Adäquanztheorie

Adäquanztheorie

Adäquanz (von lateinisch adäquat – angemessen, entsprechend) ist ein Begriff aus der Rechtswissenschaft. Die Frage nach der Adäquanz dient als Eingrenzungskriterium für Fragen der Kausalität und Zurechnung. Nach der so genannten Adäquanztheorie muss der Schädiger nicht für solche Ereignisse einstehen, die nach der normalen Lebensanschauung eines objektiven, informierten Dritten völlig außerhalb der Erfahrung und Erwartung liegen.

Ein Lehrbuchbeispiel ist die Verursachung eines tödlichen Hirnschlags durch eine unbedeutende Ehrverletzung[1].

Zunächst würde sich die Frage stellen, ob das schädigende Ereignis (Beleidigung) kausal für den „Erfolg“ (tödlicher Hirnschlag) war (Äquivalenz). Wenn diese Frage zu bejahen ist, stellt sich die Frage nach der Adäquanz. Hierbei wird untersucht, ob der tödliche Hirnschlag bei einer geringfügigen Beleidigung als Folge in irgendeiner Weise vorhersehbar gewesen wäre. Diese Frage wird von den Juristen verneint. Die Adäquanz ist somit ein Korrektiv zu der als zu weit empfundenen Äquivalenztheorie.

Die Adäquanztheorie wird seit geraumer Zeit immer noch als zu weit empfunden. Die Unwahrscheinlichkeit des Erfolgseintrittes alleine ist kein taugliches Merkmal, um eine Haftung auszuschließen. Daher wird die Adäquanztheorie im Einzelfall nochmals eingeschränkt durch den „Schutzzweck der Norm“. Hierbei fragt man, ob es denn gerade Sinn und Zweck der Norm war, vor derartigen Schäden zu schützen.

Adäquanz im Strafrecht

Im deutschen Strafrecht wurde die Adäquanztheorie von der objektiven Zurechnung verdrängt, weil die objektive Zurechnung eine differenziertere Einordnung ermöglicht. Im schweizerischen Strafrecht wird sie hingegen weiterhin verwendet.

Belege

  1. Beispiel nach Palandt/Heinrichs Kommentar zum BGB Vorbemerkungen vor § 249 Rn. 68 mit weiteren Beispielen
Bitte beachte den Hinweis zu Rechtsthemen!

Wikimedia Foundation.

Игры ⚽ Нужна курсовая?

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Adäquanztheorie — Adäquạnztheorie,   Recht: Schadensersatz …   Universal-Lexikon

  • Adäquanztheorie — ◆ Ad|ä|quạnz|the|o|rie 〈f.; Gen.: ; Pl.: unz.; Rechtsw.〉 Theorie zur Bestimmung der Schadensersatzpflicht, wenn die Entstehung eines Schadens unter generellen (u. nicht unter besonderen) Umständen verursacht wird; →a. s. Äquivalenztheorie (1)  … …   Lexikalische Deutsches Wörterbuch

  • Adäquanztheorie — Adä|quanz|the|o|rie die; : Lehre im Zivilrecht, nach der ein schadenverursachendes Ereignis nur dann zur Schadenersatzpflicht führt, wenn es im Allgemeinen u. nicht nur unter bes. ungewöhnlichen Umständen einen Schaden herbeiführt; vgl.… …   Das große Fremdwörterbuch

  • Adäquanz — (von lateinisch adäquat – angemessen, entsprechend) ist ein Begriff aus der Rechtswissenschaft. Die Frage nach der Adäquanz dient als Eingrenzungskriterium für Fragen der Kausalität und Zurechnung. Nach der so genannten Adäquanztheorie muss der… …   Deutsch Wikipedia

  • Adäquanzlehre — Adäquanz (von lateinisch adäquat – angemessen, entsprechend) ist ein Begriff aus der Rechtswissenschaft. Die Frage nach der Adäquanz dient als Eingrenzungskriterium für Fragen der Kausalität und Zurechnung. Nach der so genannten Adäquanztheorie… …   Deutsch Wikipedia

  • Aberratio ictus — Als aberratio ictūs (lat. „Fehlgehen des Hiebes“ von aberratio „das Abirren“ und ictūs „des Hiebes“ oder „des Wurfes“) wird im Strafrecht das Fehlgehen der Tat bezeichnet, wenn der Täter ein Objekt anvisiert und individualisiert, aber aufgrund… …   Deutsch Wikipedia

  • Condicio-sine-qua-non — Die Conditio sine qua non Formel (von lat. „conditio sine qua non“; klassisches Latein: „condicio sine qua non“ wörtlich: „Bedingung, ohne die nicht“) ist eine Methode in der Rechtswissenschaft und Rechtspraxis sowie der Philosophie, mit der… …   Deutsch Wikipedia

  • Conditio-sine-qua-non — Die Conditio sine qua non Formel (von lat. „conditio sine qua non“; klassisches Latein: „condicio sine qua non“ wörtlich: „Bedingung, ohne die nicht“) ist eine Methode in der Rechtswissenschaft und Rechtspraxis sowie der Philosophie, mit der… …   Deutsch Wikipedia

  • Conditio-sine-qua-non-Formel — Die Conditio sine qua non Formel (von lat. „conditio sine qua non“; klassisches Latein: „condicio sine qua non“ wörtlich: „Bedingung, ohne die nicht“) ist eine Methode in der Rechtswissenschaft und Rechtspraxis sowie der Philosophie, mit der… …   Deutsch Wikipedia

  • Conditio sine qua non — Die Conditio sine qua non Formel (von lat. „conditio sine qua non“; klassisches Latein: „condicio sine qua non“ wörtlich: „Bedingung, ohne die nicht“) ist eine Methode in der Rechtswissenschaft und Rechtspraxis sowie der Philosophie, mit der… …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”