Anton Premerstein

Anton Premerstein

Anton Ritter von Premerstein (* 6. April 1869 in Laibach; † 6. Februar 1935 in Marburg) war ein österreichischer Althistoriker, Epigraphiker und Papyrologe.

Premerstein schloss sein altertumswissenschaftliches und juristisches Studium jeweils mit der Promotion ab und erhielt 1895 eine Anstellung an der Hofbibliothek. 1899 konnte er sich an der Universität Wien habilitieren. 1912 übernahm er den althistorischen Lehrstuhl an der Universität Prag. Der Erste Weltkrieg unterbrach seine wissenschaftliche Laufbahn. Er arbeitete zunächst für das Österreichische Rote Kreuz und wurde 1916 Referent für die Kriegsgefangenenfürsorge an der Österreichischen Gesandtschaft in Bern. 1916 nahm er einen Ruf an die Universität Marburg an, wo er bis zu seinem Tod wirkte.

Unter den zahlreichen Arbeiten kommt seinen Forschungen zum sogenannten Tatenbericht des Augustus besondere Bedeutung zu. Premerstein gelang es, das größte, zunächst noch nicht eingereihte inschriftliche Fragment der Funde in Antiochia in Pisidien von William Mitchell Ramsay aus den Jahren 1914 und 1924 dem zentralen 34. Kapitel des Tatenberichtes zuzuweisen. An Stelle von Theodor Mommsens Textrekonstruktionshypothese [... praestiti omnibus dignitate ...] setzte Premerstein die Formel [a]uctoritate [omnibus praestiti] und erschloss somit den auctoritas-Begriff als Kernpunkt der Stilisierung des Prinzipats durch Augustus.

Ebenso große Bedeutung hat Premersteins postum erschienene Hauptwerk Vom Wesen und Werden des Prinzipats, das von seinem Schüler Hans Volkmann aus dem Nachlass herausgegeben wurde. Das Werk geht auf Forschungen von anderthalb Jahrzehnten zurück und knüpft in seinem auctoritas-Teil direkt an die Antiochenum-Untersuchung an. Daneben griff es Fragestellungen der Arbeiten von Friedrich Münzer und Matthias Gelzer auf, in denen es vor allem um die prosopographischen Strukturen und die sozialen Grundlagen insbesondere der römischen Nobilität gegangen war.

Werke (Auswahl)

als Autor
  • Vom Werden und Wesen des Prinzipats. New York 1964.
  • Das Attentat der Konsulare auf Hadrian im Jahre 118 nach Christus. Aalen 1963.
  • Die fünf neugefundenen Edikte des Augustus aus Kyrene. Weimar 1928.
  • Zu den sogenannten alexandrinischen Märtyrerakten. Leipzig 1923.
als Herausgeber
  • zusammen mit William Mitchell Ramsay: Monumentum Antiochenum: Die neugefundene Aufzeichnung des „Res gestae divi Augusti“ im pisidischen Antiochia. Aalen 1963.

Literatur

  • Karl Christ: Klios Wandlungen: die deutsche Althistorie vom Neuhumanismus bis zur Gegenwart. München 2006, ISBN 3-406-54181-X, S. 42–44.
  • Karl Christ: Römische Geschichte und deutsche Geschichtswissenschaft. München 1982, ISBN 3-406-08887-2, S. 148–150.

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