Hans Linde (Soziologe)

Hans Linde (Soziologe)

Hans Linde (* 16. März 1913 in Jeßnitz (Anhalt)) ist ein deutscher Soziologe.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Nach einem Studium der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften in Leipzig und Königsberg promovierte er 1937 in Leipzig bei Hans Freyer und Hans-Jürgen Seraphim zum Dr.phil.

Von 1936 bis 1938 wirkte er dort als Forschungsassistent am Institut für landwirtschaftliche Betriebslehre.

Zwischen 1949 und 1956 war er Referent am niedersächsischen Amt für Landungsplanung und Statistik, sodann von 1957 bis 59 als Abteilungsleiter der Sozialforschungsstelle an der Universität Münster in Dortmund. 1960 trat er eine Professur für Soziologie und Sozialpädagogik an der Pädagogischen Hochschule Kettwig an, habilitierte sich 1961 für Soziologie in Münster und war von 1962-81 Lehrstuhlprofessor für Allgemeine Soziologie an der Technischen Hochschule Karlsruhe.

Werk

Hans Linde kam von der historischen Schule der deutschen Volkswirtschaftslehre her und blieb auch als Soziologe zeitlebens stark methodisch ausgerichtet: Theorie müsse mit der „Suchgrabenmethode“ gewonnen werden - insofern vertrat Linde an der Dortmunder Sozialforschungsstelle die Gegenposition zum Rechtshegelianer Johannes Chr. Papalekas („Das Material mit der Theorie provozieren!“). Lindes scheinbar paradoxe methodische Position ("soziale Sachverhältnisse") könnte als ‚materialistischer Idealismus‘ gekennzeichnet werden.

Außer seinem Ansatz zur Sachdominanz in Sozialstrukturen publizierte Linde auch zur Theorie der Öffentlichen Meinung[1], der Raumplanung, der Schul- und der Sportsoziologie.

Zitat

Als soziale Sachverhältnisse im engeren Sinn seien […] alle diejenigen gesellschaftlichen Verhältnisse bezeichnet, die so durch Sachen vermittelt und in Sachen begründet sind, daß sie ohne jeden Sachzwang inexistent wären, als Sachverhältnisse im weiteren Sinn auch solche, in die Sachen in anderer Weise mit ihren verhaltensregulierenden Momenten und/oder Zwängen direkt einbezogen sind oder auf diese indirekt einwirken.“ (Sachdominanz in Sozialstrukturen, S. 59 f.)

Publikationen (Auswahl)

Literatur

  • Wilma Ruth Albrecht, Planung und Perspektivität. Planungswissenschaften zwischen Objekt- und Subjektwelt; in: Fortschrittliche Wissenschaft, 12/1984, S. 104-118
  • H[ans] G[eorg] Rasch, Linde, Hans, in: Wilhelm Bernsdorf/Horst Knospe (Hg.), Internationales Soziologenlexikon, Bd. 2, Enke, Stuttgart ²1984, S. 495–497

Anmerkungen

  1. Soziologische Aspekte der Polylogie, 1961

Weblink


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