Wien IX

Wien IX

Der Alsergrund ist der 9. Wiener Gemeindebezirk und liegt innerhalb des Wiener Gürtels, der an Stelle des ehemaligen Linienwalls angelegt wurde.

IX. Wiener Gemeindebezirk
Wappen Karte
Name: Alsergrund
Fläche: 2,99 km²
Einwohner: 39.333 (1. Jänner 2007)[1]
Bevölkerungsdichte: 13.131 Einwohner je km²
Postleitzahl: 1090
Adresse des
Bezirksamtes:
Wilhelm-Exner-Gasse 5
1090 Wien
Offizielle Website: http://www.wien.gv.at/bezirke/alsergrund
Politik
Bezirksvorsteherin: Martina Malyar (SPÖ)
Bezirksvertretung
(40 Bezirksräte)
SPÖ 14, Grüne 12
ÖVP 11, FPÖ 3
Karte: Alsergrund mit Bezirksteilen
Bezirksteile von Alsergrund

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Der 9. Bezirk Alsergrund liegt im nördlichen Zentrum Wiens. Er ist 2,99 km² groß und damit der siebtkleinste Bezirk Wiens. Seine größte Nord-Süd Ausdehnung erreicht der Bezirk mit 2.350 Metern von der Gürtelbrücke zur Universitätsstraße. Die größte Ost-West Ausdehnung liegt zwischen Augartenbrücke und Zimmermannplatz (2.000 Meter).[2] Der Bezirk wird vom Gürtel im Westen, dem Donaukanal im Osten sowie dem Straßenzug Maria-Theresien-StraßeUniversitätsstraßeAlserstraße im Süden begrenzt. Benachbarte Bezirke sind Döbling im Norden, Währing und Hernals im Westen sowie die Josefstadt und die Innere Stadt im Süden. Im Osten ist der Alsergrund durch den Donaukanal von der Brigittenau und der Leopoldstadt getrennt.

Topographie

Die ursprüngliche Topographie des Bezirksgebietes ist durch die starke Verbauung heute nur noch eingeschränkt zu erkennen. Der größte Höhenunterschied befindet sich zwischen dem Bauernfeldplatz (163 Meter) und der U-Bahnstation Michelbeuern (202 Meter).[2] Bedeutend für die Formung des Gebietes waren die Donauarme. Neben dem Donaukanal (früher auch Wiener Arm) durchfloss der Salzgriesarm das heutige Bezirksgebiet. Dieser zweigte ursprünglich in Nußdorf ab und durchfloss in etwa die heutige Linie Heiligenstädter Straße–Liechtensteinstraße–Salzgries, wo er wieder in den Donaukanal mündete. Zwischen dem Donaukanal und dem Salzgriesarm entstand das Obere Werd, eine Insel, die auch die Spittelau und die Roßau umfasste. Ab dem 13. Jahrhundert versandete der Donauarm immer mehr, sodass der Flusslauf 1750 nur noch aus einem seichten, schmalen Arm bestand der schließlich zugeschüttet wurde.[3] Die Uferkante ist heute noch durch den Geländeabfall zwischen der Nußdorfer Straße bzw. Währinger Straße und der Lichtensteinstraße erkennbar, der durch mehrere Stiegenanlagen (z.B. Strudelhofstiege) ausgeglichen wird. Prägend für den Bezirk waren auch die heute kanalisierten Wienerwaldbäche. Der markanteste war der Alserbach, der sich bei der heutigen Kreuzung Nußdorfer Straße/Alserbachstraße mit dem Währinger Bach vereinigte und oftmals für Überschwemmungen, insbesondere in Lichtental sorgte. Durch den Althangrund verlief der in der Cottage entspringende Döblinger Bach. Die Ausläufer des Wienerwaldes bildeten auch am Alsergrund mehrere Anhöhen, auf denen im Mittelalter teilweise Weinbau betrieben wurde. Der Schottenpoint befand sich im Bereich der heutigen Berggasse, der Herzogspoint nahe der Lazarettgasse und der Sechsschimmelberg im Bereich der Sechsschimmelgasse.

