Franz Sales Haus

Franz Sales Haus
Historische Fassade des Franz Sales Hauses, die bei der Modernisierung der Einrichtung erhalten blieb.

Das Franz Sales Haus im Essener Stadtteil Huttrop ist eine katholische Einrichtung der Behindertenhilfe.

Es ist mit rund 900 Mitarbeitern an 20 Standorten in Essen vertreten und bietet 1.600 Plätze zur Pflege und Betreuung von Menschen mit geistigen, psychischen und mehrfachen Behinderungen.[1]

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

1892 wurde die Einrichtung nach Franz von Sales benannt.

Das Franz Sales Haus wurde am 3. April 1884 als Verein zur Erziehung und Pflege katholischer idiotischer Kinder beiderlei Geschlechts aus der Rheinprovinz[2] von dem Theologen Johann Heinrich Peter Beising gegründet.[3] 1889 wurden der Einrichtung von Wilhelm II. die Rechte einer juristischen Person verliehen. Drei Jahre darauf, nach einem Umzug an den jetzigen Standort an der Steeler Straße, wurde die Einrichtung nach Franz von Sales[4] benannt.

Vor dem Beginn der Aktion T4-Deportationen (Vernichtung lebensunwerten Lebens, NS-Krankenmorde) 1940 lebten in der Einrichtung 1.096 Männer, Frauen und Kinder. Im September 1941 fanden zwei große Transporte in die beiden psychiatrischen Kliniken Bedburg-Hau und Johannistal-Süchteln (heute ist Süchteln ein Teil von Viersen) statt, die mit dem T4-Programm verbunden waren. Dr. Hegemann, der Arzt im Franz-Sales-Haus und die Meinung der Sozialarbeiter hatten auf das Überleben der behinderten Menschen einen Einfluss. Auch die politische Ausrichtung der Eltern spielte bei den Prognosen für deren Kinder eine Rolle, wie Volker van der Locht in seinen Untersuchungen für die UIC nachwies. Bis 1943 wurden insgesamt 832 behinderte Menschen deportiert.[5][6]

Seit dem 1. September 1972 führte das Franz Sales Haus in Zusammenarbeit mit dem Arbeitsamt Essen einen zweijährigen berufsvorbereitenden Lehrgang zur Verbesserung der Eingliederungsmöglichkeiten durch. Ziel war es, behinderte Jugendliche nach der Schulentlassung zu fördern.[7] Ab 1973 unterstützte das Franz Sales Haus die Initiative „Hilfe für das Heimkind“ des Kinderschutzbundes. In der Folge entstand das „Kontaktelternprogramm“, das viele Kinder durch einen beständigen Familienkontakt Kontakte jenseits des Franz Sales Hauses ermöglichte. 1974 wurde eine Heimberatungsstelle eingerichtet. Psychologen und Therapeuten boten Heimbewohnern und Mitarbeitern, Eltern und Kontakteltern eine Anlaufstelle, um bei Konflikten zwischen Bewohnern und zwischen Bewohnern und Mitarbeitern zu vermitteln. In der Vereinssitzung am 10. Mai 1978 beschloß der Vorstand die Gründung des Sportvereins DJK Franz Sales Haus[8] und verabschiedete eine Gründungssatzung. Damit waren auch Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren, die in der Betriebssportgemeinschaft Franz Sales Haus bislang von regelmäßigen Wettkämpfen ausgeschlossen waren, am Sportangebot beteiligt.

Im Jahre 1992 wurde der Klosterberghof als Bioland-Betrieb anerkannt.[9]. Am 8. Juli des gleichen Jahres wurde die Außenwohngruppe Hopfenstraße in Essen-Schönebeck mit elf Wohnheimplätzen als das erste Dezentralisierungsprojekt des Franz Sales Haus eingerichtet.

Die Werkstatt für Behinderte (WfB), heute der Hauptbetrieb der Franz Sales Werkstätten, wurde nach zweijähriger Bauzeit am 10. Juni 1994 von dem Essener Bischof Hubert Luthe eingeweiht. An den 360 Arbeitsplätzen an der Dahlhauser Straße arbeiteten die geistig Behinderten in den Arbeitsbereichen Landschaftspflege, Schreinerei, Schlosserei, Buchbinderei, Schneiderei, Elektromontage, Gärtnerei, Lager und Versandservice.[10]

Der heutige Hauptbetrieb der Franz Sales Werkstätten GmbH in Essen.

