Breitband-Internetzugang

Breitband-Internetzugang

Ein Breitband-Internetzugang (auch Breitbandzugang, Breitbandanschluss) ist ein Zugang zum Internet mit verhältnismäßig hoher Datenübertragungsrate (Bandbreite) von einem Vielfachen der Geschwindigkeit älterer Zugangstechniken wie der Telefonmodem- oder ISDN-Einwahl, die im Unterschied als Schmalbandtechniken bezeichnet werden. Ursprünglich wurde mit Breitband eine Realisierungsform von Datennetzwerken bezeichnet, die heute aber veraltet ist, und der Begriff daher heute sinnentfremdet verwendet wird. In vielen Gebieten findet seit den frühen 2000er Jahren ein starkes Wachstum des Marktes für Breitbandzugänge statt.

Schnelle Internetanbindungen für Privatkunden mit Datenraten im Bereich 50 bis 100 Megabit pro Sekunde (MBit/s) verwenden meist Lichtwellenleiter (FTTH). Ende 2010 waren in Deutschland Glasfaseranschlüsse zu etwa 600.000 Haushalten verlegt, vermarktet wurde etwa ein Viertel davon.[1]

Inhaltsverzeichnis

Definitionen

Eine eindeutige Definition, ab wann eine breitbandige Verbindung beginnt, existiert nicht – der Begriff wird (besonders im Marketing der Telekommunikationsindustrie) verwendet.

  • Die Internationale Fernmeldeunion (ITU) definiert einen Dienst oder ein System als breitbandig, wenn die Datenübertragungsrate über 2048 kBit/s (entspricht der Primärmultiplexrate im ISDN) hinausgeht.
  • Der Breitbandatlas und das Breitband-Portal des deutschen Wirtschaftsministeriums nennen in Abstimmung mit den ITK-Branchenverbänden eine Download-Übertragungsrate von mehr als 128 kBit/s sowie eine Upload-Übertragungsrate von mindestens 128 kBit/s als Mindestvoraussetzungen für einen Breitbandzugang; gleichzeitig soll die Always-On-Nutzung möglich sein.[2]
    • Im März 2008 wurde von deutschen Regierungspolitikern und in einer von der öffentlichen Hand beauftragten wissenschaftlichen Studie eine Downstream-Übertragungsrate von 1 MBit/s als Mindeststandard eines ausreichenden Breitbandzugangs für Privathaushalte genannt.[3][4]
  • Die österreichische Regulationsbehörde definiert einen Internet-Festnetzanschluss als Breitbandanschluss, wenn er über eine Downloadrate von mehr als 144 kBit/s verfügt. Ein mobiler Breitbandanschluss hingegen bemisst sich laut RTR am Datenvolumen von min. 250 MB pro Monat.[5]
  • Die USA nennen in ihrem Nationalen Breitbandplan von 2010 einen minimalen Downstream von 4 MBit/s sowie einen minimalen Upstream von 1 MBit/s.[6]
  • In Südkorea beginnt der Breitbandbereich ab einem Downstream von 1 MBit/s.[7]

Technologien

Telefonnetz

Eine der verbreitetsten Technologien arbeitet mit einer verbesserten Nutzung der Kupferleitungen des Telefonnetzes, da durch die bestehende Infrastruktur geringere Neuinvestitionen nötig sind. Dabei sind in erster Linie die hauptsächlich verwendeten DSL-Techniken zu nennen. Es gibt oder gab jedoch auch andere Ansätze, wie die Entwicklung schnellerer Telefonmodems oder eines schnelleren ISDN-Standards, dem Breitband-ISDN (B-ISDN).