Bezirksteile

Der Alsergrund wurde 1850 aus sieben Vorstädten gebildet. Die Namen der Vorstädte haben sich noch heute in Namen, aber auch Bewusstsein vieler Bewohner erhalten. Im Nordosten des Bezirksgebietes befindet sich der Althangrund, der überwiegend mit öffentlichen Einrichtungen und Infrastrukturbauten wie dem Franz-Josefs-Bahnhof, der Wirtschaftsuniversität Wien, den Instituten der Geowissenschafts-, Mathematik-, Pharmazie- und Biologiefakultäten der Universität Wien, dem Verkehrsamt sowie der Post- und Telegraphendirektion verbaut ist. Im Norden befindet sich zudem die Spittelau mit der Müllverbrennungsanlage Spittelau. Südlich des Althangrunds schließt sich die Roßau an, die großteils mit Wohnbauten verbaut ist. Zu den wichtigsten Anlagen gehören die Roßauer Kaserne, das Servitenkloster, der Jüdische Friedhof. Auch das Palais Liechtenstein gehört zur Roßau, und nicht zum nördlich gelegenen Lichtental, einem Wohngebiet mit gleichnamiger Pfarrkirche. Im Süden des Bezirksgebietes liegt die Alservorstadt, deren südlicher Teil dem 8. Bezirk Josefstadt zugeschlagen wurde. Der Bezirksteil ist großflächig mit universitären Einrichtungen wie dem Alten AKH und der Medizinischen Universität Wien verbaut. Zudem liegen in der Alservorstadt die Votivkirche und das St. Anna Kinderspital. Im Osten liegt der Bezirksteil Michelbeuern, dessen südlicher Teil praktisch vollständig vom Wiener AKH eingenommen wird. Nördlich davon liegt der Himmelpfortgrund. Dieser Bezirksteil ist fast ausschließlich mit Wohnbauten besiedelt und beherbergt zudem das Sanatorium Hera. Der nördlich und östlich gelegene, zweigeteilte Thurygrund ist ebenfalls hauptsächlich Wohngebiet.

Eine Gliederung des Bezirksgebiets besteht ferner in den Zählbezirken der amtlichen Statistik, in denen die Zählsprengel des Gemeindebezirks zusammengefasst sind. Die sechs Zählbezirke im Alsergrund sind Lichtental-Spittelau, Roßau, Allgemeines Krankenhaus, Nußdorferstraße-Volksoper, Liechtensteinstraße und Universitätsviertel.

Nutzung

Die Flächen des Bezirks Alsergrund werden fast ausschließlich von Bau- und Verkehrsflächen eingenommen. Alleine 58,9 % des dichtbebauten Bezirksgebiet entfallen auf Baugebiet (Wien 33,32 %), wobei der Anteil von Kultur-, Sport-, religiösen und öffentlichen Einrichtungen mit einem Gesamtanteil von 23,9 % an der Bezirksfläche den höchste Wert eines Wiener Bezirks darstellt. Der Rest der Baufläche entfällt fast zur Gänze auf Wohngebiete, Betriebsbaugebiete nehmen einen verschwindend geringen Anteil der Bezirksfläche ein. 34,6 % des Bezirks sind mit Verkehrsflächen verbaut (Wien 13,7 %), während Grünflächen (überwiegend Parkanlagen) nur 6,5 % (Wien 48,3 %) ausmachen. Landwirtschaftliche Flächen existieren auf dem früher teilweise für den Weinbau genutzten Gebiet eben so wenig wie Wiesen und Kleingärten. Der Alsergrund verfügt heute auch über keine Gewässer mehr, da die Wasserfläche des Donaukanals zur Leopoldstadt bzw. Brigittenau gehört und die ehemaligen Bäche kanalisiert wurden.[4] Am Alsergrund befindet sich in der Sensengasse ein (für innerstädtische Bezirke untypischer) „Stadtwald“. In der Fläche ist er allerdings so klein, dass er statistisch selten ausgewiesen wird.

