Marcus Cicero

Marcus Cicero
Cicero

Marcus Tullius Cicero (* 3. Januar 106 v. Chr. in Arpinum; † 7. Dezember 43 v. Chr. bei Formiae) war ein römischer Politiker, Anwalt und Philosoph, der berühmteste Redner Roms und Konsul im Jahr 63 v. Chr.

Cicero war einer der vielseitigsten Köpfe der römischen Antike. Als Schriftsteller war er schon für die Antike stilistisches Vorbild, seine Werke wurden als Muster einer vollendeten, „goldenen“ Latinität nachgeahmt (Ciceronianismus). Seine Bedeutung auf philosophischem Gebiet liegt in erster Linie nicht in seinen eigenständigen Erkenntnissen, sondern in der Vermittlung griechischen philosophischen Gedankenguts an die lateinischsprachige Welt; oft sind seine griechischen Quellen nur in seiner Bearbeitung greifbar, da sie sonst nirgends überliefert sind. Die Niederschlagung der Verschwörung des Catilina und die daraus resultierende vorläufige Rettung der Republik brachte ihm den Titel pater patriae (Vater des Vaterlandes) ein.

Sein umfangreicher Schriftverkehr, insbesondere die Briefe an Atticus, beeinflussten maßgeblich und nachhaltig die europäische Briefkultur. Diese Briefe und sein übriges Werk liefern uns ein detailreiches Bild der Zustände Roms am Ende der Republik. Während der Bürgerkriege und der Diktatur Gaius Iulius Caesars trat Cicero immer wieder für eine Rückkehr zur traditionellen republikanischen Verfassungsform und Herrschaftsausübung ein. In seiner politischen Praxis zeigte er eine Flexibilität, die ihm den Vorwurf des Opportunismus und der Prinzipienlosigkeit eingetragen hat und deren Einschätzung in der Forschung weiterhin umstritten ist.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Herkunft und Ausbildung

Cicero als Kind (Fresko aus dem 15. Jahrhundert)

Cicero war der älteste Sohn eines römischen Ritters (eques) gleichen Namens und dessen Ehefrau Helvia. Er hatte einen jüngeren Bruder Quintus Tullius Cicero, mit dem er zeitlebens eng verbunden war.

Ciceros Familie gehörte zur lokalen Oberschicht in Arpinum, einer Stadt im Gebiet der Volsker im Süden Latiums, deren Einwohner seit 188 v. Chr. das römische Bürgerrecht hatten und aus der auch Gaius Marius kam. Marcus Marius Gratidianus, der Adoptivsohn von Gaius Marius’ Bruder, war der Cousin von Ciceros Vater. Dessen Schwester Gratidia war mit Lucius Sergius Catilina verheiratet.

Das Cognomen (Beiname) Cicero leitete sich vermutlich vom lateinischen Begriff cicer („Kichererbse“) ab. Ihre Herkunft führte die Familie auf den römischen König Servius Tullius und den frühen Konsul Manius Tullius Longus zurück. Laut Plutarch stammten sie von dem Volskerkönig Tullus Attius ab.

Cicero gehörte als eques der zweithöchsten Gesellschaftsschicht an. Zwar war die entfernte Verwandtschaft zu Gaius Marius seinen Ambitionen unter der Diktatur Sullas eher hinderlich, doch bestanden andere Verwandtschaftsbeziehungen zu Angehörigen der Senatsaristokratie, die Cicero, seinem Bruder und seinem Cousin Lucius Tullius Cicero in Rom zu einer guten Ausbildung verhalfen. So war die Schwester seiner Mutter mit einem Marcus Aculeo verheiratet, einem Freund des Lucius Licinius Crassus, in dessen Haus Cicero seine erste Ausbildung erhielt. Dort lernte er wohl auch den berühmten Redner Marcus Antonius Orator kennen, dem er später gemeinsam mit Crassus in seinem Werk De oratore ein Denkmal setzte.

Wie jeder gebildete Römer sprach Cicero von Kindheit an Griechisch. Durch seinen Vater, den Invalidität an der Ausübung militärischer oder politischer Ämter hinderte, erhielt er Zugang zur klassischen Bildung. Schon früh zeigte sich seine große Begabung, die er mit Ehrgeiz förderte. Laut Plutarch war er schon als Schüler eine Berühmtheit.[1] Nach dem Tod des Crassus 91 v. Chr. studierte er gemeinsam mit Titus Pomponius Atticus, der zeitlebens sein Freund und „zweiter Bruder“ war, Recht unter Quintus Mucius Scaevola, Rhetorik, Literatur und Philosophie in Rom. Nachdem er sich anfangs mit der Übersetzung griechischer Dichter wie Homer beschäftigt hatte, wandte er sich mit ungefähr zwanzig Jahren der Philosophie zu und übertrug das philosophische Vokabular ins Lateinische.

Erste Erfolge

Nach seinem Militärdienst im Bundesgenossenkrieg unter Gnaeus Pompeius Strabo und Sulla erwarb Cicero erste Erfahrungen als Anwalt. Seine erste überlieferte Gerichtsrede stammt aus dem Jahr 81 v. Chr. Im folgenden Jahr verteidigte er in seinem ersten Mordprozess den wegen Vatermordes angeklagten Sextus Roscius und erwirkte dessen Freispruch, indem er die Ankläger, zwei Verwandte des Roscius und Lucius Cornelius Chrysogonus, überführte, den Mord selbst aus Habsucht geplant und durchgeführt zu haben. Da Chrysogonus ein Freigelassener und Günstling Sullas war, der auf eigene Faust die Proskriptionen fortsetzte, brachte Cicero sich durch diesen Prozess selbst in Gefahr.

79 v. Chr. setzte Cicero seine Studien in Griechenland und Kleinasien fort. Eventuell stand diese Reise im Zusammenhang mit dem Prozess im Vorjahr. Er hörte Philon von Larisa und Antiochos von Askalon, die als Philosophen der Neueren Akademie angehörten. Auf Rhodos besuchte er den berühmten Redner Apollonius Molon und lernte dessen schlichten Stil sowie die Künste, die Zuhörer zu fesseln und dabei die eigene Stimme zu schonen. Auch in die Mysterien von Eleusis wurde er eingeweiht.

Er kehrte 77 v. Chr. nach Rom zurück und begann seine Karriere als Politiker und Rechtsanwalt.

Ehen und Kinder

Ciceros erste Frau hieß Terentia. Sie stammte aus einer reichen Patrizierfamilie und besaß ein erhebliches Vermögen, das sie selbständig verwaltete. Ihre Halbschwester war Vestalin, was den hohen Rang ihrer Familie unterstreicht. Plutarch betont mehrfach ihre herbe Art; sie sei die dominierende Person in der Ehe gewesen.[2]

Cicero und Terentia heirateten zwischen 80 und 76 v. Chr., vermutlich jedoch erst nach Ciceros Rückkehr aus Griechenland. Gezielt setzte Terentia das Ansehen ihrer Familie und ihre Mitgift von hunderttausend Denaren sowie ihr sonstiges Vermögen zur Förderung von Ciceros Karriere ein. Auch in den Bona-Dea-Skandal war sie verwickelt.[3]

Es existieren einige Briefe Ciceros an seine Frau, die Terentias Ehrgeiz für ihren Mann und ihr Vertrauen in seine Fähigkeiten zeigen. Die ersten der erhaltenen 24 Briefe stammen aus der Zeit, als Cicero 58 v. Chr. ins Exil gehen musste, und sind sehr liebevoll. Später wurden die zwischen ihnen gewechselten Briefe immer kürzer und unpersönlicher. Nach mehr als 30 Jahren Ehe leitete Cicero 46 v. Chr. aus letztlich nicht geklärten Gründen die Scheidung ein.[4] Terentia überlebte ihren Mann um mehrere Jahrzehnte.

Aus der Ehe mit Terentia ging die von Cicero sehr geliebte Tochter Tullia (* 5. August zwischen 79 und 75 v. Chr.; † Februar 45 v. Chr.) hervor. Tullia war dreimal verheiratet, zuerst mit Ciceros begabtem Schüler Gaius Calpurnius Piso Frugi, der 58 v. Chr. Quästor war und sich für die Rückkehr seines Schwiegervaters aus dem Exil einsetzte. Er starb jedoch bereits 57 v. Chr. Ihr zweiter Mann Furius Crassipes ließ sich um 51 v. Chr. von ihr scheiden, worauf sie gegen den Willen ihres Vaters Publius Cornelius Dolabella, einen Anhänger Caesars, heiratete. Obwohl sie wegen seines Lebenswandels unglücklich war, riet ihr Vater ihr aus politischen Gründen von einer Scheidung ab.[5] Als sie 45 v. Chr. nach einer Entbindung starb, machte er sich deshalb große Vorwürfe. Seine consolatio ad se ipsum „Trostschrift an mich selbst“, die er aus diesem Anlass verfasste, ist nur aus Zitaten bekannt.[6] Ein Trostbrief von Servius Sulpicius Rufus ist erhalten, in dem sein Freund ihn an die Leiden anderer erinnert und ihn mahnt, seine Trauer ebenso tapfer zu ertragen.[7]

Ciceros Sohn Marcus wurde ca. 65 v. Chr. geboren. Cicero hatte hohe Erwartungen in ihn und nahm ihn mit nach Kilikien. Für ihn verfasste er die rhetorische Lehrschrift Partitiones oratoriae und widmete ihm 44 v. Chr. De officiis, eine Abhandlung über die praktische Ethik. Anstatt dem Wunsch seines Vaters zu folgen und die philosophische Laufbahn einzuschlagen, schloss Marcus sich 49 v. Chr. als Soldat Pompeius und später dessen Sohn Sextus an. Octavian begnadigte ihn später und ernannte ihn 30 v. Chr. zum Mitkonsul.

Kurz nach seiner Scheidung von Terentia 46 v. Chr. heiratete Cicero als 60-Jähriger sein noch nicht 20-jähriges reiches Mündel Publilla. Nach dem Tode seiner Tochter wurde jedoch auch diese Ehe nach wenigen Monaten wieder geschieden.

Politische Laufbahn

cursus honorum

Durch seinen Erfolg im Fall des Sextus Roscius genoss Cicero bei seiner Rückkehr aus Griechenland großes Ansehen. Das half ihm – obwohl homo novus – alle Ämter des cursus honorum in dem dafür vorgeschriebenen Mindestalter (suo anno) zu erreichen.

So war er im Jahre 75 v. Chr. Quästor auf Sizilien, wo er die Getreideversorgung Roms zu sichern hatte. Dort fand er das Grab des Archimedes. Durch die Redlichkeit seiner Amtsführung erwarb er den bleibenden Respekt der Sizilianer.

Den Grundstein für seine politische Karriere legte er im Jahre 70 v. Chr., als er die Gemeinden Siziliens in dem Prozess vertrat, den sie gegen den korrupten Statthalter Gaius Verres (73–71 v. Chr.) wegen Erpressung anstrengten. Obwohl Verres’ politische Freunde ihm gern zum Freispruch verholfen hätten, war das Beweismaterial, das Cicero in kurzer Zeit zusammentrug, so erdrückend, dass Verres noch vor dem Urteil Italien verließ. Dieser Prozess brachte Cicero auch die Stellung des ersten Redners in Rom ein, da er den bis dahin bedeutendsten Redner Quintus Hortensius Hortalus als Verteidiger des Verres schlagen konnte.

69 v. Chr. wurde Cicero zum curulischen Ädil gewählt. In dieser Funktion veranstaltete er die obligatorischen Spiele, zugleich eine wichtige Maßnahme, um sein weiteres politisches Fortkommen zu sichern. Ansonsten tat er sich jedoch im Amt des Ädils nicht besonders hervor, sondern führte in jenen Jahren vor allem seine Geschäfte als Anwalt weiter, die ihn zum Verteidiger in zahlreichen wichtigen Strafprozessen machten.

