KC-compact

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KC compact

Der KC compact war der letzte 8-bit-Kleincomputer (Heimcomputer) Made in DDR mit 4 MHz und 64 kB RAM. Der Rechner ist ein Nachbau des Amstrad Schneider CPC und stammt aus dem VEB Mikroelektronik Mühlhausen (Kombinat Mikroelektronik Erfurt). Der KC compact wurde erst mit dem Ende der DDR (ironischerweise als Geschenk zum 40. Republikgeburtstag) serienreif, daher sind nur wenige Geräte produziert und verkauft worden.

Inhaltsverzeichnis

Computernachbauten im Ostblock

In Zeiten des Kalten Krieges und der damit einhergehenden Handelsbeschränkungen war es im Ostblock durchaus üblich, Mikroelektronik und auch ganze Rechner auf irgendwelchen Wegen im Westen zu besorgen und mittels des Verfahrens des Reverse Engineering zu analysieren. Anschließend wurden die Geräte - oft sogar verbessert - nachproduziert. Bedarfslücken konnten so relativ einfach geschlossen werden, außerdem bildete man Spezialisten heran. Ein gutes und bekanntes Beispiel sind die zahlreichen Spektrum-Klone des Ostblocks, aber auch IBM-kompatible Mainframes, vor allem das Einheitliche System Elektronischer Rechentechnik, sind jenseits des „eisernen Vorhangs“ erschienen.

Hardware

Handbücher für Hard- und Software für den KC compact

Der Computer besteht aus einem Grundgerät mit externem Netzteil. Es wurde das gleiche Gehäuse wie beim BIC benutzt, die Elektronik ist aber nicht austauschbar. Folgende Anschlüsse sind am KC vorhanden:

  1. Stromversorgung vom Netzteil
  2. SCART-Buchse zum Anschluss an den Fernseher (gute Bild- und Tonqualität)
  3. Antennenausgang zum Anschluss an den Fernseher (schlechte Bild- und Tonqualität)
  4. Diodenbuchse zum Kassettenrecorder (externer Massenspeicher)
  5. Diodenbuchse als zusätzlicher Tonausgang
  6. Expansionsport für zusätzliche Geräte wie ein Diskettenlaufwerk
  7. Druckerport

Wegen der zusätzlich eingebauten Spannungsversorgung für externe Geräte ist beim Anschluss von CPC-Originalteilen Vorsicht angebracht.

Im Rechner arbeitet eine UA880-CPU, die auf dem U880 basiert. Von den 64 kB RAM dienen standardmäßig 16 kB als Bildwiederholspeicher. Damit lassen sich bei 640x200 Punkten 2, bei 320x200 Punkten 4 und bei 160×200 Punkten 16 aus 27 Farben darstellen. Die Bildschirmansteuerung wird wie beim CPC über einen unkonventionell angeschlossenen Motorola 6845 realisiert; daher sind Größe und Lage des Bildes und Bildwiederholspeichers sehr weitgehend programmierbar. Der Sound (AY-Soundchip) konnte Anfang der 90er Jahre noch als gut eingestuft werden und ging deutlich über die Piepsgeräusche der KC 85-Serie hinaus. Es sind sowohl Hüllkurven als auch Rauschen erzeugbar. Ein CIO-Schaltkreis erfüllt die Funktionen von PIO und CTC. Einige Spezialschaltkreise des westlichen Vorbildes wurden durch Logikgatter ersetzt, eine in der DDR gängige Methode.

Als Zusatzgerät wurde auch ein Diskettenlaufwerk entwickelt. Damit ist der KC compact prinzipiell CP/M-tauglich.

Software

Programmkassetten für den KC compact, größtenteils Spiele

Nach dem Einschalten wird der BASIC-Interpreter gestartet, und man kann sofort anfangen, Programme zu schreiben. Das BASIC ist sehr komfortabel (da einfach jenes vom CPC kopiert wurde). Wegen der Softwarekompatibilität zu den westlichen CPCs kann man auf ein großes Angebot an Spielen und Anwendungen zurückgreifen. Vom Hersteller kamen einige Spiele sowie Anwendungen wie Textverarbeitung, Grafikprogramme und Pascal als Programmiersprache.

Der KC compact und seine Technik

Aus dem VEB-Werk Mikroelektronik Mühlhausen „Wilhelm Pieck“ stammt der Rechner KC compact. Mit 64 KB RAM und BASIC 1.1 könnte man diesen "CPC-Rechner" zwischen CPC 6128 und CPC 664 einordnen. Statt CP/M als Betriebssystem wurde ein eingedeutschter CP/M-2.6-Clone namens MicroDOS verwendet, der zuvor bereits auf verschiedenen DDR-Rechnern im Einsatz war. Software war also vermutlich erhältlich.

Äußerlich im eckig-flachen, hellen Gehäuse ohne Laufwerk dem C64 ähnlicher als den CPCs, steckte unter der Tastatur ein Nachbau der bekannten Rechnertechnik mit anderen Mitteln. Verwendet wurde u.a.:

  • als CPU ein U880 (bzw. UA 880D), ein Z80-Clone
  • ein programmierbarer "Zilog 8546"-I/O-Baustein Typ U82536 statt der speziellen Amstrad-Bausteine. Theoretisch waren damit 64 Farben bzw. weitere Assembler-I/O-Optimierungen möglich.
  • weitere Standardbausteine aus Fertigung der DDR, UDSSR bzw. anderer Ostblock-Länder
  • ein der veränderten Hardware angepasster ROM-Inhalt

Extern ist festzustellen:

  • genormte Schnittstellen (DIN, Centronics-Schnittstelle, etc.)
  • ein externes Netzteil mit weiterer Spannungsreduktion onBoard
  • als Speichermedium dient ein externes 5.25" Diskettenlaufwerk oder ein Kassettenlaufwerk, anzustecken jeweils über einen externen, wie beim CPC 464 als "Rucksack" aufgesetzten Controller. In diesem waren zusätzliche 64 KB RAM enthalten.
  • eine erweiterte Spannungsversorgung für die externe Peripherie über die Standardschnittstellen. Daher: Vorsicht beim Anschluss von Geräten (...).
  • eine (direkte) Anschlussmöglichkeit für einen Bildschirm oder Fernseher

Der Nachbau ist derart gelungen, dass die Kompatibilität des doch etwas anderen Rechners sogar innerhalb (!) der Baureihe der CPC-Rechner einzuschätzen ist. Die Hardwareschnittstellen sind allerdings nur teilweise identisch, auch einzelne Aufrufe unterscheiden sich, es war ja eine andere Peripherie angeschlossen. Ob die mit der veränderten Chipset-Hardware eventuell möglichen I/O-Leistungssteigerungen je ausgenutzt wurden, ist fraglich.

Bei zwei mittels Kabel verbundenen Rechnern bestand, einzigartig innerhalb der CPC-Serie, die Möglichkeit, den Speicherinhalt auf den jeweils anderen Rechner zu clonen. Dies dürfte schwerpunktartig für die Programmentwicklung und die dabei notwendigen Testläufen gedacht gewesen sein.

Unbestätigt ist die Produktionszeit zwischen 7. Oktober 1989 (DDR-Jubiläum) und 1990 (Wiedervereinigung). Über die Verbreitung, Stückzahlen bzw. Verwendung des Rechners innerhalb der DDR ist (noch) nichts bekannt.

Siehe auch

VEB Kombinat Robotron

Weblinks

zum Einlesen: CPC-Rechner-Seiten bzw. Robotron. zum Weiterlesen:


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