Geschichte

Hauptartikel: Geschichte des Alsergrunds

Römerzeit und Frühmittelalter

Die frühsten Ausgrabungen im Alsergrund stammen aus der Römerzeit, als der Limes durch den Bezirk führte. Zu den erhaltenen Überresten dieser Zeit zählen Reste der Straße, Grundmauern eines Limesturmes, Überreste der Lagervorstadt sowie einige Votivsteine und Altäre.

Erste Besiedelungen erfolgten um das Jahr 800 durch bayrische Kolonisten, die mit St. Johann an der Als eine von mehreren stützpunktartig angelegten Kirchensiedlungen entlang des Limes gründeten. Ein weiterer früher Besiedelungspunkt befand sich im heutigen Bezirksteil Michelbeuern, wo ein Hof der Benediktinerabtei St. Michael zu Beuern erstmals 1072 urkundlich genannt wurde.

Der Alsergrund im Hoch- und Spätmittelalter

Alserbachstraße, 1899

Um St. Johann an der Als entwickelte sich im Hochmittelalter eine erste Siedlung (Siechenals), die über ein Hospital und eine Kirche auf einem Hügel, rechts der Als, verfügte. 1158 überantwortete Heinrich der II. Jasomirgott dem Schottenstift den Grundbesitz und das Pfarrrecht des Gebietes zwischen dem Tiefen Graben, der Kirche St. Johann und der Als bis zur Mündung in die Donau. Wichtigste Einnahmequelle des Gebietes war der Weinbau am sogenannten „Schottenpoint“. Auch am heutigen Donaukanal entwickelte sich ein kleines Fischerdorf, dessen Kirche 1255 als St. Johann im Werd erstmals genannt wurde. Am Schottenpoint ist des Weiteren 1239 das Maria-Magdalen-Kloster belegt, in nächster Nähe befand sich der Neuburgerhof (Klosterneuburger Hof) des Stifts Klosterneuburg. Neben dem Weinbau wurde auch Löss abgebaut und Ziegel erzeugt. Einer der Öfen löste 1276 einen Großbrand aus, der neben dem Fischerdorf auch die Stadt Wien vernichtete. Nur 150 Häuser der Stadt blieben verschont. Das Fischerdorf wurde in der Folge wiederaufgebaut, befand sich im 13. und 14. Jahrhundert in ständig wechselndem Besitz verschiedener Klöster. Die sogenannte Fischervorstadt verfügte jedoch immerhin über eine eigene Pfarrkirche. Die Bewohner lebten vor allem vom Fischfang. 1477 und 1485 war das heutige Bezirksgebiet vom Ungarnkönig Matthias Corvinus besetzt, der die Stadt Wien belagerte. 1486 konnte Matthias Corvinus schließlich in Wien einziehen.

Bevölkerung

Bevölkerungsentwicklung[5][6]

Bevölkerungsentwicklung

Die Bevölkerungszahl im Alsergrund lag 1869, 19 Jahre nach Gründung des Bezirks, bei 65.910 Menschen. Durch den Bauboom in der Gründerzeit, die Verbauung von bisher unverbautem Gebiet am ehemaligen Glacis, Linienwall und Donaukanal sowie der Ersetzung von Altbauten durch Zinskasernen verdoppelte sich die Bevölkerung bis 1910 beinahe auf 112.042 Bewohner. Danach begann durch den immer höher werdenden Anspruch auf Wohnraum ein sukzessiver Rückgang der Wohnbevölkerung. Ein besonders drastischer Einbruch verzeichneter der Alsergrund in den 30er und 40er Jahre durch die Vertreibung und Deportation des starken jüdischen Anteils an der Bezirksbevölkerung. Nach einer kurzen Steigerung nach dem Zweiten Weltkrieg sank die Bevölkerungszahl bis 2001 auf 37.821 ab, ein Drittel des Höchstwerts. In den letzten Jahren stabilisierten sich die Bevölkerungszahlen jedoch wieder und stiegen leicht an.