Prätor wurde Cicero im Jahr 66 v. Chr. Das Los wies ihm unter den Prätoren das Amt des Vorsitzenden des Gerichtshofs für Erpressungen zu, einer Materie, mit der er sich schon als Advokat nachdrücklich befasst hatte. In dieser Zeit hielt er die Rede de imperio Cn. Pompei, in der er die Lex Manilia unterstützte, die den Oberbefehl im Krieg gegen Mithridates VI. von Pontos anstelle von Lucullus dem bei der Senatsmehrheit unbeliebten Pompeius zusprach. Cicero stellte sich dabei nicht auf die Seite des Pompeius, sondern sprach für das „ganze römische Volk“.[8]

Seine Gegner im Wahlkampf für das Konsulat waren Hybrida und Catilina, die beide nicht vor Bestechungen und Gewaltanwendung zurückschreckten. Gegen ihre Machenschaften hielt Cicero die Rede in toga candida.[9] Gemeint ist damit die weiße Toga das Kandidaten für das Konsulat, die gerade die Reinheit und Unbestechlichkeit demonstrieren sollte. Cicero gewann die Wahl mit den Stimmen aller Zenturien und bekleidete im Jahre 63 v. Chr. das Amt des Konsuls, was für ihn als Aufsteiger aus dem Ritterstand (ordo equester) eine besondere Auszeichnung bedeutete.

Cicero klagt Catilina an (Fresko von Cesare Maccari)

Konsulat

Cicero begann sein Konsulat mit einem Versuch, das Problem der Landverteilung und besonders der Entschädigung derer, die ihren Landbesitz der wachsenden Stadt opfern mussten, in den Griff zu bekommen. Es sind drei Reden de lege agraria erhalten.

Während seines Konsulats kam es zu der Verschwörung des Catilina, die jedoch verraten und unter Mitwirkung Ciceros im Ansatz erstickt wurde. Bei der Senatsberatung (vgl. Ciceros Reden gegen Catilina) war es zwar Cato, der für die Todesstrafe plädierte, aber später blieb die Verantwortung für die Hinrichtung der Catilinarier an Cicero hängen, da der Senat zuvor in einem Notstandsbeschluss die Konsuln mit Maßnahmen zur Rettung des Staats beauftragt hatte.

Ciceros Leistung bei der Niederschlagung des Putschversuchs blieb auch bei ihm gegenüber kritisch eingestellten Zeitgenossen wie Sallust unbestritten. Freilich neigte er selbst, nicht zuletzt wohl, da er als homo novus nicht auf bedeutende Vorfahren verweisen konnte, zur maßlosen Überschätzung seiner eigenen Leistungen. Theodor Mommsens berühmt gewordene Kritik, die Cicero das „Talent, offene Türen einzurennen“ zuspricht und ihn als „Staatsmann ohne Einsicht, Ansicht und Absicht“ zu diskreditieren versucht, wird von der heutigen Forschung kaum mehr geteilt, die versucht, nicht nur dem von Mommsen herausgehobenen Gaius Iulius Caesar, sondern auch dessen republikanisch orientiertem Gegner Cicero gerecht zu werden, der, stets um das Wohl der Res Publica besorgt, republikanische Ideale zu einem vom Senat regierten römischen Idealstaat verwob, dessen Regierung sich aus gebildeten, intelligenten und patriotischen Männern zusammensetzen sollte, die das Staatswohl über ihre eigenen Interessen stellten.

Nach dem Konsulat

61 v. Chr. wollte Caesar Cicero für eine Teilnahme am späteren Triumvirat mit Crassus und Pompeius gewinnen, doch Cicero lehnte ab, weil er dadurch die Republik gefährdet sah. In der Folge sank sein politischer Einfluss. Seine Gegner – insbesondere der Volkstribun Publius Clodius Pulcher, dessen Hass Cicero sich im Bona-Dea-Skandal 62/61 v. Chr. zugezogen hatte – erwirkten 58 v. Chr. ein neues rückwirkendes Gesetz, das denjenigen, der den Tod eines römischen Bürgers ohne Gerichtsverhandlung verschuldet, ächtet, d. h. seiner Bürgerrechte beraubt, und wandten es auf den Tod der Catilinarier an. Cicero verließ Rom, ging nach Thessaloniki und kam damit einer Verbannung zuvor. Später betonte er, dass er niemals auf sein Bürgerrecht verzichtet und auch Terentia auf der Gültigkeit der Ehe beharrt habe. Sein Besitz wurde enteignet, seine Landgüter geplündert und sein Haus auf dem Palatin niedergebrannt. Das Grundstück ließ Clodius der Göttin Libertas widmen.

57 v. Chr. wurde Cicero trotz Caesars Bedenken auf einstimmigen Beschluss der Volksversammlung vom Senat aus Griechenland zurückgerufen und bei seiner Rückkehr begeistert gefeiert. Zeugnis davon geben die beiden Dankesreden an Volk und Senat. Es gelang ihm jedoch nicht, die frühere politische Macht wiederzuerlangen. Ab dieser Zeit wurde er stärker schriftstellerisch tätig, namentlich mit seinen politischen und philosophischen Schriften. Sein rhetorisches Hauptwerk De oratore „Über den Redner“ entstand in dieser Zeit, ebenso mit De re publica „Über den Staat“ und De legibus „Über die Gesetze“ zwei philosophische Schriften über den Idealstaat in Anlehnung an Platons Politeia und Nomoi.

Cicero hegte zunächst auf Caesars Intellekt bauende Hoffnungen und unterstützte ihn 56 v. Chr. sogar in seiner Rede De provinciis consularibus in der Frage, ob der Senat Caesar die Provinz Gallien weiterhin überließ oder sie einem der letztjährigen Konsuln übergab. Im Laufe der Zeit wurde er jedoch sein politischer Gegner, weil er die Republik durch dessen Machtgelüste bedroht sah.

Als Clodius 52 v. Chr. von Titus Annius Milo auf der Via Appia erschlagen wurde, verteidigte Cicero den Mörder seines Feindes, wenn auch erfolglos, denn Milo musste ins Exil gehen.

Zehn Jahre nach seinem Konsulat musste Cicero 52 v. Chr. als Statthalter nach Kilikien gehen. Sein Bruder begleitete ihn als Legat. Weil die Parther sich untereinander bekämpften, war die Provinz recht friedlich. Cicero war nur in wenige Kampfhandlungen verwickelt und eroberte eine Bergfestung, wofür er von seinen Soldaten zum Imperator ausgerufen wurde.

Als Cicero 49 v. Chr. nach Rom zurückkehrte, stand der Bürgerkrieg zwischen Caesar und Pompeius kurz bevor. Cicero versuchte noch einmal im Senat zu vermitteln, doch der Senat erklärte Caesar, als dieser den Rubikon überschritt, zum Staatsfeind. Cicero schloss sich gezwungenermaßen Pompeius an und verließ mit Bruder und Sohn Italien. Nach Pompeius’ Tod 48 v. Chr. brach er jedoch mit dessen Anhängern und kehrte nach Italien zurück, wo er in Brundisium wartete, bis ihn Caesar 47 v. Chr. begnadigte. Das hinderte Cicero jedoch nicht, eine Trauerrede auf den nach der verlorenen Schlacht bei Thapsus durch eigene Hand gestorbenen Cato zu verfassen. Auch setzte er sich in mehreren Reden vor Caesar für Pompeius’ Anhänger ein.

In den folgenden Jahren widmete er sich wieder vermehrt der Literatur, wobei ihn diesmal weniger die Fragen der Politik beschäftigten: Seinem Freund Marcus Iunius Brutus widmete er mehrere Schriften, darunter Brutus, eine Geschichte der Rhetorik, die er wie die Republik in der Gefahr des Untergangs sah. Daneben verfasste er mehrere Werke zu ethischen Themen (s.u.).

Ciceros Verhältnis zu Caesar

In vielen Schriften nimmt Cicero Bezug auf seinen Zeitgenossen Gaius Iulius Caesar, sein Verhältnis zu diesem Politiker war äußerst ambivalent. Als Cicero im Jahre 60 v. Chr. zu den Optimaten gehörte, hatte er den Plan entwickelt, Caesar vom „verantwortungslosen Treiben der Popularen[10] zu trennen und ihn auf die Seite der Optimaten zu ziehen, die sich zur Aufgabe gemacht hatten, das Gemeinwesen zu „erhalten“.[11] Cicero hob die Rolle Caesars als „Retter des Vaterlandes“ im Gallischen Krieg anerkennend hervor. Da es ihm aber nicht gelang, Caesar auf seine Seite zu ziehen, hielt er im Bürgerkrieg zu Pompeius, ohne aber wirklich von diesem überzeugt zu sein. Trotzdem wurde er, wie viele andere, nach Ende des Bürgerkrieges von Caesar begnadigt.[12]

Als Caesar im Jahre 46 v. Chr mit Marcus Claudius Marcellus einen entschiedenen Gegner begnadigt hatte, glaubte Cicero, dies als entscheidende politische Wende begrüßen zu können.[13] Caesars politisches Handeln entsprach laut Cicero schon fast dem Ideal, das er in den Reden gegen Catilina[14] entwickelt hatte und das an Platon[15] anknüpft. Er betonte, dass Caesars Kriegsleistungen diesem zwar nicht dauerhaften Ruhm[16] bringen werden, sehr wohl aber die Taten dessen, der begnadigt[17] und die libera res publica (das freie Gemeinwesen) ordnet.[18] Da Caesar seine Macht auf Kosten dieser libera res publica ausbaute, wurde Cicero immer mehr zum Gegner Caesars[19]. Im Mai 45 wurde im Tempel des Quirinus sowie auf dem Kapitol eine Statue zu Ehren Caesars geweiht[20], was Cicero empört zur Kenntnis nahm[21]. Weil Caesar sich nach Ciceros Meinung dadurch selbst über die römische Gesellschaft stellte[22], verachtete er ihn immer mehr. In de officiis bricht diese Verachtung ganz durch. Er bezeichnet ihn als Tyrannen und „wildes Tier“. Er lässt sich sogar zur Ermordung Caesars beglückwünschen[23], obwohl er in die Verschwörungspläne nicht einmal eingeweiht war.

Proskription und Tod

Phantasieportrait Ciceros nach Peter Paul Rubens

An der Verschwörung gegen Caesar war Cicero zwar nicht beteiligt, seine Äußerungen zeigten jedoch seine triumphierende Freude über den Tod des „Tyrannen“, wobei er allerdings die fehlende Planung und Weitsicht der Verschwörer kritisierte, indem er bemerkte, das Attentat sei mit dem Mut von Männern, aber dem Verstand von Kindern durchgeführt worden. Zudem stellte sich rasch heraus, dass Caesars Mitkonsul Marcus Antonius dessen Nachfolge in der Alleinherrschaft anstrebte. Nun trat Cicero Antonius entgegen und wurde mit seinen 14 philippischen Reden, denen er ihren Namen nach dem Vorbild des Demosthenes gegeben hatte, zum Wortführer der republikanischen Minderheit im Senat, wodurch er einen großen Teil seiner einstigen politischen Macht zurückerhielt und großes Ansehen gewann. Die erste Rede, gehalten am 2. September 44, beendete den Waffenstillstand zwischen Antonius und den Republikanern um Cicero. Ciceros zweite Rede enthielt maßlose (wenn auch nicht völlig unbegründete) persönliche Schmähungen gegen Antonius und drückte sein Bedauern darüber aus, dass Antonius an den Iden des März (Todestag Caesars) nicht mitbeseitigt worden war.

Danach bemühte sich Cicero, wenn auch nicht ohne Vorbehalt, Octavian, der in Rom erschienen war und auf eigene Faust Veteranentruppen angeheuert hatte, zum Krieg gegen Antonius mit der Rückendeckung des Senats zu bewegen. Er hoffte auf dessen intellektuelle Fähigkeiten, fürchtete jedoch gleichzeitig die persönlichen Interessen des damals kaum Zwanzigjährigen. Das Gelingen dieser Bemühungen löste erneut den Bürgerkrieg aus. Die Sache der Republik schien zeitweilig sogar zu siegen. Wie von Cicero leise befürchtet, verlangte Octavian jedoch nach ersten Erfolgen im Sommer des Jahres 43 v. Chr. das Konsulat für sich und schloss sich danach ganz öffentlich mit Antonius und Marcus Lepidus zum zweiten Triumvirat zusammen. Die drei Triumvirn beschlossen Proskriptionen gegen ihre politischen Gegner. Cicero stand ganz oben auf der Todesliste des Antonius.

Am 7. Dezember 43 v. Chr. wurde er auf dessen Geheiß auf der Flucht ermordet. Mit dem Leichnam verfuhr man bestialisch: Er wurde verstümmelt durch die Straßen Roms geschleift, sein Kopf und seine Hände wurden auf den Rostra am Forum Romanum ausgestellt. Fulvia, die nacheinander mit seinen Feinden Clodius und Antonius verheiratet war, soll nach Cassius Dio seine Zunge mit ihrer Haarnadel durchbohrt haben. Sein Bruder Quintus Tullius Cicero fiel denselben Proskriptionen zum Opfer.

