Gunter Otto (Pädagoge)

Gunter Otto (Pädagoge)

Gunter Otto (* 10. Januar 1927 in Berlin; † 28. Januar 1999 in Bad Bevensen) war einer der bedeutendsten Kunstpädagogen der Nachkriegszeit.[1] Zusammen mit den Didaktikern Paul Heimann und Wolfgang Schulz begründete er das Berliner Modell.

Inhaltsverzeichnis

Biografie

Gunter Otto wurde 1927 in Berlin geboren. Seine volle Schulzeit fiel in die Zeit des Nationalsozialismus. Seine ersten Bilder entstanden während seiner Zeit in der Sexta an der Jahn-Oberschule und beim Arbeitsdienst, zu dem er 1944 eingezogen wurde. Die ersten Arbeiten beschäftigten sich mit dem Krieg. Zu diesem Frühwerk hatte Gunter Otto, wegen mangelnder Ablehnung des Naziregimes, ein gespaltenes Verhältnis.

Im Wintersemester 1945/46 begann er ein Studium an der Hochschule für Kunsterziehung in Berlin. Die Leitung hatte zu diesem Zeitpunkt Georg Tappert übernommen.

1950 wurde Ottos erstes Kind geboren. 1951 konnte er sein Studium mit der Zweiten Staatsprüfung beenden. 1953 übernahm er die Leitung eines Seminars. Seine aktive Arbeit im Schuldienst beendete er 1956. In diesem Jahr wurde er an die Pädagogischen Hochschule Berlin berufen und wurde schließlich Studienrat.

1958 hörte Otto auf zu malen und widmete sich der Fachdidaktik. Als Mitarbeiter von Paul Heimann entwickelte er mit diesem zusammen das sogenannte „Berliner Modell der Didaktik“. Dieses Modell dominierte die 1960er/1970er Jahre und wurde erst 1980 mit dem Hamburger Modell von Wolfgang Schulz, einem weiteren Mitarbeiter Heimanns, weiterentwickelt. Auch an diesem Entwurf beteiligte sich Otto. Gunter Otto exemplifizierte dieses Modell für den Kunstunterricht 1965 in dem Sammelband Unterricht – Analyse und Planung.

Sein erster eigener Entwurf einer Fachdidaktik erschien 1964 unter dem Titel Kunst als Prozeß im Unterricht.

Seit 1968 gab Otto die Zeitschrift Kunst und Unterricht heraus.

Ottos Schwerpunkt verlagerte sich in den 1970ern hin zu einer Ästhetischen Bildung des Menschen. 1971 wechselte er an die Universität Hamburg und arbeitete dort als Professor für Erziehungswissenschaften. 1974 erschien sein programmatisches Werk Didaktik der ästhetischen Erziehung. Er veröffentlichte seit den 1970ern mehrere fachdidaktische Schriften in Form von Büchern und Aufsätzen. Außerdem war er Mitherausgeber der Zeitschriften Westermanns Pädagogische Beiträge und DIALOGE. Er war der produktivste Professor des Hamburger Institut für Didaktik der ästhetischen Erziehung, welches 1977 gegründet wurde und vor allem durch seine Publikationen zur „leistungsfähigsten wissenschaftlichen Einrichtung seines Faches in der Bundesrepublik Deutschlands“ wurde. [2]

1992 wurde Otto emeritiert. Bis zu seinem Tode 1999 blieb er produktiv.

Bedeutung und Theorie

Otto war einer der führenden Kunstdidakten der Nachkriegszeit und hatte großen Anteil an der modernen Didaktik des Kunstunterrichts. Auch in der Teildisziplin Ästhetische Erziehung erlangten seine Modelle und Theorien großen Einfluss.

1963 forderte Otto eine Erneuerung des Faches, um sich von der zu dieser Zeit herrschenden Kunsterziehung abzugrenzen. Ein Anliegen von ihm war es auch, das Wort Kunstunterricht als Ersatzbegriff einzufügen, um die Dominanz der Sachinformationen herauszustellen. Ihm ging es um eine Strukturierung der Lernprozesse und eine Erweiterung des ästhetischen Potentials der Kunstpädagogik. Es gilt den Schüler an die Moderne Kunst heranzuführen und Potentiale zu wecken. Unterricht verstand Otto als Prozess, der in mehreren Phasen, aber nicht streng linear ablaufe. In diesem Zusammenhang sprach er von InitiationExploration und schließlich Objektivierung. Seine Position untermauerte er mit neuesten entwicklungspsychologischen Erkenntnissen seiner Zeit.[3]

Literatur

  • Blumenthal, Alfred/Ostermann, Wilhelm (Hrsg.): Unterricht – Analyse und Planung. Hannover, 1965
  • Otto, Gunter: Kunst als Prozeß im Unterricht. Braunschweig 1969, ISBN 3507363100
  • Otto, Gunter: Didaktik der Ästhetischen Erziehung. Braunschweig 1974, ISBN 3886571386
  • Otto, Gunter/Otto, Maria: Auslegen. Ästhetische Erziehung als Praxis des Auslegens in Bildern und des Auslegens von Bildern. 2 Bände, ISBN 3617322409

Einzelnachweise

  1. Nachruf in der Berliner Zeitung vom 1. Februar 1999
  2. Wolfgang Legler: Gunter Otto – Begründung und Ende einer Kunstdidaktik (PDF)
  3. Beitrag des Seminars für Kunsterziehung am Luitpold-Gymnasium München (RTF)

Weblinks


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