Jean Arp

Jean Arp
Arp-Skulptur „Wolkenhirt“ (1953) auf dem Campus der Universität Caracas

Hans oder Jean Arp (* 16. September 1886 in Straßburg; † 7. Juni 1966 in Basel) war ein deutsch-französischer Maler, Bildhauer und Lyriker. Er gilt als einer der bedeutendsten Vertreter des Dadaismus und Surrealismus in bildender Kunst und Literatur und war Mitglied der Gruppe Abstraction-Création.

Inhaltsverzeichnis

Leben

1886 bis 1914

Hans Arp wurde 1886 als Sohn eines Zigarrenfabrikanten im damals zum kaiserlichen Deutschen Reich gehörenden Straßburg im Elsass geboren; deutsch war seine Muttersprache, aber er erlernte auch sehr früh die französische Sprache. In seiner Jugend interessierte er sich vor allem für die Dichter der deutschen Romantik (u. a. Novalis, Clemens Brentano, Ludwig Tieck) und französische Dichter wie Arthur Rimbaud und Comte de Lautréamont.

Von 1904 bis 1908 studierte Arp bildende Kunst an der Kunstschule Weimar und an der Académie Julian in Paris, die er wegen der konventionellen Lehrmethoden enttäuscht verließ. Ab 1909 lebte er in der Schweiz. 1911 wurde er Mitbegründer der Künstlervereinigung Moderner Bund. Er lernte Wassily Kandinsky kennen und knüpfte über ihn Kontakte zum Blauen Reiter.

1915 bis 1939

1915 wurden Arps abstrakte Werke erstmals in Zürich ausgestellt; 1916 illustrierte er Tristan Tzaras Lyrikband 25 Gedichte. Über Tzara lernte er Hugo Ball und Richard Huelsenbeck kennen, mit denen er den Dadaismus begründete. 1920 nahm er an der Ersten Internationalen Dada-Messe in der Berliner Galerie Otto Burchard teil und veröffentlichte auf Vermittlung von Kurt Schwitters den Gedichtband Die Wolkenpumpe, dessen Texte Arp als Textcollagen bezeichnete, bei denen der Zufall ein wesentliches Gestaltungsprinzip war.

1922 heiratete Arp Sophie Taeuber-Arp, ebenfalls eine Künstlerin. 1923 begann Arp eine engere Zusammenarbeit mit Schwitters; im selben Jahr zog er nach Paris, nahm dort an einer Gruppenausstellung der Surrealisten teil und wurde Mitglied der Künstlerbewegung Abstraction-Création. Arp hatte engen Kontakt mit internationalen Avantgardisten wie Kasimir Malewitsch und El Lissitzky. Zusammen mit Lissitzky veröffentlichte er 1925 das Buch Die Kunstismen.

„Feuille se reposant“ (1953) in Marl

1940 bis 1954

1940 wurden Arps Werke von den Nationalsozialisten als entartete Kunst eingestuft. Arp zog in den unbesetzten Teil Frankreichs. Gedichte schrieb er nun vor allem auf Französisch. Er hatte kein Atelier und musste als Maler und Bildhauer notgedrungen mit leichten, transportablen und billigen Materialien arbeiten, so entstanden die dessins aux doigts (Fingerzeichnungen) und die Papiers froissés (Zerknitterte Papiere). Durch Zuwendungen von Maja Sacher und anderen Gönnern wurde Arp über Wasser gehalten.

Sophie Taeuber-Arp starb in der Nacht zum 13. Januar 1943 in Zürich an einer Kohlenmonoxidvergiftung (womöglich Freitod). Arp brauchte Jahre, um sich von diesem Verlust zu erholen und widmete Sophie viele seiner Werke. Gemeinsam mit Georg Schmidt arbeitete er an einer Monografie über ihr Werk. 1949 reiste Arp in die USA, wo seine Kunst dank der Hilfe des Galeristen Curt Valentin zunehmenden Erfolg hatte. Da die Mehrzahl seiner Käufer nun dort lebte, überlegte Arp, ob er emigrieren solle; letztendlich entschied er sich aber dagegen.

Ab 1950 entwarf Arp mehrere Großplastiken für die Universitäten von Harvard und Caracas und das UNESCO-Gebäude in Paris. 1952 reiste Arp nach Rom und Griechenland und bekam dort neue Anregungen für plastische Arbeiten (beispielsweise Kobra-Kentaur), für die er auf der Biennale von Venedig 1954 den Internationalen Preis für Skulptur erhielt.

