  • "Rannalageda leib" (1965)
  • "Tuule valgel" (1977)
  • "See kauge hääl" (2000)

Übersetzerin

Debora Vaarandi war darüber hinaus eine der wichtigsten Übersetzerinnen von Gedichten aus dem Deutschen, Finnischen und Russischen ins Estnische. Sie übertrug unter anderem Bertolt Brecht, Alfred Adler, Georg Trakl, Eino Leino, Aleksis Kivi, Maxim Gorki, Anna Achmatowa und Alexei Tolstoi.

Weblinks


Wikimedia Foundation.

Игры ⚽ Поможем сделать НИР

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Debora Vaarandi — (* 1. Oktober 1916 in Võru; † 28. April 2007 in Tallinn) war eine estnische Lyrikerin und Übersetzerin. Inhaltsverzeichnis 1 Leben 2 Lyrisches Schaffen 3 Gedichtbände …   Deutsch Wikipedia

  • ВААРАНДИ (Vaarandi) Дебора — (р. 1916) эстонская поэтесса, народный писатель Эстонии (1971). В сборниках лирических стихов Под шум прибоя (1948), Мечтатель у окна (1959), Хлеб прибрежных равнин (1965), При свете ветра (1977) ассоциативная образность, философичность,… …   Большой Энциклопедический словарь

  • Laila Hirvisaari — Laila Ellen Kaarina Hirvisaari (until 2004 known as Laila Hietamies; born June 7, 1938 in Vyborg) is a Finnish author and writer.When Laila Hirvisaari was 3 years old, her father Aarne died in the Continuation War between Finland and the Soviet… …   Wikipedia

  • Estnische Schriftsteller — A Johannes Aavik (1880–1973) Artur Adson (1889–1977) August Alle (1890–1952) Artur Alliksaar (1923–1966) Betti Alver (1906–1989) August Annist (1899 1972) Ansomardi (1866 1915) Aleksander Antson (1899–1945) Harri Asi (* 1922) Elisabeth Aspe… …   Deutsch Wikipedia

  • Estnischer Autor — A Johannes Aavik (1880–1973) Artur Adson (1889–1977) August Alle (1890–1952) Artur Alliksaar (1923–1966) Betti Alver (1906–1989) August Annist (1899 1972) Ansomardi (1866 1915) Aleksander Antson (1899–1945) Harri Asi (* 1922) Elisabeth Aspe… …   Deutsch Wikipedia

  • Estnischer Schriftsteller — A Johannes Aavik (1880–1973) Artur Adson (1889–1977) August Alle (1890–1952) Artur Alliksaar (1923–1966) Betti Alver (1906–1989) August Annist (1899 1972) Ansomardi (1866 1915) Aleksander Antson (1899–1945) Harri Asi (* 1922) Elisabeth Aspe… …   Deutsch Wikipedia

  • Johannes Smuul — Juhan Smuul (* 18. Februar 1922 im Dorf Koguva auf der Insel Muhu; † 13. April 1971 in Tallinn) war ein estnischer Schriftsteller und Lyriker. Inhaltsverzeichnis 1 Leben und Werk 2 Auszeichnungen 3 …   Deutsch Wikipedia

  • Liste der Biografien/Va — Biografien: A B C D E F G H I J K L M N O P Q …   Deutsch Wikipedia

  • Liste estnischer Schriftsteller — A Johannes Aavik (1880–1973) Artur Adson (1889–1977) August Alle (1890–1952) Artur Alliksaar (1923–1966) Betti Alver (1906–1989) August Annist (1899 1972) Ansomardi (1866 1915) Aleksander Antson (1899–1945) Harri Asi (* 1922) Elisabeth Aspe… …   Deutsch Wikipedia

  • Smuul — Juhan Smuul (* 18. Februar 1922 im Dorf Koguva auf der Insel Muhu; † 13. April 1971 in Tallinn) war ein estnischer Schriftsteller und Lyriker. Inhaltsverzeichnis 1 Leben und Werk 2 Auszeichnungen 3 …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”