Laibarös

Laibarös
Laibarös von Westen mit Kapelle Maria Königin des Friedens

Laibarös ist ein Dorf mit 139 Einwohnern [1] in der Fränkischen Schweiz.

Laibarös gehört zur oberfränkischen Gemeinde Königsfeld im Landkreis Bamberg und liegt etwa 20 Kilometer östlich von Bamberg.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Lage im Landkreis Bamberg und in der Gemeinde Königsfeld

Laibarös liegt etwa 20 Kilometer östlich von Bamberg in Richtung Bayreuth auf dem fränkischen Jura in einer Höhe von 480 Metern über NN.

Nachbarorte sind Tiefenellern (Gemeinde Litzendorf), Neudorf (Stadt Scheßlitz), Poxdorf, Huppendorf, Voitmannsdorf (alle Gemeinde Königsfeld), Hohenpölz, Geisdorf, Herzogenreuth und die Heroldsmühle (alle Markt Heiligenstadt).

Wanderwege

Durch den Ort verlaufen die Jura-Linie des Main-Donau-Wegs, der von Staffelstein nach Regensburg führt, und der Frankenweg. Von Laibarös aus führen diese Wanderwege in südliche Richtung durch das Leinleitertal nach Heiligenstadt, in nördliche Richtung über die Wallfahrtskirche Gügel und die Giechburg nach Scheßlitz.

In Laibarös beginnt das Trockental mit Karstquellen und den Tummlern, das bis zur Heroldsmühle mit großem eisernen Mühlrad führt.

Wasserversorgung

Bis zum Jahr 1958 war Laibarös Wassernotstandsgebiet. Der verkarstete Boden hielt das Wasser nicht auf. So kam es, dass Regenfälle relativ schnell versickerten. In den Sommermonaten kam es oft genug vor, dass der Dorfbrunnen versiegte und die Einwohner des Dorfes aus benachbarten Ortschaften mit Fässern Wasser holen mussten.

Nachdem bei Probebohrungen in 90 Meter Tiefe Wasser gefunden wurde, gründete sich der Wasserzweckverband Poxdorfer Gruppe, der die Ortschaften Huppendorf, Laibarös, Poxdorf, Hohenpölz und Brunn seitdem mit Wasser versorgt.

Geschichte

Alte Karte mit Laibarös

Name

Um das Jahr 700 wanderten von Osten her slawische Siedler, die Wenden, ein. Ein Relikt dieser Zeit sind Orts- und Flurnamen slawischen Ursprungs. Dazu gehören die Dörfer Tiefenpölz, Hohenpölz, Laibarös und Treunitz.

Die Gründung von Laibarös könnte mit der großen Rodungswelle im 10. Jahrhundert zusammengefallen sein. Der Name geht wohl auf den wendischen Namen Ljuborod zurück. Dafür spricht auch die Betonung des Ortsnamens auf der letzten Silbe. Laibarös hieß also wahrscheinlich Ljuboródze (Dorf des Ljuborod). In dem Buch Die Ortsnamen in Europa wird Laibarös von Laub (Wald) und reuth (Rodung) abgeleitet und bedeutete demzufolge Waldrodung; diese Namensdeutung ist jedoch wissenschaftlich nicht belegbar.

Ernst Schwarz gibt das Jahr 1310 für die erste urkundliche Erwähnung des Namens Leuberoz an; außerdem verweist er auf das Lehnsbuch des Bischofs Albrecht von Wertheim, in dem im Jahre 1409 der Name Lewbroz erscheint.

Wäre Laibarös erst nach dem Jahre 1000 entstanden, hätte es keinen wendischen Namen mehr bekommen. Im Jahre 1007 gründete nämlich Kaiser Heinrich das Bistum Bamberg, um die Wenden zu bekehren. Im Zuge der Christianisierung wurde die wendische Sprache immer mehr zurückgedrängt. Spätestens ab dem 12. Jahrhundertscheint es keine Wenden mehr in der Region gegeben zu haben.

