Murri

Murri
Romolo Murri (1860-1944)

Romolo Murri (* 27. August 1870 in Monte San Pietrangeli bei Ancona, Italien; † 12. März 1944 in Rom) war ein katholischer Theologe und wurde dem katholischen Modernismus in Italien zugeordnet, er war auch Publizist und Politiker.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Er studierte 1893 an der Päpstlichen Gregorianischen Universität in Rom Theologie, und war Schüler von Antonio Labriola, von dem er die sozialistischen Ideen übernahm. Nach seiner Exkommunikation heiratete er 1912 und lebte in den folgenden 30 Jahren als freier Journalist und Schriftsteller.

Die modernistische Bewegung

Murri gehörte einer Modernistenbewegung an, die eine Änderung der Verhältnisse von Staat und Kirche, aber auch eine Wiederbelebung christlicher Werte in der Gesellschaft forderte. Diese moderne Ausrichtung führte zum Konflikt mit dem amtlich-kirchlichen Lehramt, denn er forderte nicht nur vom Staat verbesserte Bedingungen, sondern verfolgte auch die demokratische Veränderung innerhalb der Kirche. Er forderte eine kirchliche Hierarchie, welche unabhängige Laienarbeit (vergl. Katholische Aktion) erlaube, auf dem gesellschaftlichen Sektor eigenverantwortlich zu arbeiten und welche zum Klerus unterschiedliche Aufgaben erfüllen solle. Mit Kardinal Antonio Agliardi, der als Nuntius in Österreich eingesetzt war, fand er einen Befürworter der christlichen Demokratie, der Kardinal unterstützte ebenfalls die Sozialistischen Parteien in Österreich und Deutschland.

Katholizismus und Kommunismus

Seine Forderungen liefen darauf hinaus, die Durchlässigkeit von Katholizismus und Kommunismus zu erlauben, was aber auf Gegenseitigkeit beruhen sollte. Hiermit verband Murri den Gedanken, dass sich der Sozialismus mit den Wertvorstellungen des Katholizismus in Verbindung bringen ließe, wovon er sich eine Abkehr des Sozialismus von seiner atheistischen Tendenz versprach, aber auch eine Ebnung zu sozialpolitischen Verhältnissen, die für die Katholische Aktion unterstützend sein könnten.

Der Publizist und Politiker

Murri hatte alsbald erkannt, dass er seine Idee einer christlichen Demokratie, wenn sie bekannt werden sollte, veröffentlichen musste. Er gründete die Zeitschriften Vita Nuova und Cultura Sociale und erklärte in vielen Artikel, wie man den demokratischen Durchbruch erreichen könne. Am 2. Juli 1904 verfügte Papst Pius X. die Auflösung der „Opera dei congressi“, deren Führung mittlerweile auf Romolo Murri übergegangen war. Dieses hatte nun zur Folge, dass Murri 1905 die erste konfessionelle Partei „Lega democratica nazionale“ gründete. Der Beitritt wurde allen Priestern unter Strafe der Suspendierung und den Priesteramtskandidaten unter Ausschluss von den Priesterweihen verboten.

Suspendierung und Exkommunikation

In der Enzyklika Pieni l'animo (1906) hatte Papst Pius X. die Anhänger des Modernismus verurteilt und forderte die Einstellung aller ihrer Tätigkeiten, besonders die des Klerus und in den Priesterseminaren. Am 15. April 1907 wurde Romolo Murri suspendiert – er war zwar für gewisse Zugeständnisse offen, wollte aber nicht komplett von seinen Überlegungen abrücken. Daraufhin erfolgte am 19. März 1909 seine Exkommunikation.

Politiker und Abgeordneter

1909 ließ er sich zum Abgeordneten in das Parlament wählen und schloss sich der „Linken Fraktion“ an. Er war ein vorzüglicher Publizist und verfolgte mit großem Eifer weiterhin die Aussöhnung zwischen Kirche und modernem Staat, des weiteren forderte Murri die Erweiterung eines demokratischen Stils in der Kirche.

