Limeskastell Pförring

Limeskastell Pförring
Kastell Pförring
Alternativname Celeusum
ORL 75
Limesabschnitt Rätischer Limes,
Strecke 15
Datierung (Belegung) Anfang des 2. Jahrhunderts
bis um 233 n. Chr. (?)
Typ Alenkastell
Einheit Ala I Flavia singularium civium Romanorum pia fidelis
Größe ca. 194 × 201 m = 3,9 ha
Bauweise a) Holz-Erde
b) Steinkastell
Erhaltungszustand deutlich erkennbare Wälle
Ort Pförring
Geographische Lage 48° 49′ 6,5″ N, 11° 40′ 56,5″ O48.81847222222211.682361111111370Koordinaten: 48° 49′ 6,5″ N, 11° 40′ 56,5″ O
Höhe 370 m ü. NHN
Vorhergehend Kastell Kösching (westlich)
Anschließend Kastell Unterfeld (östlich)
Kastell Eining (östlich)

Das ehemalige römische Kastell Pförring (antiker Name Castrum Celeusum) liegt heute rund 900 m nördlich in der Flur vor dem bayerischen Markt Pförring im Landkreis Eichstätt und wurde als Standort einer berittenen römischen Einheit zur Sicherung des Donauüberganges errichtet. Dieser Übergang findet im Nibelungenlied als ze Vergen Erwähnung.[1]

Inhaltsverzeichnis

Lage und Forschungsgeschichte

Der ehemalige Kastellplatz, auch als Biburg bekannt, liegt auf einem fast quadratischen Plateau und hebt sich mit seinen Böschungen deutlich in der Landschaft ab. Angepflanzte Bäume und Büsche deuten zusätzlich die ehemalige Umwehrung an. Neben der Porta Praetoria, dem Nordwesttor dieses Lagers, befindet sich heute ein alter baumumstandener Bierkeller. Im Süden liegt die Donauniederung, im Westen fließt der Kelsbach vorbei, der in seinem Namen noch an den antiken Ort erinnert.

Bereits im 16. Jahrhundert wurden Gelehrte auf die Biburg aufmerksam. So war bereits Johannes Aventinus (1477–1534) ein heute in München aufbewahrter Weihestein bekannt, der neben der keltischen Pferdegöttin Epona auch die Campestres nennt, die von den römischen Legionären als Göttinnen des Exerzierplatzes angesehen wurden.

In der Neuzeit gruben auch Laien im Areal, wie der Gastwirt Ignaz Busch, der 1843 die Bauinschrift an der Porta Decumana entdeckte. Doch erst durch die Reichs-Limes-Kommission fanden genauere Grabungen statt. Der rund 194 × 201 Meter große Kastellplatz orientierte sich mit seiner Breitseite nach Nordwesten in die Richtung des antiken Straßenverlaufes. Die Ausgräber stellten einen umlaufenden, an den vier Toren aussetzenden Doppelspitzgraben fest, sondierten die Lage der vier Ecktürme und Tore und nahmen dann die Principia (Stabsgebäude) in näheren Augenschein. Insgesamt blieben aber auch die Principia bis auf das Fahnenheiligtum (Sacellum oder Aedes) weitgehend unerforscht.

Der Fund tönerner Schleudergeschosse erlaubt einen Einblick in die zusätzliche Bewaffnung der Truppe.

Der Kastellplatz wird heute noch landwirtschaftlich genutzt. In seinem Innern haben seit 1893 keine Grabungen mehr stattgefunden.

Baugeschichte

Die Besatzung wird wohl durchgehend die in dem am 30. Juni 107 in Weißenburg ausgestellten Militärdiplom genannte Ala I Flavia singularium civium Romanorum pia fidelis gewesen sein. Sie soll zu Beginn des 2. Jahrhunderts das erste Holz-Erde-Kastell errichtet haben. Diverse Funde, vor allem Terra Sigillata, konnten in diese Zeit datiert werden.

Aufgrund der Bauinschrift ist bekannt, dass die Ala das Kastell im Jahr 141 in Stein ausgebaut hat. Die Reichs-Limes-Kommission konnte feststellen, dass die Wehrmauer aus Kalkstein gut 1 m stark gewesen ist und ein hölzerner Wehrgang im Inneren bestand. Zwischentürme wurden nicht entdeckt. Die Rundbögen der vier Doppeltore hatten die Erbauer aus vulkanischem Tuffstein gehauen. Aus den Überresten der Tore selbst konnte ersehen werden, dass sie aus 16 cm starken eisenbeschlagenen Bohlen bestanden hatten.[2]

Man nimmt an, dass Kaiser Caracalla 213 das Lager besucht hat. Darauf weisen die Überreste einer Kalksteinplatte hin, auf der ursprünglich 9 cm hohe vergoldete Buchstaben aus Bronzeblech befestigt waren. Diese Platte wird als Teil einer Ehreninschrift für den Kaiser angesehen.[3]

Das Ende des Lagers wird im Alamannensturm des Jahres 233 gesehen. Ein leider unvollständiger Schatzfund endet mit einer Münze aus der Regierungszeit des Kaisers Severus Alexander (222–235), doch könnte das Ende auch wesentlich später gekommen sein.

Gemeinsam mit dem Kastell entstand um 80 n. Chr. eine Römerstraße, die sich bis heute westlich von Pförring bis Kösching sehr gut verfolgen lässt.