Werke

Cicero gilt als der bedeutendste Vertreter des philosophischen Eklektizismus in der Antike. Sein Denken enthält sowohl Elemente der Stoa wie auch solche Epikurs und anderer Denker.

Ciceros Prosa kennzeichnet ihn als Meister der lateinischen Sprache. Seine Werke vermittelten dem gebildeten römischen Publikum die griechische Philosophie, besonders die Lehren der Stoa und der sogenannten Neuen Akademie. Seine politischen Schriften liefern uns wichtige Quellen zu den politischen Unruhen, die die spätrepublikanische Zeit kennzeichneten, und lassen uns seine Positionen nachvollziehen. Berühmt wurde er auch durch seine Reden gegen Verres (70 v. Chr.), gegen Catilina (63 v. Chr.) und gegen Marcus Antonius (44 und 43 v. Chr.).

Reden

Cicero gilt als der bedeutendste römische Redner. Er lässt (nicht eben ohne Selbstbewusstsein) seine Darstellung der Geschichte der lateinischen Redekunst im Brutus mit sich selbst enden, und spätestens seit Quintilian ist Ciceros Ruhm als ‚klassisches‘ Vorbild unangefochten. Cicero hat die meisten seiner Reden selbst veröffentlicht; 58 Reden sind (teilweise lückenhaft) im Originaltext erhalten, etwa 100 durch Titel oder Bruchstücke bekannt.

Die Texte können grob in politische Reden vor dem Senat oder dem Volk einerseits sowie Verteidigungsreden vor Gericht andererseits eingeteilt werden, wobei auch letztere oft politischen Hintergrund haben. Als Ankläger in einem Strafprozess trat Cicero nur einmal auf, nämlich gegen Gaius Verres. Seinen Erfolg verdankte er neben seiner argumentativen und stilistischen Kunst, die sich Gegenstand und Publikum perfekt anzupassen wusste (vgl. Ciceros programmatische Äußerungen im Orator), vor allem seiner klugen Taktik, die sich ebenfalls ganz auf die jeweilige Hörerschaft einstellte und durchaus auch einmal Meinungen verschiedener philosophischer oder politischer Schulen eklektisch zusammenführte, um dem Publikum entgegenzukommen und seine Ziele zu erreichen.

Chronologische Übersicht aller Reden:

81 v. Chr. Pro P. Quinctio („Für Publius Quinctius“), älteste überlieferte Gerichtsrede Ciceros für den Kläger in einem Zivilprozess. Streitgegenstand ist die Rechtmäßigkeit früherer Beschlagnahmehandlungen des Beklagten Sex. Naevius gegen Ciceros Mandanten P. Quinctius. Anwalt der Gegenseite ist Q. Hortensius Hortalus, Richter C. Aquilius Gallus.
80 v. Chr. Pro Sex. Roscio Amerino („Für Sextus Roscius aus Ameria“), Verteidigungsrede vor Gericht, Ciceros erstes Plädoyer in einem Mordprozess. Sextus Roscius war des Vatermordes angeklagt. Während des Bürgerkrieges hatten Verwandte das Vermögen von Roscius’ Vater an sich gebracht und versuchten nun die Beute zu sichern, indem sie den legitimen Erben des Mordes bezichtigten. Cicero erreichte einen Freispruch.
ca. 77 oder 66 v. Chr. Pro Q. Roscio Comoedo („Für den Schauspieler Quintus Roscius“), Rede für den Beklagten in einem Zivilprozess.
72/71 v. Chr. Pro M. Tullio („Für Marcus Tullius“), Verteidigungsrede vor Gericht
69/ca. 71 v. Chr. Pro A. Caecina („Für Aulus Caecina“), Rede für den Kläger in einem Zivilprozess vor einem Rekuperatorengericht. Rechtsgrundlage ist das Interdikt de vi armata (Besitzschutz bei Vertreibung mit Waffengewalt). Anwalt der Gegenseite ist C. Calpurnius Piso, beide Seiten berufen sich offenbar auf die Autorität des Juristen Gaius Aquilius Gallus.
70 v. Chr. Divinatio in Caecilium („Vorverfahrensrede gegen Quintus Caecilius“), Vorverfahren um die Übernahme der Anklage gegen Gaius Verres. Q. Caecilius Niger war unter Verres als Quaestor in Sizilien gewesen und bewirbt sich nun um die Rolle des Anklägers. Nach Cicero war er jedoch selbst in die Machenschaften des Verres verstrickt.
In Verrem actio prima („Erste Anklagerede gegen Verres“), Anklagerede im Prozess gegen Gaius Verres wegen Erpressung von Provinzialen (crimen pecuniarum repetundarum)
In Verrem actio secunda I–V („Zweite Anklage gegen Verres 1–5“), diese fünf Reden wurden wegen Verres’ freiwilligem Gang ins Exil nicht vorgetragen, sondern schriftlich veröffentlicht
69 v. Chr. Pro M. Fonteio („Für Marcus Fonteius“), Verteidigungsrede vor Gericht
66 v. Chr. De imperio Cn. Pompei (De lege Manilia) („Über den Oberbefehl des Gnaeus Pompeius“/„Über das Gesetz des C. Manilius“), Rede vor dem Volk
Pro A. Cluentio Habito („Für Aulus Cluentius Habitus“), Verteidigungsrede vor Gericht
63 v. Chr. De lege agraria (Contra Rullum) I–III („Über das Siedlergesetz“/„Gegen Rullus“): Reden des Konsulatsjahres, im Senat (I) und vor dem Volk (II/III) gehalten; eine vierte Rede ist verloren.
Pro Murena („Für Murena“), Verteidigungsrede vor Gericht
Pro C. Rabirio perduellionis reo („Für den des Hochverrats angeklagten Gaius Rabirius“), Verteidigungsrede vor Gericht
In Catilinam I–IV („Gegen Catilina 1–4“), Reden gegen Lucius Sergius Catilina: Reden am 7. und 8. November 63 v. Chr. vor dem Senat (I) und vor dem Volk (II); Reden für Entdeckung und Bestrafung von Catilinas Anhängern am 3. Dezember vor dem Volk (III), am 5. Dezember vor dem Senat (IV)
62 v. Chr. Pro Archia („Für Archias“), Verteidigungsrede vor Gericht
Pro P. Cornelio Sulla („Für Publius Cornelius Sulla“), Verteidigungsrede vor Gericht
59 v. Chr. Pro L. Valerio Flacco („Für Lucius Valerius Flaccus“), Verteidigungsrede vor Gericht
57 v. Chr. De domo sua ad pontifices („Über sein eigenes Haus, an das Pontifikalkollegium“): Plädoyer in eigener Sache: Während Ciceros Verbannung hatte sein Gegner Clodius einen Teil von Ciceros Grundstück auf dem Palatin der Göttin Libertas geweiht; Cicero erklärt diese Weihung für ungültig, um eine Rückgabe zu erreichen.
Oratio cum populo gratias egit („Danksagung an das Volk“), Dankrede an alle, die sich für Ciceros Rückkehr aus der Verbannung eingesetzt hatten, und Ankündigung seines Wiedereintritts in die Politik
Oratio cum senatui gratias egit („Danksagung an den Senat“), Dankrede an alle, die sich für Ciceros Rückkehr aus der Verbannung eingesetzt hatten, und Ankündigung seines Wiedereintritts in die Politik
56 v. Chr. De haruspicum responso („Über das Gutachten der Opferschauer“): Clodius bezog einen Passus über die Profanisierung von Heiligtümern in einem Gutachten der Haruspices auf Ciceros Palatin-Grundstück (s. De domo sua) und forderte zum Abriss von Ciceros dort im Bau befindlichen Haus auf. Gegen diese und andere Vorwürfe wehrt sich Cicero mit einem Appell an den Senat, in dem er erklärt, dass vielmehr Clodius Ursache aller im Gutachten erwähnten Übel sei.
De provinciis consularibus („Über die konsularischen Provinzen“), Rede vor dem Senat über die konsularischen Provinzen
In P. Vatinium („Gegen Publius Vatinius“), Anklagerede gegen Publius Vatinius, bei der Zeugenbefragung im Prozess gegen P. Sestius (s. Pro P. Sestio)
Pro M. Caelio („Für Marcus Caelius“), Rede zur Verteidigung des Marcus Caelius Rufus vor Gericht
Pro L. Cornelio Balbo („Für Lucius Cornelius Balbus“), Verteidigungsrede vor Gericht
Pro P. Sestio („Für Publius Sestius“), Verteidigungsrede vor Gericht
55 v. Chr. In L. Calpurnium Pisonem („Gegen Lucius Calpurnius Piso“), politische Anklagerede
54 v. Chr. Pro Aemilio Scauro („Für Aemilius Scaurus“), Verteidigungsrede vor Gericht
Pro Cn. Plancio („Für Gnaeus Plancius“), Verteidigungsrede vor Gericht
54/53 oder 53/52 v. Chr. Pro Rabirio Postumo („Für Gaius Rabirius Postumus“), Verteidigungsrede im Nachverfahren zum Prozess gegen Aulus Gabinius wegen Erpressung von Provinzialen (crimen pecuniarum repetundarum). Es geht um den Verbleib von Bestechungsgeldern im Zusammenhang mit der Wiedereinsetzung von Ptolemaios XII. Auletes als König von Ägypten.
52 v. Chr. Pro T. Annio Milone („Für Titus Annius Milo“), Verteidigungsrede vor Gericht, die allerdings nicht in der veröffentlichten Perfektion gehalten wurde; enthält u. a. inter arma enim silent leges
46 v. Chr. Pro Q. Ligario („Für Quintus Ligarius“), Verteidigungsrede für Q. Ligarius, gerichtet an Caesar als Diktator
Pro M. Marcello („Für Marcus Marcellus“), Dankesrede für die Begnadigung des Caesargegners M. Marcellus durch Caesar (Akt seiner clementia), gehalten vor dem Senat, gerichtet an Caesar als Diktator, damit dieser die libera res publica wieder herstelle,
45 v. Chr. Pro rege Deiotaro („Für König Deiotarus“), Verteidigungsrede für den König Deiotarus, gerichtet an Caesar
44/43 v. Chr. Philippicae orationes I–XIV („Erste bis vierzehnte Philippische Rede“), Reden gegen Marcus Antonius

Philosophische Schriften

In seinen philosophischen Schriften machte Cicero seine lateinischen Leser mit der griechischen Philosophie bekannt. Dafür schuf er eine neue lateinische Terminologie. Cicero selbst lässt sich keiner philosophischen Schule eindeutig zuordnen; zumindest in seiner Jugend neigte er zur Lehre des Akademikers Philon von Larissa.[24] Den epikuräischen Hedonismus lehnte er ab.