Bevölkerungsstruktur

Die Altersstruktur der Alsergrunder Bevölkerung unterschied sich 2001 nur in wenigen Bereichen vom Wiener Durchschnitt. Insbesondere bei den Kindern und jungen Erwachsenen traten stärkere Divergenzen auf. Waren im Alsergrund 2001 11,8 % der Bevölkerung unter 15 Jahre alt, so lag der Wert in Wien mit 14,7 % deutlich höher. Dem gegenüber lag der Anteil der Bevölkerung im Alter von 20 bis 29 Jahren vor allem auf Grund einer hohen studentischen Einwohnerzahl im Alsergrund mit 16,3 % stark über dem Wien-Durchschnitt von 12,8 %. Der Geschlechterverteilung im Bezirksgebiet war mit einem Anteil von 46,5 % Männern und 53,5 % Frauen im Bereich des Wiener Durchschnitts, während die Alsergrunder mit 36,0 % gegenüber 41,2 % weniger oft verheiratet waren als der Durchschnittswiener.[7]

Herkunft und Sprache

Der Anteil der ausländischen Bezirkseinwohner lag 2005 bei 22,5 %, und weist eine steigende Tendenz auf (2001: 19,3 %). Den höchsten Anteil der Ausländer stellten 2005 mit rund 4,5 % Anteil an der Bezirksbevölkerung Staatsbürger aus Serbien und Montenegro. Weitere 2,5 % waren deutsche, 1,5 % türkische, 1,1 % polnische und je 1,1  kroatische oder bosnische Staatsbürger. Insgesamt waren 2001 27,3 % der Alsergrunder nicht in Österreich geborene. 6,1 % sprachen daher als Umgangssprache Serbisch, 3,0 % Türkisch und 2,6  % Kroatisch.[7] [8]

Religion

Das Religionsbekenntnis der Bevölkerung des Alsergrunds entspricht im wesentlichen dem Durchschnitt Wiens. Lediglich der Anteil der islamischen Bevölkerung liegt deutlicher unter dem Durchschnitt. Bei der Volkszählung 2001 gaben 48,9 % der Bewohner an, der römisch-katholischen Kirche anzugehören. Es gibt im Gemeindebezirk vier römisch-katholische Pfarren, die zum Stadtdekanat 8/9 gehören. 6,2 % der Bevölkerung waren islamischen Glaubens, 5,9 % gehörten der orthodoxen Kirche an und 4,9 % waren evangelisch. 24,7 % der Bezirksbevölkerung war ohne Bekenntnis, 6,6 % gaben kein Religionsbekenntnis an. Heute bekennen sich noch 0,7 % der Bevölkerung zum jüdischen Glauben. Der Alsergrund ist damit der Bezirk mit dem vierthöchsten Anteil an Juden in Wien.[7]

Politik

Bezirksvorsteher seit 1945
Heinrich Hart (KPÖ) 4/1945–1946
Johann Rajnoha (SPÖ) 1946–1950
Rudolf Wohlmuth (ÖVP) 1950–1954
Johann Rajnoha (SPÖ) 1954–1959
Roman Köchl (ÖVP) 1959–2/1964
Franz Bauer (ÖVP) 3/1964–11/1964
Roman Köchl (ÖVP) 11/1964–1969
Karl Schmiedbauer (SPÖ) 1969–1978
Wolfgang Schmied (ÖVP) 1978–1991
Johann Benke (SPÖ) 1991–2003
Martina Malyar (SPÖ) seit 2003