Am 27. September im folgenden Jahr mietete das Franz Sales Haus die erste Wohnung für das neue Projekt „Integratives Wohnen“ an. Am 21. August 1996 eröffnete auch die Heilpädagogische Schule (HEP) des Franz Sales Berufskollegs.[11] In zwei Klassen wurden insgesamt 48 Schüler zu Heilerziehungspflegern ausgebildet.[12] In der drei Jahre dauernden Ausbildung wurden den Auszubildenden Kenntnisse in den Fachbereichen Erziehungswissenschaften, Psychiatrie, Pflege, Gesundheitslehre, Recht sowie Didaktik und Methodik vermittelt. Ab Oktober konnten zwanzig Teilnehmer mit einer handwerklichen Berufsausbildung in einer weiteren Klasse eine sonderpädagogische Zusatzqualifikation erlangen. Sie dientr der Anleitung und Förderung geistig behinderter Menschen in der Werkstatt für Behinderte (WfB).

Das Special Olympics Fitness-Center wurde am 18. Februar 1997 im Franz Sales Haus eröffnet. Es war das erste Fitness-Zentrum in Deutschland, das geistig- und mehrfachbehinderten Menschen als Trainingsstätte diente. Die Patenschaft für diese Einrichtung, die von verschiedenen Sponsoren finanziert wurde, übernahm der Bundesligatrainer Ottmar Hitzfeld.

Zwei Jahre später richtete das Franz Sales Haus unter dem Dach der „Franz Sales Schule gGmbH“ neben dem Berufskolleg auch einen weiteren eigenständigen Unternehmensbereich ein: das Fortbildungsreferat.[13] Hier werden Weiterbildungen und Veranstaltungen für unterschiedliche Zielgruppen im Bereich der Behinderten- und Altenhilfe organisiert.

Nach Abriss- und Umbauarbeiten konnte 2001 das Richtfest für den ersten Bauabschnitt des Hauptgebäudes des Franz Sales Hauses an der Steeler Str. 261 gefeiert werden. Nur die Fassade des 1892 erbauten Hauses blieb erhalten. Am 16. Oktober 2002 schließlich gründete das Franz Sales Haus zwei Tochtergesellschaften: die gemeinnützigen Franz Sales Wohnen GmbH[14] und Franz Sales Werkstätten GmbH.[15]

Am 2. Juni 2003 nahm auch das Integrationsunternehmen „In time gGmbH – gemeinnützige Gesellschaft für Zeitarbeit“ den Betrieb auf. Die Tochtergesellschaft des Franz Sales Hauses ermöglichte es Menschen mit Behinderungen, einen regulären Arbeitsvertrag zu tariflich geregelten Bedingungen abzuschließen. Im gleichen Jahr bot das Berufskolleg erstmals die Ausbildung zum staatlich geprüften Heilerziehungshelfer an.

Auf dem Spelberghof werden u. a. Reittherapien für Menschen mit Behinderung angeboten.

2004 erwarb das Franz Sales Haus einen Teil des Spelberghofs (20.000 m²) vom Land NRW. Der gesamte Hof, der bislang von der Reiterstaffel der Polizei Essen genutzt worden war, sollte weiterhin als Reitbetrieb bewirtschaftet werden. Neben dem sportlichen Reitbetrieb sollte hier ab sofort auch das „Therapeutische Reiten“ für behinderte Menschen angeboten werden. Durch die Pferde kommen Menschen mit und ohne Behinderungen unkompliziert miteinander in Kontakt. Am 11. November wurde nach 4½-jähriger Bauzeit das Hauptgebäude des Franz Sales Hauses eingeweiht. Für die Feierlichkeiten wurde die rekonstruierte historische Fensterkrone über dem Eingangsportal wieder eingesetzt. 2004 konnte das Angebot der Franz Sales Wohnen GmbH wird im ambulanten Bereich stark erweitert werden. Der Bereich Ambulant Betreutes Wohnen, der schon bestand, wurde durch den Familienunterstützenden Dienst (FuD) sowie die Koordinierungs-, Kontakt- und Beratungsstelle (KoKoBe) ergänzt. In der Gemarkenstraße 76 eröffnete im selben Jahr ein neuer Werkstattladen.