  • De re publica („Über den Staat“) ist 54–51 v. Chr. entstanden und nur fragmentarisch erhalten. Nur der letzte Abschnitt, Somnium Scipionis („Scipios Traum“), wurde separat mit dem Kommentar des Macrobius überliefert und war auch im Mittelalter bekannt. In Anlehnung an Platons Politeia legt Cicero in Form eines Dialoges die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Staatssysteme dar. Im Gegensatz zu Platon ist sein idealer Staat jedoch keine Fiktion, sondern die römische Republik.
  • De legibus („Über die Gesetze“) enthält wie Platons Nomoi die praktische Anwendung. Als ein Dialog zwischen Cicero selbst, seinem Bruder Quintus und seinem Freund Atticus konzipiert, stellt das Buch dar, wie die Gesetze auf dem Naturrecht beruhen. Das Werk entstand wohl Ende der 50er Jahre v. Chr. und ist nur etwa zur Hälfte erhalten.
  • Paradoxa Stoicorum (Begründung paradoxer ethische Lehrsätze aus der Schule der Stoiker). 46 v. Chr.
  • Die verlorene Consolatio („Trostschrift“ nach dem Tod seiner Tochter) erwähnte Cicero im Frühjahr 45 v. Chr. in einem Brief an Atticus.[25]
  • Hortensius sive de philosophia („Hortensius oder über die Philosophie“) entstand im Frühjahr 45 v. Chr. nach dem Vorbild von AristotelesProtreptikos. Der nur in Fragmenten erhaltene Dialog zwischen Cicero, Catulus, Hortensius und Lucullus soll Augustinus Anstoß zur Bekehrung zum Christentum gegeben haben.
  • Academica priora (frühere Fassung der Bücher über die Erkenntnislehre der Akademiker). 45 v. Chr.
    • Catulus (Dialog ‚Catulus‘), 1. Teil der Academica priora, größtenteils verloren
    • Lucullus (Dialog ‚Lucullus‘), 2. Teil der Academica priora, erhalten
  • Academici libri bzw. Academica posteriora (spätere Fassung der Abhandlung über die Erkenntnislehre der Akademiker in vier Büchern)
  • De finibus bonorum et malorum („Über das höchste Gut und das größte Übel“) entstand im Juni 45 v. Chr. und ist Brutus gewidmet. In drei Dialogen werden verschiedene Ansätze der griechischen Philosophie über das Ziel und den Sinn des Lebens dargestellt.
  • Die Tusculanae disputationes („Gespräche in Tusculum“), entstanden 2. Hälfte 45 v. Chr. und ebenfalls Brutus gewidmet, behandeln ethische Fragen wie den Umgang mit Leid und Tod. Das Wichtigste, um glücklich zu leben, ist die Tugend.
  • Cato maior de senectute („Cato der Ältere über das Alter“) entstand 45/44 v. Chr. und ist ein fiktives Gespräch zwischen Cato mit P. Scipio minor und C. Laelius Sapiens, in dem Cato alle Vorwürfe, die man dem Alter macht, widerlegt. Der Grund, weshalb so viele Greise über ihr Alter klagen, liegt allein in ihrem Charakter. Der Dialog ist Atticus gewidmet.
  • Laelius de amicitia („Laelius über die Freundschaft“) schrieb Cicero 45/44 v. Chr. "als Freund für den Freund"[26] Atticus. Wieder treten Scipio und Laelius als Idealtypen der Freunde auf. Der Dialog endet mit dem Lob der virtus - Tugend als Grundlage wahrer Freundschaft.
  • In De natura deorum („Vom Wesen der Götter“), entstanden 45/44 v. Chr. und Brutus gewidmet, gibt Cicero ein etwa dreißig Jahre zuvor stattgefundenes Gespräch des Stoikers Q. Lucilius Balbus, des Epikureers C. Velleius und des Akademikers C Aurelius Cotta[27], Vertreter der drei wichtigsten antiken Philosophenschulen, über das Wesen der Götter und ihre Beziehung zu den Menschen wieder.
  • In De divinatione („Über die Wahrsagung“), einem 44 v. Chr. kurz vor Caesars Tod entstandenen Dialog zwischen Cicero und seinem Bruder, trennt Cicero zwischen furor, der direkten Inspiration, vor allem durch Träume, und den auslegungsbedürftigen Orakeln. Ersteres erklärt er als natürliche Vorgänge der menschlichen Seele, während die Vorzeichendeuter sich nur den Aberglauben ihrer Mitmenschen zu Nutze machen. De divinatione ist eine wichtige Quelle für unsere Kenntnis der römischen Religion.
  • De fato („Über das Schicksal“) schließt sich unmittelbar an De divinatione und De natura deorum an. Cicero diskutiert darin mit Aulus Hirtius über die Ansichten der Philosophenschulen zur Frage des freien Willen. Die Mitte 44 v. Chr. begonnene Schrift blieb unvollendet.
  • De gloria („Über den Ruhm“). Juli 44 v. Chr. Verloren.
  • De officiis („Über die Pflichten“) ist im Herbst/Winter 44 v. Chr. verfasst und in Briefform an den in Athen studierenden Sohn Marcus gerichtet. Er zitiert darin das ansonsten verlorene Buch des Panaitios von Rhodos über die Pflichten. Das erste Buch handelt von den Pflichten und Tugenden. Als wichtigste Tugenden nennt Cicero prudentia - Klugheit, iustitia - Gerechtigkeit, fortitudo - Tapferkeit und temperantia - Mäßigkeit, wie auch Platon sie in Politeia und Nomoi aufführt. Im zweiten Buch zeigt er, wie man durch tugendhaftes Verhalten die Sympathie seiner Mitmenschen gewinnt und dadurch sich selbst nützt. Als Beispiele dienen Politiker. Im dritten Buch thematisiert er den möglichen Konflikt zwischen Tugend und Nutzen, ebenfalls anhand zahlreicher Beispiele aus der Geschichte, wobei die Tugend immer den Vorrang haben müsse.

Rhetorische Schriften

Wie bei Cicero Leben und Werk ohnehin nur schwer zu trennen sind, so ist insbesondere die Unterscheidung zwischen philosophischen und rhetorischen Schriften zwar praktisch und übersichtlich (sie wird daher auch hier beibehalten), entspricht aber nicht Ciceros eigener Absicht und Ansicht. Schon in seinem ersten erhaltenen Werk (De inventione I 1–5) erklärt er, Weisheit, Beredsamkeit und Staatskunst hätten ursprünglich eine Einheit gebildet, die erheblich zur Entwicklung der menschlichen Kultur beigetragen habe und wiederherzustellen sei (vgl. Büchner, Cicero (1964) 50–62). Diese Einheit schwebt als Leitbild sowohl Ciceros theoretischen Schriften als auch seiner eigenen vita activa (etwa: „politisch engagiertes Leben“) im Dienste des Staates vor – jedenfalls so, wie er diese selbst idealisierend sah und gesehen haben wollte.

Daher ist es nicht erstaunlich, wenn Cicero seine philosophischen Schriften mit rhetorischen Mitteln ausgestaltet und seine Rhetoriktheorie auf philosophischen Prinzipien aufbaut. Die Trennung von Weisheit und Beredsamkeit lastet er als „Zerwürfnis zwischen Zunge und Verstand“ Sokrates an (De oratore III 61; eher wäre es Platon zuzuschreiben) und versucht sie durch seine eigenen Schriften wieder aufzuheben. Denn zur bestmöglichen Verwirklichung sind seiner Meinung nach Philosophie und Rhetorik aufeinander angewiesen (s. z. B. De oratore III 54–143); Cicero selbst bekennt, „dass ich zum Redner geworden bin […] nicht in den Lehrstätten der Rhetoren, sondern in den Hallen der Akademie“ (Orator 12). Damit spielt er auf seinen Anschluss an die Lehren der Neuen Akademie des Karneades und Philon von Larisa an.

Die erhaltenen rhetoriktheoretischen Werke in chronologischer Reihenfolge:

  • De inventione („Über die Auffindung [des Redestoffes]“): Wohl zwischen 85 und 80 v. Chr. entstanden diese ersten zwei Bücher einer nicht vollendeten Gesamtdarstellung der Rhetorik. Cicero selbst verwarf sie später zu Gunsten seiner tiefer greifenden Darstellung in De oratore, sie dienten jedoch trotz ihres fragmentarischen Charakters bis ins Mittelalter als Lehrbuch. Der fertiggestellte Teil behandelt im ersten Buch rhetorische Grundbegriffe (I 5–9), die Statuslehre im Anschluss an Hermagoras von Temnos (I 10–19) sowie die Teile der Rede (I 19–109); das zweite Buch behandelt die Argumentationstechnik, v. a. in der Gerichtsrede (II 11–154, geordnet wiederum gemäß der Statuslehre) sowie kurz in der Volksrede (II 157–176) und der Festrede (II 177–178). Ciceros Aussagen haben inhaltlich oft große Ähnlichkeit mit der fälschlich unter seinem Namen überlieferten sog. Rhetorik an Herennius, so dass das genaue Verhältnis beider Schriften in der Wissenschaft lange umstritten war. Beide Werke sind jedenfalls ungefähr in derselben Zeit entstanden und beruhen direkt oder indirekt auf gleichen oder verwandten, letzten Endes griechischen Quellen. Da es allerdings auch geradezu wortwörtlich übereinstimmende Stellen gibt, lag ihnen wohl eine gemeinsame lateinische Quelle vor, vielleicht eine Abhandlung des gleichen Lehrers, als Vermittlerin vorwiegend griechischer Inhalte.
  • De oratore („Über den Redner“) – Ciceros 55 v. Chr. entstandenes rhetoriktheoretisches Hauptwerk ist nicht zu verwechseln mit dem fast gleichnamigen späteren Orator.
  • Partitiones oratoriae („Einteilungen der Redekunst“): Dieser wohl um 54 v. Chr., als Ciceros Sohn Marcus Rhetorik studierte, entstandene ‚Katechismus‘ behandelt in der Form eines fiktiven Frage- und Antwortspiels zwischen Sohn (C.) und Vater (P.) die Theorie der Rhetorik, v. a. Begriffe und schematische Einteilungen. Ciceros Originalität zeigt sich hier weniger in der insgesamt trockenen Form oder großartigen Neuerungen als in der kritischen Sichtung überkommener Schulregeln und gewissen philosophischen Einflüssen im Detail, v. a. im dritten Teil bei der Behandlung von Tugenden, Gütern und Ursachen.
  • Brutus: Das nach Marcus Iunius Brutus benannte Buch wurde Anfang 46 v. Chr. verfasst und behandelt in Form eines Dialoges zwischen Cicero, Brutus und Atticus die Geschichte der römischen Redekunst bis zu Cicero selbst. Nach einer Einleitung (1–9) beginnt Ciceros Vortrag mit der griechischen Rhetorik (25–31) und betont, dass die Redekunst als schwierigste aller Künste erst spät zur Vollendung komme. Während er die älteren römischen Redner mühsam aus zweiter Hand darstellt (52–60), spricht Cicero ab Cato aus eigener Textkenntnis; Lucius Licinius Crassus und Marcus Antonius Orator, die beiden Protagonisten von De oratore, werden ausführlich verglichen (139ff.). Nach einem Exkurs über die Bedeutung des Publikumsurteils (183–200) und der Behandlung der Redner um Hortensius (201–283) weist Cicero die Vorwürfe des Attizismus zurück (284–300). Das Werk gipfelt in einem nicht eben bescheidenen eingehenden Vergleich zwischen den Redekünsten des Hortensius und Ciceros selbst (301–328). Hauptabsicht des Werkes ist weniger eine Literaturgeschichte, schon gar nicht im heutigen Sinne, als eine Verteidigung Ciceros selbst gegen die Vorwürfe der Attizisten, zu denen auch Brutus zählte, sein reicher Stil sei ein Zeichen des Asianismus.
  • Orator („Der Redner“) – nicht zu verwechseln mit dem fast gleichnamigen De oratore. Das im Sommer 46 v. Chr. entstandene Buch ist an Brutus gerichtet und entwirft ein Idealbild des vollkommenen Redners. Entgegen dem damaligen Streit zwischen Attizisten, die – wie Brutus – vom Redner eine möglichst schlichte und exakte Sprache forderten, und Asianisten, die eine kunstvoll gehobene Sprache vertraten, fordert Cicero, dass der beste Redner wie Demosthenes alle Stilebenen beherrschen und sie je nach dem Thema der Rede, ja sogar innerhalb der Rede wechselnd anwenden müsse. Dazu bedarf er umfassender, v. a. philosophischer Bildung. Nur so kann er die drei Aufgaben des Redners: probare, delectare, flectere („beweisen, erfreuen, beugen“) erfüllen, denen Cicero auch die genau geschilderten drei Stilarten zuordnet (76–99). – Im Hauptteil behandelt Cicero die klassischen Arbeitsstadien des Redners, geht aber seinem Thema entsprechend auf die Auffindung (inventio, 44–49) und die Anordnung (dispositio, 50) des Redestoffes nur kurz ein, behandelt dafür jedoch ausführlich die stilistische Formulierung (elocutio, 51–236), insbesondere Stilfiguren und Satzbau inklusive Prosarhythmus.
  • Topica („Topik, Beweislehre“). Juli 44 v. Chr.
  • De optimo genere oratorum („Über die beste Art von Rednern“): Diese vielleicht um 46 v. Chr., nach anderen Einschätzungen schon in den 50-er Jahren v. Chr. entstandene kurze Schrift ist eine Einleitung zur Übersetzung der Reden von Demosthenes und Aischines für und gegen Ktesiphon. Die Einleitung greift v. a. die römischen Attizisten an, ziemlich mit denselben Argumenten wie im Orator. Die Übersetzung selbst ist nicht überliefert, zudem ist unklar, ob Cicero sie überhaupt je ausgeführt hat. Die Echtheit der Schrift wurde teilweise angezweifelt, wird aber heute meist bejaht.