DSL-Technologien sind nur zur Überbrückung kurzer Distanzen geeignet, was – je nach Übertragungsgeschwindigkeit – nach wenigen hundert Metern oder erst wenigen Kilometern den Übergang zu einer anderen Übertragungstechnik oder DSL-Verstärker oder Repeater nötig macht. Daher handelt es sich in der Regel um eine Hybridtechnik in Kombination mit, wie in den meisten Fällen, Lichtwellenleitern oder beispielsweise auch Richtfunkstrecken. Mit wachsenden Übertragungsraten rückt der Übergabepunkt immer näher an den Endnutzer. Eine andere Möglichkeit für breitbandige Datenübertragungen über Telefonleitungen ist die Bündelung mehrerer analoger oder ISDN-Leitungen, was hauptsächlich in Ermangelung des DSL temporär genutzt wurde oder teils noch wird.

Kabelfernsehnetz

Die Daten werden mit Kabelmodems auf die analogen Signale des Kabelfernsehnetzes aufmoduliert und so über diese Koaxialkabel übertragen. Auch hier handelt es sich aus ähnlichen Gründen wie bei DSL in der Regel um eine Hybridtechnik. Momentan werden Geschwindigkeiten bis zu 120 MBit/s im Downstream und 5 MBit/s im Upstream angeboten.[8]

Direkte Glasfaseranbindung

Den Endkunden direkt per Glasfaser anzubinden ermöglicht hohe Bandbreiten über große Entfernungen. Die notwendige Verlegung neuer Anschlüsse zu jedem Kunden macht diese Form sehr kostspielig.

Elektrizitätsnetz

Mittels Trägerfrequenzanlagen (TFA) können Internetzugänge über das Stromnetz realisiert werden, auch unter dem englischsprachigen Begriff Powerline Communication (PLC) bekannt. Meist werden damit Datenverbindungen zwischen heimischen Steckdosen und Trafostationen oder ähnlichen Einrichtungen realisiert, die zentral über Glasfaser oder Richtfunk angebunden werden.

ISDN-Primärmultiplexanschluss

Die Primärmultiplexanschlüsse gibt es in verschiedener Ausführung, als T-carrier, wie T-1/DS-1, T2, T3, als E-carrier oder Optical Carrier. Diese Technologien sind vergleichsweise kostspielige Möglichkeiten für breitbandige Internetanbindung über Kupfer- oder auch Glasfaserkabel, die für Geschäftskunden und ähnliche Nutzen mit größeren Netzen eingerichtet sind.

Terrestrische Funktechnologien

Terrestrische Funktechnologien sind eine Möglichkeit, breitbandigen Datenaustausch zu ermöglichen. Vielerorts – insbesondere wo die Versorgung mittels herkömmlicher Kabeltechnologien nicht vorhanden ist – bauen Wireless Internet Access Provider sogenannte Wireless Metropolitan Area Networks (WMAN) auf, um so einen schnellen Internetzugang anbieten zu können. Dabei kommen unterschiedliche Technologien zum Einsatz, darunter der speziell entwickelte WiMAX-Standard, Wireless Local Area Network (WLAN)-Technologien, sowie verschiedene Einzellösungen, die unter Namen wie Funk-DSL oder Wireless DSL vertrieben werden. Mehr oder weniger breitbandige Datendienste können auch Mobilfunkstandards wie HSDPA, UMTS oder EDGE bieten.

Unter besonderen Bedingungen kann auch Packet Radio aus dem Amateurfunkbereich dazugezählt werden. Damit können Übertragungsraten bis zu mehreren Megabit pro Sekunde realisiert werden und entsprechende Übergabepunkte können damit Zugang zum Internet ermöglichen. Die Nutzung ist jedoch Funkamateuren vorbehalten.

Internetzugang über Satellit

Reine Satellitenverbindungen (2-Wege-Satellitenverbindung) sind unabhängig von landschaftlichen Gegebenheiten oder anderer Infrastruktur praktisch überall auf der Erdoberfläche verfügbar und eignen sich damit besonders für entlegene Gebiete und Schiffe. Problematisch sind bei Satellitenzugängen die immer noch deutlich höheren Kosten, die hohen Latenzzeiten und, sofern der Rückkanal nicht über den Satellit realisiert ist, die Abhängigkeit von einer weiteren Zugangsmöglichkeit. Im Beispiel eines Systems mit geostationären Satelliten ergeben sich typische Verzögerungen von 500–700 ms, was Echtzeitanwendungen empfindlich stört.

