Karl-Heinz Hoffmann (Neonazi)

Karl-Heinz Hoffmann (Neonazi)

Karl-Heinz Hoffmann (* 27. Oktober 1937 in Nürnberg) ist ein deutscher Neonazi. Er war Gründer der nach ihm benannten und 1980 verbotenen rechtsextremistischen Wehrsportgruppe Hoffmann.

Inhaltsverzeichnis

Entwicklung bis 1989

Hoffmanns Vater, ein Arzt, fiel 1940 im Zweiten Weltkrieg. Die Familie wurde nach Thüringen evakuiert, wo er in Kahla aufwuchs. Dort erlernte Hoffmann den Beruf des Porzellanmalers. Er wurde Mitglied der am 7. August 1952 nach sowjetischem Vorbild gegründeten Gesellschaft für Sport und Technik (GST). 1953 flüchtete er in die Bundesrepublik Deutschland und kehrte nach Nürnberg zurück. Dort begann er eine Ausbildung als Grafiker und besuchte anschließend die Nürnberger Akademie für bildende Künste und schließlich die Kunstakademie in München.

In den 1950er Jahren unternahm er mehrere Reisen in die Türkei, den Iran und nach Indien. 1963 wurde gegen Hoffmann ein Verfahren wegen des Verdachts des Verstosses gegen das Waffengesetz eingeleitet. In diesem Zusammenhang wurde eine Pistole 08 zur Überprüfung eingezogen. Noch im selben Jahr wurde dieses Verfahren eingestellt, und Hoffmann erhielt die Waffe zurück. 1968 trat er in der Uniform eines Offiziers der Luftwaffe der Wehrmacht, zu einer Veranstaltung in einem Nürnberger Café zusammen mit einigen Männern in SS-Uniformen und Frauen in BDM-Kleidern zu einer Tonband-Geräuschkulisse aus Granatengeheul und MG-Salven auf. 1973 gründete Hoffmann die nach ihm benannte Wehrsportgruppe Hoffmann. Diese wurde 1980 als verfassungsfeindliche Organisation verboten.

Kontakte bestanden zwischen Hoffmann und dem DVU-Chef und Verleger der Deutschen National-Zeitung Gerhard Frey. Frey übernahm 1976 „aus nationaler Solidarität” Hoffmanns Gerichtskosten in Höhe von 8.000 DM.

Am 19. Dezember 1980 wurden der jüdische Verleger und ehemalige Vorsitzende der israelitischen Kultusgemeinde Nürnberg, Shlomo Lewin, und seine Lebensgefährtin Frieda Poeschke in Erlangen von Uwe Behrendt, einem Mitglied der Wehrsportgruppe Hoffmann, erschossen. Eine Beteiligung Hoffmanns bzw. ein von ihm in Auftrag gegebener Mordauftrag wurde vermutet, konnte jedoch nicht nachgewiesen werden.

Hoffmann soll 1980, nach Aussagen des italienischen Neonazis Elio Ciolini, ebenfalls an dem Bombenattentat in Bologna beteiligt gewesen sein. Seine Beteiligung konnte jedoch nicht nachgewiesen werden.

Im Zusammenhang mit dem Bologna- wie auch dem im gleichen Jahr angeblich allein vom WSG-Mitglied Gundolf Köhler ausgeführten Oktoberfest-Bombenanschlag wird über Verbindungen Hoffmanns zum Gladio-Netzwerk spekuliert.[1]

Am 16. Juni 1981 wurde Hoffmann auf dem Flughafen Frankfurt verhaftet und wegen Geldfälschung, Nötigung, gefährlicher Körperverletzung, Verstößen gegen das Waffen- und Sprengstoffgesetz sowie mehreren Fällen von Freiheitsberaubung angeklagt. 1984 wurde er vom Landgericht Nürnberg-Fürth zu einer Freiheitsstrafe von neun Jahren und sechs Monaten verurteilt, jedoch bereits 1989 wegen guter Führung und „günstiger Sozialprognose” vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen. Die WSG war mittlerweile zum Mythos in der Neonazi-Szene geworden; es existieren beispielsweise T-Shirts mit dem Konterfei des „Chefs”, wie Hoffmann sich selbst in Anlehnung an Ernst Röhm nannte. Er ist auch Autor eines „an Tatsachen orientierten Romans” mit dem Titel Verrat und Treue.