Im April 2005 begann das Projekt „Einbeziehung freiwillig und ehrenamtlich Tätiger in die Hilfe zur Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft“ (Projekt Ehrenamt), ein Forschungsprojekt des Deutschen Caritasverbandes. Es wurde von der „Aktion Mensch“ unterstützt und vom „Institut für zivilgesellschaftliche Entwicklung“ in Freiburg wissenschaftlich begleitet. Durch die Zusammenarbeit mit mehreren Kooperationspartnern (Deutsche Telekom, E.ON Ruhrgas AG, RWE, BMV-, Helmholtz- und Nord-Ost-Gymnasium) waren mehr als 140 Schüler und Auszubildende an dem Projekt beteiligt. Ebenfalls 2005 wurde das Franz Sales Haus „Bezirksstützpunkt Ruhr“. Der Behinderten-Sportverband NRW sichtete hier für die Weltmeisterschaft 2006 ab dem 30. April Spieler für die Nationalmannschaft der Menschen mit geistigen Behinderungen. Die Sonderschule des Franz Sales Haus hieß seit August 2005 „Förderschule mit dem Schwerpunkt geistige Entwicklung“. Ein neues Schulprofil wurde entwickelt, das Veränderungen im Unterricht der erwachsenen Schüler in den Werkstufen, die Förderung schwerstmehrfachbehinderter Schüler sowie die Einrichtung weiterer Sport-AGs vorsah. Der erste und zweite Bauabschnitt des Sportzentrums Ruhr des Franz Sales Hauses (Architekt: Michael Deterding) wurde am 31. August eingeweiht. Besonders großen Zuspruch fand das erste integrative Fitnesszentrum Deutschlands.

Einweihung des neuen Schulgebäudes auf dem Gelände des Franz Sales Hauses.

Am 21. Februar des folgenden Jahres wurde das neue Schulgebäude eingeweiht. In dem Schulkomplex ist neben der Franz Sales Förderschule auch die Franz Sales Schule gGmbH untergebracht, in der Aus- und Fortbildungen für Fachkräfte der Behinderten- und Altenhilfe angeboten werden. Die Studierenden können im Rahmen von Bildungsprojekten Erfahrungen mit geistig behinderten Förderschülern sammeln und das erworbene theoretische Wissen in der Praxis anwenden. Die Förderschüler profitierten durch die Kooperationen von den zusätzlichen Bildungsangeboten. Die Gärtnerei der FS Werkstätten stellte ab Juni Zucht und Vertrieb von Pflanzen auf „Bioland“ um. Unter Verzicht auf Pestizide und Insektizide wurden nützliche Insekten als „biologische Waffen“ zur Schädlingsbekämpfung eingesetzt. Ab Sommer wurde im Franz Sales Haus ein neues bezahltes Sozial- und Orientierungspraktikum angeboten. Mit ihm sollte der Desorientierung von Jugendlichen nach dem Schulabschluss entgegengearbeitet werden. In 52 Wochen konnten 20 Praktikanten pro Jahr unterschiedliche Unternehmensbereiche im Hause kennenlernen. Auf der Regattabahn am Baldeneysee fand am 11. August das bundesweit erste integrative Drachenbootrennen statt. Die DJK-Sportgemeinschaft des Franz Sales Hauses hat dieses Rennen zusammen mit „Drachenboot Essen“ und dem „Essener Sportbund“ organisiert. Zusammen mit anderen Kooperationspartnern richtete das Franz Sales Haus am 15. September mit dem Kleinen Finale der INAS-FID Fußball WM 2006 der Menschen mit Behinderung ein weiteres Sportereignis aus. Im Sportpark „Am Hallo“ siegte die deutsche Mannschaft gegen Südafrika mit 4:0. Am 23. September fand vor 1.200 Besuchern im Franz Sales Haus das 1. Integrative Open-air-Musikfestival in NRW statt. Auf dem vom Freizeitbereich organisierten Konzert spielten 10 Bands auf zwei Bühnen.

