Gelbe Australische Gespenstschrecke

Gelbe Australische Gespenstschrecke
Extatosoma
Australische Gespenstschrecke ♂ (Extatosoma tiaratum)

Australische Gespenstschrecke ♂ (Extatosoma tiaratum)

Systematik
Klasse: Insekten (Insecta)
Ordnung: Gespenstschrecken (Phasmatodea)
Familie: Phasmatidae
Unterfamilie: Extatosomatinae
Tribus: Extatosomatini
Gattung: Extatosoma
Wissenschaftlicher Name der Unterfamilie
Extatosomatinae
Sellick, 1997
Wissenschaftlicher Name der Tribus
Extatosomatini
Sellick, 1997
Wissenschaftlicher Name der Gattung
Extatosoma
Gray, R.G., 1833

Die Australischen Gespenstschrecken (Extatosoma) sind eine in den Tropen und Subtropen von Australien heimische Gattung aus der Ordnung der Gespenstschrecken (Phasmatodea). Sie sind die einzigen Vertreter der Tribus Extatosomatini.

Inhaltsverzeichnis

Merkmale

Australische Gespenstschrecke ♀ nach der vierten Larvalhäutung

Die Australische Gespenstschrecken zeichnen sich durch einen langen und dünnen Körper aus. An den blattähnlich aussehenden Gliedmaßen haben sie kleine Stacheln. Der Körper ähnelt Pflanzenteilen, insbesondere Ästen. Dadurch sind sie für Fressfeinde nur sehr schwer zu entdecken (Mimese). Sie erreichen eine Körpergröße von ca. 140 mm. Bei ausgewachsenen Tieren kann die Färbung gelb bis bräunlich oder grün sein. Die Färbung variiert aufgrund verschiedener Umweltbedingungen, wie z. B. Nahrung und Temperatur. Auch können sich Australische Gespenstschrecken im Verlaufe ihres Lebens umfärben.

Die Männchen haben komplett ausgebildete Flügel, die Weibchen lediglich Stummelflügel. Ausgewachsene Weibchen sind erheblich dicker als die Männchen. Im Gegensatz zu den Männchen haben die Weibchen auf dem Rücken paarweise angeordnete Stacheln. Weibchen tragen das Abdomen auch als Imagines skorpionsartig über den Kopf gebogen. Bei Männchen wird dies nach der letzten Häutung durch die langen Flügel verhindert.

Die Australischen Gespenstschrecken besitzen die Fähigkeit, Extremitäten an vorgesehenen Bruchstellen zwischen Schenkel und Schenkelring abzuwerfen (Autotomie) und diese bei der nächsten Larvalhäutung teilweise wieder zu ersetzen (Regeneration).

Australische Gespenstschrecken können sich jungfräulich fortpflanzen (Parthenogenese). Sie lassen ihre Eier einzeln auf den Boden fallen. Die Entwicklungsdauer der Embryonen beträgt ca. 5 bis 6 Monate und die der Nymphen ca. 4 bis 6 Monate. Während der Entwicklung häuten sich die Tiere fünfmal. Die frisch geschlüpften Jungtiere haben einen kleinen schwarzen zierlichen Körper und einen roten Kopf. Mit ihrem Aussehen und ihrer Bewegung imitieren sie die australische Ameisengattung Leptomyrmex.

Ausgewachsene Weibchen leben bis zu einem Jahr lang, Männchen erreichen ein Lebensalter von 3 bis 5 Monaten.

Verhaltensweise

Männchen nach dem Schlüpfen
Eier von Extatosoma tiaratum
Weibchen nach der fünften Larvenhäutung

Die Australischen Gespenstschrecken wandeln zur Fortbewegung nur bedächtig umher. Vorwiegend bewegen sie sich in der Nacht fort und verharren tagsüber am gleichen Ort. Zudem schaukeln sie bei der Fortbewegung hin und her, um dadurch vom Wind bewegte Pflanzenteile nachzuahmen. Der gleiche Schaukeleffekt tritt auf, wenn sich in der näheren Umgebung der Gespenstschrecken Pflanzenteile oder Tiere bewegen. Zusätzlich zum Aussehen tarnen sich die Gespenstschrecken auch hierdurch vor ihren Fressfeinden. Ausgewachsene männliche Tiere sind zudem in der Lage zu fliegen.

Australische Gespenstschrecken sind blätterfressende Tiere und ernähren sich in ihrer Heimat von Eukalyptus. Sie fressen jedoch auch Brombeer-, Himbeer-, Johannisbeer-, Rosen-, Eichen-, Buchen-, Rotdorn-, oder Weißdornblätter. Am beliebtesten sind in der Terrarienhaltung jedoch Brombeerblätter, da diese gerne gefressen werden und immergrün sind.

Die Eier werden von den Weibchen aus dem Abdomen geschleudert und landen auf dem Boden. Australische Feuerameisen der Gattung Leptomyrmex sammeln diese Eier, die wie Pflanzensamen aussehen, ein und transportieren sie in ihre Speicherkammern in das Ameisennest. Die Schale ist für die Ameisen nicht zu knacken, da sie zu dick ist. Durch das Klima in diesen Bauten können sich die Nymphen entwickeln und schlüpfen dort aus. In den ersten zwei bis drei Tagen sehen sie optisch den Feuerameisen sehr ähnlich. D. h. ihr Körper ist schwarz und der Kopf rot. So gelingt es ihnen unversehrt aus den Bauten zu entkommen. Die Jungtiere laufen einige Tage in schnellem Tempo herum, bevor sie auf einer geeigneten Nahrungspflanze zur Ruhe kommen.

Systematik

Durch die 2008 von Frank H. Hennemann und Oskar V. Conle durchgeführte Revision der orientalischen Phasmatodea wird den Australischen Gespenstschrecken innerhalb der Familie Phasmatidae eine eigene Unterfamilie (Extatosomatinae) mit einer Tribus (Extatosomatini) zugestanden.[1] Die einzige Gattung dieser Unterfamilie ist Extatosoma. Nachdem sehr lange von bis zu sechs verschiedenen Arten ausgegangen wurde, unterscheidet man heute nur noch zwei Arten mit jeweils zwei Unterarten:[2]

  • Extatosoma popa
  • Extatosoma popa carlbergi Beccaloni, 1993
  • Extatosoma popa popa Stål, 1875
  • Extatosoma tiaratum
  • Extatosoma tiaratum bufonium Westwood, 1874
    (Syn. = Extatosoma elongatum Froggatt, 1922)
  • Extatosoma tiaratum tiaratum (MacLeay, 1827)
    (Syn. = Extatosoma hopii Gray, G.R., 1833)

Quellen

  1. Frank H. Hennemann & Oskar V. Conle: Revision of Oriental Phasmatodea: The tribe Pharnaciini Günther, 1953, including the description of the world's longest insect, and a survey of the family Phasmatidae Gray, 1835 with keys to the subfamilies and tribes (Phasmatodea: "Anareolatae": Phasmatidae) (Zootaxa 1906), Magnolia Press, Auckland, New Zealand, 316 pp.; 30 cm. 15 Oct. 2008, ISBN 978-1-86977-271-0 (paperback), ISBN 978-1-86977-272-7 (Online edition) (pdf des Abstracts auf www.mapress.com)
  2. www.phasmida.seciesfile.org - Taxonomische Datenbank der Gespenstschrecken

Weblinks


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