Jean-David Nau

Jean-David Nau
François l’Olonnais in The History of the Bucaniers of America von Alexandre Exquemelin, 1684
François l’Olonnais in The History of the Bucaniers of America von Alexandre Exquemelin, 1684

Jean-David Nau (* ca. 1635 in Les Sables-d’Olonne; † 1667 in Darién ), bekannt unter seinem Pseudonym François l’Olonnais, war ein französischer Bukanier in der Karibik in den 1660er Jahren. Alexandre Olivier Exquemelin schreibt 1684 in seinem Buch The History of the Bucaniers of America, dass l’Olonnais in Les Sables-d’Olonne geboren wurde.

Nach einem oder zwei Jahren Tätigkeit als Pirat wurde l’Olonnais in der Nähe von Campeche in Mexiko schiffbrüchig. Eine Gruppe spanische Soldaten griffen ihn und seine Besatzung an, wobei fast die gesamte Mannschaft getötet wurde. L’Olonnais selbst überlebte, indem er sich mit dem Blut der anderen beschmierte und sich unter den Toten versteckte. Nach dem Abzug der Spanier entkam er unter Mithilfe einiger Sklaven und machte sich auf nach Tortuga. Kurz darauf nahmen er und seine Mannschaft eine Stadt als Geisel und verlangten ein Lösegeld von der spanischen Krone. Der Gouverneur von Havanna sandte ein Schiff, um l’Olonnais' Truppe zu töten. Diese gerieten jedoch in die Hände der Piraten. L’Olonnais ließ alle bis auf einen enthaupten. Der Verschonte sollte die Nachricht nach Havanna bringen, in der l’Olonnais erklärte:

„Fortan werde ich gegenüber keinem Spanier irgendeine Gnade mehr walten lassen.“

1667 stach l’Olonnais von Tortuga aus mit einer Flotte von 8 Schiffen und einer Besatzung von 600 Piraten in See, um Maracaibo zu plündern. Auf den Weg dorthin traf er auf ein spanisches Schatzschiff, das er eroberte. Dabei brachte er reiche Beute an Kakao, Edelsteinen und mehr als 40.000 Peso in Silber ein.

Zu dieser Zeit war der Zugang zum See von Maracaibo (und damit zur Stadt selbst) durch eine Festung mit 16 Kanonen gesichert, die als uneinnehmbar galt. L’Olonnais griff jedoch von der unbefestigten Landseite aus an und nahm die Stadt ein. Danach schritten die Piraten zur Plünderung der Stadt, stellten jedoch fest, dass die meisten Bewohner geflüchtet waren und ihr Gold versteckt hatten. Die Piraten spürten die Bewohner auf und folterten sie, bis sie die Verstecke ihrer Besitztümer preisgaben. Sie raubten auch die Kanonen der Festung und zerstörten fast die gesamte Stadtbefestigung, um einen schnellen Rückzug zu ermöglichen.

L’Olonnais war ein Experte im Foltern, und seine Technik beinhaltete das Aufschlitzen der Haut des Opfers mit dem Schwert, das lebendige Verbrennen oder das „woolding“. Dabei wurde geknotetes Seil um den Kopf des Opfers gebunden, bis die Augen des Opfers heraustraten.

Im Verlauf der folgenden zwei Monate vergewaltigten, plünderten und verbrannten er und seine Männer die Stadt beinahe vollkommen, bevor sie nach Süden in Richtung Gibraltar am Südufer des Maracaibo-Sees abzogen. Obwohl sie in Unterzahl waren, schlachteten die Piraten die Garnison von Gibraltar, die aus 500 Soldaten bestand, ab, und forderten ein Lösegeld (20.000 Silberpeso und 500 Goldstücke). Obwohl dieses gezahlt wurde, suchte er die Stadt weiterhin heim. Dabei brachte er 260.000 Silberpeso, Edelsteine, Silberwaren, Seidenstoffe und eine Anzahl Sklaven an sich und seine Männer. Der Schaden, den er anrichtete, war so groß, dass die Stadt, die zuvor ein bedeutendes Zentrum des Kakaoexports war, beinahe aufhörte zu existieren.

Die Kunde seines Angriffs auf Maracaibo und Gibraltar erreichte Tortuga, und er bekam den Ruf extremer Wildheit und Grausamkeit. Er erhielt fortan den Beinamen „Plage der Spanier“ (frz: Fléau des Espagnois). Dies erleichterte ihm, Teilnehmer für seinen nächsten Beutezug zu gewinnen, und so nahmen später im selben Jahr 700 Piraten an seinem nächsten Angriff auf das mittelamerikanische Festland teil. Nachdem sie Puerto Cabello geplündert hatten, geriet l’Olonnais auf dem Weg nach San Pedro in einen Hinterhalt einer großen Zahl spanischer Soldaten, aus dem er nur mit knapper Not entkommen konnte. Er konnte allerdings zwei Spanier gefangennehmen. Exquemelin schreibt dazu:

„Er zog seinen Säbel, und mit diesem schnitt er die Brust eines dieser armen Spanier auf, und zog dessen Herz heraus mit seinen gottlästerlichen Händen, biss zu und riss daran mit seinen Zähnen, wie ein wilder Wolf, und sprach zu den anderen: Ich werde Euch ebenso behandeln, wenn ihr mir keinen anderen Weg zeigt.“

Vor Schreck versteinert zeigte ihm der überlebende Spanier einen anderen Weg nach San Pedro. L’Olonnais und seine überlebenden Männer wurden jedoch zurückgeschlagen und mussten sich auf die Schiffe zurückziehen. Im Golf von Honduras liefen sie auf eine Sandbank. Da sie nicht in der Lage waren, ihr Schiff freizubekommen, wandten sie sich zu Fuß ins Inland, wo sie in Darién in die Hände von Eingeborenen fielen. Exquemelin schreibt, dass

„sie ihn lebendig in Stücke rissen, seinen Körper Glied für Glied ins Feuer warfen und seine Asche in die Luft.“

Literatur

  • Alexandre Olivier Exquemelin: Das Piratenbuch von 1678 („The history of the bucaniers of America“) . Thienemanns, Stuttgart 1983, ISBN 3-522-61120-9

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