Kurt Tittel

Kurt Tittel
Kurt Tittel 1997

Kurt Tittel (* 19. Juli 1920 in Lübeck) ist ein deutscher Arzt, der mit seinen Arbeiten zur Sportanatomie, beim Aufbau der Sportmedizin in der DDR, in der sportmedizinischen Lehre und in internationalen Gremien der Sportmedizin weithin bekannt wurde.

Inhaltsverzeichnis

Ausbildung und Laufbahn

Nach dem Medizinstudium von 1939 bis 1945 in Leipzig war Tittel nach Tätigkeit im Krankenhaus Markranstädt am Anatomischen Institut der Universität Halle tätig. Hier habilitierte er sich 1963 mit dem Thema Funktionelle Anatomie und Biotypologie des Sportlers. Schon ab 1950 wurden Lehr- und Betreuungsaufgaben an der Deutschen Hochschule für Körperkultur in Leipzig wahrgenommen. Hier erhielt er den Lehrstuhl für funktionelle Anatomie und wurde in der Folgezeit Dekan der Fakultät für Naturwissenschaften und Sportmedizin der DHfK. Darüber hinaus hatte er ab 1985 den Lehrstuhl für Sportmedizin an der Akademie für Ärztliche Fortbildung der DDR Berlin-Lichtenberg inne. Auch nach seiner Emeritierung an der DHfK 1985 nahm Tittel weiter Leitungsfunktionen in der Sportmedizin als Lehrstuhlinhaber in Berlin, Tagungsleiter, Referent und Gutachter war. Bis zur Gegenwart (2010) ist er Schriftleiter der Fachzeitschrift „Die Säule“.

Leistungen für die Sportmedizin

Bereits 1951 berief Tittel in Leipzig eine Zusammenkunft am Sport interessierter Ärzte ein und war 1953 Gründungsmitglied der Arbeitsgemeinschaft für Sportmedizin, aus der die Gesellschaft für Sportmedizin der DDR hervorging. Ihr stand er von 1972 bis 1990 als Präsident vor. Seit 1966 Delegierter der DDR in der FIMS war Tittel in den Folgejahren Leiter von deren Wissenschaftskommission, Mitglied des Exekutivkomitees und Mitglied des Advisory Committee des IOC. Sportärztlich betreute er über 22 Jahre die DHfK-Handballmannschaft (vielfacher Landesmeister und auch Europa-Cup-Gewinner) sowie die DDR-Auswahl im Handball. Bei den Olympischen Spielen 1968 und 1972 fungierte er als ärztlicher Betreuer.

Publikationen

Kurt Tittel veröffentlichte mehr als 500 wissenschaftliche Arbeiten, mehrere Lehrbücher und 18 Lehrbuchbeiträge. Sein 1957 erstmals erschienenes Standardwerk Beschreibende und funktionelle Anatomie des Menschen erreichte bis 2003 14 deutsche Auflagen, dazu italienische, griechische, japanische und brasilianische (portugiesische) Ausgaben. In der von ihm seit 1961 herausgegebenen Sportmedizinische Schriftenreihe der Deutschen Hochschule für Körperkultur erschienen bis 1994 insgesamt 29 Bände, davon mehrere in Zweitauflage. Er war Mitherausgeber des Olympic Book for Sports Medicine und Koordinator für die weiteren Bände der Encyclopaedia of Sports Medicine.

Ehrungen und Auszeichnungen

Die DDR ehrte ihn mit hohen staatlichen Auszeichnungen, darunter der Nationalpreis der DDR für Wissenschaft und Technik, die Verdienstmedaille der DDR und der GutsMuths-Preis. Er erhielt die Hufeland-Medaille in Gold und die Auszeichnung als Verdienter Arzt des Volkes. Die DHfK vergab an ihn als einen der ersten ihr Traditionsabzeichen in Gold (1955) und ernannte ihn zum 1985 zum Ehrensenator. Die Universität Leipzig verlieh ihm 1996 das Ehrendoktorat.