Hochfliegende Luftfahrzeuge

Über hochfliegende stationäre Luftschiffe können Funksignale für Dienste wie Fernsehausstrahlung, Mobiltelefonie und auch Internetzugänge vermittelt werden. Ein Beispiel für eine Umsetzung dieser Technologie trägt den Markennamen Stratellite. Ein weiterer Ansatz wären hochfliegende unbemannte (Leicht)Flugzeuge wie Helios.

Verbreitung

Insbesondere in den Industriestaaten entwickelt sich der Breitbandzugang zur vorherrschenden Zugangsart zum Internet, der zugleich auch zunehmend von Internet-Anwendungen zur sinnvollen Nutzung vorausgesetzt wird. Ende 2006 kamen in den 30 OECD-Staaten 17 Breitbandanschlüsse auf 100 Einwohner, wobei als Technologie für

  • 62 % der Anschlüsse DSL Verwendung fand;
  • 29 % davon waren Kabelanschlüsse,
  • 7 % direkte Glasfaserzugänge und
  • 2 % waren über andere Techniken realisiert.[9]

In der EU verfügten im Frühjahr 2008 80 % der Haushalte mit Internetanschluss über einen Breitbandzugang.[10] In Südkorea hatten Mitte 2007 bereits 90 % der Haushalte einen Breitbandanschluss,[11] während in Deutschland 2006 lediglich 37 % der Haushalte über einen Breitbandanschluss verfügten.[12] Die EU-Kommission hat im vergangenen Jahr die staatliche Unterstützung für den Breitbandnetzausbau ausgeweitet. So wurden 2010 mehr als 1,8 Milliarden Euro öffentliche Mittel hierfür genehmigt.[13] In Deutschland stellen DSL-Zugänge via Telefonnetz alle anderen Verfahren in den Schatten: Von 22,6 Millionen Breitbandanschlüssen im Jahr 2008 waren 20,9 Millionen DSL-Anschlüsse.[14] TV-Kabel spielen als Breitbandzugangsform eine bisher nur geringe Rolle in Deutschland, anders als in den USA oder auch in Österreich; dort sind DSL und TV-Kabel etwa gleich häufig drahtgebundene Übertragungsform.

Verfügbarkeit

Besteht keine ausreichende Versorgung mit Breitbandzugängen,[4] spricht man von einer Breitbandkluft. Sie gilt als Teil der digitalen Kluft oder digitalen Spaltung. Der Breitbandatlas[15] des Bundeswirtschaftsministeriums gibt einen Eindruck von der Versorgungslage in Deutschland. Einige Bundesländer reagieren auf diese Situation mit der Gründung von Breitbandkompetenzzentren,[16] um den betroffenen Kommunen einen neutralen Ansprechpartner zur Verfügung zu stellen. Von der Interessengemeinschaft kein-DSL.de kommt ein Breitbandbedarfsatlas, der die konkrete Nachfrage abbildet. In diesen können Interessenten ihren Breitbandbedarf und ihren Bandbreitenwunsch eintragen.[17]

Verschiedene staatliche, bürgerschaftliche und partnerschaftliche (PPP) Initiativen engagieren sich gegen die Unterversorgung auf Länderebene,[18] deutschlandweit[19][20] und europaweit.[21][22] Allerdings halten nicht alle dieselben Instrumente für tauglich zur schnellen Überwindung der Breitbandkluft. Eine Zugangsoption im ländlichen Raum kann ein Breitbandzugang mittels Satellit sein, die mittlerweile ernstzunehmende Angebote darstellen.[23][24][25]

Um die flächendeckende Versorgung mit Breitband-Internetzugängen sicherzustellen, gilt in der Schweiz ab 2008 ein Breitbandzugang mit 600 kBit/s in Empfangs- und 100 kBit/s in Senderichtung als Bestandteil des Grundversorgungskataloges. Ein ähnliches Versorgungsziel verfolgt Australien mit der Australian Broadband Guarantee seit 2007.[26] In der EU soll bis zum Herbst Jahr 2008 ein Grünbuch vorgelegt werden, ob die Breitbandversorgung in den Katalog der Universaldienste aufgenommen werden soll.