1955 bis 1966

Dem nunmehr international erfolgreichen Künstler Arp wurde 1957 die erste umfassende Monografie gewidmet. 1958 veranstaltete das Museum of Modern Art in New York eine umfassende Retrospektive. Arp war Teilnehmer der documenta 1 1955, der documenta II 1959 und der documenta III 1964. Seine Kunst war nun so gefragt, dass er Mitarbeiter beschäftigen konnte.

1959 heiratete Arp seine langjährige Freundin Marguerite Hagenbach. Er starb 1966 in Basel. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof der Kirche Santa Maria in Selva in Locarno. Im Museo communale Casa Rusca von Locarno findet sich der von Arps zweiter Frau Marguerite Hagenbach gestiftete Nachlass Arps. Neben Werken des Künstlers selbst umfasst dieser Nachlass auch Arps private Kunstsammlung.

Arp Museum Bahnhof Rolandseck

Blick in die Arp-Ausstellung im Bahnhof Rolandseck

Das Arp Museum Bahnhof Rolandseck wurde am 29. September 2007 eröffnet. Es präsentiert im Gebäude des Bahnhofs Rolandseck und in einem Neubau in Rolandseck Werke von Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp, die vor allem aus dem Besitz des Landes Rheinland-Pfalz und des Vereins Stiftung Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp e. V. stammen. Vor der Eröffnung des Museums kam es zu heftigen Diskussionen, da bei einigen der im Museum gezeigten Objekte umstritten ist, ob es sich um von Arp selbst autorisierte Werke oder spätere Nachgüsse und Repliken handelt.[1]

Das Land Rheinland-Pfalz warf dem Verein außerdem Vertragsbruch vor, weil er einige Werke, die für den Ausstellungsbetrieb gedacht waren, verkauft habe. Die Zusammenarbeit wurde deshalb vom Land für beendet erklärt.[2]

Auszeichnungen

Werke der bildenden Kunst

  • 1917: Die Grablegung der Vögel und Schmetterlinge (Holzrelief), Kunsthaus Zürich
  • 1928: Konfiguration, Öffentliche Kunstsammlung Basel
  • 1931: Amphora, Bemaltes Holzrelief, Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf
  • 1932: Konfiguration, Plastik
  • 1936: Verstümmelt und heimatlos, Plastik
  • 1953: Weiblicher Torso, Plastik
  • 1953: Berger de nuages, Plastik Skulpturenpark Kröller-Müller Museum in Otterlo
  • 1957 Großes Bronzerelief für die UNESCO in Paris
  • 1959: Feuille se reposant, Plastik Sammlung Skulpturenmuseum Glaskasten in Marl
  • 1960: Bewegtes Tanzgeschmeide, Bahnhof Rolandseck
Schlüssel des Stundenschlägers in Mainz

Werkausgabe Gedichte

  • Gesammelte Gedichte 1903–39. In Zusammenarbeit mit dem Autor herausgegeben von Marguerite Arp-Hagenbach und Peter Schifferli. Arche, Zürich 1963.

Literatur

  • Richard Albrecht: „weisst du schwarzt du“ – Hans Arp, 1886–1966. Text zu Leben und Werk. 2006 (online).
  • Manfred Engel: Hans Arp. Weh unser guter kaspar ist tot. »Das stete Fließen und Werden der Dinge«. Zur intendierten Rezeption eines Dada Gedichtes. In: Klaus H. Kiefer, Arnim Schäfer, Hans-Walter Schmidt-Hannisa (Hrsg.): Das Gedichtete behauptet sein Recht. Frankfurt 2001, S. 15–28.
  • Carola Giedion-Welcker: Hans Arp. Hatje, Stuttgart 1957.
  • Raoul Schrott: DADA 15/25. Dokumentation und chronologischer Überblick zu Tzara & Co. DuMont, Köln 2004, ISBN 3-8321-7479-6.
  • Hubert van den Berg: Avantgarde und Anarchismus. Dada in Zürich und Berlin. Winter, Heidelberg 1999, ISBN 3-8253-0852-9.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Thomas Wagner: Den Spuk beenden. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 1. Oktober 2007.
  2. Jens Fredriksen: Ende der Kleinkariertheit. In: Wiesbadener Tageblatt, 21. November 2007.

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