Am Alsergrund konnte nach dem Zweiten Weltkrieg anfangs weder die SPÖ, noch die ÖVP mehr als zwei Perioden stimmenstärkste Partei werden. Erst 1978 gelang es der ÖVP den Führungsanspruch über drei Perioden zu halten. 1991 löste die SPÖ die ÖVP als stärkste Partei ab und stellt seitdem ununterbrochen den Bezirksvorsteher. Bis 1987 erreichten SPÖ und ÖVP gemeinsam immer mehr als 80% der Stimmen, FPÖ und KPÖ spielten eine untergeordnete Rolle. 1991 begann der Aufstieg von FPÖ und Grünen, die 16,7  bzw. 13,9  der Stimmen erreichten. 1996 kostete der Antritt des Liberalen Forums, das auf Anhieb 9,5  erreichte, den Großparteien weitere Stimmanteile[9] Während die Freiheitliche Partei bei den Wahlen 2001 und 2005 mehr als die Hälfte ihrer Stimmen verlor und unter die 10  Marke schrumpfte, setzten die Grünen ihren Aufstieg fort und gewannen bei den Wahlen rund 7 % bis 8 %. 2005 überholten die Grünen auch die ÖVP und liegen nun rund 4 % hinter der SPÖ, die durch die Verluste der Freiheitlichen insbesondere 2001 wieder deutlich zulegen konnten.

Bezirksvertretungswahlen 1996–2005 [10]
Jahr SPÖ ÖVP FPÖ Grüne LIF Sonstige
1996 27,80 26,83 19,80 14,58 9,45 1,54
2001 32,50 26,03 14,59 21,23 4,11 1,54
2005 33,81 25,52 8,23 29,43 0,85 3,01

Wappen

Bezirkswappen Alsergrund

Das Bezirkswappen wurde 1904 von Hugo Gerard Ströhl entworfen und setzt sich aus den Siegeln der ehemaligen Vorstädte zusammen. Der Schild im Zentrum des Wappens steht für den namensgebenden Bezirksteil, die Alservorstadt. Es zeigt eine auf einem Ast sitzende Elster vor gelbem Grund und steht für den namensgebenden Alserbach. Dieser wurde umgangssprachlich auch Alsterbach (=Elster) genannt. Der linke obere Wappenteil steht für den Michelbeuerngrund, dessen Wappen ursprünglich ebenfalls eine Elster zeigte. 1986 wurde dieser Teil durch das Wappen des ursprünglichen Grundherren (Abtei Michaelbeuern) mit zwei Adlerflügeln in geteiltem, rot bzw. blauem Feld ersetzt. Das mittlere Feld in der oberen Reihe steht für den Bezirksteil Himmelpfortgrund und zeigt das Osterlamm mit Kreuzfahne. Abgeleitet wurde die Darstellung vom Siegel der Grundherren des Himmelpfortklosters. Im rechten oberen Feld befindet sich eine Darstellung von Johannes des Täufers mit Kirchenmodell, Lamm und Fahne. Es symbolisiert dabei den Namenspatron des Gründers des Thurygrund, Johann Thury. Das linke Feld in der unteren Reihe steht für den Bezirksteil Lichtental. Es ist ein sprechendes Wappen mit einem steilen, sonnenbeschienenen Tal über dessen beiden Seiten je ein Haus thront. Daneben symbolisiert ein Hirsch mit einem Kreuz im Geweih den Althangrund. Christoph Johann Graf Althan war oberster Hof- und Landjägermeister. Im letzten Feld im rechten, unteren Bereich symbolisieren Bäume auf blauem Grund die ehemalige Aulandschaft der Roßau.[11]

Wirtschaft und Infrastruktur

Währinger Straße

Verkehr

Der Alsergrund ist sehr dicht durch die öffentlichen Verkehrsmittel der Wiener Linien erschlossen. So verfügt der Alsergrund entlang seiner Bezirksgrenze über Anschluss zu drei U-Bahnlinien mit neun Stationen. Dabei verläuft die U-Bahnlinie U6 entlang der westlichen Bezirksgrenze (Gürtel), die Linie U4 im Osten entlang des Donaukanals und die Linie U2 im Süden. Die Straßenbahnlinien 37 (Hohe Warte), 38 (Grinzing), 40 (Gersthof), 41 (Pötzleinsdorf), 42 (Antonigasse), 43 (Neuwaldegg), 44 (Dornbach) führen vom Schottentor ausgehend über die Hauptverkehrsachsen in die Außenbezirke. Lediglich die Linien 5 (Praterstern/Westbahnhof) und 33 (Josefstädter Straße/Floridsdorfer Brücke) führen radial durch den Bezirk. Zusätzlich bindet die Linie D den Alsergrund an den Südbahnhof an, die Autobuslinie 40A führt von der Börse nach Döbling. Zusätzlich verfügt der Alsergrund mit dem Franz-Josefs-Bahnhof über eine Eisenbahn-Anbindung an das nordwestliche Niederösterreich.