Im Jahr 2007 wurde die DJK Franz Sales Haus vom Behinderten-Sportverband NRW (BSNW) offiziell zum „anerkannten Landesleistungsstützpunkt in der Sportart Fußball“ ernannt. Die Schneiderei der FS-Werkstätten verarbeitete im Auftrag der Ruhrkohle AG ab Mai ein von dem Künstler Otmar Alt gestaltetes Riesenposter, mit dem die Konzernzentrale verhüllt worden war. Aus dem 3.500 m² großen Textilgewebe wurden 4.000 Taschen hergestellt und in der Mayerschen Buchhandlung zur Unterstützung der Stiftung Ein Herz für Kinder verkauft. Am 11. Mai konnte auf dem Klosterberghof der Hofladen wiedereröffnet werden. In dem nun 84 m²großen Laden werden seitdem neben hofeigenen Produkten weitere Biolebensmittel angeboten. Am 1. Juli startete im Bereich Arbeitsmarktintegration das „Zentrum für Joborientierung“ (ZfJ). Erwachsene, die auf Grund von Behinderungen oder längerer fehlender Berufspraxis Schwierigkeiten bei der Arbeitsplatzsuche haben, werden nach einer Eignungsanalyse sechs Monate in Praktikumstellen im Franz Sales Haus vermittelt. Ein weiteres Projekt startete am 1. August im Bereich Arbeitsmarktintegration das Projekt BIN IM BERUF. Es soll leistungsstarke Schüler der Essener Förderschulen (darunter auch die Franz Sales Förderschule) mit dem Schwerpunkt geistige Entwicklung befähigen, nach einem 15 Monate dauernden Praktikum eine Stelle auf dem ersten Arbeitsmarkt zu finden.

Ein Jahr später konnte der Verein DJK Franz Sales Haus e. V. sein Sportangebot erweitern: Blinde und Sehbehinderte konnten im Sportzentrum Ruhr Blindenfußball spielen. 2008 startete auch das integrative Kulturprojekt „Mal anders“. In Zusammenarbeit mit Künstlern und Kulturinstitutionen aus der Region konnten Teilnehmer z. B. Skulpturen gestalten, in Musikprojekten mitwirken, Theater spielen, mit digitaler Fotografie experimentieren oder einen Vorlesekreis besuchen. Die Maßnahme „DIA-AM“ (Diagnose der Arbeitsmarktfähigkeit besonders betroffener behinderter Menschen) für Menschen im Grenzbereich zwischen geistiger und Lernbehinderung begann am 1.Juli. Im Auftrag der Agentur für Arbeit stellte das Franz Sales Haus Teilnehmern aus Essen, Oberhausen, Gelsenkirchen und Duisburg eine Diagnose, ob und in welchem Umfang berufliches Potenzial für eine Beschäftigung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt vorhanden war. Die DJK Franz Sales Haus e.V. feierte am 7. September 2008 anlässlich eines Spiel- und Sportfestes mit der Polizei Essen ihren 30. Geburtstag. Mehr als 1.400 interne und externe Mitglieder trieben in dem bundesweit ersten integrativen Sportzentrum Ruhr Sport. Am 21. Oktober wurde der „Leuchtturm“, eine heilpädagogisch-psychiatrische Ambulanz eröffnet. In Kooperation mit den Rheinischen Kliniken Essen bietet die Franz Sales Wohnen GmbH Kindern und Jugendlichen mit einer geistigen Behinderung und psychischen Beeinträchtigungen eine ärztliche Versorgung, Diagnostik und Beratung. Im Leuchtturm arbeitet eine Heilpädagogin, eine Psychologin sowie einer Ärztin der Kinder- und Jugendpsychiatrie.

Der Ausbau des Sportzentrums Ruhr war mit der Eröffnung der neuen Anlagen abgeschlossen.

