Flugzeugabsturz auf dem Gauligletscher

Flugzeugabsturz auf dem Gauligletscher

Der Flugzeugabsturz auf den Gauligletscher ereignete sich am 19. November 1946. Eine amerikanische Dakota C-53 (Z68846), kommend aus Tulln bei Wien (Österreich) auf dem Weg nach Pisa (Italien), kollidierte mit dem Gauligletscher im Berner Oberland. Unter den acht Passagieren befanden sich hochrangige Militärs der amerikanischen Besatzungstruppen in Österreich und deren Angehörige sowie vier Besatzungsmitglieder. Bei dem Unfall gab es Verletzte, aber keine Toten.

Inhaltsverzeichnis

Der Flug

Am 18. November 1946 startete die amerikanische Dakota C-53 (Z68846) in Tulln bei Wien. Die geplante Route ging witterungsbedingt über München, Strassburg, Dijon und Marseille-Istres. Am 20. November 1946 sollte der Flug in Pisa enden. Über Innsbruck verloren die Piloten die Orientierung. Um 14.25 Uhr des 19. November 1946 setzte die Maschine unfreiwillig auf einer Höhe von 3.350 Metern über Meer mit einer Geschwindigkeit von 280 Kilometern pro Stunde auf dem Südosthang des Gauligrats (Gauligletscher) auf und rutschte über Schnee und Eis aufwärts (durch Drehbewegung nach Aufsetzen einer Tragfläche auf einem Gletschertisch umschiffte das Flugzeug eine Gletscherspalte), nachdem sie durch eine Fallwindboe in den Fels gedrückt wurde. Zuvor habe der Pilot nach Instrument Meteorological Conditions (IMC) mehrere Gipfel in den Alpen auf 25 Minuten erfolgreich umflogen.[1]

Die Suche

Die Piloten konnten nach einer Stunde einen Notruf absetzen, der in Paris-Orly und Marseille-Istres empfangen wurde. Die Besatzung wähnte sich in den französischen Alpen, aber eine Funkpeilung ergab eine andere Region. Es begann eine grossangelegte Suche in den entsprechenden Alpenabschnitten. Nach etwa zwei Tagen fiel in der Schweiz, dem Chef des Militärflugplatzes Meiringen die gute Verständlichkeit der weiteren Notrufe auf. Am Abend des 21. November konnte noch einmal gepeilt werden, das Wrack wurde im Dreieck Airolo-Sion-Jungfrau geortet. Nun wurde auch die Schweiz als möglicher Absturzort in Betracht gezogen. Eher zufällig wurde aus einer amerikanischen B-29 aus 5000 Metern Höhe - während einem Überflug nach München und auf tieferer Höhe- das Wrack von einer Schweizer C-35 zwischen dem Rosenhorn und dem Wetterhorn gesichtet.

Rettung

Nachdem der Unfallort bekannt war, wurde die bis dahin grösste Rettungsaktion in den Alpen ausgelöst. Diese nahm zeitweise bizarre Formen an, so kamen die Amerikaner mit zwei komplett ausgerüsteten Rettungszügen , die aber wegen der Schmalspurstrecke in Interlaken hängenblieben, in die Schweiz und die US-Soldaten benahmen sich anfänglich wie in Feindesland. Die Amerikaner hatten unter anderem die Vorstellung, man könne mit Jeeps und Snow-cats oder Lastenseglern das Wrack erreichen. Sie mussten vor Ort einsehen, dass sie auf eine Gebirgsrettung in Schnee, Eis und schlechtem Wetter nicht vorbereitet waren.

Erst am 23. November erreichten nach über 13 Stunden Anstieg um 14.20 Uhr die ersten Schweizer Rettungstrupps die Abgestürzten auf dem Bodenweg. Für ein Rückmarsch mit den Unfallopfern am selben Tag war es zu spät. Des Weiteren waren die Helfer zu stark geschwächt für den sofortigen Aufbruch. Sie mussten daher bei -15°C beim Flugzeug den nächsten Tag abwarten. Am 24. November begann der Abstieg. Eine Funkverbindung mit dem Tal gelang immer noch nicht. Um 10.20 gelang es zwei Piloten der Schweizer Luftwaffe mit zwei Maschinen vom Typ Fieseler Storch (Fieseler Fi 156) neben den Rettungsmannschaften auf dem Gletscher zu landen. Mit acht Flügen konnten die Verunglückten ins Tal geflogen werden. Dies war erste fliegerische Bergrettung. Die amerikanische Flugzeugbesatzung versuchte noch das Flugzeugwrack beim Verlassen zu zerstören, was durch die Schweizer Soldaten mit Gewalt verhindert wurde.

Während der Rettungsaktion wurden auch Filmaufnahmen und Fotos gemacht.

Folgen

Unmittelbar nach dem Weltkrieg waren die diplomatischen Beziehungen zwischen der Schweiz und der USA gestört. Diese Rettungsaktion hatte einen Sturm der Begeisterung in den USA ausgelöst und die politische Meinung gewendet. Die internationalen Medien verfolgten die Schweizer Rettungsaktion mit unzähligen Vertretern vor Ort. Die angelsächsischen Medien zeigten sich erstaunt über den uneigennützigen Einsatz der Schweizer zur Rettung von zwölf Amerikanern.

Diese Schweizer Rettungsaktion hatte noch eine weitere Fortsetzung. Als 1956 zwei Verkehrsflugzeuge über dem Grand Canyon kollidierten und abstürzten, lagen die beiden Flugzeugwracks in einer 1200 Meter tiefen Felsschlucht. Zur Rettung und Bergung wurde anschliessend die Schweiz um Hilfe gebeten.

Die Rettungsaktion am Gauligletscher war eine aus der Not geborene Pionierleistung und markiert den Beginn der Luftrettung. Die Entwicklung führte 1952 zur Gründung der Schweizerischen Rettungsflugwacht. Unter dem Gletscher auftauchende Wrackteile der Maschine wurden in den letzten Jahren öfters in der Presse gemeldet. Es gibt ein Projekt, die verschiedenen Aspekte des Unglücks in einem Dokumentarfilm darzustellen.

Quellen und Weblinks

Einzelnachweise

  1. Vorschau auf Bildschirmseite 3 von 41, Seite 116 folgende auf Google Books

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