International erhielt Tittel den Philip-Noel-Baker-Forschungspreis, den Wissenschaftspreis der US-Sportakademie und den Wissenschaftspreis des Präsidenten des IOC. Dazu kommen Ehrenmitgliedschaften mehrerer nationaler sportmedizinischer Gesellschaften. Die FIMS ehrte ihn 2002 mit ihrer selten verliehenen Goldmedaille und ernannte ihn zum FIMS-Fellow.

Literatur

  • K.-H. Arndt: Fünf Jahrzehnte Wirken für die Sportmedizin – Kurt Tittel wurde 80. In: Die Säule 11 (2001)1: 11-13, ISSN 1432-6043.
  • W. Hollmann, K. Tittel: Geschichte der deutschen Sportmedizin. Druckhaus Gera, 2008, ISBN 978-3-9811758-2-0.
  • K. Tittel: Beschreibende und funktionelle Anatomie des Menschen. 14. Auflage. Urban & Fischer, München/Jena 2003, ISBN 3-437-46151-6.
  • K. Tittel: Zwischen gestern und morgen. Druckhaus Gera, 2008, ISBN 978-3-9811758-6-8

Weblinks


Wikimedia Foundation.

Игры ⚽ Поможем написать курсовую

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Tittel — ist der Familienname folgender Personen: Alfred Tittel (Jurist) (1870−1937), deutscher Reichsgerichtsrat Alfred Tittel (Kommunalpolitiker) (1891−1965), deutscher Parteifunktionär (KPD/KPO/SED) Dušan Tittel (* 1966), slowakischer Fußballspieler… …   Deutsch Wikipedia

  • Kurt Dittmar — Pour les articles homonymes, voir Dittmar. Kurt Dittmar Naissance 5 janvier 1891 Magdebourg Décès 26 avril 1959 (à 68 ans) Holzminden Origine …   Wikipédia en Français

  • Hermann Tittel — Pour les articles homonymes, voir Tittel. Hermann Karl Richard Eugen Tittel Naissance 12 novembre 1888 Wallendorf in Thüringen Décès 22 août 1959 (à 68 ans) Münster Origine …   Wikipédia en Français

  • Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (Deutscher Sportärztebund) — (DGSP) Zweck: Medizinische Fachgesellschaft für Sportmedizin …   Deutsch Wikipedia

  • Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention — Logo der DGSP Die Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (Deutscher Sportärztebund) e.V. (DGSP) ist der Dachverband der 19 Landessportärzteverbände in Deutschland, denen die in Deutschland praktizierenden Sportärzte angehören.… …   Deutsch Wikipedia

  • Deutscher Sportärztebund — Logo der DGSP Die Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (Deutscher Sportärztebund) e.V. (DGSP) ist der Dachverband der 19 Landessportärzteverbände in Deutschland, denen die in Deutschland praktizierenden Sportärzte angehören.… …   Deutsch Wikipedia

  • Gesellschaft für Sportmedizin der DDR — Die Gesellschaft für Sportmedizin der DDR (GSM) war die Fachorganisation der sportmedizinisch tätigen bzw. interessierten Ärzte in der Deutschen Demokratischen Republik. Ehrenplakette der Gesellschaft für Sportmedizin der DDR Geschichte Nach der… …   Deutsch Wikipedia

  • Liste der Söhne und Töchter der Stadt Lübeck — Die Liste enthält bedeutende Persönlichkeiten, die in Lübeck geboren wurden. Sie sind nach ihrem Geburtsjahr geordnet. Ob sie in der Stadt oder andernorts berühmt geworden sind, ist dabei unerheblich. Inhaltsverzeichnis 1 Bis 1799 2 1800 bis 1849 …   Deutsch Wikipedia

  • Hinteres Kreuzband — Vorderes Kreuzband im arthroskopischen Bild Die Kreuzbänder (lat.: Ligamenta cruciata genus) gehören, neben dem Außenband (Ligamentum collaterale fibulare) und dem Innenband (Ligamentum collaterale tibiale) zum Bandapparat des Kniegelenks der… …   Deutsch Wikipedia

  • Kreuzband — Vorderes Kreuzband im arthroskopischen Bild Die Kreuzbänder (lat.: Ligamenta cruciata genus) gehören, neben dem Außenband (Ligamentum collaterale fibulare) und dem Innenband (Ligamentum collaterale tibiale) zum Bandapparat des Kniegelenks der… …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”