MDR Sputnik

MDR Sputnik
MDR Sputnik
Logo von MDR Sputnik
Allgemeine Informationen
Empfang UKW, DAB, Kabel, Satellit und Livestream
Sendegebiet Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen
Sendeanstalt Mitteldeutscher Rundfunk
Intendant Udo Reiter
Sendestart 1. Mai 1993
Rechtsform Öffentlich-rechtlich
Liste der Hörfunksender
Sitz des Senders in Halle (Saale)

MDR Sputnik (Eigenschreibweise: MDR SPUTNIK[1]) ist das werbefreie Jugendradio des Mitteldeutschen Rundfunks mit halbstündigen Nachrichten. Programmchef ist seit Februar 2011 Reinhard Bärenz[2]. Der Senderclaim lautet Einfach die beste Musik. Und null Werbung.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte und Empfang

Frühere Logos von MDR Sputnik

Die Wurzeln von Sputnik liegen im „Jugendradio DT64“ des Rundfunks der DDR. Mit der Abwicklung des zentralen DDR-Rundfunks durch das Rundfunküberleitungsgesetz[3] drohte Ende 1991 auch die komplette Abschaltung des beliebten Jugendradios. Die Hörer kämpften mit einer Reihe von Protestaktionen für dessen Erhalt. Der Mitteldeutsche Rundfunk erklärte sich zunächst bereit, die Ausstrahlung des DT64-Programms für das erste Halbjahr 1992 auf den bisherigen Frequenzen in seinem zukünftigen Sendegebiet weiterzuführen. In anderen Teilen des DT64-Empfangsgebiets wurde die Ausstrahlung entweder mit Jahresende 1991 sofort eingestellt oder lief zugunsten des Aufbaus neuer Programme schrittweise aus.

Zum 1. Juli zog das Programm mit dem Ende der UKW-Ausstrahlung auf eine freie MDR-Mittelwellenfrequenz (1044 kHz vom Sender Wilsdruff mit 250 Kilowatt Sendeleistung) um.

Seit 1. März 1993 mit der Aufschaltung des MDR Fernsehens auf Astra 1B ist das Programm über Unterträgerverfahren auch via Satellit zu empfangen. Zum 1. Mai 1993 wurde das Programm in MDR Sputnik umbenannt, um die Stellung des Senders als erstes und damals einziges MDR-Satellitenhörfunkprogramm zu unterstreichen. Der Namensvorschlag stammte vom damaligen sächsischen Ministerpräsidenten Kurt Biedenkopf. Der Herkunftszusatz „MDR“ verschwand jedoch sukzessive in den nächsten Jahren wieder.

Ab Juli 1993, mit der Umstellung der Mittelwellenfrequenz auf MDR Info, war das Programm nur noch über Satellit zu empfangen. Im November 1993 zog Sputnik von Berlin nach Halle (Saale) in ein eigenes Funkhaus am Waisenhausring um. Das Programm konnte neben der Abstrahlung über den Satelliten Astra auch digital über das DSR-Paket der Satelliten TV-Sat 2 und Kopernikus empfangen werden.

Am 15. Februar 1994 wählten die Leser des Dresdner Magazins SAX Sputnik zum beliebtesten Radiosender des Jahres 1993. Am 7. Dezember 1994 scheiterte der Versuch von fünf kommerziellen Radiosendern, die Ausstrahlung von Sputnik gerichtlich einstellen zu lassen. Der später mehrfach prämierte Webauftritt von Sputnik ging am 13. Mai 1995 online. Vom 22. September 1995 bis 30. September ging Sputnik mit dem Speisewagen Erich Honeckers auf Konzerttour in 17 Bahnhöfe Deutschlands. In Mitteldeutschland war Sputnik im Jahr 1996 vorübergehend über Digital Audio Broadcasting zu empfangen.

Am 12. Februar 1997 erhielt Sputnik von der Staatskanzlei des Landes Sachsen-Anhalt die UKW-Frequenz 104,4 MHz (Petersberg) zur terrestrischen Ausstrahlung in und um Halle mit Reichweite bis nach Leipzig. Seit dem 15. September 1997 ist Sputnik dort zu empfangen. Später kamen im Bundesland Sachsen-Anhalt noch UKW-Frequenzen in Fleetmark, Jerichow, Klötze, Magdeburg, Naumburg, Stendal und Zeitz hinzu.[4] Am 21. Oktober 1998 wies das Bundesverwaltungsgericht eine Klage Sachsens in letzter Instanz ab. Sachsen hatte gegen die Ausstrahlung Sputniks auf UKW als einen Verstoß gegen den MDR-Staatsvertrag geklagt. Seit dem 30. August 1999 sendet Sputnik aus dem neuen MDR-Funkhaus in der Gerberstraße in Halle.

