Erasmus von Malsen-Ponickau

Erasmus von Malsen-Ponickau

Johann Erasmus Freiherr von Malsen-Ponickau (* 5. Juni 1895 in München; † 12. Juni 1956 ebenda)[1] war ein deutscher SS-Führer und Polizist zur Zeit des Nationalsozialismus.

Leben

Malsen-Ponickau war Teilnehmer am Ersten Weltkrieg zuletzt im Range eines Rittmeisters und wurde mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. Er war Ehrenritter des Johanniterordens. 1919 schloss er sich dem Freikorps Epp an und wurde später Oberlandesführer des Bayerischen Stahlhelms.

Malsen-Ponickau leitete ab 1922 das Familiengut Schloss Osterberg in Schwaben, das er 1922 von seiner Mutter geerbt hatte.[2]

Malsen-Ponickau wurde 1930 Mitglied der NSDAP (Mitgliedsnr. 213.542) und SS (Mitgliedsnr. 3.914).[3] Ab Juli 1932 führte Malsen-Ponikau in München den SS-Abschnitt I.. Malsen-Ponickau hielt im KZ Dachau am 10. April 1933 eine Rede vor SS-Hilfspolizisten, in der er unter anderem anmerkte: „Wenn einer unter euch ist, der glaubt, es sind Menschen wie ihr, soll er sofort nach links raustreten.“ [4] Vom 20. April 1933 bis 15. August 1933 führte er den SS-Abschnitt IX und wurde Stellvertretender Polizeipräsident in Nürnberg-Fürth.[3] Nach einem Konflikt mit Gauleiter Julius Streicher, in dem Streicher Malsen-Ponickau vorwarf, der "Bewegung" zwar formal, aber nicht "mit dem Herzen" anzugehören [5], wurde er von diesen Posten abberufen, aber durch Heinrich Himmler zum SS-Brigadeführer befördert.[6] Als einziger hoher SS-Führer wurde er danach nicht mehr befördert.

Im August 1933 wurde er in den Stab des Reichsführers SS Heinrich Himmler versetzt.[1]

Für den Deutschen Reichstag kandidierte er am 29. März 1936, erhielt aber kein Mandat. Damals lebte er in Stuttgart, Eduard-Pfeiffer-Straße 65.

Im April 1938 wurde er zunächst kommissarischer Polizeidirektor in Frankfurt (Oder) und bekleidete diesen Posten ab 1939 offiziell. Danach wurde er Polizeidirektor in Posen und im Juni 1940 zum dortigen Polizeipräsidenten ernannt. Im September 1943 wurde er als Polizeipräsident nach Halle (Saale) versetzt.[3]

Ab Anfang 1944 war Malsen-Ponickau Sonderbeauftragter Himmlers beim Höheren SS- und Polizeiführer der Operationszone Adriatisches Küstenland Odilo Globocnik. Dort war er unter anderem SS- und Polizeikommandeur in Triest bis Herbst 1944 und ab Anfang 1945 in Pola.[7]

Nach Kriegsende wurde er in Polen am 28. Mai 1946 wegen seiner Tätigkeit als Polizeipräsident von Posen freigesprochen, jedoch für seine Mitgliedschaft in der SS als einer verbrecherischen Organisation zu sieben Jahren verurteilt.[1] Nach der Haftentlassung kehrte Malsen-Ponickau nach München zurück, wo er verstarb.

Literatur

Einzelnachweise

  1. a b c Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich, Frankfurt am Main 2007, S. 388
  2. Stephan Malinowski: Vom König zum Führer. Sozialer Niedergang und politische Radikalisierung im deutschen Adel zwischen Kaiserreich und NS-Staat. 3., durchges. Aufl., Akademie-Verlag, Berlin 2003, S. 541
  3. a b c Erich Stockhorst: 5000 Köpfe – Wer war was im Dritten Reich, Kiel 2000, S. 283
  4. Zitiert bei: Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich, Frankfurt am Main 2007, S. 388
  5. Zitiert bei: Stephan Malinowski, Vom König zum Führer, Deutscher Adel und Nationalsozialismus, 3. Aufl. Frankfurt 2010, S. 541
  6. Elisabeth Chowaniec: Der "Fall Dohnanyi" 1943-1945. Widerstand, Militärjustiz, SS-Willkür, Oldenbourg-Verlag, München 1991, ISBN 3-486-64562-5, S. 554
  7. Michael Wedekind: Nationalsozialistische Besatzungs- und Annexionspolitik in Norditalien 1943 bis 1945. (= Militärgeschichtliche Studien. Band 38), R. Oldenbourg Verlag, München 2003, ISBN 3-486-56650-4, S. 446.

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