Borsig AG

Borsig AG
Tor der Borsigwerke in Berlin-Tegel

Die Firma Borsig war ein deutsches Unternehmen des Maschinenbaues mit Sitz in Berlin. Das Unternehmen war vor allem im Bau von Dampflokomotiven tätig und während der Ära des Dampflokomotivbaues in Europa der größte und weltweit der zweitgrößte Lokomotivlieferant.

Inhaltsverzeichnis

Gründung und erster Lokomotivbau

Zeichnung der ersten Dampflokomotive von Borsig, 1840
Karl Eduard Biermann: Die Gießerei und die Werkstätten von Borsig am Oranienburger Tor, 1847. Das Gemälde stellt die Fabrik im Jahre 1837 dar.
Nachbau von 1912 der Beuth (Fabriknummer 24) im Deutsches Technikmuseum Berlin

Johann Friedrich August Borsig gründete nach seiner langjährigen Arbeit in der Eisengießerei von Franz Anton Egells am 22. Juli 1837 eine eigene Gießerei und Maschinenbau-Anstalt im Berliner Feuerland vor dem Oranienburger Tor, Chaussee- /Ecke Torstraße. In der Anfangszeit baute Borsig dort Dampfmaschinen für den eigenen Bedarf und für andere Unternehmen, daneben Kunst- und Baugussteile. Für die Berlin-Potsdamer Eisenbahn wurden 1839 erstmals Reparaturen an Dampflokomotiven ausgeführt.

1840 fertigte Borsig die erste eigene Lokomotive an. Er versah sie mit der Fabriknummer 1 und dem Namen „Borsig“. Die Maschine hatte die Achsfolgebauart 2'A1, einen Innenrahmen und schrägliegende Außenzylinder. Borsig ließ sie am 21. Juli zu einer Wettfahrt auf der Strecke BerlinJüterbog gegen eine von George Stephenson gebaute Lokomotive antreten. Die „Borsig“ gewann das Rennen mit zehn Minuten Vorsprung. Damit wurde gezeigt, dass es den Deutschen trotz fehlender Erfahrung möglich wäre, Lokomotiven zu bauen, die mindestens so gut waren wie die britischen Fabrikate. Somit war es nicht mehr nötig, Eisenbahnfahrzeuge samt Technikern zu importieren. Weitere sechs Maschinen dieser Art gingen 1842 an die Berlin-Stettiner Eisenbahn und die Oberschlesische Eisenbahn. Bis 1843 bestellten preußische Bahnen 18 Dampflokomotiven, und 1844 stellte Borsig auf der Berliner Industrieausstellung seine 24. Lokomotive aus.

Ausbau der Fertigung

Paul Friedrich Meyerheim: Vor der Vollendung (Eisenbahnbau bei Borsig), 1873-1876
Karl Eduard Biermann: Die Borsigsche Maschinenbau-Anstalt, 1847
Lokomotive Borsig Nr. 5009, Baujahr 1901

Die Fabriknummer 14 des Unternehmens war die erste Lokomotive einer vergrößerten und verbesserten Bauart, von der in den Jahren 1843 bis 1847 71 Stück gebaut wurden. Als Neuerung wies sie die von Borsig patentierte Schwingensteuerung mit veränderlicher Füllung auf. In dieser Bauform verließ 1846 auch die hundertste Lokomotive das Werk.

1845 wurde von Borsig die erste Dampflokomotive mit gekuppelten Achsen gebaut, ab 1851 auch Tenderlokomotiven ausgeliefert. Im gleichen Jahr erhielt das Unternehmen Auslandsaufträge von der Warschau-Wiener Bahn und der Seeländischen Eisenbahn. Von 1845 bis 1847 baute das Unternehmen insgesamt 170 Lokomotiven.

Neben diesen Aufträgen arbeitete Borsig zur selben Zeit an der Fontänenanlage in Sanssouci, für die er die Dampfpumpenanlage lieferte, an der Kuppel der Potsdamer Nikolaikirche und an der Kuppel des Königlichen Schlosses. Seine Firma vergrößerte sich in dieser Zeit massiv, da überall in Deutschland neue Schienenwege verlegt wurden.