Trotz leichten, aber stetigen Anstiegs von Hörerzahlen (lt. Media-Analyse) änderte der Sender am 4. Dezember 2006 sein Programmschema und legte wieder mehr Wert auf das Radio als Informationsmedium für ein weiterhin junges Publikum. Gleichzeitig erweiterte Sputnik sein Onlineangebot um eine Web2.0-Community-Plattform, die im Dezember 2006 unter dem Namen „mySPUTNIK“ online ging und seit Dezember 2007 mit den gleichen Angeboten der Sender You FM (Hessen) und Fritz (Berlin/Brandenburg) vernetzt ist. Bei einer weiteren Programmreform im Sommer 2010 näherte man das Programm erneut dem Mainstream an. Außerdem wurde der Informationsgehalt des Programms wieder heruntergefahren. Begründet wurde dies mit zu geringen Hörerzahlen des vorhergehenden, alternativen Programmformats.[5]

Programm

Sputnik übernahm anfangs das letzte Programmschema von DT64 mit Sendungen wie Morgenrock, Take Five, Rush Hour, Schlafstörung und Formaten wie Grenzpunkt Null, Deutschland im Stau und Dr Kaos, die damals Kultstatus genossen. Im Zuge des Ausbaus zum Formatradio wurde das Programmschema Ende der Neunziger und auch in den Jahren danach stark vereinfacht. Die Formatradiokonzeption erreichte ihren Höhepunkt mit dem Slogan „Black, Hot and Sexy“. Das Programmschema bestand tagsüber zeitweise nur noch aus vier Sendungen, die sich kaum unterschieden: Fett geweckt, Der Tag, Die Nacht, Schlafstörung. Auch die Verbindung zum Mutterhaus MDR wurde wenig propagiert. So hieß der Sender offiziell nur noch Sputnik, das MDR-Signet entfiel. Seit dem 4. Dezember 2006 hat Sputnik einen eigenen Programmchef, sendet wieder ein mehr wortbasierendes Programm (Wortanteil: 25 Prozent[6]) und heißt offiziell wieder MDR Sputnik. Sendungen werden in einem wöchentlichen Schema ausgestrahlt. Hier die wichtigsten:

Tagesprogramm

  • Die SPUTNIKer am Morgen, Morgensendung mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten und Doppelmoderation
    (Mo–Fr von 6 bis 10 Uhr, Sa von 6 bis 11 Uhr)
  • Dein Tag, Vormittagsprogramm
    (Mo–Fr von 10 bis 14 Uhr, Sa von 11 bis 16 Uhr)
  • mySPUTNIK, Nachmittagsprogramm (Einzelmoderation, zum Teil mit Sidekick), mit sozialem Schwerpunkt in Anlehnung an die mySPUTNIK-Internet-Community und Nachrichten zur halben Stunde
    (So–Fr von 14 bis 18 Uhr)
  • TagesUpdate, aktuelles Nachrichtenmagazin und Hintergründe.
    (Mo–Fr von 18 bis 19 Uhr)
  • Buntfunk, Hybride Sonntagssendung mit interaktiver Hörerbeteiligung, die u.a. auch über Videolivestream gesendet wird (So von 18 bis 22 Uhr)

Eingestellt:

  • Das Sputnikfest der Wunschmusik, sonntägliche Sendung mit Musikwünschen und Hörergrüßen
  • Party, sendet jetzt als Gästeliste
  • mySPUTNIK am Sonntag, Sonntagsadaption des Formats mySPUTNIK, zugunsten von Buntfunk im April 2010 eingestellt
  • Update, aktuelles Nachrichtenmagazin und englische Nachrichten um 18.30 Uhr.
    (Mo–Fr von 18 bis 19 Uhr), eingestellt Mitte August 2010, ersetzt durch TagesUpdate
  • 360 Grad, Weltmagazin mit Auslandsreportagen, Schaltungen zu Korrespondenten, Berichten über Ausländer in Deutschland und Deutsche im Ausland, Berichten über Reiseziele und Bands im Ausland.
    (Sa von 10 bis 14 Uhr), eingestellt am 14. August 2010
  • Live, einstündiges Magazin für Livemusik (Konzerte, Festivals, Unplugged-Sessions)
    (So von 18 bis 19 Uhr)

Nachtprogramm

  • Popkult, Kulturmagazin mit neuer Musik, Literatur, Kino, Gesprächen, Lifestyle, Themenwochen und gedrucktem Begleitheft (Mo–Fr von 19 bis 22 Uhr)
  • Musikspezialsendungen (tägl. von 22 bis 23 Uhr, So von 23 bis 1 Uhr)
    • Mo: Makossa, Welt-Clubmusikmagazin (bestand bereits zu DT64-Zeit)
    • Di: Soundcheck, Sendung zu Nachwuchsbands der mySPUTNIK.de-Plattform
    • Mi: Roboton, Sendung zu elektronischer Musik (ganze Bandbreite)
    • Do: Rock It, Format zu Rockmusik
    • Fr: Black Beatz - der Mix, Format zur urbanen Musik
    • Sa: Resident (ab 22 Uhr), anschl. Boris Dlugosch - der Mix Gastmixsendung und Sendung für elektronische Musik mit Boris Dlugosch
    • So: Insomnia, von leiser und melancholischer Musik geprägte Sendung. Zwischen den Titeln sind Ausschnitte aus Filmdialogen zu hören. (ähnlich dem früheren Format Grenzpunkt Null)

