Abe Shinzo

Abe Shinzo
Shinzō Abe am 8. September 2007 in Sydney

Shinzō Abe (jap. 安倍 晋三, Abe Shinzō [abe ɕinzoː]; * 21. September 1954 in Nagato, Präfektur Yamaguchi) ist ein japanischer Politiker der LDP und war von September 2006 bis September 2007 der 57. Premierminister Japans.

Leben

Abe stammt aus einer bekannten Politikerfamilie. Sein Vater war Shintarō Abe, ehemaliger Generalsekretär der Liberaldemokratischen Partei (LDP) und Außenminister, sein Großvater mütterlicherseits ist der ehemalige Premierminister Nobusuke Kishi. Abes jüngerer Bruder Nobuo Kishi (von der Kishi-Familie adoptiert) ist ebenfalls Politiker und Abgeordneter des Oberhauses. Abes Großonkel war der Premierminister Eisaku Satō.[1]

Nach dem Abschluss am Institut für Politikwissenschaften der juristischen Fakultät der Seikei-Universität 1977 studierte Abe Politik an der University of Southern California. Nach seiner Rückkehr nach Japan arbeitete er bis 1982 für Kobe Steel Ltd.. Dann wurde er Assistent des Außenministers, Privatsekretär des Vorsitzenden der LDP-Generalversammlung und schließlich Privatsekretär des LDP-Generalsekretärs. 1993 wurde Abe im ersten Bezirk der Präfektur Yamaguchi mit einem Rekordergebnis gewählt und bekleidete von 1999 bis 2003 Ämter in den Regierungen Mori und Koizumi. Anschließend wurde er zum Generalsekretär der LDP ernannt.

Seit dem 31. Oktober 2005 war Abe Chefkabinettssekretär. Am 20. September 2006 wurde er mit deutlicher Mehrheit zum Parteichef der LDP gewählt: Abe erhielt 464 Stimmen, Tarō Asō 136, Sadakazu Tanigaki 102.[2] Am 26. September 2006 wurde er mit 339 von 475 Stimmen des Abgeordnetenhauses und 136 von 240 Stimmen des Oberhauses zum jüngsten japanischen Regierungschef nach dem Zweiten Weltkrieg gewählt. Innerhalb der LDP war er Führer eines Projektes gegen „exzessive“ Sexualerziehung.[3]

Abe verteidigt Koizumis umstrittene Besuche des Yasukuni-Schreins in Tokio, äußerte sich auf seiner ersten Auslandsreise, die ihn in die VR China führte, aber nicht zu möglichen Yasukuni-Besuchen: „Ich kann nicht sagen, ob ich gehe oder nicht. Ob ich mal gegangen bin oder nicht.“[4] Zum 62. Jahrestag der japanischen Kapitulation am 15. August 2007 unterließ er gemeinsam mit 15 seiner 16 Minister den Besuch des Schreins.[5] Er kündigt auch einen härteren Kurs gegenüber Nordkorea an. Nach Abes Verständnis war Japan während des Zweiten Weltkrieges nicht im Unrecht. Auch stellt er öffentlich die Tokioter Kriegsverbrecherprozesse infrage, was ihn in China und Korea unpopulär macht. Während sein Vorgänger Koizumi 2001 sein „tiefes Bedauern“ über das Schicksal jener Frauen, die im Zweiten Weltkrieg in den besetzten Gebieten in Korea, China und Südostasien zur Prostitution gezwungen worden waren, und ihre „unermesslichen und schmerzlichen Erfahrungen“ ausgedrückt hatte, meinte Abe am 1. März 2007: „Es gibt keinen Beweis dafür, dass Zwang auf Frauen ausgeübt wurde, wie es zunächst geheißen hatte“. Dem war eine Resolution des US-Kongresses vorausgegangen, in der gefordert wurde, dass Japan formell die Verantwortung für das diesen „Trostfrauen“ zugefügte Leid anerkennen soll.[6]

Im Juli 2006 veröffentlichte er sein Buch Utsukushii kuni e (美しい国へ, dt. In ein schönes Land), das sich, wie einige meinen, wie ein Wahlkampfprogramm liest. Darin schreibt er etwa, dass Japan den bei rechten Politikern umstrittenen Artikel 9 der Verfassung, der unter anderem die Kriegsführung und Androhung militärischer Gewalt verbietet, abschaffen und eine neue militärische Rolle übernehmen soll.

Abe möchte die pazifistische Grundhaltung der Nachkriegsverfassung abschwächen und einen eigenständigeren Kurs in der Außenpolitik verfolgen. Außerdem tritt er für eine Erziehungsreform ein, um in den Schulen Patriotismus zu vermitteln[7].

Abe will freiwillig auf 30 % seines Gehaltes von rund 280.000 Euro verzichten, um mit gutem Beispiel voranzugehen.

Die japanische Oberhauswahl am 29. Juli 2007 endete mit einer herben Wahlniederlage für Abes LDP. Die Partei gewann nur noch 37 (zuvor 64) von 121 Sitzen im Oberhaus und stellt damit nicht mehr die stärkste Kraft in einer der beiden Kammern des Parlaments. Abe kündigte eine Umbildung seines Kabinetts an, die am 26. September vollzogen wurde (Kabinett Abe I (Umbildung)), lehnte jedoch seinen Rücktritt zunächst ab.[8]

Am 12. September 2007 kündigte er seinen Rücktritt an und übernahm damit die Verantwortung für die desolate Lage seiner Regierung.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Stammbaum der Abe/Satō/Kishi/Yoshida-Familie
  2. 総裁選挙 auf der Website der LDP
  3. http://www.jimin.jp/jimin/info/gender/jender.html
  4. Asahi Shimbun, 9. Oktober 2006.
  5. BBC News, 15. August 2007: Japan's Abe shuns Yasukuni visit (englisch)
  6. tagesschau.sf.tv
  7. www.sueddeutsche.de: Shinzo Abe ist neuer Regierungschef
  8. www.dw-world.de: Abe will trotz Niederlage weiterregieren

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