Weitere Schriften

Zu Ciceros weiteren Werken zählen eine Trostschrift, Beiträge zur Geschichtsschreibung, Dichtungen (etwa über sein eigenes Konsulat) sowie Übersetzungen. Diese Werke sind großenteils verloren. Aus den Gedichten sind uns einige Zitate in anderen Werken Ciceros überliefert. Diese Fragmente weisen Cicero jedoch bereits als einen der bedeutendsten – ja vielleicht den bedeutendsten – lateinischen Dichter vor Catull und den anderen Neoterikern aus. Von den Übersetzungen sind große Stücke einer Übertragung von Platons Timaios erhalten, die Cicero vermutlich nie veröffentlicht, sondern nur als Arbeitsübersetzung angefertigt hat. Außerdem besitzen wir die meist als Aratea zitierten Bruchstücke einer Nachdichtung der Himmelserscheinungen des hellenistischen Dichters Aratos von Soloi, der einer der einflussreichsten Autoren seiner Zeit war.

Briefe

Die Briefe Ciceros wurden 1345 bzw. 1389 von Petrarca und dem Florentinischen Staatskanzler und Förderer des Humanismus Coluccio Salutati wiederentdeckt. Insgesamt wurden über 900 Briefe gefunden, was anfänglich Begeisterung auslöste, die in Enttäuschung umschlug, da Cicero in ihnen nicht immer dem Ideal eines Verteidigers der Republik entsprach, als den er sich in seinen Reden und politischen Schriften darstellte.

Die Briefe wurden von Ciceros Sekretär Tiro 48–43 v.Chr. gesammelt und archiviert. Man zählt 4 Kategorien:

Rezeption

Büste Ciceros im Museo Capitolino, Rom

Die Nachwirkung Ciceros durch zwei Jahrtausende schwankte stark in ihrer Intensität. Sie betraf unterschiedliche Bereiche seiner Tätigkeit. Am wichtigsten war seine Rolle als Lehrmeister der Rhetorik und als stilistisches Vorbild, das die Norm einer „klassischen“ lateinischen Sprache setzt und deren Wortschatz festlegt. Folgenreich war auch seine Vermittlung griechischer Philosophie an die lateinischsprachige Welt, wofür er geeignete sprachliche Ausdrucksmittel schuf. Viel Beachtung fand ferner seine Leistung als Staatsmann, die kontrovers beurteilt wurde.

Die Breitenwirkung der philosophischen Schriften Ciceros ergab sich durch ihre didaktische Ausrichtung. Geschätzt wurde und wird seine Fähigkeit, komplexe Fragen übersichtlich zu erläutern und über verschiedene Lösungsversuche allgemeinverständlich zu informieren, ohne dem Leser eine bestimmte Lösung aufzudrängen.

Antike

Da Ciceros ein Gegner sowohl Octavians als auch des Antonius gewesen war, gehörte er in den Jahren nach seinem Tod zu den Personen, die in den herrschenden Kreisen in schlechtem Ruf standen. Als Octavian den Prinzipat einführte und als Kaiser Augustus herrschte (27 v. Chr. – 14 n. Chr.), wurde Cicero als eine der führenden Persönlichkeiten der besiegten Republikaner in der Öffentlichkeit gewöhnlich mit Stillschweigen übergangen; ihn zu loben hätte als Zeichen oppositioneller Gesinnung gedeutet werden können. Die großen Dichter des augusteischen Zeitalters – Horaz, Vergil, Ovid, Properz, Tibull – erwähnten seinen Namen nicht; Horaz wagte höchstens undeutliche Anspielungen, war aber ein eifriger Leser der Tusculanischen Gespräche und ging in seiner Kunsttheorie nicht nur von den Griechen, sondern auch von Cicero aus.

Die Geschichtsschreiber hingegen konnten Cicero wegen seiner historischen Bedeutung nicht einfach übergehen. Cornelius Nepos, dessen Cicero-Biographie nicht erhalten ist, hob seine Fähigkeit hervor, politische Entwicklungen vorauszusehen. Livius äußerte sich anerkennend, aber distanziert und übte auch deutlich Kritik; er meinte, Cicero habe von allem Unglück, das ihm widerfuhr, nur den Tod würdig ertragen. Der Politiker und Geschichtsschreiber Asinius Pollio, der ein Anhänger Caesars und des Antonius gewesen war, verfasste eine Darstellung der zeitgenössischen Bürgerkriege, die nicht erhalten ist; darin ließ er Cicero in ungünstigem Licht erscheinen. Er warf ihm Mangel an Mäßigung in Erfolgszeiten und an Tapferkeit im Unglück vor und meinte, Cicero habe als Anwalt üble Menschen vor Bestrafung bewahrt und sie sich dadurch verpflichtet. Sein Sohn Gaius Asinius Gallus wagte es sogar, Ciceros schriftstellerische Leistung, die auch politische Gegner anzuerkennen pflegten, herabzusetzen; er stellte seinen Vater über Cicero.

Andererseits förderte Octavian Ciceros Sohn Marcus, mit dem er 30 v. Chr. das Konsulat bekleidete. Als der Senat die damnatio memoriae von Ciceros Hauptfeind Antonius beschloss, übernahm Marcus als Konsul die Ausführung; er ließ die Antonius-Statuen zerstören und konnte so für den Tod seines Vaters Rache nehmen. Indem Octavian dies billigte, distanzierte er sich indirekt von dem Mord an Cicero, dem er damals zugestimmt hatte, und vermittelte der Öffentlichkeit den Eindruck, dass diese Tat nur Antonius anzulasten sei.

Das andauernde Interesse an Cicero führte zur Veröffentlichung seiner Korrespondenz, die ihn teilweise in unvorteilhaftem Licht zeigte; Seneca († 65) hat sie bereits gekannt.

Nach dem Tod des Augustus wurde es wieder möglich, vorbehaltlos Bewunderung auch für die politische Leistung Ciceros zu äußern. Dies tat der Geschichtsschreiber Velleius Paterculus, der als begeisterter Anhänger des Kaisertums nicht im Verdacht republikanischer Gesinnung stand. Er folgte der schon von Livius vorgegebenen Linie, für Ciceros Tod ausschließlich Antonius verantwortlich zu machen, und vertuschte den Gegensatz zwischen Ciceros republikanischer Gesinnung und dem monarchischen Prinzip, das dem Kaisertum zugrunde lag. Einen Verteidiger fand Cicero sogar in der Kaiserfamilie: Zu den nicht erhaltenen Werken des Kaisers Claudius gehörte eine Entgegnung auf die Cicero-Kritik des Asinius Gallus. Asconius Pedianus schrieb einen Kommentar zu Reden Ciceros, der teilweise erhalten ist.

Im späten ersten Jahrhundert war nach dem Verblassen des politischen Gegensatzes zwischen republikanischer und monarchischer Gesinnung das Verhältnis kulturell maßgeblicher Kreise zu Cicero bereits völlig unbefangen. Plinius der Ältere meinte, Ciceros De officiis solle täglich gelesen, ja geradezu auswendig gelernt werden, und begeisterte sich auch für seine Leistungen als Staatsmann und als „Vater der Beredsamkeit“.[28] Sein jüngerer Zeitgenosse Quintilian, ein führender Lehrer der Rhetorik, war der Ansicht, Cicero sei jedem griechischen Redner ebenbürtig, und erhob seinen Stil zur Norm. Er meinte, Cicero habe, indem er die Griechen nachahmte, „die Kraft des Demosthenes, die Fülle Platons und die Anmut des Isokrates“ in seinen rhetorischen Leistungen vereint. Er sei mit Recht von seinen Zeitgenossen ein „König vor Gericht“ genannt worden, und für die Nachwelt stehe der Name Cicero nicht mehr nur für eine Person, sondern für die Beredsamkeit schlechthin. Quintilian erneuerte auch das Rednerideal Ciceros, wonach es primär nicht auf technische Fertigkeiten ankommt, sondern auf die Bildung als Voraussetzung für wahre Redekunst; der vollkommene Redner (perfectus orator) ist zugleich Philosoph, er vereint Beredsamkeit mit Weisheit.

Durch Quintilians Urteil, das Eingang ins antike Schulwesen fand, wurde Cicero das maßgebliche stilistische Vorbild für klassische lateinische Prosa. Eine betonte, oft ausschließliche Vorliebe für ihn, für die sich in der Neuzeit die Bezeichnung „Ciceronianismus“ einbürgerte, ist seit Quintilian ein Kernelement des lateinischen Klassizismus. Da Cicero zwar griechische philosophische Ideen in lateinischer Sprache verbreitet hat, aber sein Name nicht mit einer bestimmten von ihm selbst stammenden Idee oder Lehre verbunden ist, beziehen sich Begriffe wie „Ciceronianer“ und „Ciceronianismus“ nur auf die literarische Übernahme seines Stils, seines Wortschatzes und seiner Theorie der Rhetorik. Manchmal ist zusätzlich eine Vorliebe für die von Cicero bevorzugten Literaturgattungen gemeint. Die oft ebenfalls vorhandene Übereinstimmung mit seinen politischen oder philosophischen Ansichten gehört aber nicht unbedingt zu den Merkmalen des Ciceronianismus.

Zu einem ebenfalls sehr positiven, aber differenzierteren Urteil gelangte Tacitus in seinem Dialog über die Redner, worin er den Verfall der Redekunst beklagte. Er sah in Cicero den eigentlichen Schöpfer der römischen Rhetorik, unterschied dabei aber zwischen Jugendwerken, die noch weitschweifig gewesen seien und zu langsam dem Ziel zugestrebt hätten, und den vorbildlichen Meisterleistungen der reifen Zeit. Ein Bewunderer und Nachahmer dieses „besten Musters“ war auch Tacitus’ Freund Plinius der Jüngere. Der griechische Geschichtsschreiber Plutarch verfasste die älteste Cicero-Biographie, die erhalten geblieben ist, im Rahmen seiner parallelen Lebensbeschreibungen jeweils eines Griechen und eines Römers, wobei er Cicero und Demosthenes, aus damaliger Sicht die beiden jeweils bedeutendsten Redner der beiden Völker, einander vergleichend gegenüberstellte.

Um die Mitte des 2. Jahrhunderts war Marcus Cornelius Fronto der führende Lehrer der Beredsamkeit. Er gründete eine nachhaltig einflussreiche Rednerschule und galt als der Cicero seiner Zeit,[29] was das höchstmögliche Lob bedeutete. Auch er sah in Cicero das große Vorbild der Redekunst – und ebenso des Briefstils –, obwohl er eigentlich die altertümliche Ausdrucksweise Catos des Älteren und Sallusts der „Üppigkeit“ Ciceros vorzog.

Im 3. Jahrhundert stellte der Geschichtsschreiber Cassius Dio in seiner Darstellung der spätrepublikanischen Zeit Ciceros Schwächen heraus. Er gab sehr ausführlich eine fiktive polemische Rede eines Cicero-Gegners wieder, doch ohne sich damit zu identifizieren. Außerdem ließ er durchblicken, dass Cicero sich unwürdig verhalten habe, indem er unphilosophische Angst und Schwäche zeigte.[30]

Auch in der Spätantike blieb Ciceros Sprache der normsetzende Vergleichsmaßstab. Quintus Aurelius Symmachus wurde als bedeutendster lateinischsprachiger Redner seiner Epoche gepriesen, indem man ihn mit Cicero verglich.[31] Einen bedeutenden, jahrhundertelang nachwirkenden Beitrag zur Cicero-Rezeption leistete Macrobius mit seinem Kommentar zum Somnium Scipionis, der im Mittelalter eifrig gelesen wurde. In diesem Werk erscheint Cicero als Platoniker, sein Text wird im Sinne einer neuplatonischen Kosmologie und Seelenlehre gedeutet.

