Electric Beat Crew

Electric Beat Crew

Die Electric Beat Crew war eine deutsche Hip-Hop-Gruppe, die aus Olaf Kretschmann (* 27. November 1969) alias Master K. und Marco Birkner (* 28. August 1969) alias M.A.C. bestand. Sie veröffentlichten die erste und einzige englischsprachige Hip-Hop-Platte in der DDR.[1]

Karriere

Kretschmann beschäftigte sich mit Hip-Hop, seit er 1983 im „Westfernsehen“ den Film Wild Style gesehen hatte.[1] Bereits im Alter von 16 Jahren produzierte er erste Mixe auf Tapes und experimentierte mit englischsprachigen Raps. Mit einem Zweispur-Tonbandgerät von Kretschmanns Eltern und einem von Birkners Großvater halblegal in West-Berlin bestellten Keyboard wurden die ersten gemeinsamen Stücke produziert.[1]

Nachdem der Radiomoderator Lutz Schramm in seiner Sendung Vibrations auf dem Radiosender DT64 einige Stücke von Kretschmann gespielt hatte, wurde das Projekt auch einem größeren Publikum bekannt. Ende des Jahres 1987 gründete Kretschmann im brandenburgischen Schulzendorf zusammen mit Marco Birkner die Electric Beat Crew. Kretschmann war für die Raps verantwortlich und Birkner spielte das Keyboard.

Im Frühjahr 1988 fand in einem kleinen Privat-Club an der Ost-Berliner Französischen Straße der erste „öffentliche“ Auftritt der Band vor gerade einmal 13 Zuhörern statt, obwohl die in der DDR dafür notwendige Spielerlaubnis noch nicht vorlag.

Bei einem Auftritt in der ostdeutschen Jugendfernsehsendung Klik im Spätherbst des Jahres 1988 mussten die Texte noch notgedrungen ins Deutsche übersetzt werden, damit eine Auftrittsgenehmigung erteilt wurde. Nach dem Auftritt folgte eine Anfrage des Plattenlabels Amiga für eine Veröffentlichung von vier Stücken. Die gesamte Musikproduktion sollte allerdings keine Kosten verursachen. Kretschmann und Birkner produzierten die Stücke daher in Eigenregie zu Hause, wobei sie statt in einem Tonstudio im Kleiderschrank rappten.

Anfang des Jahres 1989 erschien dann bei Amiga die EP Electric Beat Crew, die nur in 10.000 Kopien gepresst wurde und sehr schnell ausverkauft war. Die Veröffentlichung brach in der DDR als erste ostdeutsche Hip-Hop-Platte ein Tabu. Das auf der EP enthaltene Stück Here we come entwickelte sich zu einem der Diskohits des Jahres 1989. Das Stück war bei ostdeutschen DJs vor allem deshalb beliebt, weil die Schallplattenunterhalter, wie DJs in der DDR genannt wurden, aufgrund der sogenannten 60/40-Regel der AWA verpflichtet waren, mindestens 60 % Musik aus der DDR oder den weiteren RGW-Staaten zu spielen. Here we come basierte im Wesentlichen auf Samples von Newcleus' Jam On It und Kid Frosts Terminator sowie auf Raps, die Kretschmann an Grandmaster Flashs Hit The Message anlehnte.[1]

Nach Auftritten bei Fernsehsendungen wie Elf 99, Formel Eins und der ZDF-Hitparade folgte 1990 ebenfalls bei Amiga noch das Debütalbum The Electric Beat Crew mit zwölf Musikstücken.

Ende des Jahres 1990 hatte das Duo den letzten öffentlichen Auftritt als Electric Beat Crew und zog sich danach ins Privatleben zurück.[1]

Im Jahr 1996 wurde das Album noch einmal neu als CD aufgelegt. Auf der 1998 veröffentlichten Compilation (b)eastside erschien dann mit Fear (Time Of Darkness) noch einmal ein neues Stück der Gruppe. Im Jahr darauf veröffentlichte die Electric Beat Crew mit It’s Time ein weiteres neues Stück inoffiziell als freien Download.

Die 2006 erschienene Dokumentation Here we come des Regisseurs Nico Raschick über Breakdance in der DDR griff für den Titel das bekannteste Stück der Electric Beat Crew auf.[2][3] Daneben wurde mit Son of Beat Street (Live) auch ein Stück der Band auch für den Soundtrack des Films verwendet.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. a b c d e Ganz junge Pioniere: Hip-Hop in der DDR bei tagesspiegel.de, abgerufen am 7. Mai 2011
  2. Here we come bei imdb.de, abgerufen am 9. Mai 2011
  3. herewecome.de - Offizielle Website des Films, abgerufen am 9. Mai 2011

Wikimedia Foundation.

Игры ⚽ Поможем сделать НИР

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Skeleton Crew (band) — Infobox musical artist | Name = Skeleton Crew Img capt = Skeleton Crew, 1982 Left to right: Tom Cora, Dave Newhouse, Fred Frith Background = group or band Alias = Origin = New York City, United States Genre = Avant progressive rock, Experimental …   Wikipedia

  • D-beat — Stylistic origins Hardcore punk, Anarcho punk, New Wave of British Heavy Metal Cultural origins Early 1980s England and Sweden Typical instruments Vocals Electric guitar Bass drums …   Wikipedia

  • Hip-Hop (Subkultur) — Hip Hop ist eine kulturelle Bewegung, die ihre Ursprünge in den afroamerikanischen Ghettos New York Citys der 1970er Jahre hat und sich mittlerweile zu einer weltweiten Subkultur der urbanen Jugend (Jugendkultur) entwickelt hat. Aufgrund ihrer… …   Deutsch Wikipedia

  • Deutscher Hip-Hop — Als Deutscher Hip Hop wird Hip Hop Musik bezeichnet, die in Deutschland produziert wird. Nicht immer sind seine Protagonisten aus Deutschland oder rappen in deutscher Sprache. Aktiv waren deutsche Hip Hopper seit Mitte der 1980er Jahre, als der… …   Deutsch Wikipedia

  • Musik der DDR — bezeichnet die Musik, die in der Deutschen Demokratischen Republik zwischen 1949 und 1990 geschaffen wurde. Die Freiheit der Kunst war durch Vorgaben von Staat und SED eingeschränkt. Gleichwohl hatten zahlreiche Musiker das Bestreben, die… …   Deutsch Wikipedia

  • EBC — Die Abkürzung EBC bezeichnet EBC (Telekommunikation), Tarifmodell in der Telekommunikationsbranche EBC (Bier), Systematik zur Messung der Malz bzw. Bierfarbe im Brauereiwesen EBC Brakes, britischer Hersteller von Bremsanlagen aller Art und… …   Deutsch Wikipedia

  • Schulzendorf — Wappen Deutschlandkarte …   Deutsch Wikipedia

  • List of breakdance crews — In alphabetical order (and ordered by country), some of the many breakdancing crews, though some are more known than others. These represent current active crews of recent stability. Africa South Africa * Arcanum Crew * The Black Kao Crew *… …   Wikipedia

  • Hip-hop dance — For more details on the history, social dancing, and worldwide exposure, see History of hip hop dance. Hip hop dance A b boy performing in a cipher in Turkey …   Wikipedia

  • DJMax Technika 3 — Title screen of DJMax Technika 3 Developer(s) Pentavision Pu …   Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”