Venenverweilkatheter

Venenverweilkatheter
Peripherer Venenkatheter, offen (1,5 mm, weiß, unten) und geschlossen (G18, grün, oben)
Peripherer Venenkatheter der Größe 1,3 mm mit halb zurückgezogener Stahlkanüle

Der periphere Venenkatheter, der periphervenöse Katheter, der peripher-venöse Zugang, der PVK, der periphere Venenverweilkatheter (je nach Hersteller auch Abbokath®, Braunüle®, Flexüle®, Venflon®, Viggo®; umgangssprachlich auch Venüle) ist eine besondere Form des Katheters. Er dient der Flüssigkeitstherapie oder der intravenösen Applikation von Medikamenten, ohne den Patienten mehrmals mit Einstichen zu belasten. Auch Bluttransfusionen werden im Allgemeinen über periphere Venenkatheter appliziert. Ein derartiger Katheter kann im Allgemeinen mehrere Tage verwendet werden.

Das Legen eines peripheren Venenkatheters ist in der Regel Ärzten vorbehalten. Der Arzt kann diese Maßnahme auch an Fachpersonal wie Gesundheits- und Krankenpfleger, Hebammen oder Rettungsassistenten bzw. Notfallsanitäter delegieren, wobei letztere unter bestimmten Voraussetzungen auch selbstständig tätig werden dürfen. In Österreich und Deutschland wird dies durch die Notfallkompetenzen geregelt.

Inhaltsverzeichnis

Verwendung

Intravenöse Applikation

Punktion der Vene
Liegender, mit Pflaster versehener Venenkatheter mit Mandrin

Der periphere Venenkatheter besteht aus einer Stahlkanüle (Stahl-Mandrin) und einem diese umgebenden Kunststoffkatheter. Zunächst wird eine geeignete Vene punktiert und der Venenkatheter vorsichtig ein kurzes Stück in das Gefäßlumen vorgeschoben. Bei erfolgreicher Punktion füllt sich eine transparente Kammer am Ende der Punktionsnadel mit Blut. Der Katheter lässt sich anschließend über die Punktionsnadel in die Vene vorschieben.

Geeignete Venen sind prinzipiell alle oberflächlich verlaufenden Venen, in der Regel allerdings die Venen des Unterarms, des Handrückens und der Ellenbeuge (peripherer Venenzugang). Punktionen von Venen im Gelenkbereich sind aufgrund der mechanischen Belastung durch Gelenkbewegungen sowie des deutlich verringerten Komfort für den Patienten allerdings möglichst zu vermeiden.

Ebenso wie Kanülen werden die verwendeten Stahl-Mandrins in Kanülenabwurfboxen entsorgt.

Eine Blutentnahme ist, insbesondere aus bereits länger liegenden Venenkathetern, nicht immer möglich, obwohl sich gleichzeitig problemlos Flüssigkeit intravenös injizieren lässt. Blutuntersuchungen können möglicherweise durch Blutbestandteile oder Verdünnungseffekte bei vorher laufenden Infusionen verfälscht werden. Bei einer Blutentnahme direkt nach Anlage eines Venenkatheters besteht dieses Problem jedoch nicht.

Piercing

Periphere Venenkatheter werden, nicht dem ursprünglichen Verwendungszweck entsprechend, auch beim Piercing benutzt. Dabei wird der Venenkatheter an zuvor markierten Einstich- und Austrittsstellen durch die Haut und das darunterliegende Unterhautfettgewebe gestochen und anschließend die Stahlkanüle entfernt. Der einzusetzende Schmuck wird in das Ende der Kunststoffhülle eingelegt und gleichzeitig bei deren Herausschieben durch die Haut gezogen.

Variationen

Venenkatheter sind farblich kodiert; es gibt sie ebenso wie die Kanülen in mehreren Größen. Ihr Durchmesser wird in Millimeter angegeben, oft auch in der Nicht-SI-Einheit Gauge. Je nach Durchmesser hat der entsprechende Kunststoffkatheter innerhalb des Körpers eine unterschiedliche Länge (25 bis 50 mm). Mit dem Durchmesser und der Katheterlänge ändert sich die Durchflussrate; sie reicht von 22 ml/min bei 0,7 mm Kathetern bis zu 330 ml/min bei 2,2 mm Zugängen (für wässrige Infusionen). Während bei Kindern aufgrund der dünnen Gefäße die Größen 0,7 mm bis 1,1 mm benutzt werden, kommen bei Erwachsenen in der Regel die Größen 1,1 mm und 1,3 mm zum Einsatz. In Situationen, in denen in kurzer Zeit die Infusion größer Infusions- oder Blutmengen notwendig ist (Schock, Polytrauma), werden wegen der hohen Durchflussrate die Größen 1,5 mm bis 2,2 mm verwendet.

Sollte ein Zugang für einen kurzen Zeitraum nicht benötigt werden, wird dieser in der Regel durch einen passenden Kunststoff-Mandrin verschlossen, der das Lumen des Katheters ausfüllt und somit einer Blutgerinnung in dem Katheter vorbeugt.

Farbkodierung von Venenkathetern
Größe in Gauge 24 22 20 18 17 16 14
Farbe Gelb Blau Rosa Grün
Grün/Weiß
Weiß Grau Orange-braun
Außendurchmesser
(mm)
0,7 0,9 1,1 1,3 1,5 1,7 2,2
Innendurchmesser
(mm)
0,4 0,6 0,8 1,0 1,1 1,3 1,7
Durchfluss
(ml/min)
13 36 61 103/96 128 196 343
Durchfluss
(l/h)
0,78 2,16 3,66 6,18/5,76 10,68 11,76 20,58
Stichlänge
(mm)
19 25 33 33/45 45 50 50

Der periphere Venenkatheter der Größe 1,3 mm gibt es in zwei verschiedenen Ausführungen (Grün und Grün/Weiß); der Unterschied besteht lediglich in der Stichlänge, also der Länge des in der Vene liegenden Teflon-Katheters.

Ein Venenkatheter für die Pädiatrie in den Größen 0,7 mm und 0,45 mm mit und ohne Injektionsventil in den Materialien PUR (Polyurethan) und FEP (Teflon) wird von einigen Herstellern angeboten.

Sicherheitskatheter

Der Gebrauch von Sicherheitskatheter wird seit dem Inkrafttreten der TRBA 250[1] vorgeschrieben. Bei diesen Kathetern wird unmittelbar nach dem Entfernen des Stahl-Mandrins aus dem Teflonschlauch, welcher in der Vene liegt, ein Schutz über die Spitze der Kanüle gefahren. Das kann in Form einer kleinen Metallklammer geschehen, die beim Herausziehen des Stahlmandrins über selbigen geschoben wird, je nach Hersteller auch in einigen anderen Variationen. Somit wird das Risiko von Nadelstichverletzungen und einer Infektion mit HIV, Hepatitis C oder Hepatitis B gemindert.

Quellen

  1. http://www.baua.de/nn_15116/de/Themen-von-A-Z/Biologische-Arbeitsstoffe/TRBA/pdf/TRBA-250.pdf

Geschichte

Der Erfinder des ersten Dauerverweilkatheters aus Kunststoff war Bernd Braun, Arzt und Chemiker, im Jahr 1962.

Siehe auch

Weblinks

Gesundheitshinweis
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