Kulturvarietät

Kulturvarietät

Ein Cultivar, auch Kultivar oder Kulturvarietät, ist eine Kulturpflanzen-Sorte, die sich von anderen, verwandten Sorten anhand morphologischer, physiologischer, zytologischer, chemischer oder anderer Merkmale unterscheidet. Das Wort Cultivar ist ein Kofferwort, zusammengesetzt aus „cultivated“ (kultiviert) und „variety“ (Varietät). Wegen seiner Praktikabilität und internationalen Verbreitung wird der Begriff Cultivar zumindest bei den Zierpflanzen immer häufiger alternativ zum Sortenbegriff gebraucht. Er ist außerdem als eine von zwei Rangstufen im Internationalen Code der Nomenklatur der Kulturpflanzen definiert.

Rhus hirta 'Dissecta', ein Gehölz-Cultivar mit geschlitzten Blattfiedern
Dahlia 'Star Elite', eins von hunderten von unterschiedlichen Kaktusdahlien-Cultivaren
Das Cultivar Malus 'Granny Smith' begann seine Karriere als Zufallssämling

Cultivare sind keine Wildpflanzen, sondern in Gartenkultur entstandene oder selektierte Individuen, die merkmalsstabil und untereinander einheitlich sein müssen. Eine einzelne abweichende Pflanze ist also kein Cultivar. Erst wenn ein durch Züchtung, Kreuzung oder gezielte Auswahl gewonnener Genotyp geschlechtlich oder vegetativ identisch vervielfältigt wurde und alle Exemplare ihre typischen Merkmale beibehalten, handelt es sich um ein Cultivar.

Als taxonomische Einheit von Kulturpflanzen ist der Cultivar-Begriff weitgehend unabhängig von den taxonomischen Rangstufen des ICBN; Cultivare können also meist nicht mit Unterarten, Varietäten oder Formen gleichgesetzt werden.


Cultivare können unterschiedlichen Ursprungs sein. Die meisten Kultivare sind entweder

  • aus Wildpopulationen ausgelesene und dann identisch vermehrte Mutanten, etwa schlitzblättrige Biotypen.
Beispiel: Rhus hirta 'Dissecta'
  • in Kultur durch gezielte Zuchtwahl entstandene Sorten.
Beispiel: Papaver orientale 'Sturmfackel'
  • identisch vermehrte Zufallssämlinge aus bekannten oder unbekannten Elternpflanzen.
Beispiel: Malus 'Granny Smith' (Vermutete Eltern: Malus sylvestris und Malus domestica)
  • künstlich erzeugte Hybriden von zwei oder mehreren Arten einer Gattung.
Beispiel: Magnoliasoulangeana 'Picture', Hybride aus Magnolia denudata und M. liliiflora
  • künstlich erzeugte Hybriden aus Vertretern zweier unterschiedlicher Gattungen (Gattungsbastarde).
Beispiel: x Mahoberberis aquisargentii aus Mahonia aquifolium und Berberis sargentiana
  • Chimären, insbesondere Pfropfchimären, d.h. Pflanzen, in denen die Gewebe von unterschiedlichen Genotypen nebeneinander vorkommen.
Beispiel: Laburnocytisus adamii.


Für die Anerkennung neuer Cultivare ist entscheidend, dass es möglich sein muss, sie geschlechtlich oder vegetativ zu vermehren.

Bis in die jüngste Zeit wurde zur Kennzeichnung von Cultivaren die Abkürzung „cv." verwendet. Nach den Nomenklatur-Regeln des ICNCP gilt diese Schreibweise nicht mehr als korrekt. Stattdessen müssen Cultivarnamen in einfache hohe Anführungszeichen hinter den wissenschaftlichen Namen der Art oder Gattung geschrieben werden, zu der sie gehören. Beispiel: Helenium 'Moerheim Beauty'.

Die Kategorien Cultivar und Cultivar-Gruppe (engl.: cultivar-group) sind die beiden einzigen Rangstufen, deren Benutzung durch den ICNCP geregelt wird.

Literatur

  • ISHS (International Society for Horticultural Science) (Hrsg.): International Code of Nomenclature for Cultivated Plants, 7th edition. Acta Horticulturae Bd. 647, 2004, ISBN 90-6605-527-8.

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