Speculum Orbis Terrae

Bemerkenswert sind die Frankenkarte des Cornelius de Jode aus dem Speculum Orbis Terrae, einem Atlas, der dem Bischof Neidhard von Thüngen gewidmet ist, und der Kupferstich Franciae Orientalis Descriptio des Sebastian von Rotenhan aus der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts, in denen Leibroß bzw. Leibros, aber keine einzige der umliegenden Ortschaften – nicht einmal Königsfeld – dargestellt ist. Diese Karten dienten anscheinend über hundert Jahre als Vorlage für weitere Landkarten von Franken, z. B. für die 1626 in Amsterdam erschienene Frankenkarte Nova Franconiae Descriptio von Joannes Janssonius.

Bauernaufstand von 1525

Zins und Fron führten zum Bauernaufstand des Jahres 1525. Diese Bedrängnis führte zu reformatorischen Bestrebungen in der Kirche. So forderten die Dörfer Königsfeld, Voitmannsdorf, Hohenpölz und Laibarös am 8. Mai 1525:

  1. das Wort Gottes lauter und klar zu predigen
  2. den Bamberger Fürsten alleine nach Gott als einen Herrn zu haben
  3. das fließende Wasser solle frei sein
  4. aus dem Wald Bau- und Brennholz holen und zu gebräuchlicher Zeit darinnen weiden zu dürfen
  5. alles Wild und Vögel sollten frei sein
  6. weder Fronsteuer noch Zoll zu geben
  7. vom Getreide nur noch das 30. Band als Zehnt geben zu müssen
  8. den kleinen Zehnt, lebendig und tot, ganz abzuschaffen
  9. Erbzins und Gült billiger zu machen nach Wert und Vermögen der Güter
  10. den Handlohn abzuschaffen
  11. den Beschwerden wegen der Schaftriebe nachzugehen, damit die Dörfer ihr Vieh halten können
  12. ihre Pfarrer selbst annehmen zu können, jeder Pfarrer müsse gelehrt sein [2]

Zugehörigkeit

Im Mittelalter scheint Laibarös den Herren von Aufseß gehört zu haben, von denen es an die Andechs-Meranier kam und von diesen an die Grafen von Truhendingen, ehe es an das Hochstift Bamberg überging.

In der geographischen Beschreibung des Erzbistums Bamberg aus dem Jahr 1833 heißt es:

"Laibarös, Dorf mit 26 Häusern und 144 Seelen, 1 Stunde südwestlich von Königsfeld, im Landgericht Hollfeld und Patrimonialgericht Burggrub." [3]

Politisch gehört Laibarös zur Gemeinde Königsfeld, wohin es auch seit Jahrhunderten pfarrt. Zur Kirche gehen die katholischen Bewohner aber in die St.- Laurentius-und-Heinrich-Kirche im benachbarten Hohenpölz, wo sich auch der gemeinsame Friedhof befindet.

Nach der Auflösung des Hochstifts im Jahr 1802 wurde Hollfeld Sitz eines bayerischen Landgerichtes. Dadurch kam Laibarös in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zum Bezirksamt Ebermannstadt. Später gehörte es dem Landkreis Ebermannstadt an und war zusammen mit Poxdorf eine eigenständige Gemeinde, ehe es im Rahmen der Gebietsreform in Bayern in den 1970er-Jahren in Königsfeld eingemeindet wurde und zum Landkreis Bamberg kam.

Die schulpflichtigen Kinder des Dorfes gingen bis 1966 zu Fuß in die einklassige Volksschule Hohenpölz, einer typischen Zwergschule mit einem einzigen Lehrer für acht Schulklassen in zwei Unterrichtsräumen.