Ein intensives, aber teils zwiespältiges Verhältnis zu Cicero hatten die gebildeten lateinischsprachigen Kirchenväter der Spätantike. Bei ihnen galt das Interesse nicht wie früher in erster Linie dem Politiker und Redner Cicero, sondern hauptsächlich dem Philosophen. Der Kirchenvater Laktanz war Rhetoriklehrer und von Ciceros Stil stark beeinflusst. Er meinte, Cicero habe philosophisch so viel erkannt, wie man mit der Vernunft ohne göttliche Offenbarung erkennen könne; er habe zwar Falsches widerlegt, aber zur positiven Wahrheit mangels Kenntnis der christlichen Glaubenslehre keinen Zugang gehabt. In der Spätantike wurde Laktanz mit Cicero verglichen, im Renaissance-Humanismus wurde er wegen seiner Leistungen als Stilist „der christliche Cicero“ genannt. Auch Augustinus studierte in seiner Jugend Rhetorik. Er war von Cicero tief beeindruckt, besonders von dessen damals populärem Dialog Hortensius, einer Aufforderung zur Philosophie. Die Lektüre des Hortensius brachte ihn zur religiösen Philosophie und damit auf einen Weg, der ihn schließlich zur Bekehrung zum Christentum führte. Als Christ behielt Augustinus seine hohe Wertschätzung für Cicero, den er nun als Vorläufer des Christentums auffasste. Ein weit problematischeres Verhältnis zu Cicero hatte der gelehrte Kirchenvater Hieronymus, der seine literarische Ausbildung in Rom erhalten hatte. Er erlebte im Fieber eine beängstigende Traumvision, worin er vor dem Richterstuhl Gottes stand und beschuldigt wurde, kein Christ zu sein, sondern ein Ciceronianer (Ciceronianus es, non Christianus).[32] Darauf versprach Hieronymus, sich von den Büchern Ciceros zu trennen, um Gottes Gnade zu erlangen, doch kannte er Texte aus diesen Werken bereits auswendig und musste bekennen, dass er das bereits erworbene Wissen nicht aus seinem Gedächtnis tilgen konnte. Dies brachte ihn in schwere Gewissensnot, da er die Beschäftigung mit solchem Schrifttum als sündhaft betrachtete. Dennoch waren alle seine Werke, auch die späteren, vom Einfluss Ciceros geprägt.

Im 6. Jahrhundert schrieb Boëthius einen Kommentar zu Ciceros Topica.

Mittelalter

Die von Hieronymus eingeleitete negative Bewertung der Cicero-Studien erreichte einen Höhepunkt mit Papst Gregor dem Großen, der von 590 bis 604 amtierte. Er beklagte, dass die Freude an Ciceros Stil junge Menschen von der Bibellektüre abhalte, und meinte daher, dass die Werke des heidnischen Redners vernichtet werden sollten. In der Folgezeit ging die Beschäftigung mit Cicero stark zurück und verharrte lange auf niedrigem Niveau. Die Unkenntnis war so groß, dass sogar die Meinung vertreten wurde, Cicero und Tullius seien zwei verschiedene Personen. Erst in der Zeit der Karolinger erwachte das Interesse an ihm bei einzelnen Gelehrten wie Alkuin und Servatus Lupus von Ferrières, später auch bei Papst Silvester II. (Gerbert von Aurillac, † 1003), der sich besonders mit den Reden befasste und ihren Stil nachahmte.[33] Ab dem 11. Jahrhundert nahm die Rezeption deutlich zu; besonders De officiis fand Anklang, da dieses Werk Themen behandelt, die auch für die christliche Morallehre wichtig waren. Verbreitet war die Redewendung von der „tullianischen Beredsamkeit“, auf die man etwa zurückgriff, um zu betonen, eine Meinung stehe so fest, dass sie nicht einmal mit Ciceros Überzeugungskraft erschüttert werden könnte. Beliebt war auch der schon in der Spätantike verwendete Topos, etwas sei so unbeschreiblich, dass selbst Cicero (Tullius) verstummen würde. Man pflegte ihn „Tullius“ zu nennen, und einige seiner Werke gehörten zur Schullektüre.[34] Er wurde aber mehr gelobt als tatsächlich verstanden und nachgeahmt. Oft schöpfte man das Wissen über ihn nicht aus seinen eigenen Werken, sondern aus denen der Kirchenväter, die sich mit ihm auseinandergesetzt hatten. Sehr wenig bekannt waren seine Briefe.

Die Aufmerksamkeit der Gebildeten richtete sich besonders auf seine Dialoge Über das Alter (Cato de senectute) und Über die Freundschaft (Laelius de amicitia), auf De officiis sowie auf das von Macrobius kommentierte Somnium Scipionis, dessen Jenseitsthematik die mittelalterlichen Christen interessierte. Im 12. Jahrhundert verfasste der Zisterzienserabt Aelred von Rievaulx eine Schrift Über die geistliche Freundschaft als christliches Gegenstück zum Dialog Laelius de amicitia, mit dem er sich auseinandersetzte. Im Rhetorikunterricht verwendete man hauptsächlich Ciceros Jugendwerk De inventione, von dem er sich später selbst distanziert hatte, und das ihm irrtümlich zugeschriebene Lehrbuch Rhetorica ad Herennium – beides Schriften technischen Charakters, die mit Ciceros Hauptanliegen, der Bildung, wenig zu tun haben.[35] Seine rhetorischen Regeln wurden auch auf die Predigttechnik angewendet. In der bildenden Kunst stellte man ihn als Verkörperung der Rhetorik dar.

Als im 13. Jahrhundert in Italien der Vorhumanismus (Prähumanismus) einsetzte, nahm das Interesse an Cicero in literarisch orientierten Kreisen zu. Auch bei den scholastischen Gelehrten, sogar den Theologen, stand er in hohem Ansehen. Der Kirchenlehrer Thomas von Aquin berief sich oft auf ihn und widersprach seinen Ansichten fast nie. Auch Dante zitierte ihn häufig und erzählte, dass der Dialog Über die Freundschaft ihn stark beeindruckt und ihm den Weg zur Philosophie gezeigt hatte.[36] Seine Benützung der italienischen Volkssprache (volgare) in literarischen Werken rechtfertigte er unter Berufung auf Cicero.

Frührenaissance

Mit dem Einsetzen der Renaissance erhielt Cicero wieder die Autorität des unumstrittenen stilistischen Vorbilds auf dem Gebiet der lateinischen Prosa. Bei der Wiederanknüpfung an ihn im italienischen Humanismus spielte Francesco Petrarca eine zentrale, bahnbrechende Rolle. Er entdeckte im Jahr 1345 in der Dombibliothek von Verona eine Handschrift, die Hunderte von verschollenen Briefen Ciceros enthielt. Dieser Fund erschloss den Humanisten einen neuen, direkten Zugang zur Persönlichkeit und politischen Rolle des römischen Staatsmanns. Nachdem man sich in den vorhergehenden Jahrhunderten auf literarische und philosophische Aspekte seines Werks konzentriert hatte, zeigten ihn die neu entdeckten Briefe als Mensch mit menschlichen Schwächen, als Freund und Familienvater. Nun wurde Cicero zunehmend auch für die Kunst des Briefschreibens der Lehrmeister der Humanisten, und der Brief als Kunstform breitete sich aus. Petrarca, der auch zwei Reden Ciceros wiederentdeckte, trat sogar in einen literarischen Dialog mit ihm; er schrieb ihm 1345 zwei fiktive Briefe, worin er ihm überschwänglich dafür dankte, den Humanisten „das Wenige an Eleganz und Kunst der Darstellung“, das sie (im Vergleich mit ihrem antiken Vorbild) besaßen, vermittelt zu haben. Zugleich äußerte er aber auch Enttäuschung über manche aus den Briefen ersichtliche Verhaltensweisen Ciceros, die er missbilligte.[37] Für Humanisten wie Giovanni Boccaccio und Coluccio Salutati bedeutete es höchstes Lob, dass man ihren Stil mit dem Ciceros verglich. Salutati wurde von einem Zeitgenossen als „Affe Ciceros“ bezeichnet, was dem Zusammenhang nach als Kompliment gemeint war. 1392 entdeckte Salutati in Verona weitere Briefe Ciceros, Poggio Bracciolini fand in Klosterbibliotheken verschollene Reden. Leonardo Bruni verfasste 1415 eine Cicero-Biographie, den Cicero novus, worin er besonders hervorhob, Cicero sei die Vereinigung des aktiven, politischen mit dem beschaulichen, zurückgezogenen Leben geglückt. Die Frage des Verhältnisses zwischen diesen beiden Lebensweisen bei Cicero war schon im Mittelalter thematisiert worden (bis zum 13. Jahrhundert galt er als Kronzeuge für den Vorrang eines beschaulichen Lebens), und die Renaissance-Humanisten setzten die Erörterung fort.

Ab der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts waren De inventione und das Cicero fälschlich zugeschriebene Lehrbuch Auctor ad Herennium auch in italienischen Fassungen verbreitet.[38]

Auf Ciceros Begriff humanitas ging die Bezeichnung studia humanitatis für das humanistische Bildungsprogramm zurück. Das Ziel war, philosophische Bildung mit sprachlicher Meisterschaft zu verbinden. Der Ausgangspunkt für dieses Konzept war Ciceros Feststellung in De inventione, dass Weisheit (sapientia) ohne rhetorische Überzeugungskraft (eloquentia, Beredsamkeit) dem Staat kaum nütze und Beredsamkeit ohne Weisheit ihm sogar schweren Schaden zufügen könne und niemals Nutzen bringe. Nur die Verbindung beider sei hilfreich. Der Unterricht im Sinne dieses Programms sollte nach humanistischer Auffassung früh beginnen; der berühmte Gelehrte und Pädagoge Guarino da Verona meinte überspitzt, man solle Ciceros Schriften den Kindern bereits mit der Muttermilch verabreichen.[39]

Radikale „Ciceronianer“ wie Gasparino Barzizza, Guarino da Verona, Paolo Cortesi und Ermolao Barbaro wollten keinerlei Abweichungen vom klassischen Latein Ciceros dulden. Andere Humanisten wie Petrarca, Angelo Poliziano, Leonardo Bruni und Gianfrancesco Pico della Mirandola traten für ein freieres Verhältnis zum Vorbild ein. Sie meinten, man solle nicht so schreiben, wie Cicero es tat, sondern so, wie er es unter den Bedingungen der Gegenwart täte; es sei besser, seinen Geist nachzuahmen, als sich an stilistische Äußerlichkeiten zu klammern. Die Meinungsverschiedenheiten wurden in heftigen Debatten ausgetragen.[40]

Aufsehen erregte Lorenzo Valla mit seiner bewusst provozierenden Behauptung, Quintilian sei Cicero als Meister der Redekunst überlegen.

Frühe Neuzeit

Früher Druck von Ciceros Epistulae ad familiares (Venedig 1547) mit humanistischen Kommentaren

Gegen Ende des 15. Jahrhunderts wurde der an Ciceros Humanitas-Begriff anknüpfende Ausdruck humanista (Humanist) gebräuchlich, zunächst als Berufsbezeichnung für Inhaber von Lehrstühlen humanistischer Fächer, ab dem 16. Jahrhundert auch allgemein als Selbstbezeichnung humanistisch Gebildeter.

Erasmus von Rotterdam († 1536) teilte die allgemeine Cicero-Begeisterung der Humanisten, kritisierte aber die verbreitete Vorstellung, man habe unter allen römischen Schriftstellern nur diesen einen als stilistische Autorität zu akzeptieren und nachzuahmen. In seiner 1528 erschienenen Schrift Ciceronianus oder Über die beste Art des Redens distanzierte er sich von einer aus seiner Sicht sklavischen, pedantischen Imitation des Meisters. Er meinte, man solle sich zum Vorbild nicht wie ein Affe verhalten, sondern wie ein Sohn. Die ciceronianische Position hatte Paolo Cortesi drastisch formuliert: er wolle lieber Ciceros Sohn sein als sein Affe, aber lieber Ciceros Affe als anderer Autoren Sohn.[41] Erasmus argumentierte, es gebe gar keinen einheitlichen Stil Ciceros, sondern sein Werk sei gerade durch seine Variationsbreite und Anpassung an das jeweils Angemessene vorbildlich. Andererseits bewunderte Erasmus aber auch die bedeutenden Ciceronianer unter seinen Zeitgenossen, unter denen der Kardinal Pietro Bembo (1470–1547) herausragte. Bembo argumentierte, man könne sich die lateinische Sprache nur durch Nachahmung aneignen, und wenn man nachahme, solle man den Besten nachahmen. Die Debatte über das angemessene Verhältnis zum Vorbild Cicero dauerte bis ins 18. Jahrhundert an. Ein wichtiges Werkzeug der Ciceronianer war der von Mario Nizolio geschaffene Thesaurus Ciceronianus, ein Wörterbuch zu Ciceros Sprachgebrauch mit Belegen und Erläuterungen.

