Hans Maikowski (SA-Mitglied)

Hans Maikowski (SA-Mitglied)

Hans Eberhard Maikowski (* 25. Februar 1908 in Berlin; † 30. Januar 1933 Berlin) war Mitglied der SA. Bedingt durch seinen gewaltsamen Tod am Tag der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde er ähnlich wie Horst Wessel zu einem wesentlichen Thema der NS-Propaganda hochstilisiert.[1]

Der Waldorfschüler[2] und gelernte Gärtner Maikowski gehörte zu den Mitgliedern des als Sportverein getarnten Wehrverbandes Olympia. Als Mitglied der SA hatte er die Funktion des Führers des SA-Sturm 33 Berlin-Charlottenburg vom 20. Februar 1931 bis zu seinem Tod inne. Auf das Konto des Mördersturm 33[3][4] gingen zahlreiche Morde an politischen Gegnern in den frühen 30er Jahren. Maikowski selbst flüchtete kurzzeitig ins Ausland, nachdem er den Arbeiter Walter Kusche am 9. Dezember 1931 im Verlauf einer Straßenschlacht erschossen hatte[5].

Maikowski nahm am Fackelumzug zur Feier der Machtergreifung der Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 teil. Auf dem Rückweg von dieser Veranstaltung kam es in der Wallstraße in Berlin-Charlottenburg – der heutigen Zillestraße, die zwischenzeitlich Maikowskistraße hieß – zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Bei dieser Straßenschlacht wurden Maikowski und der Polizist Josef Zauritz erschossen.[4]

Die Umstände der Tat wurden nie ganz geklärt. Die Taten wurden von der nationalsozialistischen Propaganda den Kommunisten zugeschrieben, die selbst darauf beharrten, dass aus ihren Reihen kein Schuss abgegeben wurde. In einem großen Schauprozess wurden die 56 Angeklagten, fast alle Mitglieder der KPD, zu insgesamt 39 Jahren Zuchthaus und 95 Jahren Gefängnis verurteilt, ohne dass man ihnen eine direkte Beteiligung an der Tat nachweisen konnte.[4] Nur ein Angeklagter wurde freigesprochen. Nach dem Krieg tauchten bis dahin unterdrückte Aussagen von SA-Kameraden von Maikowski auf, die einen SA-Mann namens Buske als Täter bezeichneten.[6]

Die nationalsozialistische Propaganda stellte Maikowski als „Märtyrer und Blutzeuge der nationalsozialistischen Bewegung“ heraus. Am 5. Februar 1933 erfolgte für beide Opfer ein Staatsbegräbnis auf dem Invalidenfriedhof in Berlin. Vom Reichspropagandaleiter Joseph Goebbels wurde hieraus eine Großveranstaltung inszeniert, an der 600.000 Menschen teilgenommen haben sollen.[7] Die Trauerreden des Invalidenhauspfarrers sowie von Hermann Göring und Goebbels wurden reichsweit im Rundfunk übertragen[8] und sind auch Bestandteil des NS-Propagandafilms Deutschland erwacht (1933). Die SA-Standarte 1 trug später den Namen "Hans Maikowski"[9]. Nach dem Tode Maikowskis wurden in vielen deutschen Städten und Gemeinden Straßen nach ihm benannt[10]. Am Ort seines Todes in der Wallstraße 52 wurde eine, inzwischen entfernte, Gedenktafel angebracht. Im Jahr 2008 löste ein Bericht des RBB über den Wunsch von NPD-Bundesvorstand Eckart Bräuniger nach der Benennung einer Charlottenburger Straße in "Hans-Maikowski-Ring" Empörung aus[11].

Literatur

  • Nr 7. Sturmführer Hans Eberhard Maikowski. In: H. Gerstmayer (Hrsg.): Die Fahne hoch! Die braune Reihe. Neues Verlagshaus für Volksliteratur, Berlin 1933.
  • Sturm 33, Hans Maikowski. -- Berlin-Schöneberg, NS-Verlag, 1933. 77 S.

Einzelnachweise

  1. To Die for Germany, Jay W. Baird, Indiana University Press (September 1992)
  2. Anthroposophen in der Zeit des Nationalsozialismus. Uwe Werner, Oldenbourg (1999)
  3. Der Charlottenburger SA-"Mördersturm 33" (1928-1932), Dr. Sven Reichardt, in: Knoch, Habbo (Hrsg.): Täterinnen und Täter, Hamburg 2002.
  4. a b c Unsere Straße, Jan Petersen, Aufbau Verlag Berlin (1958)
  5. Geschichte der SA in Berlin/Brandenburg, Bernhard Sauer
  6. To Die for Germany, Jay W. Baird, Indiana University Press (September 1992)
  7. Die Tagebücher von Joseph Goebbels (hrsg. von Elke Fröhlich) Teil 1 / Bd. 2/III, München 2006, ISBN 978-3-598-23788-1, S. 124f (6. Februar 1933)
  8. Goebbels' Ansprachen im Bestand der Michigan State University Libraries
  9. Bundesarchiv
  10. Historische Straßennamen in Bayreuth
  11. NPD-Blog.info mit Video des RBB Berichts

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