Dsud

Dsud
Totes Kamel während des Dsud-Winters 2010 in der Süd-Gobi
Tote Ziegen einer Nomaden-Familie in der Süd-Gobi
Schutzmauer „Churdschun“ in der Süd-Gobi

Dsud (mongolisch ǰud  / Зуд) ist eine mongolische Bezeichnung für einen sehr schneereichen Winter, in dem die Tiere nicht in der Lage sind, Futter durch die Schneedecke zu finden, und eine große Zahl von Tieren aufgrund von Hunger und Kälte stirbt. Der Begriff wird auch für andere meteorologische Bedingungen, insbesondere im Winter, benutzt, unter denen das Grasen des Viehs unmöglich ist.

Inhaltsverzeichnis

Arten von Dsud

Die Einheimischen unterscheiden manchmal zwischen Schwarzen, Weißen und Eisigen Dsuds. Der Schwarze Dsud (хар зуд, char dsud) ist geprägt von karger Nahrung im Sommer und einem kalten Winter, in dem viele Tiere an Hunger sterben. Der Weiße Dsud (цагаан зуд, tsagaan dsud) zeichnet sich durch sehr starken Schneefall aus, der es dem Vieh unmöglich macht, sich von dem sonst zugänglichen gefrorenen Gras zu ernähren, so dass es ebenfalls verhungert. Der Eis-Dsud (мөсөн зуд, mösön dsud), seltener auch Eiserner Dsud (төмөр зуд, tömör dsud) genannt, wird durch Regen herbeigeführt, der am Boden friert, das Land mit Eis überzieht und so die Tiere daran hindert, sich von Gras und Kräutern zu ernähren.

Als Viertes gibt es noch den Sturm-Dsud (шуурган зуд, schuurgan dsud).

Es ist nicht ungewöhnlich für Dsuds, dass in einem einzigen Winter über eine Million Stück Vieh sterben, im Winter 1944 gingen fast 7 Millionen Stück Vieh verloren.[1] In den Jahren 1999/2000, 2000/2001 und 2001/2002 war die Mongolei von drei Dsuds hintereinander betroffen, wo insgesamt 11 Millionen Tiere starben.[2]

Von Ende 2009 bis Anfang 2010 wurden 80% des Territoriums des Landes von einer Schneedecke von 20-60 Zentimeter bedeckt, und 198 Landkreise (Sum) von 19 Aimags wurden von einem harten Weißen Dsud geplagt.[3]. Im Uws-Aimag dauerte die extreme Kälte (Temperatur in der Nacht von −40 bis −48 Grad C) fast 50 Tage.[4] Das Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Leichtindustrie berichtete, dass 2.127.393 Stück Vieh bis zum 9. Februar 2010 starben (188.270 Pferde, Rinder und Kamele sowie 1.939.123 Schafe und Ziegen).[3] Das Landwirtschaftsministerium prognostizierte, dass die Verluste an Nutztieren bis zum Ende des Winters auf 4 Millionen steigen könnten.[5] Es wird angenommen, dass von Dezember 2009 bis März 2010 insgesamt 4,5 Millionen Tiere verendet sind. Das sind ca. 10 % des gesamten Viehbestandes.[6]

Schutzmethoden

Einige traditionelle Methoden, um die Tiere vor solch ungünstigen Witterungsbedingungen zu schützen, sind die Trocknung und Lagerung von geschnittenem Gras in den Sommermonaten (entsprechend der europäischen Heuernte), sowie das Sammeln von Schaf- und Ziegen-Mist, um getrocknete brennbare Blöcke herzustellen, die man „Churdschun“ nennt. Getrocknetes Gras kann an die Tiere verfüttert werden, um einen Hungertod zu verhindern, wenn Dsud auftritt. Der „Churdschun“ oder die Blöcke aus Schaf- bzw. Ziegen-Mist werden zu einer Wand aufgestapelt, die die Tiere vor dem Wind schützt und warm hält, um den harten Bedingungen standzuhalten. Diese Blöcke können auch als Heizmaterial im Winter verbrannt werden. Diese Methoden werden bis heute im westlichsten Teil der Mongolei angewandt, sowie an Orten, die früher Teil der Dsungarei waren.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Mongolia faces calamity. BBC news (29. März 2000). Abgerufen am 9. März 2011.
  2. Olivier Mahul, Jerry Skees (2006): Piloting Index-Based Livestock Insurance in Mongolia (PDF). AccessFinance No.10. The World Bank Group. Abgerufen am 14. Februar 2010.
  3. a b Severe winter kills two million livestock. Montsane News Agency (11. Februar 2010). Abgerufen am 14. Februar 2010.
  4. Ch. Khurelbaatar works in Uvs.. Montsane News Agency (12. Februar 2010). Abgerufen am 14. Februar 2010.
  5. Livestock Loss Could Reach Up to 4 Million By Spring. UBPost (5. Februar 2010). Abgerufen am 14. Februar 2010.
  6. Dagmar Dehmer: Im Griff der Wüste. Die Mongolei erwärmt sich schneller als der Rest der Welt, und leidet dennoch unter harten Wintern. In: Der Tagesspiegel, 3. April 2010, S. 28.

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