Hans-Michael Elias von Obentraut

Hans-Michael Elias von Obentraut
Hans-Michael Elias von Obentraut, Kupferstich aus Theatrum Europaeum, 1662

Hans Michael Elias von Obentraut (* 1574 auf der Stromburg bei Stromberg; † 25. Oktober 1625 in Seelze) war ein deutscher Reitergeneral, der im Dreißigjährigen Krieg auf Seiten der Evangelischen Union kämpfte.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Obentraut wurde in Stromberg als Sohn des kurfürstlichen Amtsmanns Johann Bartel von Obentraut geboren. Er ging in jungen Jahren in den Kriegsdienst und soll wegen seiner Kühnheit ein gefürchteter Gegner gewesen sein. Er war zunächst in kurpfälzischen Diensten und schloss sich anfangs seinem späteren Gegner Tilly an, mit dem er vor dem Dreißigjährigen Krieg in Ungarn gegen die Türken kämpfte. 1620 bei der Schlacht am Weißen Berg befand sich Obentraut bereits im protestantischen Lager. In dänischen Diensten siegte er bei Frankenthal, Hagenau und Wiesloch.

Tod in Seelze

Seinen letzten Sieg trug er als Generalleutnant des Herzogs Johann Ernst von Sachsen-Weimar in Nienburg/Weser davon, als er die Besetzung der Stadt durch die Liga der katholischen Fürsten unter Führung von Tilly verhinderte. Nach diesem Erfolg wollte Obentraut die von Tillys Heer besetzte Festung Calenberg in Schulenburg nahe Pattensen im Handstreich nehmen. Dazu kam es nicht mehr, da es am 25. Oktober 1625 unweit von Hannover bei Seelze zwischen seiner Einheit mit 700 Reitern und 10.000 Mann von Tillys Heer zu einem Kampf kam. Als Obentraut davon erfuhr, soll er der Sage nach seiner Truppe so schnell zur Hilfe geeilt sein, dass er ohne Helm und nur mit einem Stiefel losritt. Im Gefecht wurde er von einer Kugel tödlich getroffen. Er soll im Beisein seines früheren Waffenbruders Tilly gestorben sein, der ihm die Augen geschlossen habe. Der Leichnam Obentrauts wurde in die Festung Calenberg gebracht und erst vier Monate später im Austausch gegen einen führenden Offizier herausgegeben. Dann wurde der Tote zunächst in die St. Aegidienkirche nach Hannover überführt und zwei Jahre später endgültig in der Marktkirche bestattet. Der Kirchenbucheintrag zum Tode Obentrauts lautete:

"Hanß Michell von Obentraut, Kön. Maj. zu Dennemark, Generalleutandt über die Cavellery und Obrister, welcher A. 1625 den 25. Oct. vor Seelse geblieben in S. Georgen Kirche uffs Cohr begraben, uff Juncker Conradt Niclaß von Obentraut provision den 28. Febr."

Obentraut-Denkmal

Obentraut Denkmal in Seelze

Zu Ehren von Obentraut entstand in Seelze an der Stelle, an der er tödlich verwundet wurde, ein 6 m hohes Denkmal in Form einer Steinpyramide. Der Stifter des Denkmal ist nicht bekannt, angefertigt wurde es 1630 vom hannoverschen Bildhauer Jeremias Sutel (1587-1631). Die Inschrift ist in lateinischer Sprache gehalten und beinhaltet den vorgenannten Kirchenbucheintrag sowie als ersten Satz das Zitat: „Dem höchsten und besten Gott geweiht.“ Im Jahre 1989 wurden neben dem Denkmal ein Reitstiefel und ein Helm als übergroße Metallgegenstände aufgestellt. Sie weisen auf die Ausrüstungsteile hin, ohne die sich Obentraut der Sage nach in das Schlachtgetümmel gestürzt haben soll. Am Denkmal in der Ortsmitte von Seelze führt heute die Hauptdurchgangsstraße vorbei.

Deutscher Michel

Von den spanischen Söldnertruppen seines Kriegsgegners Tilly soll er ehrfurchtsvoll Miguel Aleman (Deutscher Michel) genannt worden sein - wofür sich allerdings bisher weder in spanischen noch in deutschen Quellen aus dem Dreißigjährigen Krieg ein Beleg gefunden hat. Der erste, der dies behauptete, war Philipp Andreas Oldenburger im Jahr 1668. Oldenburgers wissenschaftlicher Ruf war allerdings bereits zu seinen Lebzeiten umstritten. Die erwähnte Schrift zum Michel erschien unter dem Pseudonym „Philipp Andreas Burgoldensis“.

Literatur

Sachbücher

  • [Anonym]: Stromberg am Soonwald feiert seinen großen Sohn vom 6. bis 9. Juni 1975. 400 Jahre Deutscher Michel (Hans Michel Elias von Obentraut), Dietz, Bad Kreuznach 1975
  • Ernst Boehlich: Johann Michel Elias von Obentraut. Zwischen Geschichte und Legende des "Deutschen Michels", Schlesischer Verlag, Breslau 1926
  • Ernst Andreas Friedrich: Wenn Steine reden könnten. Band II, Landbuch-Verlag, Hannover 1992, ISBN 3-7842-0479-1

Belletristik

  • Harry Vosberg: Michel Obentraut. Roman, Scherl, Berlin 1925

Weblinks


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