Von 1966 an wurden die Schulkinder mit dem Schulbus in verschiedene Schulorte der Verbandsschule Königsfeld gefahren. Schulstandorte waren Königsfeld, Poxdorf, Hohenpölz, Treunitz und eine Zeit lang auch Drosendorf an der Aufseß. In Königsfeld gibt es weiterhin die Grund- und die Hauptschule, weiterführende Schulen in Hollfeld, Landkreis Bayreuth.

Kapelle

Wahrzeichen des Dorfes ist die 1950 eingeweihte Kapelle Maria Königin des Friedens, deren Bau im Jahr 1947 von Kriegsheimkehrern in Angriff genommen wurde. Sie steht auf einer Anhöhe am Ortsrand und fällt durch ihre Kalksteinfassade ins Auge.

Brauchtum

Kinder beim Ratschen in der Karwoche

In dem fast ausschließlich katholischen Dorf hat sich manches, meist religiös motiviertes Brauchtum erhalten.

Osterbrunnen

Der Brauch des Osterbrunnenschmückens war nahezu in Vergessenheit geraten, bevor ihn Dr. Reinhard Reinhard in Heiligenstadt wieder belebte.

Ratschen

In der Karwoche ziehen die Kinder mit Ratschen durch das Dorf, um zu den Gebetszeiten die Kirchenglocken zu ersetzen, die in diesem Zeitraum schweigen.

Kirchweih

Zweimal im Jahr findet die Kirchweih statt, zum Patronatsfest der Kapelle Maria Friedenskönigin im Mai und im Juli zur Erinnerung an die Einweihung der Kirche im Jahr 1949.

Johannisfeuer

Der Brauch des Johannisfeuers steht in einer langen Tradition. An Johanni ziehen die Kinder durch das Dorf, um Brennmaterial für das Feuer zu sammeln, das am Abend auf einer Anhöhe angezündet wird.

Pfeffern

Am 28. Dezember, dem Tag der unschuldigen Kinder, ziehen die Jungen mit Weidenruten zum Pfeffern der Frauen und Mädchen durch das Dorf. Am 1. Januar sind die Mädchen an der Reihe.

Gügelwallfahrt

Einmal im Jahr wallfahren die Laibaröser zum Gügel, um des großen Wolkenbruchs im Jahr 1791 zu gedenken. Über diese Naturkatastrophe notierte der Schultheiß Johann Dorsch aus dem an der Leinleiter gelegenen Ort Traindorf:

„Am 18. August 1791 entstand bei Lindach und Laibarös ein großer Wasserguß mit Kieseln und Regen, daß von Lindach 225 Stück Schafe von der Flut mitweg geführt worden, und was noch für Früchte auf selbigen Fluren gestanden sind geschlagen und verdorben gewesen. So kommt dann das Gewässer herunter nach Oberleinleiter, wo es vielen Schaden mit sich brachte. Es riß erstlich 2 Scheunen ein und führte sie von ihrer Stelle, daß man nicht sah, wo sie gestanden und viele Häuser sind dadurch beschädigt und ein-gestürzt worden. Die Mühle aber zu Oberleinleiter führte es gänzlich mit weg. ... Ein so großes Wasser ist bei Mannsgedenken bei uns nicht gesehen worden... [4]

Einzelnachweise

  1. Fränkischer Tag, 1. April 2009
  2. Zöberlein: „Gemeindechronik Markt Heiligenstadt i. OFr.“
  3. Zöberlein: „Gemeindechronik Markt Heiligenstadt i. OFr.“
  4. Zöberlein: „Gemeindechronik Markt Heiligenstadt i. OFr.“

Literatur

  • Dieter Zöberlein: Gemeindechronik Markt Heiligenstadt i. OFr. Herausgegeben anlässlich der Feier des 450-jährigen Jubiläums der Verleihung des Marktrechtes an Heiligenstadt i. OFr. – Heiligenstadt: 1995 (Seite 291)

Weblinks

 Commons: Laibarös – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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