Als die Fabrikanlagen an der Chausseestraße dringend der Erweiterung bedurften, wurden auf einem Gelände zwischen der Elberfelder Straße, Alt-Moabit und der Stromstraße von 1847 bis 1849 ein Walzwerk und die Kesselschmiede des Borsig'schen Unternehmens errichtet. 1850 erwarb Borsig auch noch Eisengießerei und Maschinenbauanstalt der Preußischen Seehandlungs-Societät in der Kirchstraße 6. Das Werksgelände reichte östlich der Kirchstraße von der Ecke Alt-Moabit bis zur Moabiter Brücke. Die drei Berliner Betriebe beschäftigten bereits 1800 Mitarbeiter, was zur damaligen Zeit ein Großunternehmen darstellte, dem auch die Wirtschaftskrise von 1848 bis 1852 nicht viel anhaben konnte.

Aufstieg zum weltweit zweitgrößten Lokomotivlieferanten

Lokomotive der KFNB von den Borsigwerken, Baujahr 1857
Preußische T 12 von Borsig, Baujahr 1921

1854 wurde die 500. Dampflokomotive ausgeliefert, anlässlich der zugehörigen Feier wurde Borsig zum Geheimen Kommerzienrat ernannt. Borsig festigte danach seine Monopolstellung und baute 1854 67 der 68 neuen preußischen Lokomotiven.

Anlässlich der Fertigstellung der 1000. Lokomotive fand am 21. August 1858 wiederum eine große Feier mit vielen prominenten Gästen statt, darunter auch Alexander von Humboldt. Zu dieser Zeit hatte das Unternehmen schon 2800 Arbeiter. Auch in der Folgezeit expandierte das Unternehmen weiter. 1862 wurde ein Teil der Produktion nach Schlesien verlegt, und 1872 war das Unternehmen Borsig in Europa der größte und neben den Baldwin Locomotive Works in den USA weltweit der zweitgrößte Lokomotivenlieferant.

Borsig richtete für seine Arbeiter eine Krankenkasse, eine Sterbekasse und eine Sparkasse ein. Es gab einen Unterrichtsraum, einen Speiseraum und ein Bad mit Schwimmbecken.

Nach dem Tod des Vaters 1854 führte der Sohn August Julius Albert Borsig das Unternehmen und vergrößerte es. Im gleichen Jahr gründete er die direkt an der Strecke der Köln-Mindener Eisenbahn gelegene Maschinenfabrik Deutschland in Dortmund mit.

Mit dem Tode Albert Borsigs 1878 endete das erfolgreichste Kapitel Borsigscher Tätigkeit, die Firma wurde danach von einem Kuratorium anstelle von Alberts noch minderjährigen Söhnen (Ernst Borsig, Arnold Borsig und Conrad von Borsig) geleitet, die erst 1894 die Firmenleitung übernehmen konnten.

1898 wurde ein neues Werk in Tegel eingeweiht, das sowohl zu Wasser als auch per Schiene zu erreichen war. In diesem neuen Werk wurden nicht nur Dampfmaschinen und Lokomotiven gefertigt, sondern auch Kältemaschinen, Schiffsdampfmaschinen und Dampfpflüge. Ab 1900 wurden auch im großem Umfang schmalspurige Werkbahnlokomotiven, Druckluft- und Straßenbahnlokomotiven geliefert.

Bewegte Jahre

Weltrekord-Lokomotive der Baureihe 05 von Borsig, Baujahr 1935
Das Schmieden einer Kolbenstange für einen Groß-Kompressor von einem 10 t Block unter einer 3-zylindrigen 2500 t reinhydraulischen Schmiedepresse der Borsig AG in Berlin-Tegel, 1954
Blick in ein Hallenschiff der 22240 m² großen Westhalle für schweren und mittleren Maschinenbau der Borsig AG, 1954

1926 wurde die Firma in eine GmbH umgewandelt. In der Weltwirtschaftskrise Ende der 1920er Jahre wurden von anderen Lokomotivfabriken die Fertigungsquoten der Deutschen Reichsbahn übernommen. Obwohl weiterhin in großem Umfang Lokomotiven gebaut wurden, verlor das Unternehmen durch alternative Verkehrsträger auch Marktanteile.

1930 stand das Unternehmen kurz vor der Liquidierung, konnte aber 1931 durch eine Fusion mit der AEG gerettet werden, der gesamte Lokomotivbau wurde zum AEG-Werk Hennigsdorf bei Berlin verlagert und unter der Bezeichnung Borsig Lokomotiv-Werke GmbH als Tochtergesellschaft bis 1944 fortgeführt. Die Aktienmehrheit dieser Gesellschaft ging 1938 an die Reichswerke Hermann Göring.