Am 3. April 2009 feierte die Einrichtung unter dem Motto „Franz Sales Haus – 125 Jahre MitMenschen“ ihr 125-jähriges Bestehen. Dem Festakt in der Philharmonie, dem auch NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers beiwohnte, ging ein feierliches Pontifikalamt in der Essener Münsterkirche voran.[16] Der zweite Bauabschnitt des Sportzentrums Ruhr wurde am 30.Juni von Weihbischof Ludger Schepers eingeweiht: Die bereits 2005 fertig gestellten Sportstätten, die von Bewohnern und Anwohnern der umliegenden Stadtteile gut angenommen worden waren, wurden durch ein Schwimmbad (16.66 x 8m), eine große Sporthalle (15 x 27m) mit 200 Zuschauerplätzen sowie zwei extra für den Blindenfußball ausgestattete Kunstrasen-Außenplätze (22 x 44m und ein Soccer-Kleinfeld) ergänzt.[17] Im September begann das Franz Sales Haus unter wissenschaftlicher Begeleitung durch die Universität Duisburg-Essen und die Evangelische Fachhochschule Bochum ein Integrationsprojekt, das die Integration von Menschen mit Behinderungen in Regelsportvereine erleichtern sollte. Die Reaktion der Essener Sportvereine war nach einer ersten Auswertung durch den Integrationsbeauftragten des Franz Sales Hauses erfreulich: Mehr als 450 Sportvereine konnten sich ein integratives Angebot in ihrem Verein vorstellen.[18] Am 18. November 2009 ehrte Papst Benedikt XVI. den Direktor des Franz Sales Hauses, Günter Oelscher, mit der Auszeichnung „Ritter des Gregoriusordens“. Es ist eine der höchsten Anerkennungen, die von der katholischen Kirche an Laien verliehen werden. Er wurde für seine Verdienste im Bereich der Behindertenhilfe geehrt, weil er sich nicht nur im Franz Sales Haus für die Belange von unterstützungsbedürftigen Menschen einsetzte, sondern auch überregional in Gremien und mit Behörden für gerechte Lösungen in Bezug auf die Lebensverhältnisse von Menschen mit geistiger Behinderung eintrat. Im Bereich Arbeitsmarktintegration startet am 26. Oktober eine weitere Maßnahme, die im Auftrag der Agentur für Arbeit durchgeführt wurde. Die „Individuelle betriebliche Qualifizierung" (InbeQ) richtete sich an Menschen im Grenzbereich zwischen Lern- und geistiger Behinderung, die auf versicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse vorbereitet werden sollten. Innovationsminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart überreichte dem Direktor des Franz Sales Hauses am 1. Dezember in Mülheim/Ruhr mit dem 1. Preis für Nachwuchsförderung eine weitere Ehrung. Im Rahmen der Laudatio betonte der Juryvorsitzende Dr. Hjalmar Kuntz die besonders kreative und innovative Weise, mit der junge Menschen für soziale Berufe interessiert wurden.

Im Zuge mehrerer an die Öffentlichkeit gekommener Fälle von Kindesmissbrauch an deutschen Schulen sah sich das Franz-Sales-Haus Ende Februar 2010 ebenfalls Vorwürfen gegenüber, welche Misshandlungen und sogar in drei Fällen sexuellen Missbrauch in den 50er- und 60er-Jahren durch Ordensleute und weltliche Pfleger beinhalteten.[19] Vom 9. bis 11. Juli richtete das Franz Sales Haus gemeinsam mit dem RFZ Bochum-Nord e. V. 2010 erstmalig auf dem Gelände des Bochumer Reitvereins die Deutschen Meisterschaften für Dressurreiter mit Handicap aus. Nicht nur die komplette deutsche Reiterelite mit Handicap inklusive der Paralympics-Mannschaft namm teil, auch Reiter ohne Handicap aus unterschiedlichen Nationen bereiten sich auf dem Turnier für die Weltreiterspiele in Kentucky (USA) vor. Zusätzlich gab es Prüfungen für Reiter mit geistiger Behinderung. Das Turnier war ein offizieller Programmpunkt der Kulturhauptstadt 2010.

Am 3. September 2010 erfolgte die Grundsteinlegung eines neuen Veranstaltungszentrums mit ***-Hotel (48 Betten), Konferenzräumen, Festsaal, Großküche und Cateringbetrieb. Die gemeinnützige Einrichtung wird durch ein Integrationsunternehmen mit 40 Arbeitsplätzen betrieben. Die Hälfte der Mitarbeiter sind schwerbehindert. Bei der Grundsteinlegung lobten Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck, dem 1. Essener Bürgermeister Rudolf Jelinek sowie Christiane Schönefeld (Vorsitzende der Geschäftsführung der Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit) das innovative Projekt, das nur durch die Unterstützung u. a. des Integrationsamtes des Landschaftsverbands Rheinland und der Stiftung Wohlfahrtspflege in NRW realisiert werden kann. Das Investitionsvolumen umfasst insgesamt rund 15,55 Mio. Euro. Die Fertigstellung und Inbetriebnahme ist für Mitte 2012 geplant.[20]