Während der strenge Ciceronianismus im späten 16. und frühen 17. Jahrhundert in der Gelehrtenwelt an Anziehungskraft verlor, setzte er sich im schulischen Bereich völlig durch, vor allem im jesuitischen Schulwesen. Dabei lautete das schon von Bembo dargelegte Hauptargument der Ciceronianer, es gebe in der Entwicklung einer Sprache einen Moment höchster Perfektion, der als Optimum festzuhalten sei und dem daher Vorbildcharakter zukomme. Die so angestrebte Optimierung hatte aber ihren Preis: Das Lateinische, das im Mittelalter – besonders in der Epoche der Scholastik – noch sehr flexibel, entwicklungsfähig und insofern „lebendig“ gewesen war, wurde erst durch den strengen Ciceronianismus der konservativen Humanisten zu einer fixierten „toten“ Sprache. Die verbindliche Begrenzung auf den klassischen Stil und Wortschatz Ciceros bedeutete eine Erstarrung, die Weiterentwicklung ausschloss.

In Frankreich war die Cicero-Rezeption zwar nicht so stark wie in Italien, aber auch dort setzte sich das humanistische Bildungsideal durch, zu dem die Fähigkeit gehörte, sich im Stil Ciceros elegant lateinisch auszudrücken. In diesem Sinne äußerte sich u. a. François Rabelais. Die Kritik des Erasmus am Ciceronianismus stieß auf heftige Ablehnung, u. a. bei Julius Caesar Scaliger und Étienne Dolet. Eine Ausnahme von der meist vorbehaltlosen Bewunderung Ciceros bildete das differenzierte Urteil von Michel de Montaigne, der vor Kritik nicht zurückschreckte. Montaigne warf dem römischen Staatsmann Eitelkeit und Ruhmsucht vor und meinte, er sei ein guter Bürger gewesen, aber von weichem Charakter. Die philosophischen Werke, besonders diejenigen über moralische Themen, kritisierte er als zu wortreich, weitschweifig, substanzarm und daher langweilig. Es fehle an durchschlagender Beweisführung, und der Kern eines Problems werde eher umgangen als geklärt.

In Deutschland, insbesondere den evangelischen Gebieten, war der Einfluss Ciceros relativ schwach, obwohl er auch im deutschsprachigen Raum Schulautor war und Luther seine philosophischen Schriften zur Lektüre empfohlen hatte. Man las Cicero weniger um seiner selbst willen als vielmehr um seine Redekunst für eigene Zwecke nutzbar zu machen. Dies änderte sich auch im 18. Jahrhundert kaum, zumal damals die Wertschätzung in erster Linie den Griechen galt.

Unter den Aufklärern trat vor allem Voltaire als Verehrer Ciceros hervor. Er schätzte ihn als Gegner des Despotismus und meinte, seine philosophischen Leistungen seien denen der griechischen Philosophen gleichwertig. Voltaire schrieb ein Theaterstück Catilina oder Das gerettete Rom. Er machte darin Cicero zum Helden und spielte selbst im Jahr 1751 bei Aufführungen auf Privatbühnen dessen Rolle.[42]

In Nordamerika war in den britischen Kolonien, als sich im 18. Jahrhundert die Loslösung von Großbritannien und die Gründung der USA anbahnte, die Berufung auf die republikanische Tradition der Antike in den führenden Kreisen der Unabhängigkeitsbewegung sehr populär. In unzähligen Reden und Schriften nahm man auf die römischen „Patrioten“ Cicero und Brutus als Kämpfer gegen die Tyrannei Bezug. John Adams, der zu den Gründervätern des neuen Staates gehörte und zweiter Präsident der USA wurde, war der Meinung, dass im gesamten Verlauf der Weltgeschichte niemand Cicero hinsichtlich der Vereinigung der Fähigkeiten eines Staatsmanns und eines Philosophen übertroffen habe. Er sah in ihm das klassische Vorbild bürgerlicher Tugend. Auch andere Gründerväter wie Thomas Jefferson und John Dickinson und Publizisten wie Josiah Quincy II und James Otis verehrten Cicero und stützten sich in ihrer Polemik gegen die Monarchie und beim Eintreten für das Naturrecht auf seine Gedanken. Jefferson las ihn im Original und zitierte ihn gern. Er betonte seine außerordentliche Wertschätzung für die philosophische Haltung, patriotische Gesinnung und Beredsamkeit des römischen Staatsmannes, tadelte ihn aber wegen Weitschweifigkeit.[43]

Moderne

Die Französische Revolution, deren Wortführer sich gern auf altrömische republikanische Tugenden beriefen, führte zu einer Steigerung der traditionellen Cicero-Bewunderung und gab ihr zugleich eine neue Ausrichtung. Nun galt der berühmte Redner zusammen mit dem jüngeren Cato und Brutus, den bekanntesten Gegnern Caesars, als Vorkämpfer der Freiheit und der republikanischen Verfassung gegen die Despotie. In diesem Sinne wurde auch sein Auftreten gegen Catilina gewürdigt. Auch in formaler Hinsicht blieb er das große Vorbild; die führenden Revolutionäre, die als Redner glänzen wollten, pflegten ihre Ansprachen nach seinem Muster zu formen. Sie bewunderten seine Fähigkeit, mit den Mitteln der Rhetorik einen gestaltenden Einfluss auf die Politik zu gewinnen. In ihren Reden wimmelte es von Vergleichen zwischen den aktuellen Verhältnissen und denjenigen der Epoche Ciceros sowie von einschlägigen Anspielungen, wobei die Kenntnis der Klassikertexte vorausgesetzt wurde. Der Girondist Pierre Vergniaud wurde „Cicero“ genannt.[44]

Ganz anders entwickelte sich das Cicerobild im 19. Jahrhundert in Deutschland. Dort herrschte weithin in der Altertumswissenschaft ebenso wie in der Geschichtsphilosophie die Auffassung, der Sieg Caesars und des monarchischen Prinzips sei eine unausweichliche historische Notwendigkeit gewesen und der Widerstand der Republikaner dagegen sinnlos; Caesar habe das Zeitgemäße und daher Richtige getan, Cicero habe dies nicht erkennen können und daher scheitern müssen. Ein besonders prominenter Vertreter dieser Ansicht war Hegel. Der Historiker Wilhelm Drumann veröffentlichte 1834–1844 eine sechsbändige Geschichte des Übergangs von der republikanischen zur monarchischen Verfassung in Rom, ein Standardwerk, dessen sechster Band ausschließlich Cicero gewidmet ist. In dieser sehr gründlichen, aber einseitigen Untersuchung prangerte er Ciceros Schwanken zwischen verschiedenen Parteirichtungen an und schilderte ihn als haltlosen Opportunisten. Drumanns Sichtweise schloss sich später Theodor Mommsen an, der noch schärfer formulierte und eine vernichtende Kritik sowohl an der schriftstellerischen und philosophischen Leistung Ciceros als auch an seiner Politik übte. Er hielt ihn für „eine Journalistennatur im schlechtesten Sinne des Wortes“, für einen Kompilator, der mangels eigener Ideen nur fremde oberflächlich wiedergab, der an Worten reich und an Gedanken arm war. Im 1856 erschienenen dritten Band seiner Römischen Geschichte schrieb er:

Marcus Cicero …, gewohnt bald mit den Demokraten, bald mit Pompeius, bald aus etwas weiterer Ferne mit der Aristokratie zu liebäugeln und jedem einflussreichen Beklagten ohne Unterschied der Person oder Partei – auch Catilina zählte er unter seinen Clienten – Advokatendienste zu leisten, eigentlich von keiner Partei oder, was ziemlich dasselbe ist, von der Partei der materiellen Interessen, … Als Staatsmann ohne Einsicht, Ansicht und Absicht, hat er nach einander als Demokrat, als Aristokrat und als Werkzeug der Monarchen figurirt und ist nie mehr gewesen als ein kurzsichtiger Egoist.[45]

Mommsens Verdammungsurteil erregte großes Aufsehen und erzielte eine starke Nachwirkung. Im frühen 20. Jahrhundert verbreitete sich seine Sichtweise auch durch die einflussreiche populärwissenschaftliche Darstellung von Theodor Birt. Auch außerhalb Deutschlands fand sie Anklang, doch distanzierten sich Zeitgenossen Mommsens wie Gaston Boissier und die meisten späteren Historiker davon; sie stuften Mommsens Wertung als einseitig und allenfalls teilweise berechtigt ein. Manche Gelehrte, darunter Tadeusz Stefan Zieliński und Emanuele Ciaceri, strebten eine generelle „Rehabilitierung“ Ciceros an. Die Verteidiger Ciceros unterstellten seinen modernen Verurteilern, sie hätten politische Gegensätze ihrer eigenen Epoche auf das antike Rom übertragen und seien so zu einer parteiischen Perspektive gelangt.

In den USA wirkte die Bewunderung der Gründerväter-Generation für Cicero im 19. und 20. Jahrhundert nach. Nach ihm wurden die 1857 gegründete Stadt Cicero in Illinois sowie verschiedene Ortschaften benannt. Präsident Harry S. Truman (1945–1953) hielt ihn und Demosthenes für die beiden überzeugendsten Redner der Weltgeschichte; er las die Reden Ciceros im lateinischen Original und übersetzte sie ins Englische.

Werke Ciceros gehören noch heute zum Kern des gymnasialen Lateinunterrichts.

Ausgaben und Übersetzungen

Gesamtausgaben

  • M. Tulli Ciceronis opera quae supersunt omnia, lat. Kritische Gesamtausgabe in Einzelbänden versch. Hrsg. in versch. Auflagen. Leipzig bzw. Stuttgart: B. G. Teubner (Bibliotheca Teubneriana).
  • Works, lat.-engl. Gesamtausgabe in Einzelbänden, versch. Hrsg. in versch. Auflagen. Loeb, London/Cambridge, Mass. (Loeb Classical Library).

Reden

  • M. Tulli Ciceronis Orationes, lat. Kritisch hrsg. von A. C. Clark und W. Peterson. 6 Bde., Oxford 1905–1918 u.ö. (Bibliotheca Oxoniensis).
  • Sämtliche Reden. Eingeleitet, übers. und erl. von Manfred Fuhrmann. Zürich: Artemis 1971 ff.
  • Die politischen Reden, lat.-dt. Hrsg., übers. und erl. von Manfred Fuhrmann. 3 Bde. München: Artemis und Winkler 1993.
  • Die Reden gegen Verres, lat.-dt. Hrsg., übers. und erl. von Manfred Fuhrmann. München: Artemis und Winkler 1995.
  • Die Prozessreden, lat.-dt. Hrsg., übers. und erl. von Manfred Fuhrmann. 2 Bde. München: Artemis und Winkler 1997.

Philosophische Schriften

  • Der Staat (De re publica), lat.-dt. Hrsg. und übers. von Karl Büchner. 4. Aufl., München/Zürich: Artemis und Winkler 1987.
  • Hortensius, Lucullus, Academici libri, lat.-dt. Hrsg. und übers. von Laila Straume-Zimmermann, F. Broemser und Olof Gigon. München/Zürich: Artemis und Winkler 1990.
  • Über die Ziele menschlichen Handelns (De finibus), lat.-dt. Hrsg. und übers. von Olof Gigon. München/Zürich: Artemis und Winkler 1988.
  • Gespräche in Tusculum. Tusculanae disputationes. Hrsg. von Olof Gigon. 7. Aufl., München/Zürich: Artemis und Winkler 1998.
  • Tusculanae disputationes. Hrsg.: Max Pohlenz, Bibliotheca Teubneriana, 1918.
  • Vom Wesen der Götter (De natura deorum), lat.-dt. Hrsg. und übers. von W. Gerlach und Karl Bayer. 3. Aufl., München/Zürich: Artemis und Winkler 1990.
  • Über das Fatum (De fato), lat.-dt. Hrsg. und übers. von Karl Bayer. 3. Aufl., München/Zürich: Artemis und Winkler 1980.
  • Cato Maior. Laelius, lat.-dt. Hrsg. und übers. von M. Faltner. München/Zürich: Artemis und Winkler 1988.
  • Vom rechten Handeln (De officiis), lat.-dt. Hrsg. und übers. von Karl Büchner. 3. Aufl., München/Zürich: Artemis und Winkler 1987.