Der Rest des Unternehmens wurde von Rheinmetall übernommen, an der wiederum die staatlichen Holdinggesellschaft VIAG eine Mehrheitsbeteiligung besaß. 1935 entstand daraus die Firma Rheinmetall-Borsig AG. Bis einschließlich 1954 entstanden im Hause Borsig etwa 13.000 Lokomotiven.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde 1950 die Borsig AG als Tochtergesellschaft der zum Bundesvermögen gehörenden Rheinmetall neugegründet. 1956 wurde die Borsig AG an die ebenfalls staatliche Salzgitter AG verkauft. 1967 wurde Borsig in eine GmbH umgewandelt. 1970 wurde das Unternehmen von der Deutsche Babcock AG übernommen und zur Babcock-Borsig AG fusioniert.

Stand heute

Im Juli 2002 ging die Muttergesellschaft Babcock-Borsig AG in Oberhausen in die Insolvenz. Obwohl selbst profitabel wirtschaftend, musste Borsig infolge dessen ebenso Insolvenz anmelden. Die finanziellen Verpflichtungen konnten jedoch weiter bedient werden, die Geschäftstätigkeit wurde für die nicht zum Babcock-Konzern gehörenden Aktivitäten weitergeführt. Im September 2002 wurde der Geschäftsbetrieb von dem Insolvenzverwalter auf die neue Borsig GmbH übertragen und diese mit einem Eigenkapital von 1,9 Millionen Euro ausgestattet. Die bisherige Borsig GmbH sollte in der Abwicklungsgesellschaft Borsig mbH bis Anfang 2004 abgewickelt worden sein.

Am 28. Mai 2003 wurde Borsig vom Management und dem Finanzinvestor capiton übernommen. Die neue Borsig GmbH beschäftigt 263 Mitarbeiter in Berlin und Gladbeck. Die neuen Eigentümer wollen Borsig weiter entwickeln. Die beiden Geschäftsbereiche Apparatebau und Industrieservice sollen in Berlin und Gladbeck ausgebaut werden.

Im Dezember 2004 kauft Borsig das Kolbenverdichter- und Gebläsegeschäft des Maschinenbauers ZM Zwickauer Maschinenfabrik. Im September 2006 kauft Borsig den Hamburger Kesselbauer DIM KWE.

Von dem ursprünglichen Unternehmen sind folgende Teile verblieben:

  • Babcock-Borsig AG (seit 2004 im geregelten Insolvenzverfahren befindlich)
  • BORSIG GmbH in Berlin-Tegel
  • BORSIG Industrieholding GmbH in Berlin-Tegel
  • BORSIG Process Heat Exchanger GmbH in Berlin-Tegel
  • BORSIG Service GmbH in Berlin-Tegel und Gladbeck
  • BORSIG Membrane Technology GmbH in Gladbeck (Büro Nord) und Rheinfelden (Büro Süd)
  • BORSIG ZM Compression GmbH in Meerane
  • BORSIG Boiler Systems GmbH in Hamburg

Der Borsigturm

Siehe auch

  • Bergmann-Borsig Hersteller für Kraftwerkskomponenten in der DDR. Das Bergmann-Werk in Berlin-Wilhelmsruh war kein Bestandteil der Borsig-Gruppe. Es erhielt den Beinamen Borsig nach Wiedererrichtung im Jahre 1949, weil viele Mitarbeiter des demontierten und beschlagnahmten Borsig-Werkes in Berlin-Tegel dabei halfen.

Literatur

  • Rheinmetall-Borsig Aktiengesellschaft (Hrsg.): Deutscher Maschinenbau 1837-1937 im Spiegel des Werkes Borsig. Berlin, 1937
  • Galm, Ulla: August Borsig. Stapp, Berlin 1987, ISBN 3-87776-167-4
  • Kutschik, Dietrich: Lokomotiven von Borsig: Eine Darstellung der Lokomotivgeschichte der Firma A. Borsig und der Nachfolgefirmen. Transpress, Verlag für Verkehrswesen, Berlin 1985
  • Kutschik, Dietrich; Wenzel, Hansjürgen; Koch, Matthias: Borsig. Lokomotiven für die Welt. EK Verlag, Freiburg 1986, ISBN 3-882-55111-9
  • Pierson, Kurt: Borsig, ein Name geht um die Welt: die Geschichte des Hauses Borsig und seiner Lokomotiven. Rembrandt Verlag Berlin, 1973, ISBN 3-7925-0204-6

Weblinks


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