Kastelbad

Das 150 Meter südöstlich des Kastells gelegene, mit Fresken ausgestattete Bad, wurde bereits 1823 zerstört.[3]

Vicus, Tempel und Gräber

Wie der Kastellplatz ist auch das Gelände des Lagerdorfes bis heute unbebaut. Nach älteren Grabungen wurde speziell beim Bau der Umgehungsstraße 1978 ein Teil des westlich vom Kastell gelegenen Lagerdorfes (vicus) mit seinen diversen Steinbauten untersucht.[4] Zusammenfassend konnte festgestellt werden, dass die aufgefundenen großen und repräsentativen Gebäude in ihrer Zahl und in ihrem Umfang den Eininger Befund deutlich übertreffen,[5] was auf die Größe und Wichtigkeit von Pförring schließen lässt.

Durch die anhaltende regelmäßige landwirtschaftliche Nutzung wurden in der Vergangenheit auch immer wieder Brandgräber, die sich unter anderem im Norden an das Kastell anschließen, angeackert. Rund 300 Meter östlich der militärischen Anlage, bereits außerhalb des Vicus, lag beiderseits der Straße nach Castra Abusina (Eining) ein weiteres zu Pförring gehörendes Gräberfeld. Die auf diesem Platz gemachten Grabfunde lassen auf einen hohen Lebensstandard der Vicusbewohner schließen. 1979 konnte nahe der Römerstraße mithilfe der Luftbildarchäologie das Fundament eines Grabturmes angesprochen werden. Grabtürme sind ebenfalls als Monumente des gesellschaftlichen Ansehens und Wohlstands einer Familie anzusehen.[5]

Bei den bisherigen Ausgrabungen wurde in einem Tempel Silbergeschirr geborgen und eine Töpferei aufgedeckt. Nahebei konnten frühgeschichtliche Gräber beobachtet werden. Bekannt sind neben der Bauinschrift in der Mauer des Kirchhofs von Pförring auch zwei Grabsteine und ein Steinrelief, das Romulus und Remus darstellt. Alle drei Stücke befinden sich heute an der Sebalduskapelle bei der Pfarrkirche. Die übrigen Funde wurden in die Archäologische Staatssammlung nach München und zum ur- und frühgeschichtlichen Museum Eichstätt verbracht.[1]

Vorgeschichtliche Befestigung

Rund 400 m nordwestlich des Kastells lag an einem sanft nach Westen abfallenden Lößhang eine rund 60 × 60 m große vorgeschichtliche Befestigungsanlage, die von drei Parallelgräben umgeben war. Anhand von Luftbildern nimmt man an, dass sie als Spitzgräben ausgeführt worden sind. Die Forschung geht davon aus, dass das Werk wohl aus der Hallstattzeit stammt und zum Typus der damaligen befestigten Herrenhöfe gehörte. In römischer Zeit wurden auf dem inzwischen völlig eingeebneten Untergrund einer Grabenecke zwei hintereinander liegende Steingebäude ausgeführt, von denen das eine fast quadratische Formen aufweist, während das andere eine längliche Form mit mindestens zwei deutlich getrennten Räumen besitzt. Wahrscheinlich gehörten diese Gebäude noch zum Vicus des Kastells. Zerfurchungen, welche die vorgeschichtliche Anlage ebenfalls am Rand stören, könnten für Lehmgruben einer naheliegenden römischen Ziegelei oder Töpferei sprechen.[6]

Pförring im Nibelungenlied

Das Nibelungenlied erwähnt den Donauübergang beim Kastell als ze Vergen (bei den Fährleuten). Danach kommen die Burgunderfürsten Giselher und Gunther, die ihre Schwester Kriemhild auf ihrer Brautfahrt zu König Etzel begleiten, über die Römerstraße am alten Kastellplatz vorbei zum Fluss.[2]

Denkmalschutz

Das Kastell Pförring und der Vicus sind Bodendenkmale nach dem Bayerischen Denkmalschutzgesetz (BayDSchG). Nachforschungen und gezieltes Sammeln von Funden sind genehmigungspflichtig, Zufallsfunde an die Denkmalbehörden zu melden.

Siehe auch

Literatur

  • Dietwulf Baatz: Der Römische Limes. Archäologische Ausflüge zwischen Rhein und Donau. 4. Auflage, Gebr. Mann, Berlin 2000, ISBN 3-786-12347-0, S. 321ff.
  • Karlheinz Dietz in: Wolfgang Czysz u.a.: Die Römer in Bayern. Nikol, Hamburg 2005, ISBN 3-937872-11-6, S. 499f.
  • Joseph Fink: Das Kastell Pfoerring. In: Ernst Fabricius, Friedrich Hettner, Oscar von Sarwey (Hrsg.): Der obergermanisch-raetische Limes des Römerreiches. Berlin und Leipzig 1902, B VII Nr. 75.
  • Günter Ulbert, Thomas Fischer: Der Limes in Bayern. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1983, ISBN 3-8062-0-351-2.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. a b Walter E. Keller, Walter Grabert: Die Römer am Limes. 5. überarbeitete Auflage, Verlag Walter E. Keller, Treuchtlingen 1998, ISBN 3-924828-49-0, S. 85.
  2. a b Britta Rabold, Egon Schallmayer, Andreas Thiel: Der Limes. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 2000, ISBN 3-8062-1461-1, S. 134.
  3. a b Walter Sölter (Hrsg.): Das römische Germanien aus der Luft. 2. Auflage, Gustav Lübbe Verlag, Bergisch Gladbach 1983, ISBN 3-7857-0298-1, S. 42.
  4. Walter Sölter (Hrsg.): Das römische Germanien aus der Luft. 2. Auflage, Gustav Lübbe Verlag, Bergisch Gladbach 1983, ISBN 3-7857-0298-1, S. 240.
  5. a b Rainer Christlein, Otto Braasch: Das unterirdische Bayern. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1998, ISBN 3-8062-0855-7, S. 240.
  6. Rainer Christlein, Otto Braasch: Das unterirdische Bayern. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1998, ISBN 3-8062-0855-7, S. 138.

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