Rhetorische Schriften

  • De oratore – Über den Redner, lat.-dt. Hrsg. und übers. von H. Merklin. Stuttgart: Reclam 1978 u.ö.
  • Brutus, lat.-dt. Hrsg. und übers. von Bernhard Kytzler. 4. Aufl., München/Zürich: Artemis und Winkler 1990.
  • Orator, lat.-dt. Hrsg. und übers. von Bernhard Kytzler. 3. Aufl., München/Zürich: Artemis und Winkler 1988.

Briefe

  • Epistulae ad familiares, lat. Hrsgg. und kommentiert von D. R. Shackleton Bailey. 2 Bde., Cambridge: University Press 1977.
  • Epistulae ad familiares. Libri I-XVI, lat. Hrsgg. von D. R. Shackleton Bailey. Stuttgart: Teubner 1988.
  • An seine Freunde (Ad familiares), lat.-dt. Hrsgg. und übers. von Helmut Kasten. 4. Aufl., München/Zürich: Artemis und Winkler 1989.
  • Letters to Atticus (Ad Atticum), lat.-engl. Hrsgg., übers. und kommentiert von D. R. Shackleton Bailey. 7 Bde., Cambridge 1965–1970.
  • Atticus-Briefe (Ad Atticum), lat.-dt. Hsrgg. und übers. von Helmut Kasten. 4. Aufl., München/Zürich: Artemis und Winkler 1990.
  • Epistulae ad Quintum fratrem et M. Brutum, lat. Hrsgg. und kommentiert von D. R. Shackleton Bailey. Cambridge: University Press 1980.
  • An Bruder Quintus, An Brutus (Ad Quintum fratrem, Ad Brutum), lat.-dt. Hsrgg. und übers. von Helmut Kasten. München/Zürich: Artemis und Winkler 1965.

Anthologien

  • Marion Giebel (Hrsg.): Cicero zum Vergnügen. Stuttgart, Reclam 1997.
  • Karl-Wilhelm Weeber (Hrsg.): Cicero für Juristen. Frankfurt am Main: Insel 1999. ISBN 3-458-34242-7

Literatur

Allgemeines

  • Anthony Everitt: Cicero: ein turbulentes Leben. DuMont, Köln 2003.
  • Manfred Fuhrmann: Cicero und die römische Republik. Eine Biographie. Artemis und Winkler, München-Zürich 1989, 4. Aufl. 1997, ISBN 3-7608-1919-2.
  • Günther Gawlick, Woldemar Görler: Cicero. In Hellmut Flashar (Hrsg.): Grundriss der Geschichte der Philosophie. Bd. 4/2, Die hellenistische Philosophie. Schwabe, Basel 1994.
  • Matthias Gelzer: Cicero. Ein biographischer Versuch. Wiesbaden 1969. (Beruht auf: M. Tullius Cicero (als Politiker). In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band VII A, Stuttgart VII A, Sp. 827–1091.)
  • Marion Giebel: Marcus Tullius Cicero. Rowohlt, Hamburg 1991, ISBN 3-499-50261-5.
  • Woldemar Görler: Untersuchungen zu Ciceros Philosophie. Winter, Heidelberg 1974.
  • Pierre Grimal: Cicero: Philosoph, Politiker, Rhetor. List, München 1988.
  • Christian Habicht: Cicero der Politiker. C.H. Beck, München 1990.
  • Otto Seel: Cicero. Wort – Staat – Welt. 2. Aufl. Ernst Klett, Stuttgart 1961.
  • Wilfried Stroh: Cicero. Redner, Staatsmann, Philosoph. C.H. Beck, München 2008.

Reden

  • Michael Alexander: The Case for the Prosecution in the Ciceronian Era. Ann Arbor 2002.
  • Stefan Bittner: Ciceros Rhetorik – Eine Bildungstheorie. Von der Redetechnik zur humanitären Eloquenz. Frechen 1999.
  • Alfons Bürge: Die Juristenkomik in Ciceros Rede Pro Murena: Übersetzung und Kommentar. Zürich 1974.
  • Shane Butler: The Hand of Cicero. London/New York 2002.
  • Christopher P. Craig: The role of rational argumentation in selected judicial speeches of Cicero. Michigan 1982.
  • Richard Clare MacClintock: Cicero’s narrative technique in the judicial speeches. Michigan 1975.
  • Johannes Platschek: Studien zu Ciceros Rede für P. Quinctius. München 2005.
  • Jonathan Powell, Jeremy Paterson (Hrsg.): Cicero the advocate. Oxford 2004.
  • Wilfried Stroh: Taxis und Taktik. Die advokatische Dispositionskunst in Ciceros Gerichtsreden. Stuttgart 1975.

Wirkung

  • Carl Becker: Cicero. B: Nachleben. In: Reallexikon für Antike und Christentum, Band 3, Stuttgart 1957, Sp. 90–127.
  • Carl Joachim Classen: Cicerostudien in der Romania im 15. und 16. Jahrhundert. In: Gerhard Radke (Hrsg): Cicero ein Mensch seiner Zeit. Berlin 1968, S. 198–245.
  • Helene Homeyer: Ciceros Tod im Urteil der Nachwelt. In: Das Altertum 17 (1971) S. 165–174.
  • Peter Kesting: Cicero, Marcus Tullius. In: Verfasserlexikon, 2. Auflage, Bd. 1, Berlin 1978, Sp. 1274–1282 (Cicero im Mittelalter).
  • Will Richter: Das Cicerobild der römischen Kaiserzeit. In: Gerhard Radke (Hrsg): Cicero ein Mensch seiner Zeit, Berlin 1968, S. 161–197.
  • Walter Rüegg u. a.: Cicero in Mittelalter und Humanismus. In: Lexikon des Mittelalters, Band 2, München 1983, Sp. 2063–2077.
  • Francesco Tateo u. a.: Ciceronianismus. In: Historisches Wörterbuch der Rhetorik, Band 2, Darmstadt 1994, Sp. 225–247.
  • Bruno Weil: 2000 Jahre Cicero. Zürich 1962 (materialreiche, aber stark subjektiv geprägte Darstellung).

Belletristik

  • Taylor Caldwell: Eine Säule aus Erz. 3. Auflage, Heyne, München 1979. ISBN 3-453-00524-4 (Roman über das Leben Ciceros)
  • Robert Harris: Imperium. Heyne, München 2006. ISBN 3-453-26538-6 (Roman; erster Teil einer Romantrilogie über die Zeit Ciceros)

Weblinks

Quelle
Werke
Literatur

Anmerkungen

  1. Plutarch: Leben des Cicero 2,2
  2. Plutarch: Leben des Cicero 29.
  3. Plutarch: Leben des Cicero 20ff.
  4. Plutarch: Leben des Cicero 41
  5. Cicero: Ad Atticum 11, 22, 3.
  6. Cicero: Ad Atticum 12, 14, 3.
  7. Ad familiares 4, 5.
  8. Cicero: De lege Manilia 44.
  9. Die Rede in toga candida ist nur im Kommentar von Asconius Pedianus erhalten.
  10. Gemeint ist die popularis levitas, vgl. Philippische Reden 5.46
  11. Conservare (er-, behalten) ist ein Wort, das Cicero sehr oft verwendet, bes. in der Rede Pro Marcello sowie in den Schriften Brutus und De inventione
  12. Cicero lobt vor allem in ad familiares 4, 13, 2 sowie 6, 6, 8 Caesars humanitas
  13. Rede Pro Marcello 1, epistulae ad familiares 4, 4, 4; Collins, Caesar and the Corruption of the Power, in; Historia 1955, H. 4, S. 445–465, auch in: Wege der Forschung 43, Darmstadt 1967, 379–412, bes. 387
  14. Orationes in Catilinam 3, 15, 29 sowie 4, 3 f. 18
  15. Platon, epistulae 358a.
  16. Rede Pro Marcello 26
  17. Im ersten Buch von de officiis betont Cicero mehrmals die clementia des Staatsmanns.
  18. Rede Pro Marcello 23
  19. Auch in den epistulae ad Atticum gibt Cicero immer wieder bissige Bemerkungen, später verachtet er Caesar immer mehr (bes. de officiis)
  20. Zu diesen und anderen Ehrungen für Caesar vgl. Seel, Cicero – Wort, Staat, Welt, S. 409
  21. Epistulae ad Atticum 12, 45, 2 sowie 12, 28, 3
  22. Cicero behauptet dies in ad familiares 9, 15, 4
  23. Philippische Reden, 2, 28.30
  24. Manfred Fuhrmann: Cicero. Artemis, München 1989, S. 41.
  25. Cicero: Ad Atticum 14, 12, 3.
  26. Cicero: Laelius de amicitia 5.
  27. vermutlich identisch mit Gaius Aurelius Cotta (Konsul 75 v. Chr.)
  28. Zu Plinius’ Cicero-Verherrlichung siehe Will Richter: Das Cicerobild der römischen Kaiserzeit, in: Gerhard Radke (Hrsg.): Cicero, ein Mensch seiner Zeit, Berlin 1968, S. 166f.
  29. Carl Becker: Artikel Cicero. B: Nachleben, in: Reallexikon für Antike und Christentum, Band 3, Stuttgart 1957, Sp. 101.
  30. Will Richter: Das Cicerobild der römischen Kaiserzeit, in: Gerhard Radke (Hrsg.): Cicero, ein Mensch seiner Zeit, Berlin 1968, S. 192–197.
  31. Carl Becker: Artikel Cicero. B: Nachleben, in: Reallexikon für Antike und Christentum, Band 3, Stuttgart 1957, Sp. 103.
  32. Hieronymus: Briefe 22,30 (Ad Eustochium).
  33. Zur frühmittelalterlichen Cicero-Rezeption siehe John Moorhead: Aspects of the Carolingian Response to Cicero, in: Philologus 129 (1985) S. 109–120.
  34. Peter Leberecht Schmidt: Bemerkungen zur Position Ciceros im mittelalterlichen Geschichtsbild, in: Ciceroniana 11 (2000) S. 28.
  35. Zur Rezeption dieser Werke siehe John O. Ward: The Medieval and Early Renaissance Study of Cicero’s De inventione and the Rhetorica ad Herennium: Commentaries and Contexts, in: Virginia Cox / John O. Ward (Hrsg.): The Rhetoric of Cicero in Its Medieval and Early Renaissance Commentary Tradition, Leiden 2006, S. 3–75.
  36. Dante: Convivio 2.12.3ff.
  37. Zu dieser berühmten „Korrespondenz“ Petrarcas mit Cicero siehe Peter L. Schmidt: Traditio Latinitatis, Stuttgart 2000, S. 142ff., 274–282.
  38. Siehe dazu Virginia Cox: Ciceronian Rhetoric in the Vernacular in Italy, 1260–1500, in: Virginia Cox/John O. Ward (Hrsg.): The Rhetoric of Cicero in Its Medieval and Early Renaissance Commentary Tradition, Leiden 2006, S. 136–143.
  39. Zu Cicero als Schulautor in der Renaissance siehe Robert Black: Cicero in the Curriculum of Italian Renaissance Grammar Schools, in: Ciceroniana 9 (1996) S. 105–120.
  40. Eine Ausgabe und englische Übersetzung einschlägiger Humanistentexte besorgten Joann Dellaneva und Brian Duvick: Ciceronian Controversies, Cambridge (Mass.) 2007. Vgl. Carl Joachim Classen: Antike Rhetorik im Zeitalter des Humanismus, München 2003, S. 7–19.
  41. Brief Cortesis an Poliziano, in: Joann Dellaneva und Brian Duvick (Hrsg): Ciceronian Controversies, Cambridge (Mass.) 2007, S. 8–10.
  42. René Martin: Présence de Cicéron sur les tréteaux français, ou les métamorphoses d’un grand homme, in: Raymond Chevallier (Hrsg.): Présence de Cicéron, Paris 1984, S. 236–242.
  43. Zu dieser nordamerikanischen Cicero-Rezeption siehe Bruno Weil: 2000 Jahre Cicero, Zürich 1962, S. 258–281; Meyer Reinhold: The Influence of Cicero on John Adams, in: Ciceroniana 8 (1994) S. 45–51.
  44. Zur französischen Cicero-Rezeption in der Revolutionszeit siehe Bruno Weil: 2000 Jahre Cicero, Zürich 1962, S. 228–257.
  45. Theodor Mommsen: Römische Geschichte, 3. Band, 6. Auflage, Berlin 1875, S. 180 und 619.


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