Beobachtungssatztheorie

Beobachtungssatztheorie

Die Konstatierung ist die Methode einer von Moritz Schlick begründeten Erkenntnistheorie, die er im Zuge der Auseinandersetzung mit der Protokollsatztheorie entwickelt hat. Das Wesen dieser Theorie liegt in der Betonung des Augenblickcharakters der Erkenntnisgewinnung, der durch die im Präsens geäußerten gegenwärtig getätigte Beobachtungen besteht. Daher haben – auch als Beobachtungssätze bezeichnete – Konstatierungen eine hinweisende Funktion, die durch deiktische Ausdrucksmittel verdeutlicht wird. Folglich kann es keine aufgeschriebenen Konstatierungen geben, da diese nicht raumzeitlich determiniert werden können.

Aufgrund ihres Wesens kohärieren bei Konstatierungen – im Gegensatz zu anderen synthetischen Sätzen – die Feststellung des Sinnes und der Wahrheit. Somit verhalten sich Konstatierungen analog zu analytischen Sätzen, bei denen das Verstehen (des Sinnes) und die Verifikation (der Wahrheit einer Aussage) ebenfalls kohärieren. Aus dieser Tatsache lässt sich ableiten, dass Konstatierungen die einzigen synthetischen Sätze sind, bei denen es sich um keine Hypothesen handelt und sie daher auch nicht mit Unsicherheit behaftet sind.

Eine Konstatierung – die in sich eine vollendete Entität darstellt – ist das festgestellte endgültige Resultat eines Experimentes, das als Basis für neue Hypothesen dienen kann. Infolgedessen haben Konstatierungen einen temporären Fixpunkt-Charakter, an dem sich der Prozess der Erkenntnisgewinnung orientieren soll. Ihr temporärer Charakter äußert sich auch darin, dass Konstatierungen kein statisches Fundament der Erkenntnis darstellen, sondern lediglich Berührungspunkte zwischen der Erkenntnis und Wirklichkeit sind.


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