Khotansakische Sprache

Khotansakische Sprache

Sakisch war eine mitteliranische Sprache.

Inhaltsverzeichnis

Verbreitungsgebiet

Sie ist eine erst um 1900 wieder dem Vergessen entrissene ostiranische Sprache, die Sprache der Saken (altpers. Saka-, griech. Σάκαι), die nach Ausweis chinesischer Quellen in Ostturkestan seit mindestens etwa 200 v. Chr. ansässig waren. Dass diese Sprache, die in zwei Dialekten bekannt geworden ist, die nach den Hauptfundgegenden Khotansakisch und Tumschuqsakisch genannt werden, in der Tat das Sakische ist, ergibt sich daraus, dass sich für diese Sprache typische Wörter, Formen und Schreibgepflogenheiten in der Sprache der indischen Sakas oder "Indo-Skythen" und in den Inschriften und Münzlegenden aus dem Nordwest-Indien der Sakaperiode (etwa 1. Jahrhundert v. Chr. bis 3. Jahrhundert n. Chr.) wiederfinden.

Khotansakisch

Material

Sehr reich bezeugt ist das Khotansakische aufgrund umfänglicher Textfunde aus buddhistischen Klöstern und Heiligtümern in dem alten Königreich von Khotan, im weiteren Umkreis um die heutige Stadt Khotan (Hetian) südöstlich von Kaschgar, sowie in der "Höhle der tausend Buddhas" von Dunhuang. Das Reich von Khotan ist nämlich in der zweiten Hälfte des 1. Jahrtausends n. Chr. ein bedeutendes Zentrum des Buddhismus gewesen. Die Bezeichnung dieser Sprache, die offenbar bald nach der türkischen Eroberung zu Anfang des 11. Jahrhunderts untergegangen ist, als "Khotanisch" kann sich darauf stützen, dass sie in den Dokumenten selbst genannt wird. Die Texte, die aus dem 7. bis 10. Jahrhundert n. Chr. stammen befinden sich teils in sog. Pothi-Handschriften, die aus beidseitig beschriebenen und länglichen Blättern bestehen, die mittels einer durch Löcher geführten Schnur zusammengehalten werden, teils auf chinesischen Buchrollen, bei denen die Rückseite chinesischer Texte zur Niederschrift des khotansakischen Textes (wieder)verwendet wurde. Fast sämtliche erhalten gebliebene Texte sind buddhistischen Inhalts, in der Regel Übersetzungen aus dem Sanskrit; und dass zahlreiche, teils sehr umfangreiche Bilinguen mit chinesischem, tibetischem oder Sanskrit-Paralleltext zur Hand sind, erleichtert ihre sprachliche Interpretation oft beträchtlich. Der wichtigste Text dieser Gruppe ist ein der ältesten bezeugten Sprachstufe angehörendes Lehrgedicht, das verschiedene Aspekte des Buddhismus behandelt und buddhistische Legenden erzählt, das nach seinem Auftraggeber benannte "Buch des Zambasta". Im übrigen gibt es eine Reihe von Dokumenten und sonstigen profanen Texten wie medizinischen Traktaten, Briefen und lyrischen Gedichten, sogar ein Reisetagebuch über eine Reise von Khotan nach Srinagar. Nur in geringer Zahl finden sich Holz- und Wandinschriften.

Schrift

Geschrieben sind diese khotansakischen Texte in verschiedenen Varianten der in Zentralasien gebräuchlichen indischen Brahmischrift, die älteren literarischen Texte in einer deutlichen Buchschrift, die späteren Dokumente in einem sehr kursiven Duktus. Dabei musste diese Schrift natürlich den lautlichen Besonderheiten des Khotansakischen angepasst werden.

Tumschuqsakisch

Weit schlechter als das Khotansakische ist das altertümlichere Tumschuqsakische bezeugt, das nur aus einer buddhistischen Handschrift von Tumschuq (nordöstlich von Kaschgar) und einigen in der Nähe gefundenen Urkunden bekannt ist. Dass es der Sprache von Khotan engstens verwandt ist und dass beide nur verschiedene Dialekte ein und derselben Sprache sind, zeigen eine Reihe morphologischer und lexikalischer Gemeinsamkeiten. Das Tumschuqsakische repräsentiert eine archaischere Entwicklungsstufe als das Khotansakische, da es bestimmte jüngere Erscheinungen nicht aufweist.

Literatur

  • Emmerick, R. E. (Ed.): The Book of Zambasta. A Khotanese poem on Buddhism, ed. and translated, London 1968.
  • Emmerick, Ronald E.: Khotanese and Tumsuqese, in: Compendium Linguarum Iranicarum, 204-229, Hrsg. von Rüdiger Schmitt, Wiesbaden 1989.
  • Emmerick, Ronald E.: A Guide to the Literature of Khotan, Tokyo ²1992.
  • Lüders, Heinrich: Die Sakas und die 'nordarische' Sprache, Sitzungsberichte der Preußischen Akademie der Wissenschaften, Berlin, 1913,406-427.

Weblinks


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