Schloss Düneck

Schloss Düneck
Das Gebäude von der Eingangsseite aus gesehen
Südostseite mit Wintergarten
Terrakottamedaillons

Das schlossartige Gebäude liegt in einem ausgedehnten Park an der Klinkerstraße in Moorrege. Obwohl es als Schloss Düneck bekannt ist, handelt es sich nicht um ein Schloss. Es ist vielmehr das Landhaus des reichen Deutsch-Amerikaners Michael Lienau (1816–1893), das dieser 1871 bauen ließ. Architekt war dessen Bruder Detlef Lienau (1818–1887), der als einer der bedeutendsten amerikanischen Architekten seiner Zeit galt.

Haupt- und Nebengebäude sowie der Park sind als Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung in das Denkmalbuch eingetragen.

Inhaltsverzeichnis

Entstehungsgeschichte

Der aus Uetersen stammende Michael Lienau war als Weinimporteur in den USA reich geworden. Nach seiner Heirat mit der Amerikanerin Sarah van Vorst kam er mit seiner Frau nach Deutschland zurück.

Er plante sein neues Domizil inmitten einer großen Parkanlage am Rande der Pinnauniederung zur errichten. Sandverwehungen in dem von Krüppelkiefern spärlich bewachsenen Dünengelände erschwerten die Anlage des Parks. Lienau ließ schließlich große Teile des Geländes planieren und mit schwerem Lehmboden aus der Marsch überdecken.

Architektur

Detlef Lienau errichtete „Schloss Düneck“ im Stil französischer Landhäuser, eine Kuriosität für Schleswig-Holstein. Der Architekt hatte fünf Jahre in Paris studiert und war dann nach Amerika ausgewandert, wo er zahlreiche Bauwerke entwarf. Das Lockwood-Wohnhaus in South Norwalk (Connecticut) ist als bedeutender Landhausbau heute noch vorhanden. Detlef Lienau entwarf auch das schlichte Haus der Familie Lienau in Uetersen, in dem zeitweilig der Weinhandel untergebracht war.

Schloss Düneck ist ein achtachsiger Bau mit zwei Hauptstockwerken und hohem Souterrain, mit gelben und roten Backsteinen gemauert. Das Schieferdach wird von zahlreichen Gauben mit weißen Ziergiebeln aufgelockert. Die Südostseite mit dem Wintergarten ist insgesamt schlichter gehalten als die Eingangsseite im Nordwesten. Dort rahmen zwei Seitenflügel den repräsentativen Eingang ein. Nach innen schließt sich eine durchgehende Halle an. Die Seitenräume des ersten Stockwerks sind von einer Galerie aus zu erreichen. Das Ensemble wird durch ein großes, kunstvoll eingefasstes Oberlichtfenster beleuchtet.

Galerie


Wintergarten auf der Südostseite
Dachkonstruktion auf der Eingangsseite
Pfeiler mit Terrakottaelementen
Das Haus inmitten der Dünenlandschaft um 1880

Gärtnerhaus im Park
Lienau-Haus in Uetersen
Architekt: Detlef Lienau

Wechselnde Nutzung

  • Dem Tode Michael Lienaus 1893 folgte der geschäftliche Niedergang. Die Familie musste das Anwesen an den Ziegeleibesitzer und Reeder Kapitän Baas verkaufen.
  • In der Folgezeit diente das Haus als Heilanstalt für Trinkerinnen und als Nervenheilanstalt. Nach mehreren Selbstmorden von Patientinnen wurde die Anstalt 1908 geschlossen.
  • Danach hatte Schloss Düneck wechselnde Eigentümer und stand viele Jahre ungenützt leer. 1923/24 erwarb es die Landesbank Kiel bei einer Zwangsversteigerung.
  • 1937 verkaufte die Landesbank das Schloss Düneck an die Nordmark-Werke.
  • Als 1980 die Nordmark-Werke einen Abbruchantrag stellten, wurde die Gemeindevertretung Moorrege aktiv. Sie verhinderte den Abbruch durch Aufstellung eines Bebauungsplans mit einer Veränderungssperre. Außerdem betrieb man erfolgreich die Unter-Denkmalschutz-Stellung.
  • Nach mehrjährigen Verhandlungen übernahm ein privater Investor das Objekt. Er richtete mehrere Eigentumswohnungen ein und restaurierte Gebäude und Parkanlage.

Quellen

  • Lothar Mosler: Schloß Düneck, Kleine Heimatgeschichte von Moorrege und seiner Umgebung, Uetersen 1989
  • H. F. Bubbe: Versuch einer Chronik der Stadt und des Klosters Uetersen I. und II. Band, Uetersen 1932 und 1936
  • Uwe Barghaan: CD-ROM „Uetersen und Moorrege“, Uetersen 1998
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