Die beiden wichtigsten Durchzugsstraßen entlang des Bezirksgebietes sind der Wiener Gürtel und die Roßauer bzw. Spittelauer Lände entlang des Donaukanals. Weitere wichtige Durchzugs- und Verbindungsstraßen sind Liechtensteinstraße, Nußdorfer Straße, Währinger Straße, Alser Straße, Alserbachstraße und Spitalgasse. Die Niveauunterschiede südlich und nördlich des Palais Clam-Gallas machten einige Stiegen notwendig; der Bereich zwischen Berggasse und Nußdorfer Straße wurde zusätzlich durch Sperre der Boltzmanngasse für den öffentlichen Verkehr blockiert. Um den Bereich der amerikanischen Botschaft (Boltzmanngasse 16) abzusichern wurde dort lediglich ein schmaler Fußweg der Öffentlichkeit belassen.

Bildung

Fakultät für Chemie

Der Alsergrund verfügt über ein dichtes Netz an Bildungseinrichtungen mit zahlreichen universitären Einrichtungen. Im Norden des Bezirksgebietes befindet sich die Wirtschaftsuniversität Wien, eine der größten Wirtschaftsuniversitäten in Europa. Angrenzend liegen die Institute der Geowissenschafts-, Mathematik-, Pharmazie- und Biologiefakultäten der Universität Wien. In der Währingerstraße befinden sich die Fakultät für Chemie und Physik. Die Medizinische Universität Wien in der Spitalgasse verfügt über die meisten Studienplätze für Medizinstudenten im gesamten deutschen Sprachraum. Auf dem Gelände des Alten AKH befinden sich zudem zahlreiche Institute der Universität Wien.

Die bekannteste Schule im 9. Bezirk ist das Lycée Français de Vienne, das eine französischsprachige Vorschule, Volksschule und Gymnasium anbietet. Weitere Gymnasien sind das Wasagymnasium und das Erich Fried Realgymnasium. Die Höhere Lehranstalt für Mode und Wirtschaft (HLMW9 Michelbeuern) befindet sich mit zwei Gebäuden in der Michelbeuerngasse. An dieser Schule können Schülerinnen und Schüler in den Zweigen Mode und Bekleidung oder Kulturtouristik die Matura ablegen. Des Weiteren liegen mehrere Volks- und Hauptschulen sowie eine Sonderschule auf dem Bezirksgebiet.

Gesundheitswesen

Durch das in der südlichen Hälfte des Bezirks gelegene Allgemeine Krankenhaus beherbergt der 9. Bezirk seit jeher ein Zentrum des Wiener Gesundheitswesens. Schon um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert ließen sich viele Ärzte in der Nähe des Krankenhauses nieder, sodass die benachbarten Gebiete des Alsergrundes und der Josefstadt als Ärzteviertel bekannt wurden. In unmittelbarer Nähe des neuen AKH befinden sich außerdem die privaten Krankenanstalten Goldenes Kreuz und Wiener Privatklinik; bis 1998 bestand hier auch die städtische Allgemeine Poliklinik. Wenige Häuserblöcke weiter liegt das St. Anna Kinderspital.

