Moa Nalos

Moa Nalos
Moa-Nalos
Kauai-Moa Nalo (Chelychelynechen quassus)Rekonstruktion anhand von Schnabelform und Verwandtschaft

Kauai-Moa Nalo (Chelychelynechen quassus)
Rekonstruktion anhand von Schnabelform und Verwandtschaft

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Gänsevögel (Anseriformes)
Familie: Entenvögel (Anatidae)
incertae sedis
Tribus: Moa-Nalos
Wissenschaftlicher Name
Thambetochenini

Die Moa-Nalos waren endemische Entenvögel (Anatidae) der Hawaii-Inseln.

Das Wort Moa-Nalo setzt sich zusammen aus Hawaiisch "Moa" für Geflügel und "nalo", was verloren oder vergessen heißt. [1]

Inhaltsverzeichnis

Lebensweise

Sie waren vor Ankunft der Menschen die größten Pflanzenfresser Hawaiis, die eine ähnliche ökologische Nische wie die Riesenschildkröten der Maskarenen, der Seychellen, Aldabras und der Galápagosinseln einnahmen. Sie waren darauf spezialisiert Pflanzenfasern im hinteren Dickdarm zu verdauen.[2]

Der Kauai-Moa-Nalo (Chelychelynechen quassus) hatte einen breiten und hohen Schnabel, wie das Maul einer Schildkröte zum Abweiden von Kräutern. Die längeren, nach unten gebogenen und spitzen Schnäbel der anderen Arten hatten knöcherne Pseudozähne, um Gras und Zweige zu fressen. Als Abwehr gegen diese Vögel und die Hawaiigänse haben die zu den Lobeliengewächsen gehörenden Pflanzen der Gattung "Cyanea" Stacheln und unterschiedlich aussehende Blätter (Heterophyllie) entwickelt. [1] [3]

Beschreibung

Der Schultergürtel und die Flügel waren extrem reduziert, auch stärker als bei den Riesengänsen der Gattung Cnemiornis von Neuseeland. Auch der Brustbeinkamm fehlte völlig. Die Hinterbeine waren entsprechend stärker ausgebildet. Ihre Knochen sind durchweg sehr groß und kräftig. Schlüssel- und Rabenbein sind deutlich zurückgebildet. Bei einem Teil der Arten ist das Rabenbein entweder mit dem Schulterblatt mit dem es einen rechten Winkel bildet oder mit dem Brustbein verwachsen. Das Gabelbein ist sehr schwach ausgebildet und fehlt möglicherweise bei einer Population. Die Flügelknochen sind sehr klein im Vergleich zur Größe der Vögel und oft deutlich verformt. Elle und Speiche sind oft zu einem einzigen Knochen verwachsen, die Lücke zwischen den beiden Knochenteilen des Carpometacarpus ist oft geschlossen und dieser Knochen ist oft mit der ersten Phalanx des großen Fingers verwachsen. Die Schnäbel sind groß kräftig und ungewöhnlich geformt.[1]

Äußere Systematik

Die extreme Rückbildung der Flügel und des Schultergürtels führte dazu, daß es schwierig war, die Arten systematisch korrekt einzuordnen. Olson und James vermuteten 1991 aufgrund der Form der Syrinx zu der Annahme, daß es sich bei den Moa-Nalos eher um Enten (Anatinae) als um Gänse (Anserinae) handeln müsse. Livecey kam 1996 durch Untersuchung des Skeletts zu dem Ergebnis, daß sie eine Schwestergruppe der Gänse und Schwäne seien. Inzwischen wurde 1999 durch Genetische Untersuchungen festgestellt, daß ihre nächsten lebenden Verwandten die Schwimmenten (Anantini) sind.[2] [1] [4]

Verbreitungsgeschichte

Die Moa Nalos spalteten sich vermutlich vor über drei Millionen Jahren von den übrigen Schwimmenten (Anantini) ab. Das heißt, dass sie vermutlich damals Kauai und/oder Oahu erreichten und später eine Art, die noch nicht ganz flugunfähig war, nach Molokai auswanderte, von wo aus sie im Pleistozän auf die damals mit Molokai eine zusammenhängende Insel bildenden Inseln Lanai und Maui zu Fuß auswandern konnte. Hawaii konnte sie nie besiedeln, da sie bei der Entstehung dieser Insel längst völlig flugunfähig war.[2]

Sie wurden etwa vor 1600 Jahren als einige der ersten Vogelarten der Inselgruppe von den polynesischen Siedlern ausgerottet.[5]

Arten

  • Der Kauai-Moa-Nalo (Chelychelynechen quassus Olson & James, 1991) lebte auf Kauai .
  • Der Moa-Nalo (Thambetochen chauliodous Olson & Wetmore, 1976) lebte auf Molokai, Maui und Lanai.
  • Der Oahu-Moa-Nalo (Thambetochen xanion Olson & James, 1991) lebte auf Oahu.
  • Der Maui-Moa-Nalo (Ptaiochen pau) lebte auf Maui.

Einzelnachweise

  1. a b c d STORRS L. OLSON and HELEN F. JAMES: DESCRIPTIONS OF THIRTY-TWO NEW SPECIES OF BIRDS FROM THE HAWAIIAN ISLANDS. PART I. NON-PASSERIFORMES. ORNITHOLOGICAL MONOGRAPHS NO. 45 PUBLISHED BY THE AMERICAN ORNITHOLOGISTS' UNION WASHINGTON, D.C. 1991
  2. a b c Michael D. Sorenson, Alan Cooper, Ellen Paxinos, Thomas W. Quinn, Helen F. James, Storrs L. Olson and Robert C. Fleischer; Relationships of the extinct moa-nalos, flightless hawaiian waterfowl, based on ancient DNA. 1999; Proc. R. Soc. Lond. B. (1999), 2187-2193 doi:10.1098/rspb.1999.0907
  3. T. J. Givinish, K. J. Sytsma, J. F. Smith, and W. J. Hahn; Thorn-Like Prickles and heterophylly in Cyanea: Adaptions to extinct avian Browsers in Hawaii; PNAS 1994, 91, 2810-2814, http://www.pnas.org/
  4. Bradley C. Livezey: A Phylogenetic Analysis of Geese and Swans (Anseriformes: Anserinae), Including Selected Fossil Species. Systematic Biology, Vol. 45, No. 4 (Dec., 1996), pp. 415-450. doi:10.2307/2413524
  5. DAVID A. BURNEY, HELEN F. JAMES, LIDA PIGOTT BURNEY, STORRS L. OLSON, WILLIAM KIKUCHI, WARREN L. WAGNER, MARA BURNEY, DEIRDRE MCCLOSKEY, DELORES KIKUCHI, FREDERICK V. GRADY, REGINALD GAGE II AND ROBERT NISHEK: FOSSIL EVIDENCE FOR A DIVERSE BIOTA FROM KAUA?I AND ITS TRANSFORMATION SINCE HUMAN ARRIVAL. Ecological Monographs, 71(4), 2001, pp. 615?641

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