Six o’clock swill

Six o’clock swill
Demonstration in South Australia gegen Änderungen der Öffnungszeiten vor dem Referendum 1938

Der Six o'clock swill bezeichnete den Ansturm auf Hotelbars in Australien und Neuseeland, um alkoholische Getränke zu trinken, bevor die Bar bereits zu früher Stunde schloss. Über einen großen Teil des 20. Jahrhundert mussten die australischen Hotels ihre Bar bereits 18 Uhr schließen. Zwischen dem üblichen Arbeitsende um 17 Uhr und der Schließung eine Stunde später wurde exzessiv getrunken.

Die Schließzeit um 18 Uhr wurde teilweise deshalb eingeführt, da man sich davon eine Verbesserung der öffentlichen Moral und eine frühe Rückkehr der Männer nach Hause zu ihren Frauen versprach. Stattdessen war oft eine einstündige Schnelltrink-Sitzung die Folge, in der die Männer versuchten in der begrenzten Zeit so betrunken wie möglich zu werden. Eine unbeabsichtigte Folge des Gesetzestextes war, dass man sich während der Zeit bis Ausschankschluss Gläser aufsparen konnte. Diese leeren Gläser konnten dann wiederbefüllt werden, indem der Barkeeper sie nicht zum Tresen trug, sondern mit Hilfe einer an einem langen Schlauch befestigten Zapfpistole am Tisch neu befüllte. [1]

Inhaltsverzeichnis

Einführung der frühen Schließzeit

Schließzeit um 18:00 Uhr
Region eingeführt abgeschafft
New South Wales 1916 1955
South Australia 1915 1967
Tasmanien 1916 1937
Victoria (Australien) 1916 1966
Neuseeland 1917 1967

Die Sperrstunde um 18:00 Uhr wurde während des 1. Weltkrieges eingeführt. Die Woman's Christian Temperance Union und der Independent Order of Rechabites führten eine erfolgreiche Kampagne zur Begrenzung des Ausschankes von alkoholischen Getränken und Bier. Obwohl die Abstinenzbewegung seit den späten 1870er Jahren aktiv war, konnten sie kriegsbedingt das erfolgreiche Argument anführen, dass eine "wohlgeordnete, selbstdisziplinierte und moralisch aufrichtige Heimatfront eine Voraussetzung für den erfolgreichen Kriegsverlauf" sei.[2]

Der erste Bundesstaat, der die Sperrstunde um 18 Uhr einführte, war 1915 South Australia, wo die Begründung kriegsbedingte Sparmaßnahmen waren. Sie wurde 1916 auch in New South Wales, Victoria und Tasmanien übernommen und ein Jahr später in Neuseeland eingeführt. Queensland führte 1923 eine Sperrstunde um 20 Uhr ein.

Foto einer Barfrau bei der Arbeit in Sydney 1941 um 6 Uhr

Die Frage der Sperrstunde wurde den Wählern 1916 zur Abstimmung vorgelegt. Bereits im Dezember 1913 hatte eine Abstimmung stattgedunden, die eine Schließung um 23 Uhr favorisiert hatte. Die Abstimmung von 1916 war durch den als "The Liverpool Riot" von 1916 bekannte Meuterei von Soldaten beeinflusst. Diese hatten gegen die Bedingungen in ihrem Lager in Casula in New South Wales protestiert. Dabei plünderte sie Hotels in Liverpool, bevor sie mit dem Zug nach Sydney weiterreisten, wo ein Soldat bei einem Aufruhr im Hauptbahnhof Sydney erschossen wurde.[3]

Obwohl eigentlich als temporäre Maßnahme beschlossen, wurde die frühe Sperrstunde 1919 in Victoria und South Australia dauerhaft festgelegt. Die Regierung verlängerte die Maßnahmen und diskutierte über ein Referendum darüber. 1923 wurde die frühe Schließung in NSW jedoch ohne weitere Volksabstimmung dauerhaft festgeschrieben.[4] Western Australia blieb der einzige australische Bundesstaat, der nie frühe Öffnungszeiten einführte.

Die Hotels sorgten für die kurze, heftige Trinkzeit, indem sie die Bars verlängerten und die Wände zur leichten Reinigung fliesten. Weitere Räume in den Pubs wurden als Bar ausgebaut und die Billardräume verschwanden. [4]

Lockerung der frühen Sperrstunde

In Tasmanien wurde die Sperrstunde 1923 auf 22 Uhr verlegt. In New South Wales stimmte man 1947 erfolglos über eine Abschaffung ab, eine weitere Abstimmung 1954 führte zur Ausweitung der Öffnungszeit bis 22 Uhr ab 1955. Die Öffnungszeiten wurden 1966 auch in Victoria verlängert. South Australia war der letzte Bundesstaat, der mit einem von Don Dunstan eingebrachten Gesetz die Schließung abschaffte. Am 28. September wurde dort das erste legale Bier nach 18 Uhr getrunken.[5]

Neuseeland erweiterte die Öffnungszeit nach einem Referendum im Oktober 1967 auf 22 Uhr.[6] Bei einer Abstimmung 1949 hatte die Bevölkerung noch im Verhältnis 3:1 für die Beibehaltung der Sperrstunde um 18 Uhr gestimmt.

Bezüge in der Kultur

The Bar von 1954, ein Gemälde von John Brack, das den Six o'clock swill thematisierte wurde für die Rekordsumme für ein australisches Gemälde von 3,17 Millionen australischen Dollar verkauft. Ein anderes Gemälde von Brack, Collins St, 5 p.m. von 1955 befindet sich im Besitz der National Gallery of Victoria und stellt den Ansturm zur Bar um 17 Uhr dar.[7]

Das Buch Caddie, the Story of a Barmaid, eine anonyme Autobiografie einer Bardame aus der Wirtschaftskrise, beschreibt den Six o'clock swill zu einer Zeit, als man noch voraussetzen konnte, dass der Leser damit vertraut ist. Das Buch wurde in dem australischen Film Caddie verfilmt.

Einzelnachweise

  1. A. J. Peluso, Jr. (2001): Saloon Nudes. Maine Antique Digest. Abgerufen am 22. Dezember 2007., Zitat von Red Smith in einem Bericht zur Sommerolympiade 1956 in Melbourne
  2. Joan Beaumont (ed.) (Hrsg.): Australia's War 1914-18. Sydney, Australia: Allen & Unwin 1995, ISBN 1-86373-461-9, S. 81.
  3. LL Robson: Australia & the Great War: 1914-1918. Australia: Macmillan 1969, ISBN 0-333-11921-5, S. 12 und 63-65.
  4. a b JM Freeland: The Australian Pub. Australia: Melbourne University Press 1966, S. 175.
  5. Peter Strawhan: The Importance of Food and Drink in the Political and Private Life of Don Dunstan (pdf (342 pages)) 2004 (Zugriff am 22. Dezember 2002) - S. 61 (S. 71 des pdf)
  6. Jock Phillips (1967): The ‘six o’clock swill’ (image plus caption). New Zealand in brief: Sports and leisure. Te Ara - the Encyclopedia of New Zealand (New Zealand Government: Ministry for Culture and Heritage). Abgerufen am 22. Dezember 2007.
  7. Jonathon Green: The freat art robbery. In: Arts Reviews, The Age, 15. April 2006. Abgerufen am 22. Dezember 2007. 

Weblinks


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