Egestorf (Barsinghausen)

Egestorf (Barsinghausen)
Egestorf
Koordinaten: 52° 17′ N, 9° 31′ O52.2877777777789.510277777777884Koordinaten: 52° 17′ 16″ N, 9° 30′ 37″ O
Höhe: 84 m
Einwohner: 7959
Eingemeindung: 1968
Postleitzahl: 30890
Vorwahl: 05105

Egestorf ist ein Ortsteil der Stadt Barsinghausen in der Region Hannover in Niedersachsen.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Egestorf liegt unmittelbar am nördlichen Rand des Deister und grenzt im Süden an den Ortsteil Wennigser Mark der Gemeinde Wennigsen. Zum Westen hin geht Egestorf in den Barsinghäuser Ortsteil Kirchdorf über. Nordöstlich befindet sich der Ortsteil Langreder.

Geschichte

Kirche Egestorf

Egestorf ist aus den drei Dörfern Hedestorp, Ammerke und Helmeringehusen entstanden. Das Flurstück Ammerke ist noch heute vorhanden - Helmeringehusen als großes Dorf hatte bereits eine eigene Kapelle nebst katholischen Kaplan [1] und befand sich im Gebiet des Helmerfeldes - die heutige Geibelstrasse. Die drei Orte wurden während der Hildesheimer Stiftsfehde (1519 bis 1523) völlig verwüstet. Eine erste urkundliche Erwähnung finden Hedestorpe und Helmeringehusen in einer Urkunde des Papstes Innozenz III. an das Kloster Barsinghausen im Jahre 1216, wo die Abgabe des Zehnt an das Kloster Barsinghausen festgelegt wurde. Im Jahre 1966 fand eine Feier zum 750-jährigen Bestehen der damals noch selbständigen Gemeinde statt.[2].

Dreißigjähriger Krieg

Auch der 1648 beendete Krieg ging nicht spurlos an der Siedlung vorbei: Nur 39 Familien lebten noch dort; bis 1654 zogen allerdings wieder 15 Familien hinzu.[3]

Steinkohlebergbau

Mitte des 19. Jahrhunderts begann im Gebiet der Deistererhebung „Hohe Warte" südlich von Egestorf der Abbau von Steinkohle und mehrere Fachwerkgebäude wurden am Nienstedter Pass errichtet. Nach Einstellung der Kohleförderung um 1935 dienten die Bauten ab 1940 als Lager für serbische Kriegsgefangene.

Von 1947 bis 1989 befand sich dort das Kinderheim Hohe Warte der Arbeiterwohlfahrt (AWO). Danach nutzte die Stadt Barsinghausen die Häuser bis 1994 als Asylbewerberunterkunft. Nach einer Nutzung als Reiterhof von 1997 bis 2003 war die Anlage dem Verfall preisgegeben. Daraufhin erließ die Stadt Barsinghausen eine Abrissverfügung: Im Dezember 2007 wurden die teils baufälligen Gebäude abgetragen. Das Areal der AWO befindet sich in einem Landschaftsschutzgebiet und wird wieder renaturiert.[4]. [5].

Stadt Barsinghausen

Die räumliche Verbindung Egestorfs mit Kirchdorf und Barsinghausen führte 1968 zu einem ersten kommunalen Zusammenschluss der drei Orte unter der Namen Barsinghausen. In der Folge mussten viele in Barsinghausen nun doppelt vorhandene Straßennamen geändert werden. So wurde z.B. aus der Bahnhofstr. in Egestorf die Wennigser Straße. Seit der Verleihung der Stadtrechte für Barsinghausen im Jahr 1969 ist Egestorf von der Einwohnerzahl her der zweitgrößte Stadtteil von Barsinghausen.

Einwohnerzahlen

  • 1853: ca. 600
  • 1925: 1985 (Volkszählung 16. Juni 1925)
  • 1933: 2052 (Volkszählung 16. Juni 1933)
  • 1966: über 4000
  • 1994: 7989
  • 1998: 8064
  • 2002: 8020

Wappen

Gemeindewappen von Egestorf

Die drei grünen Fichten symbolisieren die früher selbständigen drei Orte und der untere Teil des Wappens die Lage des Dorfes am Deisterrand mit eigenem Waldbestand und den dadurch gegebenen Erwerbsmöglichkeiten.

Verkehr

Seit 1872 ist Egestorf durch die Deisterbahn mit Hannover verbunden. Ab 1969 erfolgt der Zugbetrieb elektrisch - die Stückgutbeförderung wurde einige Jahre später eingestellt. Im Vorfeld der EXPO 2000 in Hannover wurde der Haltepunkt vom alten Bahnhofsgebäude weg verlegt und gleichzeitig S-Bahn-gerecht ausgebaut. Der Haltepunkt befindet sich unmittelbar am Waldrand und ist gleichzeitig Umsteigepunkt für mehrere Buslinien.

Ende des 19. Jahrhunderts wurde von der Straßenbahn Hannover AG (ab 1921: üstra) die Straßenbahnlinie 10 eröffnet, die 1898 zunächst von Hannover über Empelde, Benthe bis Gehrden verlief; im Jahr darauf über Leveste, Langreder, Egestorf bis Barsinghausen verlängert wurde und bis 1953 auch zur Güterbeförderung (Kartoffeln/Getreide/Rüben/Steine/Kohle) diente. Die Personenbeförderung war bereits 1952 durch die Buslinie 010 ersetzt worden. [6] Mit der Straßenbahn kam auch der elektrische Strom in den Ort - die Stromversorgung des gesamten Landkreises wurde erst 1914 abgeschlossen.

Die Nienstedter Straße in Egestorf führt als Landesstraße 401 durch den Nienstedter Pass (277 m ü.NN) über den Deister Richtung Nienstedt und von dort weiter nach Eimbeckhausen. Es handelt sich um die einzige Straßenverbindung über den Höhenzug des Deisters.

Einzelnachweise

  1. Der Kreis Hannover-Land mit dem Deister, Verlag Fritz Drescher, Möser, Bezirk Magdeburg, 1935, S. 117
  2. Festschrift zur 750 Jahrfeier, Egestorf 1966
  3. Deister Leine Zeitung vom 17. Juli 2002
  4. Calenberger Zeitung, Beilage der NEUE PRESSE - Hannover vom 18. Dezember 2007
  5. Deister Leine Zeitung vom 20. Dezember 2007
  6. Deister-Leine-Zeitung, 17. Juli 2002

Literatur

  • Der Kreis Hannover-Land mit dem Deister, Verlag Fritz Drescher, Möser, Bezirk Magdeburg, 1935
  • Der Landkreis Hannover, Walter Dorn Verlag, Bremen-Horn, Dezember 1948
  • Alfred Gottwaldt: Hannover und seine Eisenbahnen, Alba, Düsseldorf 1992, ISBN 3-87094-345-9

Weblinks


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