Werke (Auswahl)

  • Kämpfe von heute (Battaglie d'oggi). Diederichs, Jena
    • 1. Das christliche Leben zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts (La vita christiana al principio del secolo XX). 1910
(das Original "Battaglie d'oggi" umfasst vier Bände, in deutscher Übersetzung aber nicht mehr erschienen)
  • Von der Religion, der Kirche und dem Staat (Della religione, della chiesa e dello stato). 1910.
  • Kirche und Demokratie oder Der politische Modernismus. In: Paul Sabatier, Romolo Murri, Alfred Lilley, Philipp Funk: Der Modernismus. Vier Vorträge auf dem 5. Weltkongreß für freies Christentum und religiösen Fortschritt, Berlin 1910. Protestantischer Schriftenvertrieb, Berlin 1911

Literatur

  • Maurilio Guasco: Romolo Murri e il modernismo. Edizione cinque lune, Rom 1968.
  • Maurilio Guasco: Romolo Murri. Tra la "Cultura sociale" e "il domani d'Italia". Edizione Studium, Rom 1988, ISBN 88-382-3576-7.

Weblinks


Wikimedia Foundation.

Игры ⚽ Нужно решить контрольную?

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • MURRI (R.) — MURRI ROMOLO (1870 1944) L’un des fondateurs de la Démocratie chrétienne italienne. Originaire des Marches, prêtre en 1892, licencié ès lettres de l’université de Rome, où il subit l’influence de Labriola, Murri refusa un poste à la curie romaine …   Encyclopédie Universelle

  • Murri — can refer to any of following: Murri people, the indigenous Australians of Queensland Murree, a city and resort in Pakistan Marri, a Baloch tribe in Pakistan Murri (condiment), a condiment used in Arab cuisine This disambiguation page lists… …   Wikipedia

  • Murri — Nom italien qui semble provenir du sarde Murru : en Sardaigne, l adjectif murru signifie gris, il s agit donc d un surnom donné à celui qui a les cheveux gris (également sobriquet pour une personne au visage renfrogné, qui fait grise mine) …   Noms de famille

  • Murrí — Sp Muri nkt. Ap Murrí L u., g tė V Kolumbijoje …   Pasaulio vietovardžiai. Internetinė duomenų bazė

  • Murri — /ˈmʌri/ (say muree) noun an Aboriginal person from parts of Qld or NSW: *For some time I have wanted to put my thoughts down on what it is that spurs me on as a Murri, woman, activist, historian, mother and, of course, Sister Girl . –jackie… …  

  • Murri (condiment) — Murrī or Almorí (in Andalusia) was a condiment made of fermented barley or fish used in medieval Arab cuisine. There are two kinds of murrī, the more usual kind made using fermented barley, with a less common version made from fish.[1] Almost… …   Wikipedia

  • Murrí River — Basin countries Colombia The Murrí River is a river of Colombia. It drains into the Caribbean Sea via the Atrato River. See also List of rivers of Colombia References Rand McNally, The New International Atlas, 1993 …   Wikipedia

  • Murri people — The Murri are the indigenous Australians that traditionally occupied most of modern day Queensland. The term is sometimes erroneously used for populations from other parts of Australia. They are a collection of tribes and extended family groups… …   Wikipedia

  • Murri (people) — The Murri are the indigenous Australians that traditionally occupied most of modern day Queensland. The term is sometimes erroneously used for populations from other parts of Australia. They are a collection of tribes and extended family groups… …   Wikipedia

  • Murri, Romolo — (1870–1944)    Born in the Marches, this leader of radical Catholicism in pre 1914 Italy had become a priest in 1893. Like many young priests born after the Risorgimento, he chafed under the Church’s ban on political activity and found the… …   Historical Dictionary of modern Italy

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”