Im Nordteil des Bezirks und abseits des Ärzteviertels liegen das Sanatorium Hera, das Evangelische Krankenhaus sowie das Pflegeheim Pramergasse der Caritas Socialis.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Theater und Oper

Museen

Der Bezirk Alsergrund verfügt über zahlreiche Museen. Das meistbesuchte Museum im Bezirk und einer der frequentiertesten Sehenswürdigkeiten Wiens ist das Liechtenstein-Museum im Palais Liechtenstein. Es beherbergt die private Kunstsammlung des Fürstenhauses Liechtenstein aus vier Jahrhunderten mit einem Schwerpunkt auf die Barockzeit. Das Sigmund-Freud-Museum in der Berggasse 19 wurde in der ehemaligen Wohnung des bekannten Psychoanalytikers eingerichtet. Auch im Geburtshaus Franz Schuberts wurde ein Museum eingerichtet. Neben dem Leben des Komponisten widmet sich das Museum dem Schaffen von Adalbert Stifter. Das Lichtentaler Pfarrmuseum verfügt ebenfalls über eine Schubert-Gedenkstätte. Das Bezirksmuseum Alsergrund widmet sich der Geschichte des Bezirks und seiner berühmten Bewohner, im Hauptgebäude der Österreichischen Nationalbank befindet sich das Geldmuseum. Die lange Tradition des Gesundheitswesens am Alsergrund bescherte dem Bezirk zahlreiche Museen zu dieser Thematik. Neben dem Pathologisch-anatomischen Bundesmuseum (Narrenturm) befindet sich im Bezirk das Zahnärztliche Museum (Universitätszahnklinik), das Pharma- und Drogistenmuseum Wien, das Medizinhistorische Museum (Josephinum) und das Museum des Instituts für Gerichtliche Medizin. Darüber hinaus widmet sich ein Museum der Wagenbaufirma Lohner.

Sehenswürdigkeiten

Zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten in Wien zählt das Palais Liechtenstein, in dem seit 2004 das Liechtenstein-Museum untergebracht ist. Ein weiteres bekanntes Palais auf dem Bezirksgebiet ist das Palais Clam-Gallas mit seinem weitläufigen englischen Garten an der Währingerstraße. In nächster Nähe befindet sich das Josephinum, das heute das Institut für Geschichte der Medizin beherbergt. Die bekannteste und größte Kirche auf dem Bezirksgebiet ist die Wiener Votivkirche, die im Gedenken an das gescheiterte Attentat auf Kaiser Franz Joseph I. errichtet wurde. Die Lichtentaler Pfarrkirche aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts verdankt ihre Bekanntheit hingegen dem Wirken von Franz Schubert. In dem auch als Schubertkirche bezeichneten Gebäude wurde erstmals eines seiner Stücke (Messe in F-Dur) öffentlich aufgeführt. Die Canisiuskirche, die den Himmelpfortgrund dominiert, wurde hingegen erst um 1900 errichtet. Durch den Niveauunterschied zwischen Währingerstraße und Liechtensteinstraße existieren in diesem Bereich zahlreiche Freitreppen. Die Strudlhofstiege wurde auch von Heimito von Doderer in seinem gleichnamigen Roman verewigt. Zu den modernsten Sehenswürdigkeiten zählt die Müllverbrennungsanlage Spittelau, die 1987 von Friedensreich Hundertwasser umgestaltet wurde.

Parkanlagen und Friedhöfe

Die größte Parkanlage des Bezirksgebietes ist der Sigmund-Freud-Park mit dem Votivpark, die durch eine Straße getrennt sind und zusammen rund 29.000 m² umfassen. Die Grünfläche wurde bereits nach der Errichtung der Votivkirche gestaltet. 1961 wurde der Park mit einer Tiefgarage versehen und der südöstliche Teil in Sigmund-Freud-Park umbenannt. Ein Baumkreis erinnert an den 40. Jahrestag der EU-Gründung. Der zweitgrößte Park im Alsergrund ist der Arne-Karlsson-Park mit rund 12.500 m². Ursprünglich befand sich an der Stelle die Siedlung St.Johannes an der Als, der Park selbst wurde 1928 eröffnet. Etwa halb so groß ist der Liechtensteinpark um das Palais Liechtenstein. Der Park ist in Privatbesitz, jedoch zum Teil öffentlich zugänglich und verfügt über einen Kinderspielplatz. Weitere größere Parkanlagen befinden sich bei der Österreichischen Nationalbank (Ostarrichipark), im Bezirksteil Lichtental (Lichtentalerpark) sowie hinter der Roßauer Kaserne (Erwin-Ringel-Park). Zudem befinden sich einige „Beserlparks“ auf dem Bezirksgebiet.