Nächtliche Wortsendungen

  • Lateline, gemeinschaftlicher, deutschlandweiter Nachttalk der jungen ARD-Radios (Mo–Do von 23 bis 1 Uhr)
  • Hörerlebnis, Hörbuchsendung (So von 22 bis 23 Uhr)

Eingestellt:

  • Deine Nacht Nachtradio mit Hörertalk, Mitmachthrillern und Hörspielen
    (Mo–Fr von 22 bis 2 Uhr), eingestellt im Mai 2008
  • Generation Pop Magazin zum Soundtrack des Lebens, in dem Hörer ihre Erlebnisse mit Popmusik präsentierten
    (Mi von 22 bis 23 Uhr), (eingestellt im Mai 2009)
  • Hörerlebnis (werktags), Zugunsten der Lateline im April 2010 eingestellte viertelstündige Hörbuchsendung, jetzt sonntags

Musik

Wie sein Vorgänger DT64 spielte Sputnik Anfang der Neunziger eine breite Palette an zeitgeistlicher Rock- und Popmusik. Mit der Umgestaltung zum Formatradio Ende der Neunziger änderte sich die Musikauswahl nach und nach in aktuelle Charthits in enger Rotation mit vorzugsweise R'n'B und positionierte sich als sogenanntes Contemporary Hit Radio. Mit der erneuten Umgestaltung der Senderausrichtung im Dezember 2006 wurde die Musikbandbreite im Programm stark erweitert. Unter anderem wurden Musikspezialsendungen am Abend eingeführt, darunter auch von früher bekannte Formate. Der anfänglich weiterhin bestehende R'n'B- und Rap-Anteil ist inzwischen stark zurückgegangen. So spielt der Sender tagsüber vor allem Rock, Pop und Elektropop mit alternativer Richtung.

Durch den Soundcheck auf der mySputnik-Plattform ist eine enge Zusammenarbeit mit der deutschen und österreichischen Musikszene möglich. So werden auch junge, unbekannte Bands und auch Musikgruppen ohne Plattenvertrag im Tagesprogramm gespielt.

Zweisprachigkeit

Von Dezember 2006 bis August 2010 sendete MDR Sputnik die Nachrichten auch in englischer Sprache. Vorerst zwei- und dreimal täglich von montags bis freitags, wurden die Nachrichten seit 2009 zur halben Stunde zwischen 13.30 Uhr und 18.30 Uhr in englischer Sprache präsentiert. Anders als beim Jugendradio FM4 des ORF war dies nicht lizenzrechtlich bedingt, sondern wurde vom Sender durch die besonders für junge Menschen weltweite Relevanz der englischen Sprache begründet. Die Nachrichten wurden von Muttersprachlern britischer und US-amerikanischer Herkunft gesprochen. Weiterhin bediente sich MDR Sputnik zumeist des Native-Speaker-Prinzips. Englischsprachige Töne wurden nicht bzw. erst nachher zusammenfassend übersetzt.

Moderatoren

Über den Sender hinaus bekannte Moderatoren und Redakteure sind u. a.:

Zu den ehemaligen Moderatoren von Sputnik zählen u. a. Jan Hahn, Tobias Kluge, Stephan Michme und Alex Buchwald.

Weitere Audio-Streams

Neben dem aktuellen On-Air-Programm bietet Sputnik genrespezifische Audio-Streams mit programmbegleitender Club-, Rock- und Black-Musik an. Die Inhalte dieser Audio-Streams stammen aus den On-Air-Spezialsendungen und werden in wöchentlichen Intervallen neu erstellt. Weiterhin sind die jeweils aktuellen Ausgaben der Sendungen „Insomnia“, „Soundcheck“, „Makossa“ und „Popkult“ in einer Dauerschleife als Stream zu hören.

Preise und Auszeichnungen

Im Jahr 2002 wurde die Sputnik-Internetpräsenz mit dem NEO-Award als beste Radio-Website, am 26. Februar 2003 mit dem LEAD-AWARD als bestes Entertainment-Magazin des Jahres 2002, 2003 mit dem Deutschen Dance Award und mit dem Online Music Award (Best Media Music Page) geehrt.

Sputnik Springbreak

Das Springbreak Festival ist ein von MDR Sputnik jährlich zu Pfingsten präsentiertes Musikfestival. Es ging 2008 aus den Sputnik Turntable Days hervor.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Informationen zum Sender auf mdr.de
  2. Artikel auf Berlin Online: Auf den Mainstream geschwenkt
  3. Gesetzestext
  4. MDR: Sputnik-Frequenzen
  5. Artikel auf jetzt.sueddeutsche.de: Kein Bullshit am Ende: Die Proteste gegen die Sputnik-Programmreform
  6. SPUTNIK Nexel Level: Bilanz eines Experiments
  7. Sissy Metzschke bei skillsside.de

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