Gustav Sasse

Gustav Sasse

Gustav Sasse (* 25. Juli 1904 in Lüneburg; † 3. März 1969 in Hannover) war ein deutscher Organist und Dirigent.

Leben

Gustav Sasse spielte bis zu seinem Abitur am Lüneburger Johanneum Violine und Orgel. Er entschied sich für die Orgel als Hauptinstrument und studierte an der Staatlichen Akademie für Kirchen- und Schulmusik in Berlin-Charlottenburg. Zusammen mit seinem Studienfreund Gerhard Gregor legte er 1928 das Kirchenmusikerexamen ab; beide spielten als Konzertabschluss im Fach Klavier das a-Moll – Konzert von Edvard Grieg, wobei sie wechselseitig als Dirigenten des Orchesters fungierten. Er ging nach dem Examen nach Hannover als Kirchenmusiker an der Lutherkirche.

Gut befreundet mit Dr. Elinor von der Heyde – Dohrn, der späteren Brauschweiger Domorganistin, holte Sasse diese "Vierteljüdin" in der Zeit des Dritten Reiches wiederholt erst als Generalbaß – Begleiterin, dann als Gastorganistin nach Hannover und umging damit ihr Auftrittsverbot, was ihm den Unwillen des Nazi - Regimes einbrachte.

Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg wurde Gustav Sasse als Stadtkantor an die drei Hannoverschen Hauptkirchen St. Aegidien, St. Crucis und an die Marktkirche berufen. Die Marktkirche blieb bis zu ihrer Zerstörung 1943 und nach dem Wiederaufbau 1952 die Heimstatt seines kirchenmusikalischen Wirkens bis 1965. Sasse sprang 1949 als Dirigent im Theater im Galeriegebäude in Herrenhausen ein, in dem er den 1. Akt von Mozarts Zauberflöte für den kurzzeitig unpässlichen Franz Konwitschny ohne Fehl und Tadel dirigierte. Mit dem von ihm gegründeten Bachchor Hannover gelangen ihm kirchenmusikalische Aufführungen von überregionaler Bedeutung und an der Marktkirchenorgel richtete er nach deren Neubau im Jahre 1953 die allabendlichen Orgelmusiken ein. In 3500 einstündigen Orgelkonzerten erklangen Werke von der Renaissance bis zur Moderne, mit den Schwerpunkten der Komponisten Bach und Reger. 1962 wurde Gustav Sasse der Titel Kirchenmusikdirektor verliehen.

Als Orgellehrer bildete er u.a. die Kirchenmusiker Adolf Sörensen, Oskar Gottlieb Blarr, Götz Wiese, Detlev Schmidt, Wolfgang Besler, Edgar Räuschel und Friedrich-Wilhelm Tebbe aus. Als Komponist schrieb Sasse für jeden Sonntag eine neue Motette, die von der Stadtkantorei dann zu Gehör gebracht wurde. Mit Ludwig Doormann zusammen schrieb und überarbeitete er die Sätze zum Choralbuch für die Organisten, das Christhard Mahrenholz im Jahre 1949 zum evangelischen Kirchengesangbuch herausgab.

Karl Richter urteilte über Gustav Sasse: „Ich habe nie verstanden, warum Gustav Sasse mich als Gastorganist einlud, Sasse spielte besser als ich, ein Meister am königlichen Instrument!"


Wikimedia Foundation.

Игры ⚽ Поможем написать реферат

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Sasse — steht für: Sasse (Fluss), Gebirgsfluss in Frankreich im weiteren Sinn für eine flache Erdmulde, die Hasen als Ruhelager und zur Deckung nutzen ein Mitglied eines Ritterbundes ein Gefäß zum Lenzen von Booten eine veraltete Bezeichnung für einen… …   Deutsch Wikipedia

  • Gustav Herbig (Sprachwissenschaftler) — Gustav Herbig (* 3. Juni 1868 in Kaiserslautern (damals zu Bayern); † 1. Oktober 1925 in München) war ein deutscher Sprachwissenschaftler, besonders Indogermanist und Etruskologe. Leben Gustav Herbig, der Sohn des Kaufmanns Johann Heinrich Herbig …   Deutsch Wikipedia

  • Marie Sasse — Marie Constance Sasse [Sax, Saxe, Sass] (26 January 1834 – 8 November 1907) was a Belgian operatic soprano. Her voice was powerful, flexible, and appealing ,[1] and she was one of the leading sopranos at the Paris Opéra from …   Wikipedia

  • Hans-Jürgen Sasse — (* 30. April 1943 in Berlin) ist ein deutscher Sprachwissenschaftler. Leben Sasse studierte Allgemeine Sprachwissenschaft, Indogermanistik, Semitistik und Balkanologie in Berlin, Thessaloniki und München. 1970 wurde er in München im Fachbereich… …   Deutsch Wikipedia

  • Bremer Zeitungswesen — Die Bremer Zeitungen erschienen seit dem 17. Jahrhundert zumeist regelmäßig. In chronologischer Folge wird die Herausgabe von periodisch erscheinenden Zeitungen in Bremen und Bremerhaven sowie im Bremer Territorium bei einem Bezug auf Bremen …   Deutsch Wikipedia

  • Bachchor Hannover — Sitz: Hannover / Deutschland Gattung: Gemischter Chor Leiter: Jörg Straube Stimmen: SATB Website …   Deutsch Wikipedia

  • Friedrich-Wilhelm Tebbe — (* 31. Mai 1945 in Rotenburg an der Wümme) ist ein deutscher Dirigent, Sänger, Organist und Schulmusiker sowie Leiter und Mitbegründer des Bückeburger Bach Orchesters. Leben Seinen ersten geregelten Musikunterricht erhielt Friedrich Wilhelm Tebbe …   Deutsch Wikipedia

  • Liste der Darsteller des deutschsprachigen Films — Diese Liste beinhaltet bekannte Darsteller des deutschsprachigen Films, unabhängig von ihrer Herkunft. Die meisten der folgenden Schauspieler waren in mehr als einem der aufgeführten Zeitabschnitte aktiv. Eingeordnet sind sie dort, wo sie ihre… …   Deutsch Wikipedia

  • Gerhart Hauptmann — Gerhart Johann Robert Hauptmann (* 15. November 1862 in Ober Salzbrunn in Schlesien; † 6. Juni 1946 in Agnetendorf/Agnieszków in Schlesien) war ein deutscher Dramatiker und Schriftsteller. Er gilt als der bedeutendste deutsche Vertreter des… …   Deutsch Wikipedia

  • Liste der Rektoren der Universität Rostock — Siegel der Uni Rostock Die Liste der Rektoren der Universität Rostock führt alle Personen auf, die seit der Gründung im Jahr 1419 das Amt des Rektors der Universität Rostock ausgeübt haben. Gemäß den Statuten der Universität Rostock dauerte die… …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”