Tätigkeitsbereiche

Der Trägerverein für das Franz Sales Haus ist in unterschiedlichen Bereichen aktiv:[21]

  • In der Zentraleinrichtung in Essen-Huttrop, aber auch in diversen Außenwohngruppen, leben 580 Menschen.
  • In den Franz Sales Werkstätten und externen Unternehmen werden etwa 610 Arbeitsplätze zur Verfügung gestellt.
  • Im sportlichen Bereich bietet das Franz Sales Haus mit dem DJK Franz Sales Haus e. V. einen Sportverein mit etwa 1.400 Mitgliedern.
  • An der Franz Sales Förderschule für Lern- und Geistigbehinderte werden etwa 110 Schüler unterrichtet.
  • Daneben werden am Berufskolleg, der Franz Sales Schule, 210 Schüler ausgebildet.
  • Im Bereich Arbeitsmarktintegration werden ca. 80 benachteiligte Jugendliche gefördert.
  • Therapien können auf dem angegliederten integrativen Reitbetrieb Spelberghof durchgeführt werden.

Das Franz Sales Haus organisiert regelmäßig öffentliche Veranstaltungen, um die Integration der Bewohner in die Gesellschaft zu fördern. So gibt es u. a. Angebote des integrativen Sportzentrums Ruhr oder einen Bioland-Bauernhof mit Hofladen.

Direktoren

  • 1884–1908 Hermann Josef Ochs (* 21. Februar 1849 in Köln; † 3. Januar 1908), nebenamtlich als Direktor tätig
  • 1910–1945 Msgr. (Theodor) Hermann-Josef Schulte-Pelkum (* 1. Juli 1874 in Essen; † 4. April 1945)
  • 1945–1963 Ludwig Brodesser (* 9. August 1909 in Bonn; † 6. April 1969)
  • 1963–1965 Wilhelm Heinrich Hausmann (* 16. Oktober 1912 in Duisburg; † 31. Oktober 1965)
  • 1966–1988 Msgr. Johannes (Hans Georg Arnold) Faber (* 13. November 1919 in Essen; † 13. Dezember 2003)
  • 1988–2002 Klaus Schriebner (* 12. September 1944 in Montabaur)
  • Seit 2002 Günter Oelscher (Dipl.-Betriebswirt), erster weltlicher Direktor und zugleich geschäftsführendes Vorstandsmitglied

Einzelnachweise

  1. Eckdaten zur Einrichtung
  2. Nennung des Gründungsnamens
  3. Informationen zur Geschichte des Franz Sales Hauses
  4. Informationen zum Namenspatron Franz von Sales
  5. Lehrstuhl Director Sharon L. Snyder, Ph. D., "Legacies of Eugenics" Summer Institute, Einstein Forum University of Illinois at Chicago
  6. Lehrveranstaltung Volker van der Locht
  7. Qualifizierung, Website des Franz Sales Hauses
  8. Homepage des DJK Franz Sales Haus e. V.
  9. Informationen zum Klosterberghof
  10. Homepage der Franz Sales Werkstätten
  11. Informationen zum Franz Sales Berufskolleg
  12. Informationen zur Ausbildung als Heilerziehungspfleger
  13. Seite des Fortbildungsreferats
  14. Informationen zum Wohnen im Franz Sales Haus
  15. Fakten zu den Franz Sales Werkstätten
  16. "125 Jahre Franz Sales Haus", WAZ und NRZ vom 26. März 2009
  17. "Mit den Ohren Fußball spielen", WAZ und NRZ vom 2. Oktober 2009
  18. "Gemeinsam Sport treiben", WAZ und NRZ vom 9. September 2009
  19. NRZ vom 9. März 2010: „Immer mehr Missbrauchsopfer erzählen ihre Geschichte”
  20. Informationen zum Neubauprojekt (abgerufen am 1. Juni 2011)
  21. Organigramm Trägerverein für das Franz Sales Haus

Literatur

  • Franz Sales Haus Trägerverein: 125 Jahre MitMenschen. Franz Sales Haus, 2009, [1]

Weblinks

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