Ursprünglich befanden sich mehrere Friedhöfe auf dem Bezirksgebiet. Neben den Friedhöfen um die Pfarrkirchen gehörte der Kaiserliche Gottesacker (heute Gelände des Alten AKH) zu den wichtigsten Friedhöfen. Zudem befanden sich auf Grund der zahlreichen Krankeneinrichtungen viele Seuchenfriedhöfe und Friedhöfe für die verstorbenen Patienten der Gesundheitseinrichtungen wie der Neue Schottenfriedhof im Bezirksgebiet. Joseph II. ließ Ende des 18. Jahrhunderts alle Friedhöfe innerhalb des Linienwalls schließen. Sie wurden in Parkanlagen umgewandelt oder verbaut. Lediglich der Jüdische Friedhof Roßau blieb aufgrund der jüdischen Religionsgesetze erhalten.

Siehe auch: Liste der Wiener Parks und Gartenanlagen

Sport

Der Alsergrund verfügt über einen einzigen Sportplatz. Im Zuge der Errichtung des Wohngartens Sensengasse wird die im Bundesbesitz befindliche Freisportfläche neu errichtet und mit einem Rasenfeld und einer Laufbahn ausgestattet. Zusätzlich erhält die Anlage vier Turnhallen, die unter dem Niveau angelegt werden.

Persönlichkeiten

Blick über den Alsergrund (Canisiuskirche und Spittelau)
Franz Schuberts Geburtshaus

Städtepartnerschaften

Einzelnachweise

  1. Statistik Austria [1]
  2. a b Wolf: Alsergrund. Bezirk der Dichter und Denker. S.77
  3. Christian Gantner. Vom Bach zum Bachkanal. Wien 2004, ISBN 3-200-00259-X, S. 44 ff.
  4. Wien Statistik (MA 5): Nutzungsarten nach Bezirken [2]
  5. Daten lt. Statistik Austria [3]
  6. Kurt Klein: Historisches Ortslexikon - Wien, Datenbestand: 30. Juni 2008, Vienna Institute of Demography, Österreichische Akademie der Wissenschaften
  7. a b c Statistik Austria (Volkszählung 2001) [4],[5]
  8. MA 5 Wohnbevölkerung nach Staatsangehörigkeit und Bezirken 2001–2005 [6]
  9. Wolf: Alsergrund. Bezirk der Dichter und Denker. S.74
  10. Stadt Wien [7]
  11. Wolf: Alsergrund. Bezirk der Dichter und Denker. S. 34

Literatur

  • Felix Czeike: Wiener Bezirkskulturführer: IX. Alsergrund. Jugend und Volk, Wien 1979, ISBN 3-7141-6219-4
  • Carola Leitner (Hg.): Alsergrund: Wiens 9. Bezirk in alten Fotografien. Ueberreuter, Wien 2006, ISBN 3-8000-7176-2
  • Hans Mück: Quellen zur Geschichte des Bezirks Alsergrund. Verein für Geschichte der Stadt Wien, Wien 1978
  • Alfred Wolf: Alsergrund. Bezirk der Dichter und Denker. Mohl, Wien 1993, ISBN 3-900272-48-4
  • Alfred Wolf: Alsergrund-Chronik. Von der Römerzeit bis zum Ende der Monarchie. Wien 1981
  • Alfred Wolf: Wien Alsergrund. Sutton Verlag, Erfurt 2007, ISBN 978-3-86680-174-5

Siehe auch

Weblinks


48.22527777777816.3569444444447Koordinaten: 48° 14′ N, 16° 21′ O


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