Entwicklung nach 1989

Nach seiner Haftentlassung gründete Hoffmann zusammen mit seiner Ehefrau Franziska Anfang der 1990er Jahre mehrere Bau- und Sanierungsfirmen in Nürnberg und Umgebung. Zu dem Firmenkonglomerat gehörten später bis zu 15 Unternehmen. Mit dem Fall der Mauer in der DDR übersiedelte er nach Kahla, erhielt sein Elternhaus zurück und sanierte bzw. errichtete hier zahlreiche Büros und Wohnungen. Größere Teile der Kahlaer Innenstadt, darunter über ein Dutzend Häuser, kamen in den Besitz des Paares, das zu den größten Investoren in der Kleinstadt zählte. Auch in Nürnberg wurde Immobilieneigentum zum Zwecke der Sanierung erworben. Außerdem betrieb Hoffmann zwei Antiquitätenläden in Nürnberg und München.

Schloss Ermreuth

Eine von Hoffmann betriebene Gaststätte entwickelte sich zum Treffpunkt der lokalen Neonaziszene. Gleichzeitig nahm dieser Kontakt auf zu ehemaligen Mitstreitern, wie dem mittlerweile für die NPD in Sachsen tätigen Ex-WSG-Unterführer Bernd Grett oder dem Ex-WSG-Offizier Anton Pfahler. Geschäftliche Beziehungen unterhielt Hoffmann zeitweilig auch zu Wilhelm Tell, einem Architekten und Chef der Republikaner in Jena. Ab Ende 2000 zog sich Hoffmann zunehmend aus Kahla zurück und übersiedelte zurück nach Schloss Ermreuth bei Neunkirchen am Brand, wo sich bereits das „Hauptquartier” der WSG befunden hatte. Die Firmen in Kahla wurden weitgehend „abgewickelt”. 2004 erwarb er mehrere Immobilien im westsächsischen Kohren-Sahlis, darunter ein ehemaliges Rittergut mit Herrenhaus und Stallungen, in dem ehemals der Schriftsteller Börries von Münchhausen gewohnt hat. Für das Rittergut Sahlis schuf Hoffmann die gemeinnützige Fiduziarische Kulturstiftung Schloss Sahlis, um Fördergelder zur Erhaltung des Kulturdenkmals Schloss Sahlis zu erhalten. Für die Erhaltung und Pflege hat er in den Jahren 2005 bis 2007 rund 130.000 Euro vom Freistaat Sachsen erhalten.[2] Karl-Heinz Hoffmann hält dort Schweine.[3]

2010 erstattete Hoffmann bei den Bamberger Strafverfolgungsbehörden Strafanzeige wegen Verleumdung und übler Nachrede gegen Wikipedia bzw. die Autoren des Wikipedia-Artikels über seine Person. Mangels Vorliegen eines Straftatbestandes wurde im April 2011 die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens durch die Staatsanwaltschaft Bamberg jedoch abgelehnt.[4][5]

Werke

Literatur

  • Rainer Fromm: Die "Wehrsportgruppe Hoffmann": Darstellung, Analyse und Einordnung: ein Beitrag zur Geschichte des deutschen und europäischen Rechtsextremismus. Frankfurt/Main u.a., Lang 1998
  • Andrea Röpke: Ex-WSG-Chef kauft Rittergut, in: Blick nach rechts, Nr. 9/2004.
  • Andrea Röpke und Berny Vogl: Was macht eigentlich...? Karl-Heinz Hoffmann, in: Der rechte Rand. Nr. 84. September/Oktober 2003.
  • Patrick Moreau: Les héritiers du IIIe Reich. L´extreme droite allemande de 1945 à nos jours, Paris. 1994.

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Frank Gutermuth, Wolfgang Schoen (Regie): Gladio - Geheimarmeen in Europa. SWR-Dokumentation, Deutschland 2010, 85 Min.
  2. Kleine Anfrage (Drucksache 5/4674) der sächsischen Landtagsabgeordneten Kerstin Köditz
  3. Quelle: Bayerischer Rundfunk, Report München, abger. 10. August 2011
  4. Entscheidung der Staatsanwaltschaft Bamberg S.1
  5. Entscheidung der Staatsanwaltschaft Bamberg S.2

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