Gitagovinda

Gitagovinda
Krishna und Gopis im Walde. Illustration aus einem Gitagovinda-Manuskript, um 1550.

Das Gitagovinda (Sanskrit: गीतगोविन्द Gītagovinda „Der durch Lieder gepriesene Govinda“) ist ein Sanskrit-Gedicht, das im 12. Jahrhundert vom Autor Jayadeva am Königshof von Bengalen verfasst wurde. Es beschreibt in zwölf Gesängen die Liebesbeziehung zwischen dem Hindu-Gott Krishna (Govinda), seiner Gefährtin Radha und den Gopis (Hirtenmädchen).

Das Gitagovinda verbindet Erotik mit religiöser Mystik, indem die Liebesabenteuer Krishnas gemäß der Bhakti-Lehre mit der hingabungsvollen Verehrung des Gottes durch die Gläubigen gleichgesetzt werden. Das Werk hat großen Einfluss auf die Krishna-Religiosität ausgeübt und wurde auch in Europa früh rezipiert. Die erste englische Übersetzung stammt von William Jones (1807), ins Deutsche wurde das Gitagovinda unter anderem von Friedrich Rückert (1837) übersetzt.

Das Gitagovinda gilt als „später Gipfel der lyrischen Kunst“[1] in der Sanskrit-Literatur und sticht stilistisch in mehrfacher Hinsicht hervor. Die ungewöhnlichen Versmaße, die Reime und die Refrains, die der Dichter Jayadeva einsetzt, weisen auf den Einfluss der Volksdichtung hin. Die zahlreichen Alliterationen und der Vokalreichtum der Wörter verleihen dem Gedicht eine ausgeprägte Rhythmik und außergewöhnliche Lautgestalt. Als Beispiel ist Vers III.2 in Umschrift samt der metrischen Übersetzung von Friedrich Rückert angegeben:

lalita-lavaṅga-latā-pariśīlana-komala-malaya-samīre
madhukara-nikara-karambita-kokila-kūjita-kuñja-kuṭīre
viharati harir iha sarasa-vasante
nṛtyati yuvati-janena samaṃ sakhi virahi-janasya durante.

Unter malayischem, duftende Nelkengebüsche besuchendem Hauche,
Unter dem bienenumschwärmten, von Kokila's Rufen ertönenden Strauche,
Hari nun spielet im Lenze, dem frohen,
Tanzet, o Freundin, mit Mädchen, zur Zeit, die nicht süß ist, wo Liebe geflohen.

Einzelnachweise

  1. Mylius 1988, S. 175.

Weblinks

Literatur

  • Klaus Mylius: Geschichte der altindischen Literatur. Bern, München, Wien: Scherz, 1988.
  • Gītagovinda: Das indische Hohelied des bengalischen Dichters Jayadeva. Nach der metrischen Übersetzung Friedrich Rückerts neu hrsg. von Herman Kreyenborg, Leipzig: Insel Verlag, [1920]. Online verfügbar auf zeno.org.
  • Gitagovinda - Lieder zum Lob Govindas. Aus dem Sanskrit übersetzt und herausgegeben von Erwin Steinbach. Frankfurt am Main, Leipzig: Verlag der Weltreligionen, 2008.

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