Siehe auch

Literatur

  • Georg Erber: Flächendeckende Bereitstellung von Breitbandanschlüssen. In: DIW Wochenbericht 37/2007, 549-554.
  • Remco van der Velden: Wettbewerb und Kooperation auf dem deutschen DSL-Markt - Ökonomik, Technik und Regulierung. Mohr Siebeck, Tübingen 2007. ISBN 3-16-149117-3 (ISBN 978-3-16-149117-7)

Weblinks

Einzelnachweise

  1. http://www.golem.de/1102/81306.html golem.de:] Netzausrüsterverband FTTH Council
  2. Zwischenbericht zum Breitband-Atlas 2007 (PDF, ≈ 1,5 MB) – Dokument beim BMWi, vom 25. September 2007, siehe Punkt 2.1: „Definition Breitband-Internetzugang“
  3. Bundestag will Lücken bei der Breitbandversorgung schließen – Artikel bei Heise online, vom 7. März 2008
  4. a b Studie warnt vor Öffnung einer "Breitband-Schere" – Artikel bei Heise online, vom 27. März 2008
  5. RTR Telekom Monitor 4/2007 – PDF-Dokument (siehe Seite 32) bei der RTR, vom 30. November 2007
  6. Connecting America: The National Broadband Plan
  7. http://www.bbwo.org.uk/broadband-3335 – Breitband-Definition der koreanischen Regierung laut Breitbandportal der walisischen Regierung
  8. DSL-Ratgeber: Unitymedia erhöht verfügbare Bandbreite
  9. Verbreitung von Breitband-Internetzugängen in den OECD-Industriestaaten
  10. EU: Mehr als die Hälfte der EU-Bürger nutzt das Internet, golem.de
  11. Südkorea: Fast jeder hat Breitband-Internet, golem.de
  12. [1], BMWi Monitoring Informations- und Kommunikationswirtschaft 2007
  13. Kommission erleichtert Ausbau des schnellen Internets, Pressemitteilung der Europäischen Kommission vom 20. Januar 2011
  14. Bundesnetzagentur: Breitbandanschlüsse (Grafik)
  15. http://www.breitbandatlas.de Breitbandatlas des BMWi
  16. Breitband Initiative Niedersachsen: Breitband Kompetenz Zentrum Niedersachsen
  17. Schmalbandatlas.de: Der deutschlandweite Breitbandbedarfsatlas der Interessengemeinschaft kein-DSL.de
  18. Breitband-Informationsportal: Initiative der Clearingstelle "Neue Medien" des Landes Baden-Württemberg
  19. Interessengemeinschaft kein-DSL.de http://www.kein-dsl.de
  20. geteilt.de - Initiative gegen digitale Spaltung http://www.geteilt.de
  21. Europäisches Parlament: Entschließung des Europäischen Parlaments vom 19. Juni 2007 zu der Entwicklung einer europäischen Breitbandpolitik http://www.europarl.europa.eu/sides/getDoc.do?pubRef=-//EP//TEXT+TA+P6-TA-2007-0261+0+DOC+XML+V0//DE&language=DE
  22. EU: Bridging the Broadband Gap http://ec.europa.eu/information_society/eeurope/i2010/digital_divide/index_en.htm
  23. golem.de: StarDSL bietet ab sofort Internet per Satellit mit Rückkanal
  24. golem.de: Filiago bringt Internet per Satellit mit Rückkanal
  25. golem.de: Internet per Satellit auch über TelDaFax
  26. Australian Broadband Guarantee

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